Kind durch die Schule tragen

Rita

Rita

Gehört zum Inventar
29. März 2003
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Hallo ihr Lieben,

zur Abwechslung drehen sich meine Sorgen heute mal um meinen Sohn. Es gab einen Eklat bei den Matheaufgaben.

Er ist in der 8. Klasse Realschule und hatte noch nie in seinem Schülerleben Lust, irgendwas für die Schule zu tun. Grundsätzlich ist er sehr wenig anstrengungsbereit, außer bei sportlichen Betätigungen mit Bällen (Fußball, Tennis, Tischtennis). Am liebsten sitzt er stundenlang vor der PS4 und geht zur Abwechslung mit seinen Kumpels raus auf den Bolzer oder in den Wald (was ja schon mal gut ist). Er hat da eigentlich keine schlechte eine Mischung aus Couch Potato (für meinen Geschmack trotzdem zu viel PS4) und Aktivität mit Freunden.

Schule ist eine Katastrophe seit der 1. Klasse. Er macht nichts selbständig, denkt an nichts, kurzum er sieht die Schule in keiner Weise als etwas an, was man tun muss, sondern als etwas, unter dem man sich am besten durchduckt und hofft, dass es niemand merkt.

Ich habe ihn immer unterstützt, mit ihm gelernt, ihn abgefragt. Ich bin Nachhilfelehrerin Nr. 1. Ohne mich hätte er 5er und 6er und das ist wirklich nicht übertrieben, denn leider sieht er nicht nur die Notwendigkeit etwas zu tun nicht, er nimmt auch viel zu wenig aus dem Unterricht mit. Ohne mich wäre er also "lost", wie er so schön sagt.

Aber ich mag nicht mehr. Ich will keine Diskussionen mehr, warum und wieso und warum nicht und dass das doch sowieso alles Quatsch ist. Ich will nicht mehr alles kontrollieren müssen. Wenn er wenigstens dankbar dafür wäre, dass man ihm hilft... aber es ist ein täglicher Kampf.

Es muss also was passieren. Aber was.

Heute also der Eklat. Ich hatte gestern schon angekündigt, dass er nicht heute wie geplant früher als sonst zum Papa kann, wenn er seine Sachen nicht gemacht hat. Er hat sie nicht gemacht und hat sich auch geweigert. Es ist eskaliert, er hat sich vom Papa (der ja sowieso "viel besser erklären kann" als ich) noch früher abholen lassen als vereinbart (was der natürlich auch ohne Nachfrage gemacht hat - "Was hat er denn, der arme Bub!") und nicht mal tschüss zu mir gesagt. Ich brauche nicht zu erwähnen wie verletzend das ist.

Das Gespräch zum Papa (Lehrer, ihr wisst ja) habe ich gesucht und mich darüber geärgert, das war überflüssig wie nur was. "Er ist halt 13, der Bu, und in der Pubertät, da muss man sich als Mutter eben kümmern. Das ist normal, die sind in dem Alter alle so unselbständig. Er braucht halt Unterstützung". Ich soll ihm dauerhaft PS4 und Handy wegnehmen. Er hätte sowieso viel zu viel, Markenklamotten und so.
Ja, da ist ja was dran, aber ob es hilft, wenn ich seine Klamotten jetzt nur noch bei kik kaufe? Kann man einem fast 14-jährigen dauerhaft Handy und PS4 wegnehmen?

Okay. Ich glaube tatsächlich, dass alles nichts hilft außer den "armen Buben" im nächsten Schuljahr komplett reinrasseln zu lassen. Und er wird - wenn ich das mache - mit Sicherheit wiederholen müssen. Will man das für sein Kind? Schaffe ich es wirklich, das durchzuziehen? Ist die 9. Klasse nicht schon viel zu wichtig für den Abschluss oder nehme ich einfach wirklich schon von vornherein in Kauf, dass er sie wiederholt?

Ich brauche Anregungen...

Liebe Grüße
Rita
 
Fabienes Mama

Fabienes Mama

Gehört zum Inventar
18. Oktober 2013
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Welpe
carolin.hat-gar-keine-homepage.de
Ich habe da noch nicht do die Erfahrungen aber ich würde es an deiner Stelle darauf ankommen lassen. Du bist doch eh nicht gut. Wie er sagt. Warum sollst du es denn machen,? Lasd den Papa machen. Vielleicht merkt der "arme Bub " nach den ersten beiden Arbeiten was er an dir hat.
 
lulu

lulu

Königin der Nacht
21. Juni 2002
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Rita, Du bist seine Mutter, nicht seine Nachhilfelehrerin. Ich finde es nicht dramatisch die 9. Klasse zu wiederholen *mitderSchulterzuck*.

Bei Teenagern sollte man nur noch punktuell helfen, in dem einen Problemfach, beim Abfragen vor Arbeiten oder so. Ich würde vielleicht offiziell den Nachhilfelehrerin-Vertrag kündigen und das Geld für die Markenklamotten in aushäusige Nachhilfe investieren :zahnlücke: .

LG,
Lulu
 
Kokosflocke

Kokosflocke

Frau Elchfrau
23. März 2004
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Ich bin an einem ähnlich Punkt auch Klasse 8 Gesamtschule mit dem Mittelkind, wir haben alles versucht.....
wir hören immer nur: sie könnte wenn sie wollte.
Ich kann einfach nicht mehr...es wird ihr Schulabschluss...
wir habe ihr gesagt das ihr Traumberuf nur mit Realschulabschluss funktioniert....
hören immer nur : ja ja, das wird schon.
Ich versuche loszulassen.
 
Mamaaaa

Mamaaaa

Familienmitglied
8. Januar 2005
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Hier das Gleiche, allerdings nach den Sommerferien 10. Klasse, also "kurz" vor dem Abschluss (den ich leider nicht sehe). Die Situation belastet mich, belastet unser Familienleben, nimmt viel mehr Raum ein als sie sollte.

Tja, die Frage, wann lässt man ihn "fallen" ... Wenn es nur um eine Wiederholung einer Klasse gehen würde, hätten wir das wahrscheinlich schon hinter uns. Wie ich meinen Sohn allerdings kenne (und bis jetzt lag ich leider nie falsch bei ihm), würde er nicht aufwachen und zumindest das Nötigste tun, sondern vollkommen frustriert die Schule schmeißen und vor der Spielkonsole versacken bzw. auf dem Bett liegen bleiben. Wir hatten das schon mal paar Tage, als er sich verweigerte ... da machste nix. Und nein, das möchte ich natürlich nicht.

Ich denke, ohne Handy, WLAN, Spielkonsole etc. wäre das alles leichter, aber vernünftiger Umgang geht nicht, wegnehmen geht nicht. Schwierig.

Seine Zwillingsschwester läuft auf dem Gymnasium übrigens erfolgreich alleine seit der 6. Klasse.

Keine Hilfe, aber ich weiß auch nicht, warum die Schule bei vielen Kindern läuft, und bei einigen nicht. Bei gleicher Erziehung, Hintergrund etc.. In unserem Fall spielen neben der "Spielsucht" Versagensängste etc. eine Rolle, sage ich als Hobbypsychologe. Wie ändern, keine Ahnung.
 
Conny

Conny

Mrs. Snape
27. April 2003
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Oberpfalz / Bayern
Ich hab meiner Tochter in der 9. Klasse Mittelschule auch das Handy abgenommen. Sie hätte den Quali sonst nicht geschafft. Gezockt zt sie noch nie. Sie hat ihr Handy abends von 18.30 bis 19 Uhr bekommen aber auch nur wenn ich gesehen habe dass sie vorher gelernt hat. Es war keine einfache Zeit. Sie ist nach dem Bestehen sofort zu ihrem Vater gezogen. Weil zuhause ist eh alles scheisse und ich bin gemein und ungerecht. Nach einem Jahr beim Vater kam sie reumütig zurück. Jetz is sie 20, nächsten Mittwoch hat sie Abschlussprüfung MFA. Meiner Meinung nach hätte sie viel mehr tun können aber in ihrem jetzigen Alter ist sie für sich selbst verantwortlich. Wenn sie diesmal durch fällt, selber Schuld.

Also ich hätte im Alter deines Sohnes nicht zuschauen können und habe meine Tochter auch „erpresst“ damit sie lernt. Aber lernen musste sie trotzdem selber.

LG Conny
 
Steffi14

Steffi14

Emotionsknödel
11. März 2005
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Rheinland
Ganz schwierig.

Ich versuche ja alles, um meinen Kindern die Zeit der Schule so angenehm wie möglich zu machen, sprich: Ich habe viel Kraft und Energie reingesteckt, dass sie möglichst zügig selbstständig werden. Das hat bei meiner Tochter recht spät erst geklappt, bei meinem Sohn sehr früh.

Dennoch gibt es hier immer wieder Diskussionen: Wieviel unterstütze ich? Wenn ich den Freundes- und Bekanntenkreis sehe: Teilweise sehr, sehr viel, gerade in diesen Corona-Krisenzeiten. Da gibt es Mütter (nicht berufstätig), die mit den Kindern den kompletten Vormittag lernen. Jeden Tag. Da gibt es Mütter, die selbst als Lehrerinnen arbeiten, die heute noch mit ihren drei Kindern jedes Wochenende den Stoff wiederholen. Darunter auch Oberstufenschüler.

Meine Tochter macht nächstes Jahr Abitur. Da bin ich vom Stoff her in den meisten Fächern so was von raus. Sie ist ehrgeizig und fleißig. In manchen Fächern klappt das durchschnittlich, gut bis super, in einem nicht. Aber das ist eh das Streichergebnis seit der 1. Klasse.

Mein Sohn ist - genau wie Deiner - 13 Jahre alt. Mitten in der Pubertät. Er zockt gerne und ich lasse ihm eine sehr lange Leine. Aber er weiß, dass er seinen Kram erledigen muss. Ansonsten zockt er nicht mehr. Diese Vereinbarung gibt es.

In Problemfächern gibt es Unterstützung, wenn nötig. In vielen Fächern kann ich ihm helfen. Aber er versucht es meistens alleine.

Die Kinder wissen, dass wir hier für die Rahmenbedingungen sorgen. Den Rest müssen sie erledigen. Ansonsten gibt es ein eingeschränktes Freizeitangebot.

Ich finde es nach wie vor gefährlich, wenn die Eltern "Wettbewerbsverzerrung" betreiben, sprich: die Arbeit machen, die die Lehrer tun sollten. Das findet hier auch bei Oberstufenschülern noch statt, wenn die Eltern mal locker die Facharbeit fürs Töchterlein schreiben.

Sehr lange Rede, ziemlich kurzer Sinn:

Liebe Rita, ich würde mit Deinem Sohn noch genau ein Gespräch führen und ihm klar machen, dass er ab sofort selbst für seine Leistungen verantwortlich ist bzw. mit Nachhilfe gerne unterstützt werden kann. Wenn er sich nicht dran hält, reduziere die Freizeitsachen.

Sorry. Aber ich finde, unsere Kinder haben es eh schon super gut. Ein bisschen was muss schon von ihnen selbst kommen.

Wir werden sie nicht ewig durch ihr Leben tragen können.
 
Irrlicht

Irrlicht

Lichtlein
4. Juni 2002
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Liebe Rita,
ich habe dir meine Geschichte nun als direkte Nachricht geschrieben, hier kann alle Welt mitlesen, das behagt mir nicht. :zwinker:
LG :bussi:
 
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