Hilfe, mein Kind ist anders

Dieses Thema im Forum "Erfahrungsaustausch" wurde erstellt von just me, 4. Januar 2006.

  1. Kein Kind gleicht dem anderen, weder äußerlich noch innerlich. Ich vergleiche mein Kind nicht, kann es nicht (keine Kinder im gleichen Alter vorhanden) und will es auch nicht.

    Was ich will, ist etwas ganz anderes. Ich will die Bedürfnisse meines Kindes erfüllen, ihm mehr Zufriedenheit geben. Was mich aber sehr verzweifeln lässt. ist, dass ich nicht weiß wie. Ich selbst wurde nie gefördert, ich kenne auch im Umfeld niemanden, der sein Kind vielleicht speziell fördert.

    Bitte versteht mich nicht falsch. Es geht hier nicht um außergewöhnliche Begabungen, ich möchte mein Kind nicht drillen. Bisher war es eher so, dass man mir sagte, ich überfordere das Kind. Ich selbst empfinde aber das Gegenteil: ich habe das Gefühl, mein Kind sei unterfordert, mit dem was ich ihm anbiete.

    Ich möchte mein Kind kurz beschreiben, vielleicht kann mir dann jemand ein wenig weiterhelfen. Bewusst halte ich es sehr neutral: ihr kennt mich hier als Familienmitglied, ich möchte aber nicht unter meinem Namen schreiben, da ich einfach nicht möchte, dass einige von Euch denken: sie spielt sich hier doch nur auf.

    Zu meinem Kind: wir stehen kurz vor dem 2. Geburtstag – motorisch finde ich es eigentlich eher zurückhaltend. Es geht, läuft, schaukelt oder rutscht manchmal, würde aber nie allein auf etwas draufklettern. Beulen gabs eigentlich noch nie, da es, wie gesagt, eher nur das tut, was es auch zu können meint.
    Sprachlich finde ich es relativ weit, es merkt sich sehr viele Wörte, spricht viele korrekt, andere werden mit anderen Anfangsbuchstaben versehen, da noch nicht alle Buchstaben klappen. (z.B. Bogel statt Vogel – Papapei statt Papagei – Backelpudding – statt Wackelpudding) Es kann seinen Namen sagen, wo es wohnt, wie alt es ist. Ebenfalls Namen seiner Eltern, Wohnorte der Grosseltern, anderer Familienmitglieder. Damit sind wir eigentlich auch schon da, wo ich denke, mein Kind ist anders. Es merkt sich Dinge, die ich eher untypisch für ein Kind empfinde: Ampel grün (wenn wir im Auto sitzen), Name des Flusses unserer Stadt (wenn wir diesen überqueren), Mama Radio an (sobald wir im Auto sitzen), „Butter, Eier, Sahne etc pp „ (bevor wir einkaufen gehen) – im Zoo tobt es nicht wie andere Kinder dort über den Spielplatz oder die Gänge sondern lässt sich zu jedem Tier genau erzählen, was mir einfällt (wo es wohnt, was es isst... wir stehen manchmal 5 Minuten an einem Gehege und es beobachtet und hört zu)
    Es schaut gerne Bücher, es erzählt, was es sieht oder fragt, wenn es etwas nicht weiss. Es puzzelt gerne, wir haben Holzpuzzle und Papppuzzle (Ravensburger). Manchmal bekommt es das Puzzle nicht gleich ins richtige Loch, weil es schnell gehen soll, dann sagt es: Mama helfen und zeigt wo ich es hinpuzzeln soll. Die Dinge, die es puzzelt, kann es alle benennen auch z.B. verschiedene Fahrzeugarten oder Tiere.
    Zwischenmenschlich (ich weiss nicht, wie ich es anders nennen soll) ist es unglaublich offen. Jeder wird als Freund gesehen, angesprochen. Kommt man ihm freundlich entgegen, beschäftigt man sich mit ihm, würde es sofort dableiben. Größere Kinder (ab ca. vier oder fünf) sind ihm die liebsten, kleinere findet es zwar toll aber nicht lange spannend. Genauso verhält es sich mit Spielsachen: alles ist (mal von Büchern oder Puzzels abgesehen) im Höchstfall 5 Minuten interessant. Es spielt weder länger mit Autos, Legos, Puppen, Bauernhof – spielen sowieso nur, wenn ich daneben sitze und mitspiele. Ohne Gesellschaft geht gar nichts. Es möchte sich ständig mitteilen.
    Von der Natur her ist es ein ausgesprochen fröhliches, redseliges, quirliges und offenes Kind – topfit vom ersten Augenaufschlag am Morgen bis zum Abend, wo es ins Bett geht. Ruhephasen also nur in der Nacht und beim Mittagsschlaf sonst immer Vollgas. (immer in Bewegung, immer am erzählen) Wütend wird es, wenn etwas nicht nach seiner Nase geht. Das ist aber eigentlich selten und wenn dann nur kurz.


    Ich weiß, es ist nun sehr, sehr lang geworden, aber ich weiß einfach nicht, wem ich sonst mein Kind beschreiben kann und wen ich um Hilfe bitten kann.

    Mein Kind ist zauberhaft aber unglaublich anstrengend. Ich glaube einfach, das es uns beiden besser gehen würde, wenn ich dem nachkomme und ihm die Welt „anders“ zeige. Nur wie.. gibt es Bücher, die mir helfen, besondere Kurse, besondere Aktivitäten?

    Ich höre jetzt erstmal auf und hoffe inständig, dass hier jemand versteht, was ich sagen bzw. fragen möchte.

    Hoffende Grüsse...
     
  2. Susa

    Susa einfach nur langweilig...

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    AW: Hilfe, mein Kind ist anders

    Ganz ehrlich? Ich sehe in deinem Kind ein ganz normales, fast zweijähriges Kind! In dem Alter wollen viele Kinder (nicht alle, klar) alles wissen und merken sich Sachen, wo ich denke, uff, ist das noch normal? Wart mal ab, bis er/sie/es 4 ist, da kommt dann noch das logische Denken dazu, da haut's mich regelmäßig aus den Socken, was da so kommt...
    Ich habe den Eindruck, dass dein Kind weniger mit gleichaltrigen spielt als mit dir (Erwachsenen) oder älteren Kindern. Klar lernt es dann furchtbar schlaue Sachen. Aber da ist nichts ungewöhnliches dran. Kinder in dem Alter sind wie ein Schwamm! Einmal was erzählt und sie "wissen" es. Oft ist es nur auswendig gelernt (Annika hat in dem Alter "Freude schöner Götterfunken" gesungen, mittlerweile kann sie es nicht mehr).
    Mach dir nicht so viele Gedanken! Du hast ein ganz normales, intelligentes Kind! Genieße die Zeit und gib ihm so viel mit, wie es geht!
     
  3. Frau Anschela

    Frau Anschela OmmaNuckHasiAnschela

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    AW: Hilfe, mein Kind ist anders

    Hallöchen,

    ich seh es genauso, wie Susa.

    Das was du beschreibst, hätte auf Laura in dem Alter 1:1 übertragen werden können. Die einzigen Ausnahmen: Laura hat früh und viel für sich alleine gespielt und konnte mehr mit Gleichaltrigen anfangen. Das ist meiner Meinung nach aber reine Typsache.
    Ich will keinesfalls irgendwas schmälern. Ob dein Kind außergewöhnlich begabt ist, kannst du besser beurteilen. Aber rein von dem, was du jetzt schreibst, finde ich es nicht außergewöhnlich.

    Einfach eine pfiffige kleine Maus. :)

    Lieben Gruß
    Angela
     
  4. AW: Hilfe, mein Kind ist anders

    Hallo Ihr beiden...

    erst einmal danke ich für Eure Antworten. Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben. Scheinbar halten mich alle für ein bisschen überdreht. :)


    Erst einmal möchte ich gar nicht behaupten, dass mein Kind begabter ist als andere in diesem Alter. Es ist eben nur so anders - so empfinde ich es jedenfalls.

    Wenn ihr zwei es aber als "normal" empfindet, dann bitte gebt mir doch ein paar Tipps. Warum ist mein Kind immer so unzufrieden, mit dem Input dem ich ihm gebe? Was können wir unternehmen, was kann ich ihm bieten?

    Ich selbst bin einfach nicht so gross geworden, dass man sich mit Kindern beschäftigt. Ich habe einfach keine Ahnung, was ich wann machen soll. Wann beginnt man zu basteln, zu malen, regelmässig Sport zu machen, zu musizieren etc pp. Versteht ihr was ich meine?

    Mein Kind hat nur mich. Ich bin die einzige, die ihm Wissen/Freude zukommen lassen kann. Ich möchte ihm gerecht werden, werde es oft aber nicht. Dieser Wissensdurst, diese Energie zerrt oft an meinen Nerven. Auf der Strasse, beim Einkaufen oder wo auch immer, werde ich auf mein Kind angesprochen. Weil es auffällt, Input sucht.

    Manchmal glaube ich, ich schaffe es nicht. Vermutlich ist es wie ich früher, nur ein bisschen aufgeweckter. Und wenn nicht bald etwas geschieht, werde ich wie meine Mutter früher: ich schreie es an, weil es immer so viel verlangt und ich nicht weiss, wie ich es ihm geben soll.

    Traurige Grüsse,
     
  5. AW: Hilfe, mein Kind ist anders

    Huhu

    Ich möchte nur kurz etwas sagen: Ich finde Dein Kind NORMAL:)
     
  6. Frau Anschela

    Frau Anschela OmmaNuckHasiAnschela

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    AW: Hilfe, mein Kind ist anders

    Och, nicht traurig sein :tröst:

    Beobachte dein Kind, es sendet Signale. Du musst nich unbedingt in einer Bilderbuchkindheit aufgewachsen sein, um deinem Kind gerecht zu werden. Wenn du es mit offenen Augen betrachtest, dann brauchst du keine Erfahrungswerte sondern nur dein Bauchgefühl, um zu wissen, was dein Kind braucht.

    Ich kenn euch nicht, deshalb kann ich natürlich auch schwer wirklich was zum Thema sagen. Aber nur eine Vermutung: Vielleicht ist der Input, den du gibst falsch? Versuchst du u.U. DEINE Defizite aus der Kindheit auf dein Kind zu übertragen? Was du dir gewünscht hast, muss nicht unbedingt auf dein Kind passen.

    Um deine Fragen zu beantworten:

    Zum Kinderturnen gehen wir seit Laura 1 Jahr alt ist.
    Malen etwa mit 18 Monaten mit den dicken Malbirnen, dann etwa mit 2 mit Wachsmalstiften und mit 2,5 ca. mit Buntstiften, jetzt Filzstifte.
    Schneiden lassen hab ich sie so etwa mit 2,5 Jahren
    Basteln etwa mit 2,5 - Interessiert sich Laura aber überhaupt nicht für.
    Musikinstrumente hatte Laura auch früh - erst so ein Holzxylophon, dann ein Chicco-Kinderkeyboard und jetzt diverse Holzmusikinstrumente (so ein Set von Tchibo)


    Malen, Kneten, Wasserfarben, Fingerfarben, Matschen lassen, bei kleinen Hausarbeiten helfen, gemeinsam singen, Fenstermalfarben, Spielgruppen besuchen, Viel Kontakt mit gleichaltrigen, draußen toben, spielen auf Spielplätzen, im Sandkasten buddeln, Blätter/Steine/Dinge sammeln, schwimmen gehen, Puzzle machen, Bilderbücher gucken, erste Kurzgeschichten vorlesen, erste Gesellschaftsspiele (Memory gibt es ab 2 z.B. ) und vor allem viele, viele Fragen beantworten - das sind so die Sachen, die wir in dem Alter gemacht haben. Und ich bin sicher keine Übermutter, die sich pausenlos mit ihrer Tochter beschäftigt hat. Man darf auch nicht die Erwartung haben, dass Kinder sich in dem Alter ausdauernd mit etwas beschäftigen. Manchmal ist das Interesse halt nach 2-3 Minuten weg.

    Liebe Grüße und Kopf hoch
    Angela
     
  7. Solveig

    Solveig Dauerschnullerer

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    AW: Hilfe, mein Kind ist anders

    Keiner kann wohl beurteilen, ob dein Kind "anders" ist als andere Gleichaltrige. Das, was du beschreibst, klingt nach einem völlig gesunden, aufgeweckten kleinen Menschen, der dabei ist die Welt zu entdecken. Ja, es würde auch meine Tochter, die sich etwa im selben Alter befindet, ganz gut beschreiben.

    Lebst du alleine mit deinem Kind? Ich bin alleinerziehend. Ich fühle mich auch unheimlich gefordert von meiner Maus. Aber das ist wohl auch normal, sie hat ja nur mich. In größeren Familien verteilt sich die Aufmerksamkeit natürlich einfacher, ist mehr Puffer.
    Alleine spielen mag sie auch nur sehr begrenzt. Wenn wir zu Besuch bei Freunden mit anderen Kindern sind, ist sie oft ausgeglichener, beschäftigt sich viel länger allein (bzw. ohne Mami, dafür mit ihren kleinen Freunden)

    Was du tun kannst? ... Was mag sie/er denn besonders?
    Wir malen mit fingermalfarben (absolutes Hightlight!!!), mit Stiften, kneten, puzzeln, tanzen, singen, ...
    Es gibt hier in der Stadt z.B. auch altersspezifische Musik-Gruppen. Sportgruppen sind oft erst ab 2,5 od. 3 Jahre.

    Wenn ich keine Zeit zum spielen habe (Kochen, Putzerei etc.), versuche ich so gut es geht mit einzubeziehen. Sie reicht mir die Klammern, räumt den Spüler mit ein und aus usw.. Das funktioniert mal mehr, mal weniger.

    Ich weiß nicht, ob das deine Fragen beantwortet, aber ich glaube, es gibt immer aufgewecktere/ruhigere, sensiblere/robustere, schnelle/langsamere ... Kinder.

    LG, Solveig
     
  8. AW: Hilfe, mein Kind ist anders

    Hallo!
    Ich dachte gleich:die schreibt von Celine.
    Auch ich habe mir eine Zeitlang solche Gedanken gemacht, jetzt ein Jahr später schmunzle ich über mich und meine Gedanken. Jetzt weiss ich, dass einzige was meiner Tochter damals noch fehlte war den Austausch und das Vergleichen können mit Gleichaltrigen. Auch wenn sie mit den älteren spielt (meistens spielen die grösseren mit den kleineren, das sieht für uns nur anders aus) und die zweijährigen kaum Interressant findet, braucht sie vielleicht gerade die zweijährigen. Man sagt ja mit zwei Jahren spielen sie Nebeneinander und nicht Miteinander, sie schauen sich Dinge von den Gleichgrossen ab und messen sich.

    Kurz um, seit Celine in der Spielgruppe ist(1mal die woche) und wir einmal die Woche zusammen ins Turnen gehen, ist sie Selbstbewusster und zufriedener geworden. Einfach eine glückliche dreijährige, die trotzdem noch immer alles wie ein Schwamm aufsaugt, nur nicht mehr alles Erwachsene sonder auch den
    Blödsinn den Kinder sich so ausdenken und voneinander sehen.

    Ich hoffe dass Du meiner wirren Schilderung folgen kannst!

    Liebe Grüsse Sandy
     

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