Hilflos bei Strafe

Dieses Thema im Forum "Rund um die Erziehung" wurde erstellt von AndreaLL, 12. November 2004.

  1. AndreaLL

    AndreaLL Fernsehbeauftragte

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    reagiert nicht auf Konsequenzen

    Hallo,

    Max probiert mit wachsender Freude seine Grenzen aus (sollte lieber "meine Grenzen" schreiben).

    So wirft er z.B. freudestrahlend Spielzeug die Holztreppe hinunter. Und ich schaffe es nicht, ihm klar zu machen, dass dieses Verhalten bei uns nicht akzeptiert wird. Ich habe das Gefühl, ich könnte ihm mit "Sonstwas" drohen, es beeindruckt ihn nicht im Geringsten. Versteht ihr, was ich meine?

    Nachdem er einige Duplosteine und -schienen in einem Schwung vom 1.Stock in den Keller geworfen hat, habe ich die gesamte Duplokiste in den Keller gebracht (da er sie ja hinunter wirft, braucht er sie wohl auch nicht, wird also eine Zeit lang nicht mehr damit spielen können). Anschließend habe ich ihn noch in sein Zimmer gebracht, und dort allein gelassen. Es hat ihn überhaupt nicht beeindruckt. Und ich wiederum fühle mich dadurch so provoziert, frei nach dem Motto: mit irgendwas muss ich ihn doch "klein" bekommen. Ätzend, ich will das garnicht. Ich bin schon mittenddrin in dieser "Wenn nicht, dann-Geschichte". Ich suche in den Situationen nach Mitteln und Wegen, ihn zu "beeindrucken" (schon dieses "Alleinelassen" will ich eigentlich garnicht). Er hat einen derart starken Willen. Gut für ihn, aber garnicht so leicht für mich.

    Und wenn er seine Duplosteine morgen beim "Häuserbauen" mit Papa vermißt, kann er dann überhaupt noch einen Zusammenhang herstellen?

    Und noch etwas: ich bin mit Liebesentzug groß geworden. Niemals würde ich wollen, dass meine Kinder das erleben müssen. Aber, glaubt mir, es ist immer das Erste, was mir einfällt.

    Habt ihr vielleicht einen Tipp für mich, wie wir aus dieser Spirale wieder herauskommen,

    danke,
     
    #1 AndreaLL, 12. November 2004
    Zuletzt bearbeitet: 13. November 2004
  2. AW: Hilflos bei Strafe

    Hallo liebe Andrea,

    ich kann Dich sehr gut nachfühlen, was sich da in Dir tut.

    Wenn Max die Steine die Treppe runterwirft - wie oft sagst Du ihm denn vorher, dass das nicht akzeptiert wird?
    Bei uns ist es nämlich so, dass Manuel erst merkt, dass es ernst ist, wenn wir Taten setzen und nicht hundert Mal reden.

    Ich glaube, dass Kinder total spüren, wenn die Mama ein schlechtes GEwissen hat oder innerlich unsicher ist über ihre Aktionen.

    Erhoffst Du Dir sofort eine "einsichtige Reaktion" von Max? (Weil Du geschrieben hast, dass es ihn überhaupt nicht beeindruckt hat).
    Ich habe auch schon mal was raufgeräumt - und Manuel konnte sich am nächsten Tag daran erinnern, warum es weit oben steht.
    Für wie lange hast du vor, die Duplosteine im Keller zu lassen?
    Wenn ich Manuel etwas wieder gebe, dann machen wir vorher aus, was gilt. Und natürlich wird ausprobiert, ob Mama das wirklich einhält, was sie "vorausgesagt" hat, dass geschieht.

    Das mit Liebesentzug in der Kindheit kenne ich auch und bin da wirklich total selbstkritisch zu mir - und merke auch, wie schnell man in bestimmte Dinge "einfach so feinfällt" - und wenn es ist, dass man "sich beleidigt zurückzieht".
    Es ist ja schon super, dass es Dir bewußt ist, dass in Dir als erstes so was in Richtung Liebesentzug abläuft und so kannst Du es auch erkennen.
    Ist ja ein Unterschied, ob man sozusagen in sich diese Art von "Reaktion" hat oder sie dann wirklich auslebt.
    Habe mir schön langsam angewöhnt, weniger streng zu mir zu sein in Bezug auf das, was in meinem Kopf an "Lösungsvorschlägen" kommt - denn die Entscheidung, WAS man dann anwendet, DIE ist wichtig.

    Manchmal habe ich das Gefühl, dass Kinder einfach merken, wo man seine Schwächen hat und wir dürfen daran arbeiten.
    Ich hatte zum BEispiel immer Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen bei anderen Menschen oder zu sagen: Ich will das nicht.

    Schwierig ist zum Beispiel für mich momentan manchmal, die Grenzen ohne laute Worte und mit einer inneren Überzeugtheit zu setzen.

    Ach ja: Du schreibst in der Überschrift von "Strafe". Vielleicht kannst Du Dir für das Grenzen setzen einen positiveren Ausdruck finden? Denn ich finde, dass zwischen "Konsequenz" und "Strafe" ein großer Unterschied ist und Du Dich innerlich dadurch auch etwas erleichterst. Ist nur so ein Gedanke zum Schluß.

    Lieben Gruß
    Christine
     
    #2 Grisu, 12. November 2004
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 12. November 2004
  3. Su

    Su Das Luder

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    AW: Hilflos bei Strafe

    Huhu,

    da sind wir ja wieder bei der logischen Konsequenz, klingt schon mal besser wie Strafe.

    Ich nehme die Spielsachen auch weg, wenn Yannick sie bewußt wegschmeist. Normalerweise warne ich einmal und dann kommt es weg. Das weiß er jetzt aber schon. Am Dienstag hatte ich Yannick auf den Arm und er wollte in Puzzle ich hab ihm das Puzzle gegeben und er donnert es mit voller Absicht runter auf den Boden, ich habe es dann aufgehoben und wieder weggeräumt mit Erklärung. Meine Schwiegereltern waren da und nölten immer rum, jetzt gib ihm doch das Puzzle das kannst Du doch nicht machen, Yannick hat kurz gemeckert und ist dann wieder zum normalen Tagesprogramm übergegangen. Blöd nur wieder wenn die Eltern einen in den Rücken fallen. Also um es kurz zu machen, mit direkter Reaktion auf Yannicks Taten haben wir schon Erfolg.
     
  4. AndreaLL

    AndreaLL Fernsehbeauftragte

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    AW:reagiert nicht auf Konsequenzen

    Hallo Christine,

    Das war gestern ein ganz spontaner Entschluß von mir. Als er heute morgen ein Haus bauen wollte, konnte er sich auch noch daran erinnern, warum die Steine jetzt im Keller sind. Ich hatte nur gestern den Eindruck, dass ich so nach und nach sein ganzes Spielzeug runterschaffen könnte, ohne das er sein Verhalten ändern würde. Deshalb wohl auch mein Gefühl der Hilflosigkeit.

    Meine Erwartung war, dass er in irgendeiner Weise "betroffen" gewesen wäre.
    Er war so locker drauf, hätte nicht viel gefehlt, und er hätte mir beim Wegräumen der Duplos noch geholfen. Ich habe schon überlegt, ob es daran liegen kann, dass er "Schimpfen" an sich gar nicht so kennt.

    Laute Worte sind auch mein Problem, ich bin dann so fassungslos.

    Max ist ein sehr ruhiges Kind, und fängt jetzt an einiges auszuprobieren. Essen ist auch neuerdings ein Thema. So jammert er unmittelbar vor dem Essen derart herum, dass man meinen könnte, er verhungere gleich: "Maammaaa! - Essennn!!!" Steht das Essen dann auf dem Tisch, sagt er: "Nein! Doch nicht essen!". Im gleichen Jammerton! Nachdem das nicht angerührte Essen abgeräumt war, erklärte er mir letztens, er wolle "etwas Anderes" essen. Süßigkeiten sollten her. Ich habe ihn an unsere Vereinbarung erinnert, dass, wer kein Mittagessen isst, auch keine Süßigkeiten bekommt. Nach kurzem Gemeckere erklärt mir dann das Kind, das Anfang des Jahres noch garnicht gesproch hat: "Dann ess ich eben garnichts!". Na prima!

    Ich schreibe ganz schön konfus, sorry, aber selbst jetzt merke ich, dass ich nicht zum Kern des Ganzen vordringe.

    Danke,
    liebe Grüße,
     
    #4 AndreaLL, 13. November 2004
    Zuletzt bearbeitet: 13. November 2004
  5. AndreaLL

    AndreaLL Fernsehbeauftragte

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    AW: reagiert nicht auf Konsequenzen

    Hallo Su,

    - hab ja auch nicht an Prügelstrafe gedacht;

    Bei "voller Absicht" würde ich von Max verlangen, dass wir dieses Puzzle zumindest gemeinsam einräumen. Soweit die Theorie! Ich kenne von Max aber auch, dass er meine Aufforderung schon mal ignoriert und mit seinem Kopf ein "Nein" schüttelt. Ja, und dann steh ich da und weiß auch nicht weiter.

    Also, darauf könnte ich auch verzichten. Unsere Omas schauen auch immer qualvoll drein, wenn mal ein ernstes Wort fällt.

    Das werden wir künftig verstärkt üben, und ich muss mir überlegen, wie ich mit so einer kleinen Maus umgehe, die sich schon mal taubstumm stellt :-? .

    Danke, und liebe Grüße,
     
    #5 AndreaLL, 13. November 2004
    Zuletzt bearbeitet: 13. November 2004
  6. Sonja

    Sonja Integrationsbeauftragte

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    AW: Hilflos bei Strafe

    Liebe Andrea,

    was bei Tim auch hilft, ist auf seine Ebene zu gehen, d. h. hinhocken und ihn am Arm zu berühren (leicht festhalten) und ihm in die Augen zu sehen. Dann sage ich ihm, was ich von ihm will und frage dann: ok? Manchmal auch: Machen wir das so? oder: Hast du das verstanden?

    Ich weiß jetzt nicht, ob das pädagogisch wertvoll ist oder nicht, aber das klappt ganz gut (auch nicht immer).

    Liebe Grüße
     
  7. AW: Hilflos bei Strafe

    Liebe Andrea!

    Etwas die Treppe runterschmeißen ist bei uns auch ein beliebtes Spiel. :) Bei uns dürfen die Kinder Sachen die Treppe runterschmeißen, aber nur Dinge, die davon nicht kaputt gehen können und die die Treppe oder etwas Anderes nicht beschädigen können.

    Was ich meine: Sag ihm das Verbot, aber zeig ihm etwas, was er darf. Treppe runterschmeißen ist einfach SO schön! Dafür lohnt es sich sogar, etwas Verbotenes zu tun und drei Tage auf die Bausteone zu verzichten.

    Spiel mit ihm, Kuscheltiere die Treppe hoch und runterwerfen oder Stoffbälle oder Kissen, oder oder und er wird das Verbot leichter akzeptieren.

    Schau ein bisschen dahinter, warum er das machen möchte. Ist es wirklich, dass er Grenzen austesten möchte und das Spiel ansonsten uninteressant ist? Ode reizt ihn etwas besonders, aber er weiß nicht, was dabei erlaubt ist?

    Eigentlich ist es doch prima, wenn er eine Regel akzeptiert, ohne dass es ihn bedrückt!

    Liebe Grüße
     
    #7 Märilu, 13. November 2004
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 13. November 2004
  8. AndreaLL

    AndreaLL Fernsehbeauftragte

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    AW: Hilflos bei Strafe

    Hallo Sonja,

    das ist bei uns auch unverzichtbar. Wenn ich sicher gehen will, dass ich Max uneingeschränkte Aufmerksamkeit habe, muss ich zu ihm hinunter und auch Blickkontakt aufnehmen.

    Die Mäuse!
    Hast übrigens schöne Avatare. Bei Ralph schwingt schon so eine Ahnung mit, wie er später einmal aussehen wird. Ist er deinem Mann sehr ähnlich?

    Max hat sich heute übrigens sehr einsichtig gezeigt. Er hat mit einem Bilderbuch nach seinem Bruder geworfen. Und als ich ihm dann - mal wieder - sagte, dass er nichts werfen soll, schließlich könne er Anderen und sich selber wehtun, sagte er: "Dann nehme ich eben was Weiches." Und schon flog ein Kuscheltier hinterher.

    Ich finde ja gut, dass er mehr aus sich herausgeht. Aber ich muss mich auch ganz schön umstellen.

    Liebe Grüße,
     

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