Der Autofahrer ist ein Killer?

Dieses Thema im Forum "Kaffeeklatsch" wurde erstellt von Tigerchen, 14. September 2007.

  1. Tigerchen

    Tigerchen Gehört zum Inventar

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    hier: http://www.zeit.de/2007/38/Interv_-Knoflacher?page=3

    der Artikel ist lang aber lesenswert ;)

    Ein Auszug:

    ZEIT: Autos verkaufen sich nach wie vor sehr gut.

    Knoflacher: Ja, weil Autofahrer auch noch eine andere Art von Freiheit genießen, eine Rechtsfreiheit. Im Gegensatz zu allen anderen Menschen dürfen sie die Umwelt straffrei verlärmen, verunreinigen und die öffentliche Sicherheit gefährden. Ein randalierender Betrunkener wird wegen Lärmbelästigung verhaftet, Autofahrer, die zu allen Tages- und Nachtzeiten unsere Häuser beschallen, werden akzeptiert. Würde ich als Fußgänger mit einer Dose krebserregende Substanzen versprühen, wäre das gesetzeswidrig. Tausende Autofahrer tun das täglich ungehindert und verkürzen die Lebenszeit von uns allen um durchschnittlich zwölf Jahre.

    ZEIT: Der Autofahrer ist ein Killer?

    Knoflacher: Ja, aber nicht aus böser Absicht. Das Auto versetzt uns in ein Raum-Zeit-Gefüge der Verantwortungslosigkeit, das wir weder begreifen noch bewältigen können. Und es hat eine starke Lobby: Die Autoindustrie, die Bauindustrie, auch die Banken, die Kredite zum Autokauf vergeben, achten tunlichst darauf, dass derartige Studien wie die gerade erwähnte von der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht veröffentlicht werden.


    was sagt ihr?
     
  2. Krabbelkaefer

    Krabbelkaefer Hier riechts nach Abenteuer

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    AW: Der Autofahrer ist ein Killer?

    Sehr provokant aber mit interessanten Ansätzen - und im Grunde muss ich ihm recht geben, auch wenn ich es anders formulieren würde.
    Selbst seh ich ja die komischen Blicke wenn ich sage, dass wir kein Auto haben. Eine Familie mit drei Kindern - ohne Auto? Exotisch ... einige atmen spürbar auf, wenn ich sagen dass wir beim Car-Sharing angemeldet sind. Aber ich sehe was ich gewinne. Kein Stress um das Auto - kein Tanken, kein Warten, kein Reifenwechsel und letztlich keine 5-45 Minuten Parkplatzsuche in der Innenstadt.
    Aber, das ist nur möglich, weil wir in der Innenstadt wohnen. Auf dem Dorf sähe das schon wieder anders aus - leider ....
     
  3. Schäfchen

    Schäfchen Copilotin

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    AW: Der Autofahrer ist ein Killer?

    Schwiegerpapa hat mal ausgerechnet, dass er 2 1/2 Stunden brauchen würde, um von daheim zur Arbeit nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Mit dem Auto ist er in 30 Minuten da. Man wird mancherort einfach gezwungen, ein Auto zu besitzen, weil alles andere gar nicht machbar wäre.

    Prinzipiell ist viel wahres bei, aber das Umfeld ist halt nicht überall darauf ausgelegt, ohne Auto klar zu kommen. In oben genannten Fall: 5 Stunden Fahrweg, 8 bis 10 Stunden Arbeit. Zumal er abends vermutlich 3 Stunden heim brauchen würde, weil kein Bus mehr fährt.

    Und: Wenn ich mir ansehe, wie man als Radfahrer auf der Straße behandelt wird, ist das einfach keine Alternative. Aus Sicherheitsgründen!
     
  4. lulu

    lulu Königin der Nacht
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    AW: Der Autofahrer ist ein Killer?

    Schaefchen, Du redest ja wie das Etablissement. Wenn mehr Autofahrer auf's Fahrad umsteigen wuerden, wuerde auch ein anderes Bewusstsein fuer Fahrradfahrer auf den Strassen entstehen.

    Lulu, auch auf dem Land mit Auto, aber fuer uns waere es ein Traum so zu leben, dass ein bzw. kein Auto oder Car-Sharing moeglich waeren
     
  5. Schäfchen

    Schäfchen Copilotin

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    AW: Der Autofahrer ist ein Killer?

    Lulu, das mit dem Bewusstsein stimmt. Gäbe es mehr Umsteiger, ginge es mit dem Rad. Aber es fehlen halt auch die weiteren Möglichkeiten - Bahnfahren ist teurer als Auto für uns momentan. Von den Verspätungen und den damit anschließenden Problemen mit Arbeitgebern, Dozenten und Kindergarten ganz zu schweigen. Blöd eigentlich. :(
     
  6. Tigerchen

    Tigerchen Gehört zum Inventar

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    AW: Der Autofahrer ist ein Killer?

    Danke für eure beiträge.

    allerdings, wundert mich sehr, dass so wenige sich gemeldet haben. irgendwie scheint das forum entweder zu klange artikel nicht zu mögen oder das thema "umwelt" gar nicht ernst zu nehmen... oder diese mehrheit fährt selber süchtig auto :rolleyes:?

    was hält ihr denn vom thema "freiheit vom auto"? von der Zukunft für eure Kinder in einer bis zum gehtnichtmehr motorisierten Welt? in der welt mit all den Folgen unserer (na ja, nicht meiner, ich besitze kein auto und wohne deswegen in der innenstadt. wir fahren bahn und rad) Motorisierung? was unternimmt ihr? oder unternimmt ihr rein gar nix?
     
  7. Schäfchen

    Schäfchen Copilotin

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    AW: Der Autofahrer ist ein Killer?

    Tigerchen, ich fahre Rad wenn ich es zeitlich und wettertechnisch vereinbaren kann. Mehr kann ich nicht tun und umziehen in Innenstadt ist für mich keine Alternative, da geh ich ein wie ne Primel ohne Wasser. Ich brauch das Land und die Weite und die Ruhe. Also muss ich das eine mit dem anderen verbinden und das Beste aus dem machen, was sich mir verkehrstechnisch bietet.

    Wenn ich mich auf die Bahn verlassen könnte, würd ich öfter Bahn fahren zur Uni, aber ich kann mir Verspätungen beim Abholen der Kinder nicht wirklich erlauben. Offiziell kostet das Überziehungsgebühren zu 5 Euro pro halbe Stunde. Das kann einmal oder zweimal im Jahr ok sein und wird dann großzügig übersehen, aber nicht einmal die Woche, wie es eine Zeitlang typisch war bei der Deutschen Bahn. Also bin ich wie man so schön sagt aufs Auto angewiesen.
     
  8. McPom

    McPom Hafenarbeiter

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    AW: Der Autofahrer ist ein Killer?

    Spannendes Thema. Und auch ein Kontroverses.

    Wir haben bis vor kurzem ohne eigenes Auto gelebt - in Hamburg kommt man meist gut mit Bus und Bahn zurecht, für kurze Fahrten oder wenn man doch mal ein grösseres Transportmittel brauchte, haben wir übers Carsharing 2 verschiedene Autogrössen zur Verfügung gehabt und fürs Wochenende - sofern die Bahn nicht in Frage kam - wurde ein Auto gemietet.

    Inzwischen sind wir näher an den Stadtrand gezogen. Ich fahre weiterhin mit Bus und Bahn zur Arbeit, aber fürs Einkaufen und ähnliches haben wir uns doch ein Auto angeschafft.

    Fakt ist und bleibt - ÖPNV ist Massentransport. Es lohnt sich nur da, wo mehrere Leute das gleiche Ziel haben oder gar ein Netzwerk nutzen können. Das ist nur in den Städten der Fall und auch dort muss die Stadt noch draufzahlen. Das gleiche gilt für den Überlandverkehr und den Bahnnahverkehr. Selbst im Fernverkehr zahlt der Bund genug Geld für den Erhalt der Infrastruktur.

    Bus- und Bahn sind praktisch, weil man sich nicht um den Verkehr kümmern muss, weil man teilweise gut Staus umfahren kann, weil man die Parkplatz suche meiden kann - und natürlich, weil es günstig ist. Nachteile: Umsteigen und Umwege, Abhängigkeit vom Angebot gerade in den Tagesrandzeiten, nervige Mit-Fahrgäste und natürlich die Einschränkung bei der Mitnahme von Gepäck, Einkäufen etc.

    Meine Schlussfolgerung: Jedes Verkehrsmittel macht zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Situationen Sinn, man muss sich der Vor- und Nachteile bewusst sein und Prioritäten setzen. Manchmal gibt es keine Alternativen (zum Beispiel auf dem Land oder spätabends), manchmal siegt die Bequemlichkeit. Nur sollten wir uns nicht belügen: Billiger ist das Auto nämlich in den seltensten Fällen, wenn man alle Kosten einrechnet - das hat sogar der ADAC ausgerechnet.

    Wer aber auf dem Land oder weiter ausserhalb wohnt, der wird das Auto nutzen müssen - warum auch nicht? Muss er in die Innenstadt, dann sollte er sich aber nicht über mangelnde Parkplätze und Staus beklagen, wenn er nicht zumindest über Park+Ride nachgedacht hat. Denn der ÖPNV ist nicht nur für Leute da, die sich kein eigenes Auto leisten wollen, er hat auch schlicht und einfach die Aufgabe, einen Großteil des Verkehrs aus den Städten herauszuhalten, damit diejenigen, die aufs Auto angewiesen sind, einigermassen ordentlich durchkommen. Das gilt natürlich ebenso auch für Radfahrer. Ich verstehe es daher nicht, wenn Autofahrer sich rücksichtslos gegenüber Bussen verhalten oder Radfahrer um ihre Rechte im Strassenverkehr bringen.

    Übrigens: Der Umweltgedanke ist dabei gut und schön und ich versuche ihn auch immer ein wenig im Hinterkopf zu haben, wenn es um vermeidbare Autofahrten geht (z.B. eine DVD auch mal mit dem Fahrrad zurück zur Videothek zu bringen). Tatsächlich zählt für die meisten Leute lediglich Komfort und Preis.

    Tobias
     

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