"strenge eltern braucht das land"

rumpelwicht

rumpelwicht

Dauerschnullerer
25. November 2004
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am Fuße bayerischer Berge
.............und wieder mal ein neuer erziehungsratgeber auf dem büchermarkt......ich habe t-online als starseite, da bin ich über diese seite gestolpert
http://www.bild.t-online.de/BTO/news/aktuell/2006/09/15/erziehungs-serie-teil5/erziehungsserie-teil5.html

nunja, wie immr eben, ein paar sinnvolle aspekte, andere sachen doch wieder sehr "back to the roots".

was meint ihr: diskutieren wir wirklich zu viel, haben uns kids jetzt zu viel freiheiten und deshalb später in der ausbildung probleme????
 
Ute

Ute

mit Engeln unterwegs ....
Moderatorin
19. März 2002
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BiBi in BW
www.babyernaehrung.de
AW: "strenge eltern braucht das land"

Ja, wir diskutieren streckenweise deutlich zu viel. Das kann ich sagen als Mutter nach 14 Jahren "Erziehungsarbeit". Das tausendste Mal zu begründen warum Zähne morgens und abends geputzt werden müssen ist eindeutig zu viel. Für viele Kinder ist die Diskussionsbasis eine natürlich "wie rede ich mich heraus Basis geworden". Und mich nervt es tiiiierisch, dass bestimmte (gesundheitsnotwendige oder familientechnischhelfende) Dinge ständig neu durchgesetzt werden müssen.

Das liegt allerdings nicht an den Kindern, sondern ausschließlich am Umgang mit den Kindern von uns Erwachsenen. Es ist viel bequemer die Spülmaschine am Ende selbst auszuräumen als mal wieder zu klären "wer war zuletzt dran" .....

Ich wundere mich nicht mehr, dass Schüler in den Schulen über Tische und Bänke tanzen. Es wird von Lehrern mittlerweile die Erziehungsarbeit "Disziplin" erwartet die wir Eltern zu Hause nicht leisten wollen, können oder einsehen. In den Klassenzimmern von Heute geht es vielfach zu als sei eine Horde Wildgewordener losgelassen. Ein Kind was daheim keine Grenzerfahrungen machen darf, keine Pflichten übernehmen muss und sich per ausdiskutieren aus allem unliebsamen zieht, ist in der Schulklasse in der Regel genauso drauf. Wenn ein Lehrer mit 5 Kindern diskutieren muss um eine Aufgabenstellung, ist mind. die halbe Unterrichtszeit vorbei. Diskutiert er nicht, randalieren die Kinder vielfach in Form von Zeugs durch die Gegend schmeißen, lautes Reden, Lehrer und Kinder nachäffen usw.

Die Grenzerfahrungen in der Schule sind relativ. Lehrer haben kaum mehr Spielraum für gewissen Behandlungsbedarf. Also wird rücksichtsloses Verhalten auf dem Rücken der Kinder ausgetragen, die noch einigermaßen gewillt sind dem Unterricht zu folgen oder lernen.

Vergleicht eure Schulzeit nicht mit dem was gerade läuft. Das ist der größte Irrtum. Ich wünsche mir dass Eltern wieder mehr Achtsamkeit auf bestimmte Dinge legen. Wie Rücksichtsnahme unter einander. Ich erlebe die Schulzeit unserer Kinder nicht in den schönsten Farben ..... das liegt natürlich nicht nur an den Kindern, jedes Einzelne ist meisten sehr sympathisch und ganz nett, aber wehe sie werden aufeinander losgelassen. Dazu vielfach ausgepowerte Lehrer, die es einfach "schon aufgegeben" haben.

Aus dem süßen Kindergartenalter kommen alle Kinder mal raus, die Grundschule geht noch ganz gut, die ersten Bildungssteine zu setzen ist dabei trotzdem oft schon schwierig bei 25 kleinen Königen und Prinzessinen in einer Klasse. Spätestens zur 5. verliert sich dann das "süße und niedliche" und aus dem "kleinen Rebell der sich ja sooo gut durchsetzen kann, der sich ja nix gefallen lässt *applaus*" ist dann ein Störer oder eine Klassenzicke geworden. Dann kommt die Pubertät und der große Katzenjammer der Eltern ....

Ja, zeigt euren Kindern liebevoll und konsequent die Grenzen < über die ihr erst Mal selbst euch Klarheit verschafft. Das fängt mit der eigenen Grenze an. Was lasse ich mit mir machen ....., wie weit passe ich mich dem Kind und seinen Wünschen an ..., und wo greife ich zum Wohle aller ein.

Weniger Worte ist oftmals "mehr". Etwas begründen, alles zu seiner Zeit. Diskutieren - ja bitte - aber nicht über jeden Pups. Nur wer kleine Verantwortungen tragen kann ist gut gerüstet für die großen Verantwortungen.

In diesem Sinne - fröhliches Diskutieren

:wink: Ute
 
Jacqueline

Jacqueline

Ohneha mit der Lizenz zum Löschen
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Moderatorin
20. April 2003
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Aargau, Schweiz
www.ohneha.ch
AW: "strenge eltern braucht das land"

Wie schön, Ute,

ich kann mir die Arbeit sparen, dazu etwas zu schreiben :wink:


Ich finde es nur immer wieder schade, dass heutzutage oft die Begriffe "Grenzen und Disziplin" in der Erziehung mit autorität gleichgesetzt werden, denn wie so oft im Leben gibt es nicht nur schwarz und weiss, sondern ganz viele bunte Farben dazwischen.

Oder wie meine Tochter letzthin formulierte:
Mami, Du bist eben lieb-streng, das ist nicht das gleiche wie bös-streng.

Liebe Grüsse, Jacqueline
bekennend nicht die Freundin meiner Kinder, sondern ihre Mutter.
 
Silly

Silly

Moni, das Bodenseeungeheuer
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AW: "strenge eltern braucht das land"

schön geschrieben Ute :)
 
Tanja

Tanja

Gehört zum Inventar
18. Februar 2004
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Marl
AW: "strenge eltern braucht das land"

bekennend nicht die Freundin meiner Kinder, sondern ihre Mutter.
Und das finde ich auch ganz wichtig, ich bin die MUTTER, die zwar ein freundschaftliches Verhältnis zu ihrem Kind haben kann, aber immer noch als Mutter bestimmt, wo es lang geht.
 
L

Lilienfrau

Moderatorin
Moderatorin
4. Januar 2003
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AW: "strenge eltern braucht das land"

Ute, das hast Du super geschrieben :bravo: ich bin auch eher eine strenge Mama, obwohl ich auf der einen Seite viele Dinge durchgehen lasse, gibt es andere bei denen es kein Pardon und natürlich auch keine Diskussion gibt.

Johanna soll schon lernen, ihren willen durchzusetzen, aber mit den "richtigen" Mitteln. Wenn sie mit seeehr guten Argumenten kommt, warum sie dies und das jetzt machen oder haben will, darf sie auch schonmal, da lasse ich mich dann "überzeugen". Wut- und Trotzanfälle haben in der Regel nur den Effekt, dass ich mich von ihr entferne, weil ich das Gebrüll nicht hören will, zum gewünschten Erfolg führen sie aber nicht. Und eine gewisse "Disziplin" find ich schon auch wichtig, obwohl ich mich häufig schon frage, ob ich mein dreijähriges Kind nicht damit überfordere in gewissen Bereichen :???: andererseits herrscht zB bei Familien mit mehreren Kindern irgendwie eh immer mehr Disziplin als bei uns, weil es wohl auch gar nicht anders geht, wenn man nicht eins, sondern womöglich drei oder vier Kinder unter einen Hut kriegen muss.

Ich denke ein goldener Mittelweg aus der Autorität und Disziplin von "früher" und dem freien Erziehungsgedanken der letzten zwanzig/dreißig Jahre müsste es sein. Aber wie schwer das manchmal umzusetzen ist muss ich hier wohl keinem sagen ;)

Liebe Grüße

Alex
 
S

Schneck

AW: "strenge eltern braucht das land"

Danke Ute, dein Kommentar führt mir vor Augen, warum ich gerne immer wieder in der Schnullerfamilie schmökere!

Es tat gut deine Worte zu lesen!

Umsomehr freue ich mich jetzt, dass ich am 7.-8.10. in Nürnberg auf dem Familienkongreß bin - ich hoffe mir dort sehr viele Impulse - ähnlich gelagert wie diesen - die mir helfen, mich ermutigen, unterstützen, vielleicht aber auch ein wenig lenken in eine sanftere Richtung. Denn ich gehöre eindeutig zu Müttern mit klaren, strengen Grenzen... vielleicht manchmal zu streng!

Lieben Gruß in die Runde
Bettina