Mama auf dem Prüfstand?

Dieses Thema im Forum "Rund um die Erziehung" wurde erstellt von Stephanie, 10. Dezember 2005.

  1. Stephanie

    Stephanie The one and only Mrs. Right

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    Hallo,

    ich steh mal wieder auf dem Schlauch, denn ich habe das Gefühl das Vivian mich testet und egal wie ich reagiere - ich fall durch.

    Sie ist im Moment äusserst... äh... willensstark, um nicht zu sagen dickköpfig wie ein Maulesel. Sie geht auf Konfrontationskurs wo sie nur kann und dann entstehen Situationen wie

    -dass sie sich weigert aus dem Auto auszusteigen, sie möchte uuuuuunbedingt sitzen bleiben. Sämtliche Erklärungen, auch dass es länger dauern könnte fruchten nicht. Lasse ich ihr ihren Willen und im Auto sitzen heult sie nach max. 20 Sekunden dicke Krokodilstränen.

    -wir sind bei der Oma. Ich kündige in 10 und 5 Minuten vorher an, dass wir bald gehen. Wenn es soweit ist verweigert Vivian sich anzuziehen, Erklärungen meinerseits interessieren nicht, sie strampelt und schlägt oder lässt sich fallen wenn ich es gegen ihren Willen tun möchte. Erklärungen dass sie ohne Jacke nicht rauskann enden mit "dann geh doch ohne mich, Mama. Ich bleib hier!" Wenn ich es dann wirklich mache, weint sie dass es mir das Herz zerreisst.

    -es ist Schlafenszeit. Da der Schnuller erst seit wenigen Tagen weg ist und sie immernoch mit dem Kindergartenstart bzw. mit starken Verlustängsten kämpft, schläft sie nur wenn ich neben ihrem Bett sitzen bleibe.
    Kind tobt aber noch im Bett rum, redet redet redet, singt, strampelt die Decke weg, schmeisst die Stofftiere durch die Gegend, etc. Ich erkläre, dass wenn sie noch nicht einschlafen kann ich solange runtergehen und meine Hausarbeit erledigen möchte. Sie bejaht das, schickt mich vehement runter. Sobald ich auf der Treppe stehe ... siehe oben.

    Aber: ohne diese Tränen bleibt sie stur. Sie weicht absolut nicht einen Millimeter von ihrem Standpunkt. Bleibe ich z. B. trotzdem sitzen wenn sie mich wegschicken will, dann fängt sie an mich zu hauen oder auf andere Art zu provozieren, auch verbal.

    WAS will sie? Will sie mich testen ob ich sie alleine lasse, ob sie mir vertrauen kann? Wenn ja, wieso wird sie so wütend wenn ich auf ihr 'geh weg' usw. nicht reagiere?
    Sie hat unheimliche Ausdauer. Probleme auszusitzen funktioniert nur selten, denn es ist für sie kein Problem wegen der falschen angezogenen Jacke 30 Minuten lang zu heulen und zu zetern. Ich versuche wirklich wo ich kann auf ihre Wünsche einzugehen, aber immer geht es nunmal nicht. Wenn die rote Jacke für Minusgrade zu dünn ist muss eben die dickere, ungeliebtere angezogen werden. Aber das ist nur ein Beispiel von HUNDERTEN derzeit. Es ist so anstrengend, kostet so viel Kraft. Und ich weiss nichtmal ob ich auf dem richtigen Weg bin, denn bisher gibt es keine Zeichen, dass meine Konsequenz fruchtet.

    :hilfe:


    Stephanie
     
  2. AW: Mama auf dem Prüfstand?

    Hallo!

    Ich habe mir Deine Kleine mal so vorgestellt: wie sie das sagt und dann passiert das, was sie sagt oder will - und sie kommt drauf, dass das, was sie will oder das was sie sich vorstellt keine angenehme Konsequenz für sie haben.

    Es ist sicher ganz wichtig, dass Du klare Aktionen ankündigst und sie auch tust. Auf etwas nicht reagieren - das probierte ich auch mal aus. Das Resultat war, dass Manuel seine "Mittel" verstärkte - bis ich dann echt was sagte.

    Erklärst Du sehr viel, wenn Du was "erreichen" willst?

    Spontan fällt mir ein Beispiel ein: Wenn Du eine Wunsch offen hast von einer Fee - und Du wünscht Dir zum Beispiel, dass die Sonne IMMER scheint - weil Du es so gerne schön warm fühlen willst auf der Haut - und dann siehst Du aber, wie Dein Garten vertrocknet. Dann bekommst Du eine Erkenntnis (die Du vorher nicht gewußt hast) - nämlich, dass der Wunsch nicht ganz so einen krönenden Abschluss hat.

    Und Deine Tochter agiert aus einer spontanen Situation heraus - und kann noch nicht so die Tragweite abschätzen von ihrem momentanen Willen.

    Weißt was ich meine? Sie testet sehr wohl aus - aber nicht jetzt absichtlich, dass sie Dich prüft - sondern Du bist so eine Art "Versuchs- oder Prüfobjekt", damit sie für sich was abschätzen lernt.

    Vielleicht hilft es, wenn Du ihr erzählst, dass es Dir auch manchmal so geht - Du willst was und dann passiert was, was Du schon überhaupt nicht willst.

    Halbwegs verständlich?
    Muss aber dazu sagen, dass ich keine Erziehungsexpertin bin und mag sein, dass mein Ansatz "falsch" ist. Es ist halt so ein "spontaner Gedankengang".

    Ganz lieben Gruß
    Christine
     
  3. Helga

    Helga Frau G-Punkt

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    AW: Mama auf dem Prüfstand?

    Guten Morgen Stephanie,

    ich denke, dass Du hier nur mit Konsequenz weiterkommst ! Und Ja, sie testet wie weit sie bei Dir gehen und wie DU reagiert ! Ich denke weiterhin, dass Christines Ansätze schon richtig sind.

    Wichtig finde ich, den Kids alles zu erklären ! Wieso, weshalb, Warum Du gerade so reagierst ! Ds habe ich bei Louisa immer gemacht. Selbst in den Zeiten, wo sie seeeeehr anstrengend war und ich dachte, nichts fruchtet bei ihr ! DIe Früchte dieser Ausdauer erntest Du recht schnell. Wenn ich heute böse auf sie bin, dann fragt sie mich, was los ist !! Sie kennt meine Stimmungen, und fragt nach, weil sie sich sicher sein will. Wir setzen uns dann hin, ich erkläre wieder WARUM ich gerade diese Stimmung habe, sie denkt nach und befindet dann, ob sie es verstanden hat, oder nicht !!

    Weißt Du, manchmal denke ich, dass wir unsere Kinder arg unterschätzen. Sie sind clevere Kinder, wissen, was sie wollen und was nicht ! Ich überlege mir, wie ICH behandelt werden möchte, und das wende ich dann bei Louisa an !

    Das Alter der Kids ist eine schwierige Zeit. Sie wissen manchmal selber nicht, was sie wollen und wir sind dazu da, ihnen den rechten Weg zu weisen oder Ihnen wenigstens bei der Entscheidungsfindung behilflich zu sein !

    :winke: und :bussi:
     
  4. Mini-Muffti

    Mini-Muffti Dauerschnullerer

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    AW: Mama auf dem Prüfstand?

    Ich bin der Meinung, sie will ihre Grenzen neu stecken und ausloten, wie weit sie gehen kann bis Konsequenz erfolgt bzw. welche Mittel sie einsetzen muss, damit sie das bekommt, was sie will.

    Ich finde es prinzipiell zwar auch in Ordnung, dass man den Kindern die Gründe für sein Handeln erklärt. Aber ich bin der Meinung, Du solltest ihr begreiflich machen, wie weit sie gehen kann.

    Wenn sie im Auto sitzen bleiben will, dann soll sie das tun. Sie wird schnell genug merken, dass es doof ist.
    Aber es wird nur dann was helfen, wenn du nicht gleich nach ein paar Tränen zurückkommst. Geh doch einfach kurz zum Bäcker rein oder in die Bank.

    Oder beim Anziehen.
    Nehm sie mit raus, wenn es kalt ist. Auch ohne Jacke. Du wirst sehen, wie schnell sie ihre Jacke freiwillig anzieht.

    Bei uns war vor kurzem so das Thema, dass Jana morgens die unmöglichsten Sachen anziehen wollte bzw. sich gar nicht richten wollte.
    Also ist sie eines morgens mit ihrem Schlafanzug im Kindergarten gewesen.
    Und du kannst mir glauben, die Blicke der anderen Kinder waren ihr eine Lehre.
    Seither ist sie lammfromm beim Anziehen...

    Steffi
     
  5. Pucki

    Pucki Gehört zum Inventar

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    AW: Mama auf dem Prüfstand?

    Ich schließe mich Steffi voll und ganz an. Genauso mache ich es bei Joel auch. Wenn er sich schreiend auf dem Boden wälzt, weil ich ihm gerade den Schlafanzug ausgezogen habe, und ihn anziehen möchte, sage ich halt: Gut, dann gehst Du nackt in den Kindergarten. Das glaubt er mir solange nicht, bis ich die Haustüre zum Gehen aufmache. Dann will er doch lieber angezogen werden.
    Er will unbedingt etwas essen, wo ich aber genau weiß, er mag es nicht, z.B. weil es scharf ist. Ich sage es ihm zwei, dreimal, er hat aber sowieso immer Recht, also soll er es essen. Wenn ich ihm jetzt sage, das ist scharf glaubt er es mir :bravo:

    Wenn sie schreit, weil sie im Auto bleiben will, dann laß sie, auch wenn sie nach 20 Sekunden anfängt zu weinen. Ich würde auch kurz in die Bank oder so gehen. So sieht sie, daß Mama doch manchmal Recht hat, wenn sie sagt das oder das ist nicht gut für Dich :)
     
  6. AW: Mama auf dem Prüfstand?

    hallo Steffi,
    sie merkt ja schnell, das es doof ist, daher die tränchen!
    nur ich würde mir die vorherige diskussion ums aussteigen ersparen.
    mutter:"wir steigen aus weil wir zur bank müssen"
    kind: "ich bleibe da"
    mutter:"ok ich muss aber,..."
    mutter steigt aus ohne anstalten das kind aus dem auto zu zwingen,...
    kind: weint
    mutter: nimmt das kind mit

    wenn du ein weinendes oder gar plärrendes kind alleine im auto einschließt,
    riskierst du eine anzeige.
    abgesehen davon ist soetwas ja wirklich nicht nett,
    weil das kind eben wie schon oben von anderen beschrieben alles alleine noch nicht einschätzen kann,
    es geht hier um ein dreijähriges kind und nicht um eine dreizehnjährige!
    wie würdest du dich fühlen, wenn du mal etwas nicht richtig einschätzen kannst (das passiert ja auch erwachsenen,...) gleich mit der schlimmsten aller sanktionen bedacht zu werden?
    was du beschreibst hat für mich nichts mehr mit logischer konsequenz zu tun sondern ist eine machtdemonstration.
    die einsicht über die fehlentscheidung ist für mich durch das weinen des kindes voll zum ausdruck gebracht.

    liebe grüße
    gigi
     
  7. Stephanie

    Stephanie The one and only Mrs. Right

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    AW: Mama auf dem Prüfstand?

    Danke euch für eure Antworten und Anregungen :danke:

    Christine: ja, ich erkläre wirklich viel. Und ich versuche auch sie mit Worten/Ablenkung aus ihren Bockphasen rauszuholen. Bisher klappte das immer recht gut, doch seit KiGa-Start ist alles anders, irgendwie.

    Tja, und da war ich mir eben nicht so sicher ehrlich gesagt. Ich hatte eher das Gefühl als wollte sie nur schauen wie ich reagiere. 'Geht sie jetzt wirklich?', 'was macht sie wenn ich die Jacke nicht anziehe?' usw. Bezog es also doch mehr auf mich als auf die Sache selbst.

    Wie gesagt, ich erkläre auch wirklich viel. Aber zur Zeit vielleicht nicht genug oder es kommt einfach zu kurz, weil ich schnell genervt bin (diese Phase dauert ja nun schon eine Weile an :cool: ). Und irgendwann ist eben auch bei mir Schluss. Heisst, ich erkläre gern, auch mehrfach und aus mehreren Perspektiven. Aber wenn darauf null Reaktion folgt, folgen bei mir eben Taten. Wie z. B. dass ich eben aus dem Auto aussteige und sie sitzen bleibt, so wie sie es sich 'wünschte'.

    Pustekuchen. Vivian ist da unglaublich hart. Letztens weigerte sie sich partout Schuhe anzuziehen. Ich durfte sie ihr nicht anziehen, sie trat nach mir. Ich erklärte dass es draussen kalt ( um die 3°C) und nass ist, dass sie frieren wird und kalte Füsse bekommt wenn sie keine Schuhe anzieht. Sie blieb dabei - und ich nahm sie barfuss mit raus. Es regnete, nasses Laub und kleine Steinchen lagen herum. Und sie freute sich! :umfall: Sie kostete das Gefühl aus barfuss zu laufen (ca. 5 Meter bis zum Auto), lief auch vom Auto die Stufen bis zur Oma hoch und wollte auch auf Nachfrage weiterhin keine Schuhe anziehen.
    Ohne Jacke nehme ich sie nicht mit. Kalte Füsse ist das eine, aber ein komplett erkältetes Kind was anderes.

    Ich lasse sie nicht lange weinen, muss es aber immer zu den ersten Tränchen kommen lassen und das ist schon hart. Wenn man diese Situationen mehrfach täglich hat sind das eine Menge Tränen :(

    Danke für eure Gedanken, ich werde über vieles nochmal nachdenken und berichten, wie es sich bei uns so entwickelt.

    Liebe Grüsse,

    Stephanie
     
  8. AW: Mama auf dem Prüfstand?

    liebe Stefanie,

    finde ich schön das du tränen vermeiden möchtest! :prima:
    leider schaffen wir das nicht immer.
    ich glaube aber, das man das früher oder später nur mit helgas oder christines anregungen schaffst.
    wünsche dir viel geduld!
    ich kenne das dillema man möchte das kind ernst nehmen
    und nimmt man es ernst ist es auch wieder nicht recht.:umfall:
    da hilft eben nur gaaaaanz viel einfühlungsvermögen und geduld!
    klar interessiert es kinder wie wir reagieren, aber ich finde deine einsicht diese aktionen nicht auf dich zu beziehen, ganz großartig.
    in erster linie geht es kindern nämlich darum sich selbst zu erforschen und kennen zu lernen, mit sich selbst zurecht zu kommen und nicht darum uns zu provozieren auch, wenn es oft am ersten blick danach aussieht.

    alles liebe
    gigi
     

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