Hauen...

Dieses Thema im Forum "Rund um die Erziehung" wurde erstellt von andeo, 4. Oktober 2005.

  1. Vielleicht ist das Thema schon mal behandelt worden... Mit Sicherheit sogar, wie ich das Forum so kennengelernt habe.

    Habe jetzt in einem Thread wieder über den hilflosen Klaps auf den Po gelesen und dieses Thema beschäftigt mich total.

    Als Kind dachte ich immer (kein Scherz): Alle Eltern hauen ihre Kinder. Das ist so. Wenn man nicht hört, kriegt man Schläge, weil die Kinder nicht den Respekt vor ihren Eltern verlieren sollen.
    In dem Dorf, wo ich aufgewachsen bin, war das auch gängig.

    Als ich meine Freundin Nora kennenlernte, war ich 15.
    Sie war noch NIE von ihren Eltern geschlagen worden. Sie und ihr Bruder kamen mit ihren Eltern aber super klar, und hörten auch auf sie und hatten einen Heiden-Respekt. Ich war völlig verwirrt.

    Totzdem vertrat ich noch jahrelang die Meinung, ein Klaps hat noch keinem geschadet. Keine Ahnung, warum.
    Mir hatte es geschadet. Ich hatte so lange ich denken kann, immer Angst vor meiner Mutter. Sie praktizierte gerne die Was,Du willst nicht?-Methode, bei der es nur einen Gewinner gab und das war sie. Man fragte nicht noch ein zweites Mal, wenn sie NEIN gesagt hatte. Man stand Punkt 8 auf der Matte, wenn sie es befohlen hatte. Man zog die blaue Bluse an und nicht die rote, wenn sie er so wollte.
    Bis ich 15 war.
    Dann wechselte ich auf eine Schule, die so weit weg war, das ich in einem Wohnheim wohnen mußte. Seitdem bin ich frei von der Angst vor meiner Mutter.

    Bei meiner ersten längeren Beziehung bin ich leider auch bei einem Mann gelandet, in dessen Familie Schläge Gang und Gebe waren. Da kam ich aus diesem Schema auch nicht raus. Gut, daß ich mit dem Mann keine Kinder gekriegt habe. Ein Albtraum!

    Seit ich Sven kenne, hat sich mein Leben auch diesbezüglich total verändert.
    In seiner Familie geht es sehr liebevoll, aber sehr respektvoll zu. Die Meinung eines jeden zählt. Gewalt ist niemals Thema und schon gar nicht bei den Kindern.
    Die Kinder müssen wissen, wer das Sagen hat. Sie dürfen jederzeit ihre Gedanken und Gefühle, ihren Ärger und Wut äußern. Es wird sich mit allem auseinandergesetzt. Das letzte Wort haben Vater und Mutter.
    Das war schon bei Sven so und so leben wir auch mit unseren Töchtern.

    Die schlimmste Begebenheit, die ich diesbezüglich erlebt habe, war:
    Ich war schwanger mit Nives, Liann auf dem Wickeltisch am rumrollern, daß sie mir fast runterfiel. Ich herrschte sie an: Jetzt reichts aber, verdammt!
    Sie war bockig und trat mir in den Bauch.
    Da habe ich ihr im Reflex eine kräftig auf den nackten Popo gegeben.

    Das verfolgt mich noch heute. So blöd es sich anhört. Die Erkenntnis, das ich es nicht unter Kontrolle habe, war erschütternd.
    Ich habe mir vor ihrer Geburt geschworen, ich würde niemals die Hand gegen sie erheben. Ich will nicht, daß meine Tochter mich so sieht wie ich meine Mutter gesehen habe. Ich will, das sie weiß, das ich sie immer halte und beschütze.

    Meinem Mann habe ich es sofort gebeichtet.
    Er war sehr enttäuscht und sagte: "Ich bin mir SICHER, das wird Dir NIE WIEDER passieren." Mehr brauchte es nicht.

    Ich bin sehr an Euren Gedanken interessiert...
     
  2. Ist das Thema zu sensibel oder warum äußert sich niemand?

    Möchte keine Meinungen zu meiner Kindheit, das war nur zur Erklärung.
    Vielmehr möchte ich das Thema Erziehung ohne Klaps & Co. näher diskutieren.

    Was ist?
     
  3. Hedwig

    Hedwig Sternenfee

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    hallo berit,

    das thema gabs hier bereits mehrfach.... ich denk mal, ein paar leuten fehlt die lust darüber schon wieder zu diskutieren ;-)

    liebe grüße
    kim
     
  4. Inzwischen dachte ich es mir auch schon.
    Wo finde ich die Diskussionen denn?
     
  5. Hedwig

    Hedwig Sternenfee

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    über die suchmaschine? :)
     
  6. Ja klar. Was frage ich eigentlich?
    :thx:
     
  7. Bidu

    Bidu Dauerschnullerer

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    Hallo ich verstehe dich ganz gut.Ich versuche auch ohne den klaps auf den Po auszukommen.Wenn Nick aufdreht schreit oder selbst schlagen will dann bringe ich ihn in sein Zimmer in die Ecke.Dort ist ein Sitzsack.Dort geht er auch mal gerne kuscheln.Er weiß jetzt das er sich dort beruhigen kann.Wenn das nicht hilft dann setze ich mich zu ihm auf den Boden und nehme ihn in den Arm.Das hilft auf jeden Fall.Seitdem ich das regelmäßig mache ist er und auch ich viel ausgeglichener geworden.Aber ich muß zugeben am Anfang als Nick angefangen hat seinen Dickkopf durchzusetzen ist mir auch mal die Hand auf seinen Po ausgerutscht.Das tat mir sofort im Herzen weh.Was machst du wenn es mal Geschrei und Dickkopfalarm gibt?
     
  8. Hallo Berit,

    ich habe mich ja schon in dem anderen Thread den Du angesprochen hast geäußerst u. muß sagen dass bei mir derzeit diesbezügl. die Luft "raus" ist. Dies nur als persönliche Erklärung von mir, fühlte mich einfach angesprochen weil ich dort geantwortet habe. Hört sich blöd an- ich weiß- u. es ist allg. sicher wichtig hierüber zu sprechen.

    Momentan bin ich nur desillusioniert was dieses Thema angeht- einfach weil ich in den letzten 3 Jahren im realen Leben so viel negatives erlebt habe u. mir bei den betreffenden Personen umsonst den Mund fusselig geredet habe.
    Es wird einfach meist verdrängt, abgeblockt etc.

    Es ist schön dass Du aus diesem Kreislauf "Eltern schlagen Kind/ Kind wird seine Kinder auch schlagen" ausbrechen konntest. Die andere Konstellation scheint doch die Regel zu sein.
    Wahrscheinlich sind noch andere Faktoren entscheidend welche letztlich den Schlag als regelmäßiges Erziehungsmittel Einzug halten lassen. In einiger Fachliteratur hab ich schon aufschlußreiche Sachen hierüber gelesen- es sprengt momentan den Rahmen näher hierauf einzugehen.

    Was ich nur ein wenig kritisch zu Deiner Schilderung anmerken wollte:

    Voraussichtlich werden sich die meisten Elten vornehmen ich schlage NIE mein Kind. Ich bin auch mit dieser Anspruchshaltung in mein Mutterdasein gegangen u. diesbezügl., wenn ich es hart ausdrücken wollte, gescheitert. Ich hätte nie gedacht was diese Lebenssituation emotional von einem abfordert. Die Situation wie Du sie hattest gab es ähnlich bei mir.

    Ich hoffe es hört sich jetzt nicht paradox an wenn ich sage, dass ich finde dass Du Dich da schon sehr "selbstzerfleischt" hast- zumindest hört es sich so an- vielleicht war es bei Dir stärker weil Du viel Gewalt von Deinen Eltern erfahren mußtest?. Vor kurzem war ein interessanter Link hier im Forum bezügl. der Anspruchshaltung der Gesellschaft an die "immer glückliche, geduldige Mutter", die Realität und dem anschl. Aufschrei "die Rabenmutter wie kann sie nur".. hat mich sehr zum nachdenken bewegt und manchmal bin ich jetzt hin-und-hergerissen wenn ich von Gewalt in der Erziehung höre/lese.

    Ob es von Deinem Mann auch unbedingt ganz angemessen war "enttäuscht von Dir" zu sein? Hat er nicht gefragt warum dies wohl passiert ist und wie ER Dir evtl. Entlastungen geben könnte? Er ist voraussichtlich nicht wie Du diesen Streßsituationen ausgesetzt- ohne den Klaps rechtfertigen zu wollen- hätte es da nicht gereicht auf diesen Vorwurf "wie kannst Du nur?".. zu verzichten... er wird Dich ja kennen u. wissen dass es Dir selber nahegegangen ist...nur so als Gedanke..


    LG Petra
     

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