Und tägl. grüßt das Murmeltier-leider nicht-Rythmusprobleme

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tigerfischulli

Hallo,
unser Bärchen Simon wird in 2 Wochen ein Jahr und irgendwie hat er hauptsächlich tagsüber null Rythmus. Hat er eigentlich auch nie gehabt, bin ich auch selber schuld weil ich es nie durchgezogen habe. Wußte auch nicht so richtig wie, weil es sowieso allle 3 Wochen anders war (Zähnchen, Wachstumsschub...).

Also bis zur Zeitumstellung ist er um 19 Uhr ins Bett und bis 7.30, dann gabs Fläschchen und er hat nochmal bis 9 geschlafen.
Das klappt jetzt im Sommer etwas schlechter. Er geht um ca. 20 Uhr ins Bett, schläft problemlos ein. Wird nach einer Stunde wieder wach und will bis 23 Uhr spielen. Schläft dann je nachdem bis 6.30 oder 9.45(Schreck) oder oder.
Manchmal schläft er auch direkt bis 9 Uhr durch.

Tagsüber schläft er mal eine Stunde nachmittags mal gar nicht, mal zweimal eine Stunde, mal 20 min.
Jetzt höre ich immer von den anderen Müttern, dass sie ihre Kinder konsequent mittags um eine bestimmte Uhrzeit hinlegen und das auch durchsetzten.
Wenn ich das mit Simon versuche rastet er völlig aus.

Gestern ist er mir um die Mittagszeit beim Einkaufen im Kinderwagen im Sitzen fast eingeschlafen, kaum zuhause habe ich die Gunst der Stunde genutzt und ihn sofort in Bett gelegt (essen wollte er nicht mehr). Er ist sofort ausgeflippt.
Dann habe ich ihn schweren Herzens mal 10 min Schreien lassen bin dann wieder rein und das ganze 3 mal wiederholt. Simon war so aufgekröpft dass er dann schluchzend(auch im Schlaf noch!) auf meiner Schulter eingeschlafen ist. Heute morgen wieder um 5.30 das gleiche Spiel. Das kann es ja auch nicht sein, außerdem plagt mich das schlechte Gewissen. Er ist dann nach dem aufwachen völlig beleidigt und will erstmal eine halbe Stunde rumgetragen werden.
Wie schaffe ich einen "normalen Rythmus".
Wie klappt das bei Euch?
Richtet ihr euren Tagesablauf komplett danach ein (also Besuche, Einkaufen, sonstige Termine)?
Ich weiß nicht mehr weiter und möchte auch nichts falsch machen.
Traue mich schon gar nicht mehr Auto zu fahren, da er dann sofort pennt.
Freue mich schon auf Eure Antworten und Tipps.

LG Ulli mit Simon *25.06.2002
 
Hallo Ulli,

hm, ob Dir meine Antwort gefallen wird?

Wenn Dein Sohn mit fast einem Jahr noch keinen Rhythmus hat, liegt das sehr wahrscheinlich daran, dass auch Dein Leben keinen Rhythmus hat oder zumindest keinen für ihn erkennbaren.

Nun muss vielleicht ein Kind garkeinen Rhythmus haben? Ist auch ohne Rhythmus glücklich - so wie auch Du ohne Rhythmus glücklich bist?

Halte ich für eher unwahrscheinlich. Denn ein Kind hat keine Orientierung über den Tagesablauf. Es hat keine Uhr und keine Pläne. Es lebt von Minute zu Minute. Ohne vorgelebten Rhythmus ist jede Aktion von Dir eine überraschende, unvorhersehbare, unberechenbare. Das hat als kleines Baby niemanden gestört. Dich nicht und ihn nicht.

Nun stört es Dich aber. Warum? Weil er mit Protest reagiert, dass Du unberechenbar in seine Pläne, die er nun langsam anfängt zu schmieden, weil er die Reife dafür hat, eingreifst. Er hatte vielleicht vor noch zu spielen, Du willst ihn ins Bett legen, anziehen, zum Einkaufen mitnehmen. Ich vermute mal, dass er nicht nur Einschlafen mit Geschrei quittiert, sondern auch viele andere Pläne von Dir?

Genauso abends: er findet es lustig und legitim, Dich stört es aber, dass er um 23 Uhr spielen will. Warum? Weil es zu Deinem - eben doch vorhandenen Rhythmus - nicht passt.

Also ehrlich gesagt: ich finde auch, dass man Einjährige konsequent zum Mittagsschlaf hinlegen kann: wenn auch der Rest vom Tag rhythmisch und vorhersehbar abläuft. Das muss nicht nach der Uhr passieren, auch Ausnahmen und Freizeiten sind durchaus zumutbar. Aber eine gewisse Reihenfolge in den Abläufen ist halt eine Orientierung fürs Kind und macht das Zusammenleben einfacher.

Weil das Kind auch planen kann, anhand bestimmter Vorgänge sich drauf einstellen kann, was Deine Pläne sind. Du kannst Pläne auch schon mit Worten ankündigen, aber Dein Kind ist noch zu klein um diese Ankündigungen zu verstehen, es könnte maximal Deine Aussagen mit bestimmten Abläufen verknüpfen.

Also ich empfehle Dir: Stell Dich nun darauf ein, dass Du ein Kleinkind hast, kein Baby mehr. Man kommt sicher auch ohne Rhythmus und Routine durch den Tag. Aber mit Rhythmus und Routine tun sich alle leichter - auch Du als Mama, einfach weil Du viel weniger Auseinandersetzungen mit Deinem Kind haben wirst, bei hundert anderen Gelegenheiten.

Lebe eine Rhythmus vor und Dein Kind wird ihn ganz von selbst mitmachen - nicht von heute auf morgen, das darfst Du nicht erwarten. Aber Dein Vorbild wird auf Dauer nicht ohne Wirkung bleiben.

Alles Gute und melde Dich wenn Du anderer Meinung bist oder andere Ideen hast, über die ich mitnachdenken soll, mach ich gerne

Gruss
Petra
 
Hallo Petra,
danke für deine ehrliche Antwort. Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich habe selber keinen so tollen Rythmus und habe mich bisher dabei wohl gefühlt. Das ich dieses ändern muß meinem Kleinen zuliebe ist mir in den letzten Tagen massiv klargeworden. Eigentlich auch kein großes Problem. Habe von Nachbarin gestern das Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" bekommen und es noch gestern gelesen. Konnte doch einige Anregungen daraus übernehmen.
Eigentlich ist mein Kleiner auch ein ganz lieber Fratz, aber ich muß mir wirklich einen vernünftigen Zeitablauf angewöhnen.
Danke, dass du meine Gedanken bestätigt hast. Mir ist eigentlich schon beim Schreiben klar geworden, dass vieles an unserem Tagesablauf liegt.
Tut nur gut mal jemanden zu finden, der ehrlich sagt was er denkt.
Danke nochmal, habe heute bereits angefangen mich zu "bessern", denn wir wollen ja demnächst noch ein Kind und dann ist das Lotterleben eh vorbei-oder? 8O
Liebe Grüße von Ulli mit dem süßen Fratz

P.S. Ich werde dir von den Erfolgen berichten :-D
 
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