Rassismen in Pippi Langstrumpf

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Vanessa

Vanessa

Gehört zum Inventar
6. April 2002
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heute hier morgen dort
Als Kind habe ich die Pippi Langstrumpf geliebt. Das Buch aus meiner Kindheit (Auflage von 1967) habe ich noch heute und aergere mich immer wieder ueber die darin haeufig vorhandenen Rassismen, wie z.B.
"Mein Vater ist ein Negerkoenig"

oder im Kapitel "Pippi geht an Bord": "ich werde in einer Negerhuette wohnen".

Aus dem Zusammenhang wird klar Neger = Wilder.

Wenn ich es Bouba vorlese, lese ich immer ein anderes Wort. Aber es aergert mich trotzdem, denn man muss manchmal etws kreativ sein um ein anderes Wort zu verwenden um den rassistischen Zusammenhang herauszunehmen und es stoert mich im Lesefluss.

Meine Frage: sind neuere Ausgaben da politisch korrekt angepasst? Und wenn ja, was steht denn da stattdessen?

@ La Bimme: wie steht es im schwedischen Original.

Und - letzte Frage: ist euch das auch jemals aufgefallen?
 
suchtleser

suchtleser

Hühnerflüsterin
19. Februar 2006
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Bodenseekreis
AW: Rassismen in Pippi Langstrumpf

Hi Vanessa,

stimmt, Kinder sehen das aber wahrscheinlich anderst.

Ein Kind denkt bestimmt nicht Negerhütte = Wilder = primitiv ....

Für ein Kind hört sich das wohl eher interessant, fremd, abenteuerlich und aufregend an.

Aber selbst A.Lindgren hat scheinbargesagt sie würde sowas in der heutigen Zeit anderst schreiben, ohne es damals böse gemeint zu haben...

Guckst du mal hier
 
Hedwig

Hedwig

Sternenfee
30. Dezember 2003
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AW: Rassismen in Pippi Langstrumpf

Das ist aber nicht der Punkt, Sandra :wink:

Fakt ist, dass der Begriff "Neger" rassistisch ist und du deinem Kind somit ein Wort vermittelst, was es verinnerlicht und in seinen normalen Sprachgebrauch aufnimmt. Sicherlich nicht in dem Bewußtsein, dass es etwas sagt, was andere Menschen verletzt, dennoch läuft es früher oder später darauf hinaus.

@Vanessa: Zu deiner Frage muss ich passen. Ewig nicht gelesen :oops:
 
Conny

Conny

Mrs. Snape
27. April 2003
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Oberpfalz / Bayern
AW: Rassismen in Pippi Langstrumpf

Hm.

Ehrlich gesagt hab ich da noch nicht wirklich drüber nachgedacht, weil für UNS der Begriff Neger in keinster Weise rassistisch gemeint ist/war.

Mittlerweile sag ich von selbst "Schwarzer" oder ein Mensch mit schwarzer Hautfarbe, dass allerdings, weil mich meine Tochter mal fragte, was ein "Neger" wäre. Und ich dann eben sagte, dass das ein Mensch mit schwarzer Hautfarbe ist. Somit hab ich das erklären des Wortes "Neger" umgangen, indem ich eben gleich "Schwarzer" sage.

Für mich ist "Nigger" eher der rassistische Ausdruck.

Und um auf Pippi zurückzukommen: die Negerhütte hab ich nicht als Hütte eines Wilden gesehen, sondern einfach als eine Hütte aus Lehm und Holz, die eben diese afrikanischen Stämme haben.

Ich seh das nicht so eng.

LG Conny
 
C

Ceara

AW: Rassismen in Pippi Langstrumpf

Ich hab meiner Tochter einfach erklärt das "neger" früher ein Begriff für "Mensch mit dunkler Haut" war, das dieses Wort heute nicht mehr so benutzt wird, das Buch einfach schon etwas älter ist.
Und wie gewöhnlich ging die Fragerei weiter, so das wir gleich noch klären konnten das nicht alle Menschen die dunklere Haut haben in Hütten leben, Häuptlinge inzwischen eher die Ausnahme als die Regel sind usw.
 
V

Volleybap

Herzkönig
28. Juli 2005
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Hessen
AW: Rassismen in Pippi Langstrumpf

Fakt ist, dass der Begriff "Neger" rassistisch ist und du deinem Kind somit ein Wort vermittelst, was es verinnerlicht und in seinen normalen Sprachgebrauch aufnimmt.
Das Ursprungswort zu Neger stammt aus dem Lateinischen und heißt schlicht schwarz.
Der Begriff "Neger" ist (spätestens) in der Auseinandersetzung um die europäischen Kolonien in die Diskussion gekommen und wurde als Kampfmittel eingesetzt, um politisch Andersdenkende zu diskreditieren. Nicht am Sachargument herumzuarbeiten, sondern an der Wortwahl des politischen Gegners, ist immer schon ein besonderes Stilmittel gewesen ...

Der Begriff "Weißer" ist nie in die rassistische Diskussion gekommen, gehört aber zur selben Wortgruppe...
In Deutschland gibt es unterschiedliche Sprachsozialgruppen. Für manche ist das Wort "Neger" mit einem rassistischen Hintergrund verbunden, für andere ist es wertfrei. (In der aktuellen Dudenausgabe heißt es: Viele Menschen empfinden die Bezeichnung ... heute als diskriminierend..., während es 1996 erstmalig (?) hieß bei der Worterläuterung ... auch abwertend.) Spannend für Sprachwissenschaftler ist, dass der Begriff Neger durchgängig nicht rassistisch benutzt worden ist - es gibt keine breiten Belege dafür -, sondern nur von anderen als rassistisch bezeichnet worden ist/empfunden worden ist, wenn Dritte ihn (wertfrei) gebrauchten.
Pippi Langstrumpf ist deshalb auch nicht rassistisch und intendiert das auch nicht. (Dies tut erst eine Verbindung mit dem Begriff "Wilde".)

Es gibt in der deutschen Sprache ähnliche Beispiele für politisch als "Kampfmittel" eingesetzten inhaltsumdefinierenden Gebrauch von Worten. Klassiker ist die Diskussion um die "männliche" und "weibliche" Form von Substantiven, die sich sprachverändernd durchgesetzt haben. Z.B. die Aufteilung in der Mitarbeiter und die Mitarbeiterin, was eine Sprachrevolution zur weiblichen Form hervorgerufen hat, aber nicht in die andere Richtung: die Person ist nie ergänzend korrigiert worden in die Nebenstellung der Person .

Ein aktuelles Beispiel für Inhaltsumdeutung ist die Fundamentalismusdiskussion. Fundamental ist von der Wortbedeutung her "grundlegend". Wer heute jedoch jemanden als Fundamentalisten bezeichnet, rückt ihn zumindest in die Nähe des Terroristen, wenn das Wort nicht gar als Synonym benutzt wird von einigen Gesellschaftsschichten.

So trickreich mit Wortinhaltsverschiebungen zu arbeiten, finden manche "geil", nämlich klasse, stark und toll, während meine Mutter an solchen Praktiken überhaupt nichts sexuell Aufreizendes findet...

Die Frage ist immer, inwieweit man sich instrumentalisieren lässt durch solche Inhaltsumdeutungen und wie sehr man sich einer Sprachgruppe zurechnet oder mit ihr in Kontakt ist und damit geprägt wird. Schwierig wird es bei älteren Texten wie Pippi Langstrumpf, deren Inhalt sich heute Lesern mit einem veränderten Wortschatz nicht mehr so erschließt, wie es der Autor gemeint hat.
 
Markus

Markus

schlimmer Finger
30. Oktober 2002
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München
AW: Rassismen in Pippi Langstrumpf

uff, ralf - so was ist mir auch in den gedanken gekommen. aber so detailiert wie du hätt ich es nicht zusammengebracht.
worte können manipulieren, bestes beispiel pakt und bündnis. einen pakt schließt man mit dem teufel (warschauer pakt, pakt für arbeit) und ein bündnis mit dem freund (nato-bündnis)
 
lulu

lulu

Königin der Nacht
21. Juni 2002
17.069
640
113
AW: Rassismen in Pippi Langstrumpf

Wir haben eine neuere Pippi Langstrumpf-Ausgabe und da ist auch noch vom Negerkönig die Rede.

Bei jüngeren Kindern würde ich den Begriff ruhig ersetzen, bei älteren kann man ihn durchaus benutzen und sie in den zeitgeistlichen Zusammenhang einführen. Finde ich.

Lulu
 
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