Offener Brief von Alice Miller

Dieses Thema im Forum "Rund um die Erziehung" wurde erstellt von Krabbelkaefer, 6. Februar 2003.

  1. Krabbelkaefer

    Krabbelkaefer Hier riechts nach Abenteuer

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    Dieser Brief ist mir in einem anderen Forum begenet - ich möchte ihn Euch nicht vorenthalten. Weniger zum diskutieren, sondern mehr als Argumentationshilfe für alle die die anderen Vermitteln wollen dass bereits seit 2000 das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung der Kinder im BGB festgelegt ist.

    Hier nun der Link zum Brief: www.alice-miller.com


    "Alice Miller: Offener Brief an Studenten aller Nationen, März 2001

    Liebe Freunde,
    Mit diesem Brief möchte ich eine Information an Sie weiterleiten, die manche von Ihnen vielleicht schon haben, aber die den meisten noch fremd sein dürfte. Es geht darum, dass jede Form von körperlicher Strafe (Klapse, Ohrfeigen, Schläge, Prügel) eine Demütigung enthält, die sich später als eine große Gefahr für die Zukunft der Kinder und für die ganze Gesellschaft erweist.
    Die Meinung, man könne, ohne Schaden damit anzurichten, ein schwächeres Wesen demütigen und etwas Gutes dabei erreichen, wurde seit Tausenden von Jahren an die nächste Generation weitervermittelt, obwohl sie den Fakten krass widerspricht.
    Jedes Kind lernt durch Nachahmung. Je früher es die Sprache der Gewalt lernt, umso nachhaltiger wirkt sie. Schläge erzeugen Angst, und im Zustand der Angst ist ein Kind unfähig, sich positive Botschaften anzueignen. Daher wird das negative Beispiel eine viel stärkere Wirkung haben, als alle gutgemeinten Worte über Moral, die die Eltern gebrauchen. Die unausgesprochene Botschaft, dass man den Schwächeren misshandeln darf, sobald man dies Erziehung nennt, wird vom kindlichen Gehirn gespeichert und bleibt manchmal ein Leben lang wirksam.
    Dieser Mechanismus erklärt die verblüffende Tatsache, dass auch intelligente und gebildete Menschen behaupten können, es sei nötig und richtig, Kinder zu schlagen. Weil sie diese Botschaft sehr früh erhalten haben, können sie sich nur schwer von ihr befreien. Als Kinder haben sie den Schmerz der Demütigung nicht bewusst erleben können und als Erwachsene meinen sie, dass ein Kind nicht leidet. Ihre Sensibilität für das Leiden der Kinder ist daher eingefroren. Das führt zur emotionalen Blindheit: Eltern schlagen ihr Kind und sehen die Angst in seinen Augen nicht, sie sind gegen diese Erkenntnis sozusagen "immun".
    Seit vierzig Jahren versuche ich, Menschen von dieser Blindheit zu befreien, vor allem von ihrer Tendenz, die einst erlittenen Misshandlungen an ihrem Kind zu wiederholen. Ich habe Forschungen über die Kindheit betrieben und mittels meiner Bücher Menschen darüber informiert, dass Kinder unschuldig auf die Welt kommen, dass sie Liebe brauchen, Pflege und Schutz, aber auf keinen Fall Gewalt, um empathische Erwachsene zu werden. Wenn Kinder nur Grausamkeit erfahren, ohne dass eine Person sie in Schutz nimmt, glorifizieren sie Grausamkeit und wenden sie später an. Das lässt sich an den Biographien von Hitler, Stalin, Mao und Ceaucescu nachweisen, und ich habe diese Nachweise in meinen Büchern erbracht. Alle Tyrannen waren als Kinder erbarmungslos geschlagen worden, sie haben alle, ausnahmslos, ihre Schmerzen verleugnet und fügten sie später anderen zu, bekanntlich ganzen Völkern.
    Meine Bücher haben viele Leser erreicht, doch diese Menschen bilden eine winzige Minderheit der Weltbevölkerung. Die Mehrheit weiß von dieser Information noch nichts, und ich bin jedem dankbar, der mir hilft, sie zu verbreiten, damit sich die Situation rasch ändern kann. Das scheint mir durchaus realistisch, denn viele alte "Gewohnheiten" wurden erst vor kurzem dank besserer Informationen aufgegeben. Heute ist es nicht mehr erlaubt, Sklaven zu halten, Gefangene zu züchtigen, die eigene Frau zu schlagen, für all dies sind Strafen vorgesehen. Aber ein Kind kann immer noch straflos geschlagen werden, sogar ein Baby, wenn dies als Erziehung ausgegeben wird.
    Im Zeitalter des Internets dürfte es nicht unmöglich sein, die Information zu verbreiten, dass das Demütigen der Kinder auf die ganze Gesellschaft zurückschlägt. Es wäre durchaus denkbar, dass die kommende Generation von Erwachsenen diesen Zusammenhang schneller begreift als die vorhergehende, dass sie die Destruktivität und Ignoranz der alten erzieherischen Tradition durchschaut und sich für eine neue Tradition entschließt, die auf Wissen und Empathie gegründet sein wird.

    © Alice Miller"
     
  2. Krabbelkaefer

    Krabbelkaefer Hier riechts nach Abenteuer

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    Ergänzend

    Das Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung

    „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“ So lautet jetzt der Paragraph 1631 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuch. Damit werden sowohl die Kinder selbst als auch die Erwachsenen direkt angesprochen. Allen Kindern wird ein Recht auf die Erfahrung eingeräumt, dass ein Zusammenleben in der Familie auch in Konfliktsituationen ohne Gewaltanwendung möglich ist. Alle Erwachsenen werden verpflichtet, ihre erzieherische Verantwortung, also ihre Erziehungspflicht und ihr Erziehungsrecht, ohne den Einsatz von Gewalt wahrzunehmen und zu erfüllen. Was im Kindergarten, in der Schule und der Berufsausbildung schon lange gilt sowie sich bewährt und weitgehend durchgesetzt hat, gilt nun ohne Einschränkung überall dort, wo Kinder erzogen werden - also auch in der Familie. Damit werden an Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und alle übrigen Erziehungsberechtigten bei der Erziehung von Kindern dieselben Ansprüche gestellt, was das Verständnis füreinander und die Bereitschaft zur gegenseitigen Beratung und Unterstützung hoffentlich beflügeln wird.
     
  3. bücher

    hello!!

    also ich habe einige bücher von der alice miller gelesen und fand sie sehr gut!!!!!!!!!!!!!

    lg
    claudia
     
  4. jackie

    jackie buchstabenwirbelwind
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    DANKE für den text und den link

    alice miller sit (neben a.s.neill und erich fromm) eine meiner großen erziehungsfragen-gurus, vor allem ihr buch, am anfang war erziehung.

    bedrückend, aber auch unbedingt genial!

    alles liebe
    jackie
     
  5. Ich kann mir nicht vorstellen, daß es irgendjemand gut findet, ein Kind zu verprügeln. Ich finde aber nicht, daß man den Klaps auf die Hand oder Po mit Prügeln in den selben Topf schmeißen sollte...

    Kati
     
  6. jackie

    jackie buchstabenwirbelwind
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    @ kati

    sie schmeisst es ja nicht in den selben topf aber in einen ebenfalls schlechten topf.

    der klaps dient nämlich zur demo: "ich bin stark und du bist schwach, also denk dran, und mach das was ich will" das ist demütigend und schlecht f die kindliche psyche :jaja:

    alles liebe
    jackie
     
  7. Der Klaps dient keineswegs zur Demonstration "Ich bin stark und du bist schwach", sondern ist bei wirklich gefährlichen Sachen wie z.B. der Steckdose die letzte Warnung und hat bei Axel geholfen, daß er Steckdosen meidet. Also mir ist es lieber, er lernt auf diesem Weg, daß Steckdosen aua machen als wenn er reinlangt und eine gewischt kriegt :o Furchtbare Vorstellung! Ich hab zu ihm 1000mal nein gesagt, aber er hat einfach nicht drauf gehört. Der Klaps kam in der selben Aufzählung mit Prügeln und schlagen. Für mich ist das aber längst nicht dasselbe.

    Kati
     
  8. jackie

    jackie buchstabenwirbelwind
    Moderatorin

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    tut mir leid, kati, aber da bin ich andrer ansicht als du

    natürlich ist der klaps nicht dasselbe, aber es ist auch schlecht. wenn du die argumentation nicht nachvollziehen kannst, gut. aber überleg mal: was droht ein klaps denn an? was zeigt es dem kind? DASS DA NOCH VIEL MEHR NACHKOMMEN KANN? oder was hättest du getan, wennd er klaps keine wirkung gezeigt hätte? was sit der nächste logische schritt?

    glaub mir, ich maße mir keinerlei urteil an über eltern, die deiner meinung sind, aber es ist nun mal nicht meine meinung.

    übrigens: unsere steckdosen sind alle gesichert :wink:

    nix f ungut und alles liebe
    jackie
     

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