Männer

Vanilla

Vanilla

Gehört zum Inventar
23. Februar 2003
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Berlin
vanilladesignz.blogspot.com
Mal angenommen, Sie sind ein Mann, kommen abends nach Hause, und niemand ist da. Dann müssen Sie hungrig ins Bett. Zumindest mit
einiger Wahrscheinlichkeit. Denn 44 Prozent der Männer können sich kein Butterbrot schmieren.
Nun haben Sie zwei Möglichkeiten. Entweder Sie rufen Ihre Mutter an. Die wird Ihnen sagen, daß Sie nie anrufen, daß Sie sich warm
anziehen sollen und daß sie bald sterben werde, wenn Sie so weitermachten. Ob denn ein Anruf pro Woche wirklich zuviel verlangt sei. Die
andere Möglichkeit: Sie lernen, wie man ein Butterbrot schmiert. Dafür ziehen Sie sich in einen Raum zurück, in dem Sie sich wohl fühlen
und angstfrei bewegen können. In Ihr Arbeitszimmer also. Damit es losgehen kann. brauchen Sie:
Brot, 1 Scheibe, etwa fingerdick
Butter, etwas
Buttermesser, 1
Teller, klein
Ein Buttermesser ist ein länglicher, metallener Gegenstand. Er ist doppelt so lang wie ein Handy, halb so breit, wie ein Filofax dick ist, und
gehört zur Gattung des Bestecks (siehe auch: Gabel, Löffel). Buttermesser finden Sie in jenem Raum Ihrer Wohnung, den Sie noch nie
betreten haben und von dem Sie sich schon oft gefragt haben, was sich darin verbergen mag. Gehen Sie hinein. Das Schlimmste, was Ihnen
passieren kann, ist, daß Sie einer fremden Frau begegnen. Keine Angst: Sie wohnt seit langem mit Ihnen unter einem Dach. Wünschen Sie
ihr einen guten Tag. Das Besteck liegt in einer Schublade, die sich für gewöhnlich in der Nähe eines auffälligen Kastens befindet. Dieser
Kasten hat oben vier schallplattenartige Scheiben und vorne Knöpfe, wie Sie sie aus Ihrem 5er BMW kennen. Wenn Sie an den Knöpfen
drehen, starten Sie das Gerät. Besser, Sie rühren es nicht an. Oder fragen Sie die Frau, wenn sie noch da ist und Sie vermutlich mittlerweile
mißtrauisch beobachtet. Nehmen Sie das Buttermesser aus der Schublade und verlassen Sie den Raum.
Brot gibt es in eigens dafür eingerichteten Brotverteilstellen. Man erkennt sie an den Schaufenstern, in denen riesengroße, staubige Brezel
aus Salzteig liegen, die nie jemand kauft. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen. Wenn doch, denken Sie an Ihre Mutter. Treten Sie ein
und verlangen Sie: "Eine Scheibe Brot, bitte." Brot notiert derzeit mit 35 Pfennig die Scheibe. Der Kurs ist recht stabil. Die Butter liegt im
Kühlregal. Sie ist in Folie eingeschlagen und durch die Aufschrift "Du darfst" gekennzeichnet.
Nun zum schwierigsten Teil der Sache. Legen Sie die Scheibe auf den Teller, nehmen Sie eine Messerspitze von der zimmerwarmen (!)
Butter, und stellen Sie sich folgende Szene vor: Sie sitzen in einer Vorstandssitzung, Meyer hat ein Papier präsentiert.
Vorstandsvorsitzender Krawehl, einer Ihrer Intimfeinde, findet Meyers Papier Scheiße. Da Meyer Ihr loyal ergebener Productmanager ist,
müssen Sie nun mit der Eleganz eines Raubtieres, mit drängender, gleichwohl respektvoller Argumentation den Krawehl niederbügeln und
ihm zugleich schmeicheln und damit Meyer, den Idioten, raushauen. Dieses Gefühl transponieren Sie nun in Ihre Rechte und führen damit
das Messer samt Butter über die Oberfläche der Brotscheibe. Hin und her. Hin und her. Bis die Butter dünn ist wie eine ideale
Personaldecke.
Die andere Möglichkeit: Stellen Sie sich vor, Sie seien Scharping. Das geht auch.
Obacht: Butterbrote werden - entgegen Ihrer sonstigen Gewohnheit, alles sehr gründlich zu machen - nur einseitig bestrichen. Fertig. Nun
können Sie vorne, wo die Scheibe schmal und rund zuläuft, in das Butterbrot hineinbeißen.
Nächste Woche: "Ich mache mir ein Spiegelei"

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