Was tun, wenn Kind sich nicht wehrt?

Dieses Thema im Forum "Rund um die Erziehung" wurde erstellt von Frau Anschela, 8. Mai 2004.

  1. Frau Anschela

    Frau Anschela OmmaNuckHasiAnschela

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    Hallo zusammen,

    momentan ist in der Spielgruppe Hauen, Schubsen, Sachen wegnehmen und Co. angesagt. Die Kids sind ja nun alle in Trotz- und Grenzen-Testen-Phasen, ein Stück weit normal denke ich. Auch Laura hat da schon ab und zu ihre dollen 5 Minuten. In der Regel sieht es aber eher so aus:

    Laura lässt sich alles wegnehmen, "gewinnt" selten, wenn sie einem anderen Kind etwas wegnehmen möchte, haut seltenst, schubst nie und vor allem, sie haut weder zurück noch schubst sie zurück. Wenn ihr in der Richtung was passiert, kommt sie weinend zu mir.

    Wie kann ich ihr helfen sich auch mal durchzusetzen aber trotzdem weiter meine Erziehungsschiene fahren: "Hauen und Schubsen ist doof, Zurückhauen und Zurückschubsen auch nicht besser" In der Gruppe wird nämlich eher nach dem Motto verfahren: Wenn du geschubst wirst, dann schubst du halt zurück und das finde ich ehrlich gesagt nicht so klasse. :???: Wie kann ich andere Kinder dazu bringen, Laura's "NEIN" (was sie übrigens ganz toll macht, was aber leider auch ignoriert wird) zu akzeptieren ohne Laura das Gefühl zu geben: Hier muß immer die Mama richten, ich kann's alleine nicht.

    Habt ihr Tipps, Anregungen, Erfahrungsberichte?

    LG
    Angela
     
  2. Was machst Du, wenn sie weinend zu Dir kommt? Hilfst Du ihr, indem Du das für sie regelst, tröstest Du sie oder schickst Du sie wieder da hin?

    Ich könnte mir vorstellen, dass sie, solltest Du für sie eingreifen und / oder sie trösten, überhaupt keinen Ehrgeiz entwickelt, sich durchzusetzen.
    Zumal ich mich frage, wie 2 jährige das untereinander machen, ohne schubsen und hauen? Diskutiert wird ja wohl noch nicht, oder?

    Auch auf die Gefahr hin, mich in die Nesseln zu setzen: Für mich wäre die Wahl zwischen (Vorsicht, etwas überspitzte Formulierung)

    "Mangelndem Durchsetzungsvermögen wegen Alles-gefallen-lassen"

    und

    "Zeitweise Änderung meines Erziehungsstiles dem Selbstbewusstsein meiner Tochter zuliebe"

    nicht allzu schwer.

    Da Kinder in dem Alter meistens so miteinander umgehen, tut man den eigenen Kleinen glaub ich keinen Gefallen, wenn man ihnen zu diesem Zeitpunkt etwas anderes beibringt. Ich würde sie sich wehren lassen und dann eingreifen, sollte sich herausstellen, dass sie daran "Spass" findet und von sich aus andere Kinder zu drangsalieren beginnt.
    Wenn sie dann älter und verständiger ist, muss man ihr natürlich altersgerechtes Verhalten beibringen, aber dabei sehe ich nicht so dass Problem, zumal ja auch wohl kaum eine sechsjährige ankommen wird und sagt "Mit zwei Jahren in der Spielgruppe durfte ich doch auch hauen und schubsen, warum denn nicht jetzt?"

    Man kann auch vorher noch versuchen, ihr beizubringen, zu dem andern Kind hinzugehen und es zu bitten, das Spielzeug wiederzugeben. Allerdings hab ich keine Ahnung, ob das in dem Alter schon funktioniert, zumal man spätestens dann vor dem gleichen Dilemma steht, wenn das andere Kind dazu überhaupt keine Lust hat...

    Die anderen Eltern werden ja wohl kaum alle gewalttätige Leute sein. Vielleicht nützt ja ein Gespräch mit denen etwas?

    Ich bin weder Erziehungsfachmann noch hab ich Ratgeber zu dem Thema gelesen, aber das wären so meine Gedanen zu dem Thema.

    Gruß

    Darkdancer
     
  3. Su

    Su Das Luder

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    Hallo,

    ich würde in der Spielgruppe ansetzen. Kein Kind darf hauen oder schubsen. Wenn das dort der Stil ist würde ich die Gruppe wechseln. Ganz ehrlich. Yannick ist auch in ein Krabelgruppe. Und dort waren auch alle mal kurz auf die Idee gekommen zu hauen oder schubsen. Das wird und wurde aber sofort von den Müttern unterbunden. Meistens mit dem Hinweis das dann nach Hause gegangen wird. Und ich bin auch schon mal beinahe mit Yannick nach Hause gegangen. Das klappt wirklich bei uns sind 10 Kinder, in keinem wirklich großen Raum und sicher wird mal an den ein oder anderen Teil gezogen oder gezerrt, aber mehr wird nicht erlaubt.

    Ich sehe das komplett anders, wie Darkdancer. Ich lerne doch meinen Kind nicht erstmal Dinge mit Gewalt zu verteidigen und wenn es dann sprechen kann sage ich, so ab jetzt wird nicht mehr gehauen jetzt kannst Du dich verbal verteidigen. Totaler schmarrn in meinen Augen.

    Ich finde toll das Deine Tochter so ist, wie sie ist. Ist mir tausend mal symphatischer als diese Schubser. Da hilft nur üben, üben, üben. Gemeinsam mit ihr zum Spielzeug gehen, zusammen mit dem anderen Kind reden. Jeder darf mal, einer nach dem anderen.

    LG
    Su
     
  4. Frau Anschela

    Frau Anschela OmmaNuckHasiAnschela

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    Hallo Ihr beiden, Danke für eure Meinungen. :bravo:

    Tobi, quatsch in die Nesseln setzt du dich bei mir nicht. Genau deine Gedankengänge - ziehe ich mir mit diesem Weg ein Kind heran, was sich alles gefallen lässt - habe ich auch. :jaja: Dennoch kann ich jetzt nicht einfach einen Knopf umdrehen und für befristete Zeit meinen Erziehungsstil ändern. Wie wir alle - davon gehe ich jetzt mal aus - versuche ich Laura Werte zu vermitteln, die MIR persönlich wichtig sind, hinter denen ich stehe, mit denen ich mich identifiziere. Und meine Meinung zum Thema Gewalt ist:

    Gewalt erzeugt Gegengewalt, erzeugt Gegengewalt usw. Ich denke, es liegt in jedermanns Hand und auch Verantwortung, diese Kette zu durchbrechen. Es ist IMMER schwerer, sich mit Worten zu wehren, als zuzuschlagen und zwar ganz unabhängig vom Alter des betreffenden. Und dann meine ich noch: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermer. Ergo, glaube ich, dass es auch jetzt schon wichtig ist, den Kids zu vermitteln, dass Hauen, Schubsen und Co. indiskutabel ist. Wie gesagt, meine ganz persönliche Einstellung zur Sache. Ich denke, ich würde Laura auch keinen Gefallen tun, wenn ich jetzt - vielleicht auch nur ihr zu Liebe - meine Einstellung ändere und ihr vermittele: Dann hau/schubs halt zurück.

    Denn Laura ist den anderen Kindern verbal überlegen und motorisch und kräftemäßig eher unterlegen. Ich möchte daher auch eher ihre verbale Stärke fördern - wenn es auch (noch) nicht von anderen Kindern so akzeptiert wird, wie ich es mir wünschen würde. Wenn ich sie anhalte zurückzuschubsen oder zu hauen, wird sie aber noch eher den kürzeren ziehen. Außerdem wird sie mir das auch nicht abnehmen, denn wie gesagt, ich stehe nicht dahinter.

    Klar, ich habe Angst vor diesem Weg! Ich habe Angst, dass Laura in der Tat zum Prügelknaben werden könnte. Deshalb suche ich nach Wegen/Möglichkeiten ihr Selbstbewußtsein anders zu stärken, sie zu motivieren, weiter so zu machen, wie bisher, auch wenn es Rückschläge gibt, auch wenn sie (noch) nichts erreicht. Ich möchte ihr einfach den Rücken stärken und sagen: So ist es okay, auch wenn du verlierst, es ist richtig. Und ich möchte ihr etwas von der Frustration nehmen

    Deine Frage, was ich mache, wenn sie weinend zu mir kommt, kann ich pauschal nicht beantworten, es kommt auf die Situation an. Wird ihr was weggenommen, sage ich ihr in der Regel, sie soll das Kind bitten, es ihr zurückzugeben (was sie auch kann und tut), wenn sie keinen Erfolg hat, gebe ich ihr was an die Hand, was sie mit dem anderen Kind tauschen kann, funktioniert auch oft. Ansonsten biete ich ihr was anderes für sich selbst zum spielen an. Wenn sie selbst, was wegnimmt, schaue ich, wie das andere Kind reagiert. Ist es ihm scheinbar egal, ignoriere ich es. Weint das Kind dolle und war gerade super mit dem Spielzeug beschäftigt, biete ich an zusammen zu spielen (wenn möglich) ansonsten bitte ich Laura das Spielzeug zurückzugeben, macht sie auch meistens.

    Bezüglich des Wegnehmens haben wir - so denke ich einen guten Weg gefunden. Und genau so einen Weg wünsche ich mir, für die Situationen Hauen/Schubsen. Wenn Laura (ist ja auch kein Engel :-D ) mal ausholt, dann sage ich ihr: Hauen ist doof, das tut dem anderen Kind weh. Ich verlange von ihr, dass sie sich beim anderen Kind entschuldigt, das tut sie auch. Und dann ist wieder gut.

    Nur wenn Laura gehauen wird, bin ich ehrlich gesagt etwas hilflos. Ich kann schlecht mit dieser Situation umgehen, wenn mein Kind geschlagen oder geschubst wird. Und für genau diese Situation brauche ich Tipps und Anregungen. Wenn ICH besser mit der Situation umgehen kann, wird es Laura auch leichter fallen, so denke ich.

    Su, danke für die Aufmunterung :bussi:
    Die Spielgruppe möchte ich eigentlich nicht wechseln. Wir fühlen uns dort beide sehr wohl. UNd es ist auch nicht so, dass hier permanent prügelnde Kinder aufeinandertreffen. Es gibt halt diesen Konflikt - aber den muß ich für MICH lösen und nicht für die anderen Eltern. Derselbe Konflikt ergibt sich ja auch mit Nachbarskindern, auf dem Spielplatz und wahrscheinlich auch in jeder anderen Spielgruppe. Ich kann mich ja nicht mit Laura einigeln. :(

    Vielleicht empfinde ich das "Ganze" ja auch viel schlimmer, als es für Laura tatsächlich ist? Machen ihr die "Niederlagen" nachhaltig wirklich so viel aus? Oder ist es eher mein Mutterherz, was getroffen wird? Was empfindet die Kinderseele, in solchen Situationen? Tja, jetzt müßte man Kinderpsychologe sein. :-D

    LG
    Angela

    S
     
  5. Wir haben ja auch viele kleine in der Kita und da gilt das Motto,

    "Wer haut (oder anderen weh tut) ist raus! Das verstehen alle Kinder und das Kind was gehauen hat muss raus aus dem Spiel, ein paar Minuten alleine sitzen und muss sich dann mit Worten oder einer Umarmung entschuldigen.

    Das funktioniert bei uns bestens.

    Auserdem finde ich es eine große Leistung wenn ein Kind einschätzen kann, in welcher Situation es die Hilfe eines Erwachsenen braucht, der bei der Klärung eines Problems hilft. immerhin hat das Kind entschieden das es nicht hauen will. Wirloben die Kinder sehr wenn sie zu uns kommen und Hilfe bei einem Streit suchen und dann sind sie stolz, es geschafft zu haben und es ist nicht peinlich das immer ein >Großer helfen muss.

    Corinna
    Corinna
     
  6. Frau Anschela

    Frau Anschela OmmaNuckHasiAnschela

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    :winke: Corinna,
    vielen Dank für deinen Beitrag, hat mir sehr weitergeholfen. :bravo:

    Finde ich eine sehr gute Lösung :jaja: Ich werde den Vorschlag auf alle Fälle in unserer Gruppe mal machen. Wie das jeder zu Hause im Kämmerlein bzw. im kleinen Kreis handhabt, soll ja jedem selbst überlassen sein. Ich finde aber auch, dass in einer größeren Gruppe schon gewisse Regeln aufzustellen sind. Mal sehen, wie das ankommt.

    So hab ich das noch gar nicht gesehen. Aber klar, du hast recht! Man kann das ganze auch positiv sehen. :jaja: Und das Hervorheben der Entscheidung "ich haue nicht, sondern hol hilfe" mit gleichzeitigem Lob finde ich super klasse! Mal sehen, ob das bei uns in der Praxis auch funktioniert. Ist auf jeden Fall ein guter Tipp!

    LG
    Angela

    @all:
    P.S. Für weitere Anregungen - wie das bei euch gehandhabt wird etc. bin ich natürlich nach wie vor offen :)
     
  7. Hallo Angela,

    ich finde gut, dass Laura es mit "Nein" d.h. mit Worten versucht. Unterstütze sie dabei!.
    Konkreter Vorschlag:
    Passiert so etwas, Laura sagt Nein, das andere Kind reagiert nicht, sie kommt weinend zu dir;
    nimm sie und gehe mit ihr zu dem Kind hin. Rede mit dem Kind. Z.B. Du hast Laura wehgetan (etwas weggenommen ect.) Laura hat NEin gesagt- sie möchte das nicht- du hast es leider nicht gehört! Jetzt ist sie traurig- schau sie weint. Es wäre schön, wenn ihr zusammen spielt und euch vertragt." Oder so ählich- du verstehst.

    Es wäre gut, wenn Laura das hört, wie du mit dem Kind redest. Nimm sie nicht in Schutz- das ist nicht Sinn der Sache. Sie soll lernen- und das andere Kind übrigens auch- dass zuhören und Gefühle erkennen wichtig ist

    Ich denke, das musst du immer wieder tun- mit ein Mal ist das leider nicht erledigt.
    Viel Erfolg Kerstin
     
  8. Frau Anschela

    Frau Anschela OmmaNuckHasiAnschela

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    Danke Kerstin :bussi: Es ist schön zu hören, dass wir grundsätzlich auf dem richtigen Weg sind, dann fällt es auch mir leichter das konsequemt weiter zu führen. :jaja:

    Deinen Ratschlag werde ich auf jeden Fall auch beherzigen.

    LG
    Angela
     

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  1. wenn kleinkinder sich alles wegnehmen

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