Polypenfrage

Dieses Thema im Forum "Kinderkrankenpflege" wurde erstellt von Frau Anschela, 14. März 2006.

  1. Frau Anschela

    Frau Anschela OmmaNuckHasiAnschela

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    Huhu Anke,

    bei Laura sollen die Polypen entfert werden. Stand ich dem erst noch relativ offen entgegen, sträuben sich mir nun die Nackenhaare, da diese OP offensichtlich nur noch ambulant durchgeführt wird.

    Ich selber hatte als Kind Nachblutungen und das war weder für mich, noch für meine Eltern so klasse.

    Okay, es ist selten aber es kann nun einmal passieren.

    Von daher überlege ich, ob wir dieses Risiko überhaupt eingehen sollen.

    Die Beschwerden halten sich eigentlich in Grenzen:
    Laura atmet überwiegend durch den Mund - das tut sie aber eigentlich schon immer - gerade wenn sie sich konzentriert.
    Sie hört manchmal etwas schlechter - was sich allerdings auf ihr Sprachvermögen überhaupt nicht ausgewirkt hat, von daher scheint es nur minimal zu sein. Schlimmer wird es bei Infekten - da hört sie manchmal richtig schlecht. Aber das kommt ja nu so häufig auch nicht vor. Sie hat gerade einen leichten Infekt und der HNO konnte einen Paukenerguss sehen.
    Sie hatte noch nie eine MOE.
    Sie hat nicht mehr/weniger Infekte als andere Kinder
    Sie schnarcht manchmal - aber auch meist nur wenn ein Infekt da ist. Sie wacht nachts auf - allerdings ist sie nicht tagesmüde.

    Jetzt hab ich gelesen, dass sich "die Teile" bis zum Vorschulalter oft selbst zurückbilden. Und irgendwie haben die ja nun auch eine nützliche Funktion. Unter dem Aspekt und eben weil die Beschwerden sich in Grenzen halten, überlege ich halt, ob es wirklich sein MUSS, wie der HNO gesagt hat.

    Außer dass sich die Beschwerden verschlimmern könnten (dann könnte man ja auch immer noch handeln) gibt es bei Nicht-OP ein mögliches Dauerrisiko, dass ich jetzt übersehe? z.B. dass das Ohr irreperabel geschädigt werden könnte oder so.

    Ich seh das auch unter dem Aspekt - je älter das Kind, desto verständiger, was "ruhig bleiben - nicht toben" angeht. Wenn Laura denn ersten Schmerz überwunden hat und es ihr ansonsten gut geht, werde ich sie wohl eine Woche festbinden müssen.

    Kannst du mir dazu was sagen? Oder ist das so gar nicht dein Thema?

    Liebe Grüße
    Angela
     
  2. Florence

    Florence Hautärztin

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    AW: Polypenfrage

    Hallo Angela,
    Ich würde einen zweiten HNO-Arzt mit dieser Frage konfrontieren, da ich nicht beurteilen kann, wie groß die Polypen bei Laura sind.
    Ich kann Dir dazu nur sagen: Ich hab im letzten August in Neuss schon gedacht, daß Laura aussieht wie ein Polypen-Kind. Ich hab sie nämlich nie mit geschlossenem Mund gesehen. Wenn Kinder, durch Polypen bedingt, fast nur durch den Mund atmen, wird die Atemluft nicht ausreichend angefeuchtet, das kann zu häufigeren Infekten führen, die dann auch häufiger die unteren Atemwege betreffen. Durch die ständig offene Mundhaltung können sich auch immer mal wieder die Kiefer- und Gaumenknochen nicht richtig ausbilden, was später oft kieferorthopädische Maßnahmen nötig macht. Das Riechvermögen ist oft beeinträchtigt - das Kind kann sich mitunter dann gar kein richtiges geschmackliches Bild von seinen Nahrungsmitteln machen. Wie das Essen dann schmeckt, kannst Du mit zugehaltener Nase mal ausprobieren. Bei beeinträchtigtem Hören kann es nicht nur zu Sprachentwicklungsstörungen, sondern auch zu Orientierungsproblemen in der Umgebung kommen (man hört dann alles wie mit Watte in den Ohren, kann Richtungen oft nicht bestimmen, aus denen Geräusche kommen).
    Ob all das für Laura auch zutrifft, muß ein HNO-Arzt entscheiden. Am besten sucht man sich einen, der keine Belegbetten in einer Klinik hat und auch nicht selbst operiert. Diese Ärzte sind Operationen gegenüber oft kritischer als ihre selbst operierenden Kollegen.
    Wenn es mein Kind wäre, würde ich durchaus erstmal abwarten, aber engmaschige Kontrollen beim HNO machen lassen - Hörtest, Nasendurchgängigkeitsprüfung mit eingeschlossen. Es ist leider eine trügerische Hoffnung, daß sich Polypen im Vorschul- oder frühen Schulalter zurückbilden. Sie bleiben oft so groß, allerdings wächst das Kind relativ dazu ja auch, so daß die Relationen sich verschieben. Kommen allerdings im frühen Schulalter wieder mehr Infekte dazu, können die Polypen auch weiterwachsen und dann problematisch werden.
    Liebe Grüße, Anke
     
  3. laispa

    laispa Rettender Engel

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    AW: Polypenfrage

    Hallo Angela.

    Ich hoffe, es ist ok, wenn ich hier mal kurz antworte :winke:

    habe jahrelang bei einem HNO-Arzt gearbeitet.

    Bei uns in der Praxis wurde OP (in der Klinik) auch nur ambulant gemacht, außer die Patienten kamen von zu weit her, so daß sie nicht innerhalb von 10-20 Minuten im KKH sein konnten, wenn z.B. Nachblutungen auftreten.

    Nachblutungen kommen äußerst selten vor und in der Zeit, wo ich in der Praxis gearbeitet habe (6 Jahre) ist das nur 1x vorgekommen

    das ist das Typische Zeichen für Adenoide (kindl. Polypen), da die Adenoide, je nachdem wie groß sie ist (manchmal bis Walnussgröße) den ganzen Nasenrachenraum verschließen kann und somit keine Nasenatmung mehr möglich ist. Dann müssen die Kinder durch den Mund atmen.
    Das Nasensekret kann dann nicht durch den Rachenraum ablaufen und wird sozusagen ins Ohr umgeleitet (Paukenerguß), da die Eustachische Röhre (röhre vom Rachenraum zum Ohr) genau dort liegt.

    Dadurch, daß der Mund ständig offen ist, sind die Muskeln geschwächt. Viele Kinder, die bei uns operiert wurden, sind danach noch immer mit offenen Mund rumgelaufen und die Eltern waren total verwirrt. Mein Chef meinte, daß die Kinder erst einmal wieder lernen müssten, den Mund zuzumachen. Da hilft z.B. Kaugummi kaufen, das kräftigt die Muskulatur.


    das fällt manchen Eltern auch garnicht richtig auf, da sich die Kinder schon so daran gewöhnt haben, daß sie schon perfekt von den Lippen ablesen können.
    Mein Chef hat das immer so geprüft: er hat erst normal mit den Kindern gesprochen, da haben sie alles verstanden (da von den Lippen abgelesen), dann hat er wärend des Satzes ein Stück Papier vor den Mund gehalten und weitergesprochen. Und das Kind hat nichts mehr verstanden, da es nicht mehr von den Lippen ablesen konnte.

    Beobachte mal Dein Kind, ob es Dir immer auf die Lippen schaut, wenn es mit Dir spricht.

    Wenn Laura dann mal in die Schule kommt, dann hat sie da ziemliche Probleme, da die Lehrerin ja nicht immer vor der Klasse steht, sondern auch mal rechts oder links oder mit dem Rücken zur Klasse, dann versteht Laura nichts mehr und bekommt nichts mehr mit.

    aber wie oft hatte sie denn schon einen Paukenerguß? MOE heißt ja nur, daß Bakterien in das Mittelohr gelangt sind (von den Adenoiden) und sich das entzündet hat.

    das stimmt in vielen Fällen, aber nicht in allen.

    Hole Dir auf alle Fälle noch eine Zweitmeinung von einem andere HNO-Arzt ein.

    Laura ist ja gerade mal 4 Jahre alt. Wenn die Beschwerden aber nicht besser werden, würde ich zu einer OP vor Schulbeginn raten.


    im Anhang mal ein schönes Bild von einem Querschnitt.

    LG
    Dagmar
     
    #3 laispa, 15. März 2006
    Zuletzt bearbeitet: 14. Dezember 2006
  4. Frau Anschela

    Frau Anschela OmmaNuckHasiAnschela

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    AW: Polypenfrage

    Danke, ihr beiden. :bussi:

    Das hilft mir sehr weiter.

    Anke, der Hinweis mit dem Riech- und Geschmackssinn ist mir sehr wichtig. Da hab ich gar nicht drüber nachgedacht. Und sie hat wirklich immer den Mund offen.

    Dagmar, Paukenergüsse hat Laura aktuell und auch häufiger schon gehabt. Und ja, für diesen Stubser mit dem Hörvermögen danke ich dir besonders - das ist mir nämlich SO gar nicht aufgefallen - aber wenn ich drüber nachdenke: Wenn ich mich mit Laura unterhalte und ich spreche in die andere Richtung, dann fragt sie sehr oft nach, was ich gesagt habe.

    Vielen, lieben Dank für eure Info's.

    Ich hör mir noch eine zweite HNO-Meinung an.

    Liebe Grüße
    Angela
     
    #4 Frau Anschela, 15. März 2006
    Zuletzt bearbeitet: 15. März 2006
  5. Michi72

    Michi72 Gehört zum Inventar

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    AW: Polypenfrage

    Hallo,

    darf ich mal fragen, wie alt du warst als du die Polypen raus bekamst?
    "Früher" wurde auch meist viel zu früh die Polypen entfernt.
    Mein bruder war damals gerade knapp 3 als er die Polypen raus bekam.Er bekam auch nachblutungen, weil er schlicht weg zu jung war und es eigentlich garnicht so dringend nötig war!Damals wurde mehr nach dem Prinzip gegangen: Kind schnarcht, Kind hat zu grosse Polypen und raus damit!



    Heutzutage werden die Polypen eigentlich nur raus genommen, wenn es wirklich notwenig ist und dem Kind damit wirklich geholfen ist.Und vorallendingen schonender als früher, wo wir Kinder waren.

    Frage auf jedenfall noch einen zweiten HNO-Arzt, ob es jetzt wirklich dringend ist, oder ob man nicht noch 1 bis 1 1/2 Jahre warten könnte.

    Wachsen die Polypen eigentlich wieder nach? Ich dachte, ich hätte davon mal was gehört.

    Lg,
    Michaela
     
  6. Florence

    Florence Hautärztin

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    AW: Polypenfrage

    Michaela, wenn die Polypen (Adenoide) von einem erfahrenen Arzt entfernt werden, können sie nicht mehr nachwachsen. Es kommt allerdings in manchen Fällen zu Vermehrung von lymphatischem Gewebe am Eingang der Eustachischen Röhre, was dann auch wieder die Belüftung des Mittelohrs verhindert, wodurch sich dann die MOE wieder häufen können. Das passiert allerdings nicht so sehr oft.
    Liebe Grüße, Anke
     
  7. Frau Anschela

    Frau Anschela OmmaNuckHasiAnschela

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    AW: Polypenfrage

    Hallo Michaela,

    ich war schon älter. Um genau zu sein, passierte es haargenau an meinem 6. Geburtstag. Ich kann heute noch nicht wirklich genau nachvollziehen, warum meine Eltern die OP so kurz vor meinem Geburtstag haben machen lassen. :piebts:

    Der HNO meinte gestern auch, dass die Polypen nicht nachwachsen, zumindest nicht mehr, wenn sie in Laura's Alter entfernt werden.

    Liebe Grüße
    Angela
     

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