notkaiserschnitt (wie immer sehr lang)

Dieses Thema im Forum "Geburtsberichte" wurde erstellt von gabriela, 25. Juni 2002.

  1. ich werde erstmal von laurins geburt erzählen, von flavias vielleicht später (liegt auch lange zurück) :-D

    laurin ist ein wunschkind im späten jahre, ein "letzer zug" sozusagen. schwanger werden ging so schnell nach der entfernung der spirale (nächsten monat), dass meine ärztin mich wie ein weltwunder betrachtete, bei der ersten untersuchung. bei der zweiten war ich ein noch grösseren wunder, weil auf dem ultraschall zwei fruchtblasen zu sehen waren. leider nur bis in der 12 woche, danach hat das herz von laurins zwilling aufgehört zu schlagen :-( es hat mich sehr mitgenommen, weil ich mich schon sehr auf die beiden kleinen gefreut habe, deswegen fingen bei mir schon im 4. monat die wehen an. in der 29 woche bin ich dann im krankenhaus gelandet, 1 tag vor dem geplannten umzug, wahrscheinlich damit ich nicht mitpacken muss. dort bin ich 4 wochenlang geblieben, bettruhe unter überwachung, anfangs mit wehenhemmenden tropf, später nur noch tabletten. wöchentlich gabs eine lungenreifenspritze. nach 4 wochen bin ich entlassen worden, leichte wehen hatte ich nachwievor, aber daran hatte ich mich schon gewöhnt. es hiess die wehen wären aufgrund psychischer belastung und ich soll mir keine weiteren sorgen machen, ab 34 woche ist das baby schon stark genug falls es früher kommen soll. eine pränataldiagnose lag auch vor, nur ultraschall, aber es war beim kind alles dran, sogar seine lanze hat er stolz auf dem bildschirm präsentiert, damit ich ja keine rosa strampler kaufen soll :-D sonstige probleme gabs keine, eigentlich eine fast normale schwangerschaft.

    nachdem mir bei flavia misslang im geburtshaus zu entbinden (zum glück), stand für mich fest dass laurin im krankenhaus auf die welt kommen soll, zumal ich als risikoschwangere eingestuft war, aufgrund meines alters :oops: wochenlang hatte ich mich informiert über alle krankenhäuser in der umgebung (flavia ist in freiburg geboren) und mich schliesslich entschieden für ein grosses KH mit kinderklinik im nebengebäude. die letzen wochen waren grausam, weil laurin schon seit dem 6. monat sehr tief im becken lang, was meinem kreuz gar nicht gut tat :-? von seite der hebammen und ärzte gabs wetten wie schnell die geburt sein wird bei der lage des kindes, ich persönlich tippte auf 2 stunden. je näher der termin kam, desto mehr bereute ich mich nicht für ein geburtshaus entschieden zu haben, weil es keine probleme gab, ausser meine leichten wehen, die aber gegen ende der schwangerschaft nachliessen. angst vor der geburt hatte ich nicht, obwohl bei flavia sehr lange gedauert hat und nicht komplikationsfrei verlief. mit den hebammen im KH war es abgesprochen (die kannte ich schon vom KH-aufenthalt) dass ich eine wannegeburt haben werde und darauf freute ich mich, zu flavias zeit war sowas sehr selten.

    1 tag nach dem errechneten termin hatte ich eine leichte blutung und freute mich endlich mein bauch los zu werden und mein kind in die arme zu schliessen. papa war verdonnert die letzen wochen bei mir zu harren (er ist sonst nur am wochenende da) und so führen wir gegen 6.30 ins KH. ans CTG angeschlossen, waren wenig wehen zu sehen und die herztöne waren ok. kindslage perfekt, muttermund 2 cm offen, schwangere in bester verfassung. der prof kam um mich zu untersuchen und dabei schoss ein bluschwall heraus, dass alle um mich herum erschreckte, mich aber am meisten. danach hiess es keine wanne, aber seil oder stuhl wäre ok, keine panik, erstmal aber liegen. vorsichtshalber sei der op bereit zu machen. die hebamme war sehr nett und wir machten witze, während ich mit unregelmässigen wehen ans CTG angeschlossen lag, mein freund ganz verloren neben mir auf dem stuhl, sein erstes kind, er wollte unbedingt bei der geburt dabei sein. der prof kam wieder und beschloss ein belastungstest zu machen, weil die wehen nicht vorankamen. die herztöne von laurin gingen im keller, so dass der test abgebrochen wurde. es war inzwischen 9 uhr und ich lag seit 2 stunden im kreissaal mit blutung. die hebamme betastete den kopf und meinte es wäre nicht unten genug, was mich wunderte, weil das baby die ganzen monate fast am ausgang lag. der prof verlangte von ihr dass sie die fruchtblase sprengt, sie aber weigerte sich und sagte er soll das selber machen, sie ist nicht damit einverstanden. fruchtblase wird gesprengt, mir war die ganze zeit schwindlig und mein freund wusste nicht was er sagen konnte und schaute nur zu. die herztöne laurins wurden unregelmässig, ich bekam ein wehenhemmendes mittel. der prof ging ein und aus und alle warteten. ich musste auf die toilette und die hebamme half mir aufzustehen. auf dem flur und im bad hinterliess ich dicke blutgerinseln und riesigen blutlaken hinter mir. zurück ins kreissaal, wieder ans CTG, der prof kam zurück und schimpfte mit der hebamme warum ich aufgestanden sei. die herztöne laurins blieben aus, dann kamen sie zurück und waren unter 60. ich bekam wenig mit, weil mir schlecht war, nur bettelte ich bitte kein kaiserschnitt. mit hilfe von hebammen und arzt wechselte ich auf die trage über und wurde ins OP geschoben, mit meinem freund kam ich nicht dazu zu reden, dafür war er zu blass. im OP waren 7-8 leute, ich bekam alle möglichen schläuche und blutete dabei wie ausgestochen. ich hatte wahnsinnige angst um mein kind und dachte ich bin im falschen film. die ganze zeit dachte ich nur "bitte kein kaiserschnitt", darauf war ich nicht eingestellt. um 10.45 wurde laurin herausgeholt.

    meine erste worte nach dem aufwachen waren "schmerz". dann dämmerte es mir langsam wo ich war und dass ich gerade entbunden hatte. ich kriegte kein wort mehr über die lippen und wollte die ganze zeit nach mein baby fragen, konnte aber nur "schmerz" artikulieren. irgendwann konnte ich doch krähend "mein baby" fragen. mein freund war irgendwo neben mir und sagte wir hätten ein wunderschönen knabe mit lockigen haare (er hat sie nur ungewaschen gesehen) und er ist gesund. später erzählte er mir dass wir uns unterhalten haben über mehreren sachen, ich kann mich aber nicht daran errinern. ich hatte wahnsinnigen schmerzen und der grösste schmerz war dass mein baby nicht bei mir war. ich schickte mein freund in die kinderklinik um für mich ein bild laurins zu bringen und weinte die ganze zeit nach mein kind. er kam zurück mit einem polaroid, auf dem ein verschlauchtes baby zu sehen war, im brutkasten. er sah blass und sehr frech aus, mit seiner stupsnase. irgendwie kam er mir fremd vor und ich konnte mir nicht vorstellen dass das mein baby ist. mein freund erzählte mir dass ich 70 minuten im OP war, weil die plazenta während der geburt sich abgelöst hatte und weil sie obendrauf mit der gebärmutter zusammengewachsen war. die ärzte hätten sowas noch nie gesehen, die waren fast verschmolzen. die blutgefässe mussten microchirurgisch genäht werden und darum dauerte das ganze so ungewöhnlich lange. ich hatte aber glück mit dem kaiserschnitt, sonst wäre ich verblutet und laurin auch. als sich die plazenta abgelöst hatte, ging ein teil seines blutes zurück in die plazenta und er erlitt einen grossen blutverlust. die nabekschnur war 2x um sein hals verschlungen, das war der grund warum er nicht in den geburtskanal rutschen konnte und seine herztöne ausblieben. er wäre fast erstickt.

    am abend hielt ich es nicht mehr aus und bat mein freund mich in die kinderklinik zu fahren, mit dem rollstuhl. ich glaube es war 20 uhr. ich sah ihn im brutkasten liegend und durfte ihn nicht auf den arm nehmen, auch konnte ich nicht aufstehen um ihn näher zu betrachten. ich sah ihn nur und weinte. am nächsten tag in der früh fuhr ich wieder mit meinem freund hin und hielt zum ersten mal mein kind in den armen und legte ihn an. obwohl er kraftlos war durch seine anämie, fand er schnell heraus wo er saugen soll und tat es auch so gut es ging. ich fuhr mit dem rollstuhl alle 3 stunden hin und versuchte zu stillen. nach 3 tage auch in der nacht, nachdem mir die kinderschwestern flaschennahrung andrehen wollten. er bekam sonst nur glukose und meine milch die nach 3 tage ca 40ml war. laurin blieb 5 tage in der kinderklinik und ich holte ihn dann zu mir ins zimmer, nicht ohne proteste, aber ich wollte ihn bei mir haben und nach bedarf, nicht nach der uhr stillen. seitdem er bei mir war, gings ihm ganz gut und er trank auch gut für seine verhältnisse. 10 tage später wurde ich entlassen, nachhause zu meiner baustelle. meine narbe tat monate lang weh und war taub, 4 monate hatte ich blutungen und danach etwa alle 2-3 wochen auch, bis heute (von wegen stillen und periodeausfall!).

    bis heute fasse ich es kaum dass laurin durch kaiserschnitt auf die welt kam und es schmerzt mich ihn nicht als erste in den armen gehalten zu haben, ihn nicht willkommen heissen zu können. ein babyblue hatte ich aber nicht, im gegenteil, ein sehr inniges verhältnis zu meinem jüngsten, vielleicht weil wir beide so nah dem tod waren, zusammen.

    sorry, wie immer sehr viel geschrieben :-?
     
  2. Hi Du!!

    Du arme :tröst: !!
    Aber die Hauptsache ist das der Kleene jetzt wohl auf ist und keine Schäden davongetragen hat!! Oder? Ich ziehe den Hut vor Dir. Ich wüsste nicht ob ich das überstanden hätte.

    Gruss GeeSabse :rose:
     
  3. hi geesabse,

    danke, aber ich glaube jede frau würde sowas überstehen, weil sie keine andere wahl hätte, :-? so eine leistung wie petras, das ist schon bewunderswerter! mein kleiner ist ganz ok, hatte nur blutarmut und hat sich inzwischen erholt.


    liebe grüsse,
     
  4. das kann ich Dir soooo gut nachfühlen!!
    mir gehts genauso, hatte mein 1. Kind spontan entbunden und beim 2. wurde es dann nach 20 Stunden Wehen ein Notkaiserschnitt 8-O und irgendwie fehlt mir da was ... :heul:
     
  5. Hallo gabriela,

    habe deinen gebutsbericht erst jetzt gelesen hab ihn völlig übersehen.

    Puh... weiss gar nicht was ich sagen soll.... bin gerade sprachlos... möchte nur sagen dasich es echt bewunderswert finde wie du das alles durchgestanden hast :jaja:

    LG DésiréE :bussi:
     
  6. Oh man, gabriela, :o

    bei Deinem Bericht hab ich nur gedacht, wie gut, das die Medizin heute sooo weit ist!!!
    Ich kann gut verstehn daß Du enttäuscht warst über einen Kaiserschnitt. Aber was für ein Glück ihr hattet!!!
    Ich finde nur erstaunlich, daß man nicht eher stutzig geworden ist.
    Du mußt doch während der ganzen Zeit Unmengen Blut verloren haben...
    Das ist doch nicht normal bei einer Geburt...
    Ich freu mich sehr, daß es gut ausgegangen ist!!!

    Liebe Grüße
    Silke
     

Diese Seite empfehlen

Die Seite wird geladen...