Im Essen matschen, Becher umkippen.....

Dieses Thema im Forum "Rund um die Erziehung" wurde erstellt von Laila`sMama, 15. Juli 2004.

  1. Hallo Ihr Lieben!!

    Ich muß ehrlich gestehen, mir reißt der Geduldsfaden und ich frage euch hiermit um Rat.

    Seit ca. 4 Wochen "isst" Laila allein, mehr oder weniger. Sie hält den Löffel dabei immer, egal was ich mache oder sage, falsch herum, so das alles runterfällt, wenn es mal nicht etwas ist, was klebt.
    Wenn ich ihr nun immer und immer wieder sage, und zeige, sie solle den Löffel geeeerade halten und zeige ihr dann, mit ihrer Hand, wie ich das meine, schmeißt die den Löffel quer über den Tisch oder in den Teller hinein. Lasse ich sie dann allein machen, weil es für mich eindeutig ein Zeichen des "Ich will allein machen" ist, fällt alles hinunter und sie bekommt vom Essen nichts ab.
    Helfen mit einem anderen Löffel, habe ich auch schon versucht, der wird mir prompt aus der Hand geschlagen, wenn er kurz vor dem Mund ist.
    Heute hat sie mich wirklich auf die Palme gebracht, so wie mittlerweile fast jedesmal, wenn es ums Essen geht.
    Sie schmiss den Löffel ins Essen, quer über den Tisch, auf den Fußboden....und ich "blöde Kuh" hebe den Löffel schööön brav immerwieder auf und lege ihn auf den Tellerrand.
    Es dauerte nicht lange, da landete der Löffel abermals auf dem Tisch und die Hand im Teller und zwar sowas schon schnell, das ich kaum reagieren konnte. Schwups war die linke Hand auch gleich im Teller, es wurde reingeriffen und der Inhalt auf den Tisch geschmissen. Alles wunderbar begleitet mit Geschrei, Fußgetrampel und Hände um sich schlagen, wobei der Kartoffelbrei nur so flog....
    Ich war außer mir. Ich wurde laut und sagte mehr als deutlich das der Teller jetzt, wie schon 2 Mal angedroht, wegkommt.
    Sie schrie was das Zeug hielt und weinte gaaaaaanz dicke Tränen.
    Ich fragte sie dann, ob sie denn jetzt noch etwas trinken wolle und als sie sich beruhigte und auf den Becher zeigte, gab ich ihr den Becher.
    Sie nahm ein paar Schlucke (richtig brav) stellte den Becher dann wieder hin und aufeinmal griff sie in den Becher, der Becher kippte um und alles landete auf ihrer Hose, sie wurde wütend und schleuderte gleich nochmal ihre Hand in Richtung Becher, der dann widerum über den Tisch auf den Boden fiel.
    Es tut mir leid das so zu sagen, aber in Gedanken habe ich Ihr eine auf die Hand gegeben, wirklich- und ich war schon so kurz davor es wirklich zu tun, das ich Angst bekam.
    Aber laut wurde ich und das wollte ich eigentlich gar nicht. Das passiert mir aber jetzt in letzter Zeit öfter.

    Was kann ich tun? Wie sollte ich mich verhalten und vor allen Dingen, wie gehe ich mit meiner eigenen Ungeduld um? Laila hat die Ungeduld von mir und wenn etwas nicht klappt, dann wird geschrien, sich auf den Boden geschmissen oder sonst was.....und dafür bringe ich keine Geduld auf. Ich versuche es.....immer und immer wieder...aber es endet immer damit, das ich laut werde.

    Was mache ich mit dem Essen? Morgens, Mittags, Abends....immer die gleiche Zeterei am Tisch. Es wird geschrien, um sich geschlagen, geweint....nur weil Mama auch ihren Kopf durchsetzt und z.B. Essen weggenommen wird, weil damit nur gespielt wird.
    Essen ist doch kein Spielzeug und ich sehe nicht ein, das es auf dem Fußboden landet, weil Madame`meint es runterschmeißen zu müssen.

    Wer kann mir einen Tip geben. Ist es wirklich nur meine Ungeduld? Mein Mann sagt "ja" und er findet es schrecklich, wenn ich am Tisch so laut werde, weil Laila irgendwas macht, was nicht richtig ist.

    Ich wäre wirklich Dankbar, wenn mir jemand mal sagen kann, was ich machen kann oder wie ich mich verhalten soll.
    Das kann doch so nicht weitergehen.

    Verzweifelte Grüße
     
  2. hallo carmen,

    im kleinkind-forum findest du einige solche beiträge, du bist nicht allein. vielleicht magst du danach suchen? die lösung des problems hast du dir selber gegeben: sie hat die ungeduld von dir. das heisst auch, es überträgt sich situationsbedingt, nicht nur genetisch.

    mein vorschlag: mantschen lassen und locker bleiben. dicke folie unterm stuhl, nur mit windel angezogen am tisch setzen (spart wäsche) und möglichst auf die eigene tischplatte, wenn du eine hast, ihren teller setzen (fast jeder hochstuhl hat so einen tischaufsatz, sonst vergiss es einfach). sie darf mantschen und knetten, aber NICHT mit dem löffel/teller/becher durch die gegend pfeffern. sobald sie das tut, nimmst du ihr mit einem knappen satz (das darfst du nicht) konsequent weg. ohne zu schimpfen, schimpfen macht das ganze nur interessanter. lass sie kontroliert mit dem essen spielen, dann hast du weniger trotzanfälle zu erwarten (zb lass sie mit dem essen muster auf den tisch schmieren, dann braucht sie das nicht schnell auf den tisch zu schmeissen ;-)) - und wenn deine erwartungen niedriger sind, dann nervt es dich auch weniger.

    zeigen, wie sie den löffel zu halten hat, ist zwecklos. sowas gucken sich die kinder meistens ab. ab und zu vielleicht den löffel richtig rum in die hand drücken, aber nicht ständig verbessern, das entmutigt. sie wird schon von alleine dahinter kommen, wie das richtig funktioniert - und dann freue dich richtig mit ihr und LOBE sie! das ist sehr wichtig. loben für viele kleine schritte und erfolge.

    versuche für diese phase das essen gut mit haferflocken anzudicken, das macht weniger sauerei (und auch satter). probiere auch fingerfood neben dem löffeln, sowas nehmen die kinder gerne an in diese phase. einfach ein paar stücke auf einem extrateller hinstellen, oder sie von deinem teller nehmen lassen. will sie sich nicht füttern lassen, lass sie. sie wird später nachholen, bei der nächsten mahlzeit, oder wenn sie konzentriert mit dem essen "spielen" darf, lässt sie leichter zu, dass du ein paar löffel nachschiebst.

    das wichtigste: erwarte nicht zu viel tischmanieren von so einem kleinen kind und bleibe einfach locker (leicht gesagt, ich weiss...). je weniger aufheben du deswegen machst, desto schneller vergeht diese phase. zeige ihr nicht nur was verboten/unerlaubt ist, sondern mach ihr das erlaubte sichtbar.

    viele erfolg,
    gabriela
     
  3. Buchstabensalat

    Buchstabensalat Pinselohräffchen

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    Und wenn es mal wieder in dir überkocht, stell dir folgendes vor:
    Aus irgendwelchen Gründen (Krankheit) kannst du deine Bewegungen nicht so koordinieren, wie du es willst. Deine Hände machen nicht, was du ihnen anweist. Alles fällt dir runter, gleitet aus deinem Griff. Je heftiger du versuchst, deine Bewegungen in den Griff zu bekommen, desto weniger klappt es. Du sitzt buchstäblich hungrig vor vollen Tellern, dazu kommt, daß niemand deine Probleme anerkennen will, alle zeigen dir, wie einfach das doch ist, wollen deine Hand führen, dabei ist das doch dein kleinstes Problem...
    Dann verstehst du, warum deine Kleine vor Wut und Frust schreit.

    Übrigens, binde den Löffel doch mit einem Bindfaden am Stuhl fest, so bist du wenigstens das Bücken los. Und vielleicht kaufst du auch einen extra "Ringlöffel" von MAM, der soll ergonomisch für die Babys besser zu halten sein (besser wegzuwerfen ist er jedenfalls ;-) )

    Gruß,
    Buchstabensalat
     
  4. Ihr seid wirklich süß. Danke für eure Antworten. Ich habe wirklich mit meiner Ungeduld zu kämpfen und habe Angst das ich Laila wirklich mal eines auf die Finger haue. Was dann? Ich mag gar nicht daran denken, aber dennoch habe ich manchmal diesen Gedanken.
    Vielleicht auch, weil eine Bekannte es immer so mit ihren Kindern macht. Die kriegen ständig eine auf die Finger oder werden gekniffen. Sie sagt, es sei ok und wenn die Kinder es erst mal begreifen, das sie eines auf die Finger bekommen, lassen sie es auch bald sein, was immer sie vorhatten.

    Ich finde das allerdings üüüberhaupt nicht ok, was sie da tut und das weiß sie auch. Deswegen hatten wir schon einige Diskussionen.
    Dennoch habe ich manchmal den gleichen Gedanken, weil ich denke, das es vielleicht wirklich hilft.
    Darf man sowas überhaupt denken?

    Gibt es nicht irgendwie Bücher, wie man seine Kontrolle bewahrt und ruhiger wird?

    Ja, Gabriela was du schreibst hört sich wirklich gut an. Man kann richtig deine Entspannung lesen :-D , nur ist es manchmal wirklich nicht einfach mit der Geduld und ich mag es nicht, wenn man mit dem Essen spielt.
    Vielleicht ist etwas von meiner Oma`s Erziehung in mir, aber bei uns durfte niemals mit Essen gematscht werden, auf dem Tisch verteilt werden, oder sonst was. Auch mein Mann mag das nicht.
    Meine Oma sagte immer, das Essen etwas Kostbares ist, was nichts auf dem Tisch oder im Müll zu suchen hat.
    Mir fällt es wirklich schwer, Laila beim "mit Essen auf dem Tisch malen" zuzusehen oder wenn sie etwas mit dem Finger zerdrückt...Brot ect.....
    Ich sehe das sofort als "Spielen" an und der Teller sollte in meinen Augen sofort verschwinden.
    Ich glaube wirklich, ich muss mich zügeln, so schwer es auch fallen mag.

    Das mit dem Tisch geht bei uns leider nicht. Sie hat einen Trip Trap ohne Tisch, weil wir immer dachten, das es besser sei, wenn sie mit uns an einem Tisch isst, was ich eigentlich auch immernoch denke.

    Nunja, wer hat geschrieben das Kindererziehung einfach sei? Niemand soweit ich weiß und perfekt ist auch niemand.
    Aber diese Ungeduld :nein: , die ist wirklich schlimm...

    Ich werde bei Gelegenheit mal in dem Forum nachsehen....und suchen...

    Viele liebe Grüße
    die Ungeduldige
     
  5. Buchstabensalat

    Buchstabensalat Pinselohräffchen

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    Mein kleiner Trick in solchen Situationen:
    Mal es dir aus.
    Wie du auf die Finger haust.
    Dein Kind zusammenzuckt.
    Dich anschaut.
    Weint.
    Du dich schlecht fühlst.
    Die Situation davon kein bisschen entspannter wird.

    Ach, das Genie. Wenn ich mir dreimal die Finger an der heißen Herdplatte verbrannt habe, faß ich auch nicht mehr drauf. Frag sie mal, ob sie später ihre 18jährigen Kinder auch auf die Finger kloppen will, wenn die mal einen Unfall bauen oder sowas...

    Gruß,
    Buchstabensalat
     
  6. Hallo Carmen,

    ich habe auch große Probleme mit meiner Ungeduld - und werde inzwischen oft von anderen Leuten dafür gelobt, dass ich mit Sandra so geduldig bin.

    Ich hab mir vorgestellt, dass es für mich eben eine Lernaufgabe ist und eine große Chance zur Veränderung, eine seltene Chance so spät im Leben nochmal sich zu verändern und zu wachsen, irgendwie hat mir das geholfen.

    Außerdem versuche ich mir immer wieder vor Augen zu halten, wie ich mir wünsche dass die Menschen mit meiner Ungeduld umgehen und habe dann viel mehr Spielraum dafür wie ich mit Sandras Ungeduld umgehen kann.

    Was mir hilft wenn die Situation eskaliert, ist räumlicher Abstand. Ich hab zum Beispiel meinen Platz extra neben Sandra und nicht gegenüber, damit ich sie nicht so unmittelbar unter Beobachtung habe und ohne große Probleme einfach mal in die andere Richtung gucken kann. Zeitweise hab ich mich bewußt ans andere Ende des Tisches gesetzt. Uns hat das viel geholfen.

    Sandra isst viel besser, und auch größere Mengen, wenn ich sie einfach lasse. Bloß nicht gängeln, ich sprech sie inzwischen garnicht mehr aktiv an, sondern reagiere nur, wenn sie Bedarf nach Gespräch oder Unterstützung anmeldet. Seitdem ist es viel besser geworden. In der ganz argen Matschphase habe ich einfach doppelte Menge Brei gemacht, die eine Hälfte serviert, matschen lassen, die andere Hälfte neu serviert. Sie hat wochenlang den Brei aus der Hand gegessen.

    Wir haben mit diesem Gewähren-Lassen beste Erfahrungen gemacht, die Phase war relativ kurz und sie kann im Vergleich mit ihren Altersgenossen nun hervorragend mit Werkzeug umgehen. Sie schenkt sich selber aus der Flasche ein, handhabt Löffel, Gabel und allmählich auch Messer.

    Dies nur zur Ermunterung. Experimentieren bringt Erfahrung und Erfahrung bringt Können. Es gibt Kinder die lassen sich nix zeigen (unsere ist so eine), die müssen alles selber erfahren, sich alles selber erarbeiten. Versuche das einfach so hinzunehmen, Du kannst es ohnehin nicht ändern, es ist eine Charaktersache.

    Alles Liebe
    Petra
     
  7. Hallo!!

    Ich habe mich die letzten Tage in Geduld geübt und auch mit meinem Mann gesprochen, was das angeht. Er sagte auch, das es sehr schlimm mit mir ist, will mir aber auch sagen, wenn etwas ist, was er absolut nicht ok findet.
    Das mit dem "vorstellen" habe ich auch schon gemacht. Grausiger Gedanke, wenn ich mir vorstelle, wie verwirrt Laila sein muß, wenn ich ihr eines auf die Finger haue, nur weil sie anders essen möchte als ich.

    Bis jetzt hat es ganz gut geklappt mit der Geduld. Habe meine Ansprüche versucht runter zu schrauben und habe sie einfach mal matschen lassen. Ging es allerdings ans " Besteck fliegen" und "Brei fliegen", so wanderte ich nach 2 Ermahnungen samt Teller, sofort in die Küche und Essen war vorbei.
    Das hatte zur Folge das sie 2 Mal fast ganz ohne Mittag ins Bett ging. Es schien ihr nichts weiter aus zu machen. Sie schlief wie eh und je.

    Auch die Idee mit dem Andicken mit Haferflocken ist eine gute Idee gewesen. So wird sie selbst, wenn sie mal nicht so viel isst satt.

    Ich werde mich weiterhin in Geduld üben und hoffen das es so bald besser klappen wird mit ihrem Essen.

    Herzliche Grüße
    :winke:
     
  8. Ute

    Ute mit Engeln unterwegs ....
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    Essen ist auch eine sinnliche Erfahrung fürs Kind. Jedes Lebensmittel fühlt sich anders an und man kann andere Dinge mit ihm tun. Das eine schmiert mehr, das andere klebt mehr usw. Lass dein Kind ruhig in dieser Phase mit Essen "spielen". Es fördert die Lust am Essen und den Tastsinn. Wir geben unseren Kindern oft viel Spielzeug und animieren sie so in ihren Entwicklungsschritten .... dabei ist das täglich Brot auch eine wichtige Erfahrung. In all seinen Krümeln die man hinterher auch ganz toll wieder aufpicken kann mit den Fingern (Pinzettengriff :-D Feinmotorikschulung)

    Dürfen Kinder diese Phase ausleben, fangen sie von alleine nach einer Weile an "ordentlich" zu Essen. Irgendwann finden sie es gar nicht mehr toll wenn die Hände verschmiert sind .... auch ein Entwicklungsschritt.

    Grüßle Ute die immer wieder gerne Notfalltropfen für Mamas empfiehlt :-D
     

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  1. worin baby matschen lassen

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