Geburt in der Hebammenpraxis

Dieses Thema im Forum "Geburtsberichte" wurde erstellt von elfchen, 23. Mai 2007.

  1. elfchen

    elfchen Dauerschnullerer

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    Hier der Geburtsbericht von unserem Sonnenschein Konstantin. Ich habe in einer Hebammenpraxis ambulant entbunden, in der die Hebammen mit einem Ärzteteam zusammenarbeiten. http://www.fera-hebammen.de/content/Geburt/Geburt.html
    Für alle Berlinerinnen eine echte Empfehlung!

    28.02.07, 05:30 Uhr:
    Ich schrecke aus dem Schlaf - die Große weint, hat wohl einen Albtraum. Ich höre, wie mein Mann zu ihr geht, denn er ist schon seit 05:00 Uhr wach und will gleich ins Büro fahren. Er beruhigt sie und verlässt dann die Wohnung.
    Ich spüre ein Ziepen im Rücken - wieder mal eine blöde Übungswehe, jetzt schon früh, denke ich leicht genervt und super müde. Ich schließe die Augen... kurz darauf wieder: eine Wehe.... dann wieder: eine Wehe. Ich wälze mich auf die andere Seite, ich möchte so gern schlafen, (der Wecker geht doch erst um 07:00 Uhr. Dann muss ich aufstehen und die Große in die Kita bringen) aber ich kann nicht schlafen. Wieder eine Wehe... ich schaue auf unseren Radiowecker, die roten Zahlen blinken mich an. Es ist 06:00 Uhr. Ich schließe die Augen, döse vor mich hin - wieder eine Wehe. Es ist 06:10 Uhr. Ich komme nicht zur Ruhe - wieder eine Wehe. Es ist 06:18 Uhr. Ich versuche mich zu beruhigen: Das sind keine Wehen! Es ziept wieder - es ist 06:20 Uhr. So geht es weiter im 8-10 Minuten-Takt bis 07:00 Uhr. Was nun?

    Die Große schläft noch, aber ich muss sie bald wecken. Meinen Mann anrufen? Neeee, das sind doch keine Wehen mit denen frau ein Kind kriegt! Ich merke sonst nichts wie damals vor 3 Jahren - keine Übelkeit, kein ständiges flitzen auf die Toilette, kein Blut, kein Schleim... nur diese "komischen" Wehen.

    Ich gehe ins Bad und will duschen, was ich auch mache, aber nur kurz. Irgendwie ist mir nicht wohl bei dem Gedanken, lange warm zu duschen. Nur nix riskieren. Ich esse etwas Müsli und wecke dann meine Tochter. Inzwischen gucke ich nicht mehr auf die Uhr, mir ist klar, dass ich so alle 8 min Wehen habe. Ich rufe meinen Mann im Büro an - Alarmstufe gelb wird ausgerufen. Ich ziehe meine Tochter an und wir machen uns auf den Weg in die Kita - 10 Min zu Fuss. Es ist das erste (und hoffentlich letzte) Mal, dass mein Kind schneller läuft als ich...

    Während des Weges habe ich ca. 3-4 Wehen - die Abstände sind also kürzer geworden. Jetzt bloß Ruhe bewahren, aber irgendwie bin ich ganz ruhig. Auf dem Rückweg muss ich bei jeder Wehe langsamer laufen und die HÄnde in den Rücken legen - was immer sich da tut, es ist stärker geworden. Ich schaffe die 3 Treppen nach oben (wieso wohnen wir so weit oben????) und will jetzt nur noch liegen. Ich zücke den Mutterpass und wähle die Nummer der Hebammen-Rufbereitschaft. Es ist 08:50 Uhr. Wehen habe ich jetzt alle 3-4 Minuten. Die diensthabende Hebamme hört meinen Namen, weiß sofort, dass es das 2. Kind ist und die 1. Geburt recht schnell ging, fragt, wie oft ich Wehen habe und seit wann und beordert mich sofort ins Geburtshaus. Ich rufe meinen Mann an "Schatz, komm nach Hause!" und bleibe im Bett. 20 Minuten später stürmt er in die Wohnung und ich aufs Klo... die Selbstreinigung funktioniert wie schon damals - mich freuts, es erspart mir einen evtl. Einlauf. Und jede Menge blutiger Schleim... spätestens jetzt ist mir klar: Wenn wir zurückkommen nach Hause, dann sind wir zu viert.

    Um 09:45 Uhr sind wir im Geburtshaus, die Hebamme wartet schon. Ich erinnere mich sofort an sie, ich war bei ihr zweimal zur Vorsorge, eine sehr ruhig und souverän wirkende Frau ca. Mitte 40. Ich bin froh und erleichtert, dass genau sie da ist...
    Ich werde ans CTG angeschlossen - Wehen alle 2-3 Minuten, die sich aber gut veratmen lassen. Aber wenn ich auf der rechten Seite liege, sind die Herztöne von Würmchen in den Wehen nicht absolut optimal, ich muss also links liegen. Der diensthabende Arzt kommt (Die Hebammen arbeiten mit einem Arztteam zusammen) - ich habe wieder Glück: Es ist meine FÄ!
    Die Hebamme untersucht: Muttermund 2 cm. Mit diesem Befund kam ich damals bei meiner Tochter auch in die Klinik - gut 4 Stunden später war sie dann da - das lässt mich ja hoffen Die Hebamme fragt, ob ich laufen möchte oder lieber ein Bad... JA, ein BAD!!! Denn sobald ich aufstehe, habe ich das Gefühl, in den Dauerwehen zu liegen. Und ich hoffe, das damit die Schmerzen weniger werden und es schneller vorangeht... Ich darf noch liegenbleiben - mein und die Hebamme bereiten das Entbindungszimmer vor mit unserer eigenen Bettwäsche, Handtüchern usw. und das Badewasser wird eingelassen. Mein Mann springt zwischendurch auf dem Flur herum - ich höre ihn telefonieren und die halbe Verwandschaft informieren. "Hey, Schatz, ich lieg hier mit Wehen - komm her!!"
    Die Hebamme kommt wieder - und trägt nun "Dienstkleidung". Es geht also los... ich bin schon mittendrin. Aber bisher ist alles erträglich. Ich darf ins Entbindungszimmer - es ist gegen 11:00 Uhr. Dort werde ich ausgezogen und sinke in das wohlig warme Wasser - herrlich!

    Und wie erhofft- die Wehen sind besser zu ertragen. Es dauert aber nicht lange, und die Wehen werden stärker. Vieel stärker. Und die Abstände kürzer... die Herztöne von Würmchen werden gemessen und sind weiter ok. Ich verspüre langsam einen starken Druck nach unten. Die Hebamme ruft meine FÄ - sie kommt, tastet und .... 8 cm!! Der Kleine ist noch nicht perfekt gedreht, ich muss mich noch gedulden. Die Ärztin geht wieder in die Sprechstunde. Die Hebamme fragt, ob ich im Wasser bleiben und dort entbinden möchte - Nein, das möchte ich nicht. Ich will nur noch raus, will auf die Beine kommen, um diesen Druck verarbeiten zu können. Ich werde rausgehievt von 4 kräftigen Armen, und will nur noch auf die Knie sinken. Ich kann nicht mehr stehen, nicht mehr liegen. Ich schaffe es noch mit Hilfe aufs Bett zu krabbeln und gehe instinktiv in den Vierfüsslerstand, presse meinen Kopf in eine Kissenburg, die mir hingeschoben wird. Die Wehen überrollen mich... ich höre mich jammern, ich will hier weg, ich kann nicht mehr. Dieser Druck nach unten macht mich wahnsinnig, ich heule - der Pressdrang wird immer stärker - aber ich muss ihn veratmen, darf nicht pressen, muss hecheln, darf nicht drücken - mein ist direkt neben meinem Ohr und atmet mir vor, wie ich zu atmen habe - langsam, nicht so hektisch... ich drehe fast durch, höre mich flehen "Ich muss pressen, es geht nicht mehr!!!" Ich höre die Ärztin kommen, spüre ein kurzes Abtasten und vernehme die erlösenden Worte "Kind in Startposition - sie dürfen bei der nächsten Wehe pressen!" Und das tue ich... Ich höre nur "Blasensprung" und "grünes Fruchtwasser" und spüre, wie die Hebamme versucht, meinen Damm zu schützen, der bei der ersten Geburt großzügig geschnitten wurde. Das Brennen nimmt zu, das Köpfchen drückt - ich presse, werde immer wieder ermutigt "bald geschafft!"gebe all meine letzte Kraft und dann in der 4. oder 5. Wehe schiebe ich das Köpfchen raus. Ich fange erleichtert an zu weinen - mit der nächsten Wehe schiebe ich den Kleinen ganz raus. Ich spüre das Hinausgleiten des kleinen Körpers und bin unendlich erleichtert. Er wird mir zwischen die Beine gelegt und wimmert leise vor sich hin.
    Es ist 11:54 Uhr - unser Sohn ist da!
    Die Ärztin saugt Fruchtwasser ab - der Kleine tut sich ein wenig schwer mit der neuen Welt um ihn herum. Ich darf mich hinlegen und er wird mir auf den Bauch gelegt - mein Mann darf später die Nabelschnur durchschneiden. Der Kleine erholt sich langsam ("Der KLeine steckt in Gedanken wohl noch im Geburtskanal" meint die Hebamme liebevoll scherzhaft zu mir), bekommt noch eine Gabe Aconitum zur Anpassung und fängt dann an, meine Brust zu suchen...

    Später erfahre ich, dass er die Nabelschnur um den Hals hatte und das Fruchtwasser grün war.

    Er wiegt 3750 g, ist 53 cm groß und hat einen KU von 35,5 cm. Damit ist er nur 10 g leichter als seine Schwester und die anderen beiden Maße sind identisch! Witzig...

    Alles in allem eine schnelle und entspannte Geburt - so hätte ich mir die erste auch gewünscht.

    Um 16:00 Uhr sind wir wieder zu Hause und unsere Große darf ihren Bruder begrüßen. Und dann wird geschlafen...
     
    #1 elfchen, 23. Mai 2007
    Zuletzt bearbeitet: 25. Mai 2007
  2. Salome

    Salome mit dem grossen Herzen

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    AW: Geburt in der Hebammenpraxis

    Boah, ein wunderschöner Bericht. :herzig:

    Ehrlich gestanden, ich liebe Geburtsberichte lesen und irgendwie habe ich jedesmal ganz feuchte Augen. :umfall:
     
  3. Tamara

    Tamara Prinzessin

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    AW: Geburt in der Hebammenpraxis

    Toll geschrieben und eine schöne Geburt :herz:

    Aber warum hast Du immer nur "mein" statt "mein Mann" geschrieben, da bin ich jedes Mal gestolpert :wink:
     
  4. Sabine

    Sabine Gehört zum Inventar

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    AW: Geburt in der Hebammenpraxis

    Genauso ging es mir auch.
    Trotzdem schöner Bericht.:herzchen:
     
  5. Anja

    Anja Gehört zum Inventar

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    AW: Geburt in der Hebammenpraxis

    Schöner Bericht von einer schönen Geburt!

    Liebe Grüße
     
  6. Heidi

    Heidi coole Mama

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    AW: Geburt in der Hebammenpraxis

    Ein schöner Bericht.
    Ich war mal wieder "mittendrin" *lach*

    Deinen "Mann" habe ich beim Lesen auch vermisst :hahaha:

    Danke fürs erzählen
     
  7. Sonja_O

    Sonja_O Familienmitglied

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    AW: Geburt in der Hebammenpraxis

    Toller Bericht, aber dein "Mann" hat auch mich jedesmal ausgebremst beim lesen :hahaha:
     
  8. Yanniks Mama

    Yanniks Mama Dauerschnullerer

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    AW: Geburt in der Hebammenpraxis

    Klasse geschrieben, ich hab richtig mitgelitten :)

    LG Gabi
     

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