Der Geschmack der Freiheit

Dieses Thema im Forum "Gedichte & Gedanken" wurde erstellt von Krabbelkaefer, 1. Dezember 2007.

  1. Krabbelkaefer

    Krabbelkaefer Hier riechts nach Abenteuer

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    Hier also der in Maras Thread angesprochene Text ... ist inzwischen vier Jahre alt, und ganz so frei wie ich es damals war bin ich im Augenblick nicht mehr. Aber eigentlich mal wieder ein schöner Anstoss an sich zu arbeiten.

    Der Geschmack der Freiheit

    Als sie aufwachte, war sie von der Helligkeit geblendet. Mühsam errinerrte sie sich daran, dass sie schon einmal hier war. Es schien so unendlich lange her zu sein. Damals vor dieser dunklen Zeit.
    Langsam spürte sie wieder die Wärme der Sonnenstrahlen und roch die Blumen auf der Sommerwiese.
    Jetzt, wo sie frei war, konnte sie es nicht mehr verstehen, wie sie es so lange ausgehalten hatte in der Dunkelheit.
    Dabei konnte sie sich gut an die ersten Steine erinnern mit denen sie ihr Gefängnis selbst gebaut hatte. Ein paar Steine in der Kindheit ... ganz langsam wuchs die Mauer. Zwischen drin gab es immer wieder Menschen zu denen sie vertrauen hatte und ihr halfen die Mauer wieder kleiner werden zu lassen. Dennoch. Fast unmerklich wuchs die Mauer. Die letzten Steine hatte sie noch sehr schmerzlich in Erinnerung. Ihr Herz zog sich zusammen als sie erneut daran dachte. Fassungslosigkeit und dieses unendliche Gefühl des allein gelassen Seins waren die letzten Steine.
    Dann war das Gefängnis perfekt und niemand kam an ihre Gefühle mehr ran. Aus. Ende.Vorbei.
    Klar, die Menschen die das Gefängnis einreissen wollten waren noch da. Aber sie war geschickt. Inzwischen hatte ihr Gefängnis eine Tür die manchmal auf war. Da konnte sie raus. Doch viel zu schnell war sie wieder drin und verkroch sich. Schliesslich boten die Maueren einen Schutz vor Verletzung. Der Preis den sie dafür bezahlen musste erschien ihr nicht hoch.
    Auch er konnte die Mauern nicht einreissen. Er hat es versucht und ihr viel Wärme und Liebe geschenkt, so dass die Tür häufiger einmal offen war.
    Als sie spürte, dass ihr Gefängnis Risse in der Wand bekam, wurde sie ängstlich. Immerhin war es drinnen so übersichtlich und vertraut.
    Doch da war der Geschmack der Freiheit. Zuerst nur ganz zart.
    Dann die wenigen Worte von einer andern, die alles lösten. Es war wie vorher, bevor die Mauern zu hoch waren. Einfach eingestürzt waren sie nun. Die Helligkeit blendete nicht mehr und sie stieg über die Steine hinaus in die Freiheit ...
     

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