das sogenannte trotzalter (lang)

Dieses Thema im Forum "Rund um die Erziehung" wurde erstellt von jackie, 5. September 2002.

  1. jackie

    jackie buchstabenwirbelwind
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    hallo an alle, die's interessiert

    nachdem dies ein thema ist, mit dem jede/r mehr oder weniger konfrontiert wird oder sich konfrontiert glaubt, stell ich euch mal hier rein, was die von mir sehr bewunderte Lotte Schenk-Danzinger 1984 zu diesem thema geschrieben hat:

    .. alles deutet darauf hin, daß die identitätsfindung der schwierigste prozeß im verlauf der entwicklung ist, das sehen wir auch wieder in der pubertät...

    ein kind, das noch eingebettet ist in seine umwelt, sie nicht in frage stellt, ein teil von ihr ist, läßt sich leichter führen und kontrollieren als ein kind, das sich als individuum entdeckt... das geschieht offenbar im sg trotzalter (anm: beginnt mit ca 1 1/2 jahren, vielleicht schon früher, höhepunkt im dritten lebensjahr, 2+)

    das kind wird sich der tatsache bewußt, daß es planen, wünschen, verursachen kann wie die erwachsenen. damit kann es in konflikt geraten mit den erziehern, die so viel energie und eigenständigkeit nicht wahrhaben wollen, die keinen unsinn dulden, sich nicht aus dem konzept bringen lassen und die tagesroutine nicht gefärdet sehen wollen, die nicht daran denken, sich den willen eines kleinen kindes "aufzwingen" zu lassen.

    wenn es jetzt schon nicht macht, was man sagt, wie wird das dann erst, wenn es älter ist? deshalb werden die pläne des kindes durchkreuzt, was zu konflikten führt, die in den trotzanfällen ihren höhepunkt erreichen.

    trotzanfälle treten als reaktion auf bestimmte erziehungspraktiken auf. dann nämlich, wenn man das kind in seinen willensäußerungen und in der durchführung seiner oft absurden pläne häufig und abrupt frustriert.

    wenn die willensäußerungen der kinder respektiert werden, gibt es kein trotzalter

    mütter, die ihren kindern gestatten, sinnlose, aber harmlose pläne durchzuführen, die sie auf bevorstehende veränderungen, etwa einen notwendigen spielabbruch, vorbereiten und ihren widerstand ablenken, können trotzanfälle weitgehend vermeiden.

    wo die mutter es jedoch auf ein kräftemessen zwischen sich und dem kind angelegt hat, auf grundsätzliche unterdrückung seiner willensäußerungen und in autoritärer weise auf gehorsam besteht, werden sich trotzanfälle häufen.

    es ist ein entwicklungsbedingtes phänomen, daß ein kind jetzt seine ersten pläne macht, deren durchkreutzung aber noch nicht ertragen kann. diese pläne sind manchmal recht absurd und zielen oft auf durchbrechung der tagesroutine. der erzieher begegnet ihnen - je nach führungsstil - mit schlägen (wohl keine von uns!!!!), verboten, liebesentzug, intoleranz oder - verständnis.
    den ersteren arten der behandlung ist das kind NICHT GEWACHSEN.

    vital starke kinde reagieren mit trotz, schwächere mit schmollen und rückzug, was in weiterer folge zu permanenten negativismus oder gar einen gebrochenen willen führen kann.

    wichtig ist, zu verstehen, daß dieses wollen und planen der kinder der erste und WICHTIGSTE schritt in der entwicklung der menschlichen selbststeuerung ist.

    quelle: schenk-danzinger "entwicklung, sozialisation, erziehung - von der geburt bis zur schulfähigkeit" S.100f, 1984


    liebe grüße
    jacqueline
     
  2. Hi Jacki,

    sehr interessant, was du da zitierst. Ich hätte auch schon gerne mal was von Remo H. Largo zitiert, aber das ist sehehehehehehr lange!

    Schade, da es ein bisschen von deinem Text abweicht. Ich würde jedoch sowieso jedem empfehlen, dieses Buch zu kaufen, da wirklich so gut wie alles abgedeckt ist.

    Du interessierst dich wohl auch für dieses Thema? :)

    Grüßle Kerstin :D
     
  3. lulu

    lulu Königin der Nacht
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    Jackie,
    sehr interessant. Da wir mit Klaas nur wenig Trotzprobleme hatten, haben wir ihm wohl genug Spielraum gelassen. Eigenlob stinkt, ich weiss.
    ABER: Gerade hat er eine recht anstrengende Phase - eigentlich seit einem halben Jahr schon.
    Und hier meine Weisheiten: 4-jaehrige Kinder erfassen auf einmal eine Menge mehr von der Welt und koennen dann doch die Zusammenhaenge noch nicht erkennen. Sie sind immer wieder ueberfordert, ueberfordern sich selbst. Das fuehrt zu Frustration (zb weil etwas nicht so klappt, wie sie das wollen (malen oder so), aus Eifersucht (Geschwister), weil Grenzen gesetzt werden (und sie Ihren Dickkopf nicht durchsetzen koennen). Bei unserem Kind aeussert sich diese Frustration in Bruellen - damit ist er kein Einzelfall, wie ich bei anderen 4-jaehrigen sehe :jaja: (Quelle Mama Lulu und Spielplatzgespraech mit Kinderentwicklungsspezialistin)
    AUSSERDEM haben 4-jaehrige Jungs einen Testosteronschub, der Spiegel erhoeht sich um 50% (faellt dann spaeter auch wieder! *hoff* bis er sich zur Pubertaet ver800facht 8O ). Das macht sie laut und Bewegung brauchend (Quelle Biddulph. Jungen! Wie sie gluecklich heranwachsen). Fuer Mamis nicht so einfach... Das zitierte Buch ist fuer Jungenmamis ganz interessant, ich denke kaufen braucht man's nicht, aber aus der Bib wuerde ich es mir mal ausleihen. Macht Euch darauf gefasst, die Karriereplaene Euerer Maenner zu stutzen!
    Viel Spass noch mit Jan Lukas :-D
     
  4. jackie

    jackie buchstabenwirbelwind
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    liebe kerstin

    von largo hab ich auch schon einiges gehört, aber noch nix gelesen.

    das buch interessiert mich sehr.

    nachdem ich ja schon ein älterer jahrgang bin :) und mein studium mittlerweile schon mehr als 15 jahre zurück liegt, kenn ich halt hauptsächlich die publikationen der zeit.

    was hälst du von a.s.neill (mein guru :))?

    @lulu
    danke, ich wer das kind schon schaukeln. bin mit soviel erwachsenen männern klargekommen, das bissl testosteron (1/800 von einem großen? minimenge!!!! :)) pack ma schon

    ligrü
    jackie
     
  5. Hi Jacki,

    leider muss ich passen, kenne deinen Guru :-D gar nicht. Sollte ich das, als pädagogische Fachkraft?

    :D
     
  6. lulu

    lulu Königin der Nacht
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    jackie, nein, nein. die testosteronmenge ver800facht sich in der pubertaet! bei vierjaehrigen steigt sie aus unerfindlichem grund kurzzeitig um 50%. daher mein 8O .
    gruss lulu
     
  7. jackie

    jackie buchstabenwirbelwind
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    @ lulu

    danke! :D war nur'n kleiner spaß!

    @kerstin

    naja, vielleicht schon, immerhin ist er beründer der antiautoritären erziehung.

    und nur f den fall, daß jetzt wieder alle aufschreien :o :
    antiautoritäre erziehung bedeutet eben NICHT, daß mütter zufrieden grinsend neben dem kind steht, daß gerade mit dem hammer alles kurz und klein haut... 8-O nene.
    in der antiautoritären erziehung geht es darum, daß eltern und kind einander mit respekt begegnen. die eltern dem kind (das war die novität) aber eben auch die kinder den eltern (das wurde in folge dann gerne "vergessen" :-? )

    seine publikationen, vor allem seine schule - summerhill - waren total genial!

    liebe grüße
    jackie
     
  8. huhu jackie,

    wir liegen in viele hinsichten auf dieselben wellenlänge, was die erziehung der kleinen betrifft (auch mit deinem vater :) ). das wort "antiautoritär" aber, ist für mich mit schrecken behaftet. man muss sich nur die kinder, deren eltern zu der sogenannten "antiautoritäre generation" gehören, anschauen und studien darüber lesen. es sind überwiegend kinder die keine grenzen gelernt haben und sich sauschwer tun im leben. die "no future" generation - nein danke! diese form von erziehung war zu ihrer zeit angebracht, aber genau wie jeder extreme, zum scheitern verurteilt. das weisst man heute, nach einer generation die so heranwuchs und ich kann mich nur noch wundern, wenn ich eltern treffe die ihren kindern dieser form der erziehung in "reiner" form gedeihen lassen. klar müssen die erwachsenen ein kind auch respektieren und seine wünsche auch, aber man muss dabei berüchsichtigen dass ein kind nicht in allen dingen wissen kann was gut für ihm ist. ein kind erzieht sich nicht selber, sondern wird an das leben herangeführt, nach bestem wissen und gewissen der eltern. autoritär bedeutet nicht mit der peitsche erziehen, sondern klare regeln aufstellen, an die sich alle zu halten haben - auch wenn es massive proteste gibt in mancher hinsicht. ich kenne (persönlich) einige kinder, verschiedenen altersgruppen, deren eltern sie antiautoritär erzogen haben. nein danke! solche quengeligen, unselbständigen, mit-sich-selbst-unzufriedenen, verwöhnten kindern möchte ICH aus meinen nicht machen! für mich liegt das gute immer in der mitte. ich respektiere meine kinder und versuche sie individuell zu erziehen, nach ihren persönlichen fähigkeiten, aber die grenzen setze immernoch ich und die haben sich daran zu halten. weil ich die zu ihren besten setze.

    liebe grüsse,
    gabriela

    p.s. so viel ich weiss, es ist sogar gut wenn kinder in frühem alter eine trotzphase durchmachen. wer sie nicht mit 3 jahren gehabt hat, wird sie dreifach schlimmer mit 30 haben ;-)
     

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