Sehe ich das zu eng?

7. November 2002
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Groß Kreutz
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#1
Am Donnerstag ist Schulkonzert. Eigentlich verpflichtende Teilnahme für alle Schüler. Beginn 19:30 Uhr. Vor 21 Uhr ist das wohl nicht zu Ende, dann noch mind. ne halbe Stunde Heimweg.

Die Mittlere geht unter der Woche um 20 / 20:30 Uhr ins Bett. Morgens braucht sie trotzdem in der Regel eine Stunde von Wecken bis Frühstückstisch, manchmal mehr. Mit Wecker aufstehen geht gar nicht, den ignoriert sie. Oder macht ihn aus und dreht sich um. Heute hat sie sich die weggenommene Decke von der Couch zurückgeholt und weitergeschlafen.

Das Kind soll also nun zum Konzert. Darf theoretisch am nächsten Tag zwei Stunden später kommen und dann direkt eine Klassenarbeit schreiben. Nur kann ich sie - siehe Morgenablauf oben - so lange nicht schlafen lassen. Ich muss sie also wecken, bevor ich zur Arbeit gehe. Und zwar so, dass sie definitiv wach ist - also mit einer Stunde Vorlaufzeit. Sprich, sie hat von dem Späterkommen schlaftechnisch nichts. Ich bat bei der Klassenlehrerin nun um Freistellung, da ich die Kombination aus Pflichtkonzert und anschließender nicht verschiebbarer Klassenarbeit ungünstig finde und meine, Kinder sollten halbwegs ausgeschlafen in eine Klassenarbeit gehen. Offenbar sind wir damit allein in der Elternschaft. Die Klassenlehrin versteht das Problem nicht.

Seh ich das echt zu eng?
 

Winterblond

Erziehungsbeatmerin
2. Februar 2012
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#2
Frau Winterblond findet ja, ein bisschen eng.

..irgendwann kommt die Zeit, in der nicht mehr alles geregelt verläuft, mal hier weniger Schlaf, mal da mehr Eigenverantwortung, mal angeschlagen in eine Prüfung...

Mein Kind hat eine Taufpatin, die nun 20 ist. Das Kindchen wuchs behütet, geweckt und umsorgt von den Eltern auf, die Welt war stets gut zu ihr - und dann folgte der große Panikzusammenbruch nach dem Abitur, ja, wie, Eigenverantwortung, Schnupfen und Prüfung und so weiter.

Ja, ich finde, die Kinder müssen ein wenig von der Welt spüren, dürfen nicht zu behütet aufwachsen und soweit ich mich erinnere, ist die Mittlere zumindest theoretisch in einem Alter, in dem sie die Konsequenzen des Weckerüberhörens zu spüren bekommen könnte.
(ich war nämlich auch so, notfalls hab ich mich in die Wanne gelegt und mich dort mit einem Handtuch zugedeckt um weiterzuschlafen)
 

smittie

Familienmitglied
19. Oktober 2010
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#4
Warum nicht in ihre Verantwortung legen? Vielleicht einfach mal zutrauen? :)

Ich würde anbieten, sie früh zu wecken. Oder später telefonisch. Oder gar nicht.

Ist ja ihre Klassenarbeit, nicht deine. ;)
 
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lulu

Königin der Nacht
Moderatorin
21. Juni 2002
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#5
Ja Schäfchen, da bist Du schon etwas engstirnig. Es gibt doch einige Möglichkeiten: selber später zur Arbeit gehen und die Mittlere wecken; die Grosse die Mittlere wecken lassen; der Mittleren Eigenverantwortung übertragen; sie früh wecken und die Klassenarbeit etwas müde schreiben lassen (ist doch keine Abiturklausur)...

Lulu
 
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#6
Lulu, spaeter zur Arbeit geht nicht. Der Grossen die Verantwortung geben gibt hier eher Blut als alles andere. Bleibt die Eigenverantwortung, die bei Vergeigen ein Samstagnachschreiben gaebe, worunter dann alle leiden. Wie telefonisches Wecken gehen soll erschliesst sich mir nicht, sie wuerde ja nicht rangehen.

Und ja mag ihre schlechte Note sein, wenn sie muede schreibt. Aber es waere nicht die erste. Und nein, ist kein Abi. Bloed ist es trotzdem.
 

Winterblond

Erziehungsbeatmerin
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#7
Aber Du kannst sie ja nicht immer wecken, so praktisch es für sie auch ist?

Ich persönlich fände ja das selbständig werden und ggf das damit verbundene Erfolgserlebnis wichtiger als eine Schulnote.
Und wenn sie es vergeigt, dann ist das vielleicht ein wichtiger Schritt um daran zu Wachsen?
 
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#8
Bianca, Eigenverantwortung kennen unsere Mädels schon. Bisher war es halt ein nettes Ritual, dass ich oder der Papa geweckt haben. Ist angenehmer als ein schrillender Wecker. Zumal den alle Kinder besitzen und ihn alle überhören, egal wie nervtötend das Teil durchs ganze Haus schallt. Und ein wenig behüten und umsorgen mag ich schon, hatte ich als Kind nämlich nicht. Und es hat sich keiner darum geschert, dass ich z.B. Prüfungsangst hatte oder krank in eine Prüfung ging.

Problem bei Müdigkeit ist: sie wird verletzend. Verbal wie körperlich. Und das badet dann in den meisten Fällen die Jüngste aus ... Und da hab ich null Bock drauf. Es wäre nicht das erste Mal, dass dabei Blut fließt, dass es derbe Blutergüsse gibt o.ä.

Smittie, ich trau dem Kind viel zu. Hab auch schon den Vorwurf des zu viel zutrauen einstecken müssen. Aber ich sammle hier derzeit Versprechungen die nichts gelten, Lügen und Diebstahl und irgendwo ist eine Grenze des Vertrauens erreicht und ich kann mich auf ihr Wort nicht verlassen. An der Stelle wollte ich nie stehen ...

Btw: die Konsequenzen des zu späten Aufstehens, die hier ja auch im Rahmen der Familientherapie auf dem Tisch lagen, sind bekannt. Es hindert das Kind nicht daran, den halben Ort zusammenzubrüllen, weil wir eben jene Konsequenzen durchsetzen. Weil sie niemals daran schuld ist, dass sie zu spät kommt. Da sind derzeit so wenige Synapsen im Hirn vorhanden, dass sie um die Folgen weiß und sie trotzdem Tag für Tag diskutiert, weil sie ja nie dafür verantwortlich ist, wenn sie nicht rechtzeitig da ist.