Grundschulen in muslemischen Gebieten

Dieses Thema im Forum "Das Leben mit Schulkindern" wurde erstellt von Lilienfrau, 16. Oktober 2005.

  1. Lilienfrau

    Lilienfrau Moderatorin
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    Hallo Ihr Lieben,

    ich fürchte, dies wird ein "heißeres" Thema, aber ich möchte es trotzdem mal ansprechen... meine Nachbarin erzählte mir heute von der Grundschule, auf die ihr Sohn (7, gerade in die 2. Klasse gekommen) geht. SIe ist nämlich sehr unzufrieden damit, und nach ihrer Erzählung kann ICH das auch gut nachvollziehen :verdutz:

    Es gibt keine Klassen, sondern "Kurse", also es werden Schüler von der 1. bis zur 4. Klasse gemeinsam unterrichtet. Dies überfordert allerdings wohl sogar die Lehrer, die teilweise nicht wissen, was sie wann wo unterrichtet haben, Hausaufgabenkontrolle gibt es auch keine und so weiter.

    Es kommt hinzu, dass auf der Schule zu 80% muslemische Kinder sind. Was an und für sich nicht schlimm wäre *nein*, aber die muslemischen Kinder bekommen an 3 Stunden in der Woche Türkischunterricht :???: In dieser Zeit "dürfen" die deutschen Kinder aber nichts anderes lernen, weil sie sonst einen Lernvorteil hätten, darum werden sie in den 3 Stunden "bespasst".

    Die muslemischen Eltern wehren sich dagegen, dass ein Adventsnachmittag an der Schule veranstaltet wird. An muslemischen Feiertagen haben die Kinder selbstredend frei, was dazu führt, dass die Schule dann geschlossen wird, weil sich der Unterricht mit so wenigen Kindern nicht lohnen würde. Die deutschen Kinder sollen nun alle mit den muslemischen Kindern in eine Moschee gehen -was ich an und für sich auch ok finde, um die andere Kultur kennenzulernen. Die Eltern weigern sich aber im Gegenzug, ihre Kinder auch mal in einen christlichen Gottesdienst gehen zu lassen. Das finde ich so nicht ok.

    Meine Nachbarin ist nun völlig sauer und möchte gern, dass ihr Sohn die Schule wechselt, zumal es ihm dort selber auch überhaupt nicht gefällt. Aber das scheint nicht so einfach möglich zu sein :verdutz: die Schule ist halt die Grundschule, in deren Einzugsgebiet wir fallen (bzw eine von zwei möglichen).

    Kennt Ihr sowas? Findet Ihr das noch "normal"?

    Ich denke, es ist schon ein "Extremfall", weil diese Schule eben auch im Einzugsgebiet vieler türkischer Mitbürger liegt. Aber warum die Kinder Türkischunterricht bekommen anstatt zusätzlichen Deutschunterricht (was ich ja noch verstehen würde) ist mir ein Rätsel.

    Liebe Grüße

    Alex
     
  2. Lapislazuli

    Lapislazuli Steinchen

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    Ich schätze, das kann ich dir sagen: Weil, um eine Fremdsprache wirklich zu lernen, das Beherrschen der Muttersprache sehr wichtig ist.

    In einer Stadt, in der ich vor einer Weile lebte, gab es vor einigen Jahren einen Versuch, eben genau den, dass die Kinder in ihrer Muttersprache zusätzlichen Unterricht bekamen und es zeigte sich, dass genau diese Kinder in Deutsch viel besser Fortschritte machten.

    Ansonsten möcht ich mich nicht gross zum Posting äussern, sorry.

    L.
     
  3. huch. das hab ich so ja noch nie gehört. :verdutz:

    das mit dem türkisch find ich ja der hammer. ich könnte verstehen, wenn die türk. kinder ZUSÄTZLICH türkisch lernen würden. aber so?!

    wenn das eine privatschule wäre, könnte ich das alles (auch bzgl. der moschee) auch noch verstehen. aber nicht in einer dt. grundschule. wo, wie du selbst schreibst, es ja um das einzugsgebiet geht und alle kinder hin müssen. so die eltern nicht eine privatschule nehmen können.

    das mit den 1.-4. klassen finde ich entsetzlich. gerade am anfang richtig zu lernen, ist die grundlage für späteres lernen.

    mein gott. ich würde dem schulrat schreiben. und wenn das nicht hilft, versuchen, mich pro forma irgendwo anders polizeilich zu melden, um die kids in eine and. schule zu kriegen. (wenn ganz umziehen nicht geht)


    ich kenne eine lehrerin an einer berliner schule, wo auch der großteil türk. kinder sind. da gibt es sowas nicht. im gegenteil. probleme gibt es da aber auch. z.b. dass die schwester den bruder abschreiben lassen muss, sonst gibt es ärger zu hause. (dies ist, ich weiß, jetzt keine allgemeingültige sache. ;-) ) und leider ist ein elternabend dort schwer durchführbar, weil die lehrerin fast allein deutsch spricht. *räusper* mich wundert es, dass es sowas tatsächlich noch gibt. und ich finde es NICHT i.o..
     
  4. naja, dann müssten aber alle kinder anderer nationalitäten in dt. ja so lernen. das ginge erstens nicht und zweitens kenne ich genügend kinder and. nationalitäten, die ohne dieses sehr gut in der schule sind.

    es kann doch kein zustand sein, dass die dt. kinder ja quasi in dieser zeit nichts lernen DÜRFEN.

    ps: ich würde das übrigens genauso sehen, wenn ich in einem and. land leben würde und mein sohn dort in die schule ginge.;-)
     
  5. Lilienfrau

    Lilienfrau Moderatorin
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    Ja, und was ist dann mit russischen, italienischen, spanischen, polnischen ........... Kindern? Müssten die dann nicht auch alle in den staatlichen Grundschulen muttersprachlichen Unterricht bekommen? Das ist doch Aufgabe der Eltern, den Kindern die Muttersprache beizubringen, oder nicht? (Das sähe ich jedenfalls als meine an, wenn ich ins Ausland auswanderte). Und wenn zumindest die deutschen Kinder in dieser Zeit dann zB eine andere Fremdsprache (englisch oder was) lernen würden, fänd ich es auch ok. Aber 3 Stunden Unterrichtsausfall bei insgesamt eh nur 20 Stunden Unterricht in der Woche finde ich schon arg viel und auch nicht ok (Pisa lässt mal wieder grüßen :bissig: )

    Aber ich dachte mir schon, dass das Posting bei einigen anders ankommen wird als gedacht :nix:

    Liebe Grüße

    Alex
     
  6. Lapislazuli

    Lapislazuli Steinchen

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    Natürlich ist es die Aufgabe der Eltern ihren Kindern die Muttersprache beizubringen. Nur ist das heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr und zwar mitnichten nur bei nicht-deutschen Familien.

    Wenn du von 80% muslimischen Kindern sprichst, dann gehe ich davon aus, dass die meisten davon türkisch sind und dass sich die Schulleitung durchaus etwas überlegt hat. Und klar wäre es ideal, wenn auch die ganzen anderen Nationalitäten in ihrer Muttersprache unterrichtet würden.

    Und ansonsten: bitte versuch nicht etwas zu interpretieren wo es nichts zu interpretieren gibt. Wie das Posting bei mir angekommen ist, weiss wirklich nur ich alleine und dass ich nicht diskutieren mag hat ganz andere Gründe als du vielleicht denkst.

    L.
     
  7. jackie

    jackie buchstabenwirbelwind
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    die vergangenheit hat aber gezeigt, dass es ua deswegen massive probleme mit türkischen kindern in (deutschsprachiger) schule und (deutschsprachiger) gesellschaft gibt, weil die kinder zu früh mit zwei sprachen konfrontiert werden und daher oft beide sprachen nur teilweise sprechen.

    entwicklungspsychologen empfehlen meines wissens erst bei abgeschlossener eigener sprachausbildung (frühestens ab vier) mit einer zweitsprache zu beginnen. gastarbeiterkinder werden viel früher mit der sprache des gastlandes konfrontiert.

    ich finde die idee mit dem muttersprachlichen unterricht sehr gut, was ich nicht gut finde ist die lösung für den zwischenzeitlichen verbleib der anderen kinder.


    lieben gruß aus wien
    jacqueline
     
  8. Türkisch-Unterricht finde ich gut, nicht aber, dass die anderen weniger lernen "dürfen".

    Ansonsten kenne ich die gleichen Probleme von einer Kollegin.
    Sie ist letztlich in einen anderen Stadtteil gezogen.

    Es hat keinen Zweck, gegen Windmühlen zu kämpfen.
     

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