Zum Nachdenken

Dieses Thema im Forum "Kaffeeklatsch" wurde erstellt von Georg, 17. November 2005.

  1. Ich wünschte, du könntest verstehen...

    Ich wünschte, du könntest den Kummer eines Geschäftsmannes sehen, als sein Lebenswerk in Flammen aufging oder die Familie, die nach Hause kam und Haus und Hof verkohlt vorfand.
    Ich wünschte, du könntest fühlen, wie es ist ein brennendes Schlafzimmer nach eingeschlossenen Kindern abzusuchen, die Flammen schlagen dir über den Kopf, du siehst in dem Qalm keine zehn Zentimeter weit, unter der Maske fällt dir das Atmen immer schwerer, während des Kriechens schmerzen Handflächen und Knie, der Fußboden gibt unter deinem Gewicht nach, wenn die Küche darunter das Brennen anfängt.
    Ich wünschte, du könntest die Furcht in den Augen einer Ehefrau morgens um halb drei sehen, wenn ich ihrem Ehemann den Puls fühle und keinen finde. Ich beginne irgendwie mit der Wiederbelebung und hoffe wider besseren Wissens ihn zurückzuholen, aber ich weiß, dass es zu spät ist. Aber seiner Frau und seiner Familie muss ich das Gefühl geben, dass alles Mögliche getan wurde.
    Ich wünschte, du könntest verstehen, wie es ist, am Morgen zur Schule oder zur Arbeit zu gehen, nachdem du den Großteil der Nacht, heiß und wieder nass durchgeschwitzt, bei einem Einsatz verbracht hast.
    Ich wünschte, du könntest den unvergleichlichen Geruch von brennenden Isolierungen, Geschmack von Ruß auf deiner Zunge, das Gefühl der intensiven Hitze vor den Flash-Overs, die durch deine Ausrüstung dringt, das Gefühl der tobenden Flammen und die Beklemmung, absolut nichts durch diesen dichten Rauch zu sehen, nachempfinden, "Sensationen", an die ich mich zu sehr gewöhnt habe, mit denen ich zu sehr vertraut bin.
    Ich wünschte, du könntest meine Gedanken lesen, wenn ich zu einem Feuer gerufen werde, "Ist es ein falscher Alarm oder etwa schon ein großes Feuer? Wie ist das Gebäude konstruiert? Welche Gefahren warten dort auf mich? Sind am Ende gar Menschen eingeschlossen?
    Ich wünschte, du könntest auf der Autobahn dabei sein, wenn der Notarzt, das hübsche 11 Jahre alte Mädchen für tot erklärt, nachdem ich es unter Aufbietung all meiner Kräfte aus dem zerstörten Auto gerettet habe. Sie wird nie zu ihrem ersten Date gehen können oder jemals wieder die Worte "Ich liebe dich, Mama" sagen können.
    Ich wünschte, du könntest die Frustation im Fahrerhaus des Löschfahrzeugs fühlen, der Maschinist presst den Fuß auf die Bremse, mein Daumen drückt wieder und immer wieder den Schalter des Einsatzhornes wenn du dir vergeblich versuchst Vorfahrt zu verschaffen oder im dichten Verkehrsstau steckst. Am Einsatzort angekommen, hörst du fast immer die gleichen Worte: "Es hat ja eine Ewigkeit gedauert, bis ihr hier wart."
    Ich wünschte, du könntest meine Gedanken lesen, wenn ich helfe eine junge Frau aus den zertrümmerten Resten ihres Wagens zu ziehen. Was wäre, wenn es meine Frau, Schwester, Freundin oder eine Bekannte ist? Wie werden die Eltern reagieren, wenn vor ihrer Tür ein Polizist steht, der seine Mütze nicht auf dem Kopf sondern in der Hand hält?
    Ich wünschte, du könntest wissen, wie es sich anfühlt nach Hause zu kommen, die Familie und meine Eltern zu begrüßen, aber nicht das Herz zu haben, ihnen zu erzählen, dass ich beinahe vom Einsatz nicht zurückgekommen wäre.
    Ich wünschte, du könntest dir die physische, emotionale und mentale Belastung von stehengelassenen Essen, verlorenem Schlaf und verpasster Freizeit vorstellen, zusammen mit all den Tragödien, die meine Augen schon gesehen haben.
    Ich wünschte, du könntest die Kameradschaft und Befriedigung, Leben gerettet oder jemanden Eigentums geschützt zu haben, erfahren, da zu sein, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, in der Gefahr oder aus der Hektik und dem Chaos heraus, Ordnung zu schaffen.
    Ich wünschte, du könntest verstehen, wie es ist einen kleinen Jungen auf deinem Arm zu tragen, der fragt: "Ist meine Mama o.k.?", und es ist dir unmöglich, ihm in die Augen zu schauen, ohne dass dir die Tränen in die Augen steigen und du weißt nicht, was du sagen sollst. Oder wie es ist, einen alten Freund zurückzuhalten, der mit ansehen muss, wie sein bester Kumpel in den Rettungswagen getragen wird, und du weißt genau, dass er nicht angeschnallt war.
    Solange du dieses Leben nicht durchgemacht hast, wirst du niemals wirklich verstehen oder einschätzen können, wer ich bin, was wir sind oder was unsere Arbeit wirklich bedeutet.

    Verfasser: Unbekannt
     
  2. ela

    ela Süße

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    Dein Beitrag lädt sehr zum Nachdenken ein.
    Danke

    LG ELa
     
  3. Georg,

    schon an Deinem Avatar sehe ich, was Du anscheinend mit Herz und Seele bist: ein Feuerwehrler!

    Ich selbst weiss nicht wie das ist - aber mein Mann. Ebenfalls tätig bei Feuerwehr, im Rettungsdienst, bei der Wasserwacht.

    Alles Liebe
    Sandy
     
  4. Pluto

    Pluto Schokoladine

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  5. Moni 70

    Moni 70 Familienmitglied

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    Ich habe eine Gänsehaut und kann nur sagen :respekt:
    Dein Bericht regt wirklich zum Nachdenken an ...
     
  6. katinka1

    katinka1 PUSCHENMAMI

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    ich bin zu nahe am wasser gebaut heute....mir laufen die tränen
     
  7. Nadine

    Nadine Tortenträumerin

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    Ich konnte nur ein kleinen Teil nachempfinden...weil ich ein Stück davon selbst erleben mußte...

    ...ich habe einfach nur einen dicken klos im Hals...
    und schicke Dir einen hellen Stern, denn Du hast Dir mit diesem Beitrag bestimmt einiges von der Seele geschrieben. :tröst:

    gute Nacht...
     
  8. Connie

    Connie Mary Poppins

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    Guiching
    Ich hab Gänsehaut und Tränen in den Augen ...

    DANKE, DANKE, DANKE - dass es für Menschen im Unglück solche Retter gibt!!!

    Und noch viel mehr DANKE, dass es uns gut geht ... und noch viel mehr BITTE, dass es immer so bleibt...
     

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