Wie weit geht ein Trotzanfall

Dieses Thema im Forum "Rund um die Erziehung" wurde erstellt von Melanie, 9. Juni 2003.

  1. Hallo Kerstin,

    nun bin ich schon zwei Wochen wieder zuhause und habe noch voller Stolz bei der Therapeutin dort gesagt, ich habe keine Probleme mit meinem Kind. Und jetzt bin ich völlig verzweifelt. Habe mir auch schon sämtliche Treads über Trotz durchgelesen, habe aber leider mein Buch "Babyjahre" verliehen, das mich vielleicht beruhigen könnte.

    Wir hatten ja schon hin und wieder kleine Trotzanfälle, ich nur bei ihr geblieben und sie hat sich auch immer wieder schnell beruhigt. Seit gestern sieht ihr Schreien auch wieder nach Trotz aus, obwohl ich keinen Grund dafür sehen kann, einen Trotzanfall zu bekommen.

    Heute abend habe ich sie in ihr Zimmer gebracht, damit ich in Ruhe zu Ende essen konnte, sonst hätte sie solange getreten, bis sie mit dem Hochstuhl umgekippt wäre, natürlich alles mit Schreien. Und somit fing das Drama an. Ein typischer Trostanfall würde ich sagen, nur ein sehr heftiger. Ich bin dann natürlich auch zu ihr, damit sie sieht, ich bin da, wenn sie will. Nichts. Sie lag total apathisch auf dem Boden und hat nur geschrien. Angsteinflösend fast. Das Ganze ging dann fast eine dreiviertel Stunde, ich immer dabei geblieben, mit ganz viel Kopfstossen, das ich Kopfschmerzen bekam. Jetzt hat sie eine riesen Beule am Kopf. Dann kam sie zu mir, ich kniete, und wollte auf den Arm. Hab ich auch gemacht. Sie wollte wieder runter, hab ich dann auch gemacht und sie fing wieder an. Heute habe ich sie zwischendurch mal so lange festgehalten, bis sie sich wieder beruhigt hatte, aber auch jetzt war nichts mehr zu machen. Ehrlich gesagt, wäre ich am Liebsten gegangen und hätte geweint, hinterher habe ich es auch getan.

    Nach einer knappen Stunde habe ich ihr dann Lavendel auf das T-Shirt getropft und ihr ein Virbucol-Zäpfchen gegeben, weil ich mir einfach keinen Rat mehr wusste und ich mir dachte, sie käme von alleine nicht mehr runter. Bin dann mit ihr im Zimmer rumgelaufen. Sie wollte dann ins Bett, ich sie reingelegt und was macht sie: sie lacht mich an!

    Also wirklich ein Trotzanfall. Bloss, ich wäre am Liebsten mit ihr ins KH gefahren, weil ich einfach nicht mehr weiter wusste. Nun meine Frage: Wann ist das noch normal und wann ist das wirklich ein Fall von Verhaltensstörung? Ich glaube durch Sascha bin ich da ziemlich sensibel, aber das fand ich wirklich nicht mehr normal. Habe ich mich richtig verhalten, denn gewonnen hat sie ja eigentlich nicht.

    Ich war wirklich völlig hilflos, obwohl ich zwischendurch ein bißchen lächeln musste, weil sie ja ein ganz schöner Dickkopf ist und ich mir dachte, das ist Ich-Bewusstsein!

    Melanie

    Herzlichen Glückwunsch auch von mir an Mia. Ich hoffe, ihr hattet einen schönen Tag und ganz viel Kuchen :-D
     
  2. Melanie,

    ich kann nicht beurteilen, ob du dich "richtig" verhalten hast. Erstens denke ich, dass du das selber merkst und zweitens habe ich die Anfangssituation nicht mitbekommen.

    Ich kann dir nur grundsätzliches sagen:
    Sitzt sie in ihrem Hochstuhl und macht Faxen, erkläre ihr mit klaren, deutlichen aber ruhigen Worten, dass sie so vom Stuhl fällt und sich ganz arg weh macht. Versuche Sätze mit "nicht" oder "kein" zum umgehen. Z.B. "Das geht so nicht". Hört sie nicht auf, sage ihr, dass sie vom Stuhl runtermuss, wenn sie sich jetzt nicht hinsetzten kann. Führe das aus, wenn´s nicht klappt. Schreit sie dann wie am Spieß, beuge dich runter zu ihr, nimm sie an den beiden Oberarmen, schau ihr in die Augen und sage ihr, dass sie sich wieder reinsetzen kann und am Tisch mitessen kann, wenn sie ordentlich in ihrem Stuhl sitzenbleibt.
    Wenn es doch nicht klappt, machst du die ganze Schoose noch mal von vorne. Klappt es dann wieder nicht, muss sie halt vom Stuhl unten bleiben, da es einfach zu gefährlich ist.

    Melanie, versuche, dass es erst gar nicht zu einem Kampf im Kinderzimmer kommt und bleibe ruhig. Du brauchst dir das überhaupt nicht zu Herzen nehmen und dir Gedanken machen, ob das nun alles so ganz richtig war. Versuche an der Ausgangssituation zu arbeiten, nicht dann, wenn schon alles vorbei ist.

    Grüße Kerstin
     

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