wie konntest du nur ?

Dieses Thema im Forum "Hund - Katze - Maus" wurde erstellt von emluro, 3. September 2008.

  1. emluro

    emluro abtrünniger bücherwurm

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    Wie konntest du nur


    Als ich noch ein Kätzchen war, unterhielt ich dich mit meinem Herumtollen und brachte dich zum Lachen. Du nanntest mich "dein Baby", und, obwohl ich einiges kaputt machte, wurde ich doch deine beste Freundin. Wann immer ich etwas "anstellte", hobst du mahnend den Zeigefinger und sagtest: "Wie konntest du nur!?", aber schon einen Augenblick später warst du wieder so zärtlich und hast mich eng an dich gedrückt.
    Als du im Studium so viel lernen musstest, hattest du natürlich wenig Zeit für mich. Aber ich verstand das immer und spielte mit meinen Bällchen.
    Ich erinnere mich an alle die Nächte, in denen ich mich in deinem Bett ganz eng an dich schmiegte, und das Leben vollkommen schien. Du tolltest dann auch wieder mit mir herum, und wir genossen die Sonne gemeinsam auf dem Balkon. Von deinem Frühstück gab es für mich immer was vom Schinken, "aber nicht zuviel, das ist für Katzen ungesund!" Und ich schlief solange, bis du von der Arbeit nach Hause kamst.
    Nach und nach verbrachtest du immer mehr Zeit auf der Arbeit als mit mir, um "Karriere" zu machen. Dann warst du so viel weg, um einen Menschenpartner kennen zu lernen. Ich wartete immer geduldig auf dich, tröstete dich bei jedem Liebeskummer, tapste mit meinen Pfoten deine Tränen vom Gesicht. Und freute mich, als du endlich "deinen" Partner fandest. Zwar keinen Katzenfreund, aber ich respektierte deine Wahl.
    Ich war glücklich, weil du glücklich warst! Dann kamen nacheinander deine Kinder zur Welt.
    Ich teilte die Aufregung mit dir. Ich war von den süßen Kindchen so fasziniert, dass ich sie mit bemuttern wollte. Aber du und dein Partner dachten nur daran, dass ich den Kindern schaden, sie gar verletzen könne. Deshalb wurde ich auch noch aus dem großen schönen Raum ausgesperrt. In dein Bett durfte ich schon lange nicht mehr. Ich liebte die Kinder und wurde "Gefangener der Liebe". Sie fingen an zu wachsen, und ich wurde ihre Freundin.
    Sie zerrten an meinen Ohren, meinem Fell, meinem Schwanz, hielten sich auf wackligen Beinchen beim Laufen lernen an mir fest. Sie erforschten meine empfindliche Nase mit unbeholfenen Fingerchen, und ich hielt bei all dem geduldig still. Ich liebte alles an den Kindern, besonders ihre Berührungen, weil deine so selten wurden. Ich war bereit, die Kinder notfalls mit meinem Leben zu verteidigen. Ich war bereit, in ihre Bettchen zu schlüpfen, um ihre Sorgen und Träume anzuhören. Und zusammen mit ihnen erwartungsvoll auf das Motorengeräusch deines Autos zu hören, wenn du in unsere Auffahrt einbogst.
    Vor langer Zeit, als man dich fragte, ob du ein Haustier hättest, zogst du aus deiner Tasche ein Foto von mir und erzähltest so liebevoll von mir. Die letzten Jahre gabst du nur noch ein knappes "Ja" zur Antwort und wechseltest dann das Thema. Ich war früher "deine Samtpfote" und bin heute "nur eine Katze".
    Dann hattet ihr eine neue Karrieregelegenheit in einer anderen Stadt. Du und deine Familie zogen in eine Wohnung, in der Haustiere nicht erlaubt waren. Ein Mann hat euch das extra noch gesagt, und ihr habt ohne zu Zögern unterschrieben. Beide. Du hattest für dich und deine Familie eine Entscheidung zu finden, die aus deiner Sicht bestimmt richtig war. Obwohl einmal ich mal deine Familie war. Die Autofahrt machte Spaß, weil auch die Kinder mitfuhren.

    Als ich merkte, wo wir angekommen waren, war der Spaß zu Ende. Es roch nach Hunden und nach meinen Artgenossen, nach Angst und nach Desinfektionsmitteln und Hoffnungslosigkeit. Du fülltest Papiere aus und sagtest, dass du wüsstest, dass man ein gutes Heim für mich findet.
    Die beiden Damen hinter dem Schreibtisch zuckten mit den Achseln und betrachteten dich merkwürdig. Sie verstanden die Wirklichkeit, der eine Katze über die fünfzehn gegenüberstand. Du hattest die Finger deiner jüngsten Tochter aus meinem Fell lösen müssen, während sie weinte und schrie "Nein, nein! Nehmt mir meine liebe Katze nicht weg!"
    Ich wunderte mich noch, wie du ihr ausgerechnet in diesem Moment etwas von Freundschaft, Verantwortung und Loyalität vermitteln wolltest. Zum Abschied tipptest du leicht auf meinen Kopf, vermiedest dabei tunlichst, mir in die Augen zu sehen, und lehntest es höflich ab, meine offen daneben stehende Transportbox wieder mitzunehmen. Du hattest einen wichtigen Termin einzuhalten, nun habe ich auch einen. Kurz nachdem du weg warst, sagte eine der netten Damen, du hättest mit Sicherheit schon Monate vorher vom Umzug gewusst, und somit wäre Zeit gewesen, einen "guten Platz" für mich zu finden. Sie schüttelten bedrückt den Kopf und fragten leise: "Wie konntest du nur?"
    Die Damen widmeten sich uns, wann immer es ihre Zeit zuließ. Wir bekamen gute und reichliche Mahlzeiten, aber ich verlor meinen Appetit schon vor vielen Tagen.
    Anfangs hoffte ich unentwegt, dass du eines Tages zurückkommst und mich hier rausholst. Wünschte mir, dass alles nur ein böser Traum war und ich eines Tages aufwache ... bei dir zu Hause...
    Aber du kamst nie. Und wann immer jemand an "meinem" Vermittlungszimmer vorbei ging, presste ich bittend meine Pfoten durch jeden möglichen Spalt. Gab es niemanden, der mich mochte? Niemanden, dem ich all meine Liebe, Dankbarkeit und zärtliche Treue schenken durfte? Die Wahrheit war, dass ich es nicht mit den süßen kleinen knuddeligen Katzenkindern aufnehmen konnte. Unbeachtet, von allen übersehen und vergessen, zog ich mich in eine Ecke zurück, stand nicht mehr auf. Eines Tages, am Nachmittag, hörte ich Schritte. Man hob mich auf, trug mich über einen langen Korridor, der in einen Raum mündete. Es war ein seliger, ruhiger Raum. Die Frau legte mich auf den Tisch, streichelte behutsam über meinen Kopf und erklärte mir, dass ich mich nicht sorgen solle. Mein Herz schlug voller Erwartung auf das, was nun kommen sollte. Gleichzeitig hatte ich ein Gefühl des Loslösens. Mir, der Gefangenen der Liebe, gingen die Tage aus. Ich war mehr um die nette Frau besorgt als um mich selbst. Ich erkannte, dass sie an einer Last tragen müsse, die Tonnen wog.
    Sie band leicht etwas um meine Vorderpfote, während eine Träne ihre Wange hinunter kullerte. Ich schob meinen Kopf in ihre Hand, so wie ich es immer bei dir getan hatte, um dir meine Liebe zu zeigen. Ich spürte einen leichten Einstich und eine kühle Flüssigkeit, die in mich hinein floss. Ich streckte mich schläfrig aus, schaute dabei in die freundlichen Augen der Frau und murmelte:" Wie konntest du nur?" Möglicherweise verstand sie mein leises Miauen, denn sie sagte:" Es tut mir leid!" Sie umarmte mich hastig und erklärte, dass es ihr Job sei, mir einen besseren Platz zu verschaffen, wo ich nicht missbraucht, ignoriert und verlassen sein würde. Einen Platz, an dem ich mich nicht verkriechen müsse, einen Platz der Liebe und des Lichts, der so anders sei als auf Erden. Mit meinem letzten Funken Energie öffnete ich weit meine Augen und sah sie unverwandt an, versuchte ihr so zu sagen, dass mein "Wie konntest du nur?" nicht an sie gerichtet war. Ich dachte an dich, du mein geliebter Mensch.
    Und ich werde immer an dich denken und auf dich warten. Mein letzter Atemzug ist mein Wunsch, dass dir in deinem Leben immer diese Loyalität widerfahren möge, die mir verweigert worden war...




    (Dazu einige Worte des Autors: Wenn "Wie konntest du nur?" Ihnen Tränen in die Augen trieb, dann erging es Ihnen genau so wie mir, als ich sie schrieb. Deshalb ist es ausdrücklich erlaubt, diese Geschichte so oft wie möglich weiterzugeben, solange es nicht kommerziellen Zwecken dient. Erklären Sie der Öffentlichkeit, dass die Entscheidung, ein Haustier aufzunehmen und in eine Familie zu integrieren, wichtig für das ganze Leben sein kann. Dass man ein Haustier nicht einfach aufgeben darf - und wenn es schon nicht anders geht, es wenigstens nicht in ein Tierheim, sondern in eine liebevolle neue Familie geben und sich dankbar von ihm verabschieden muss. Dass Tiere unsere Liebe und unseren Respekt verdienen, vielleicht mehr als die meisten Menschen ... )

    Autor: Jim Willis

    (Quelle:http://www.cyrielles.de/1970090.htm)
     
  2. emluro

    emluro abtrünniger bücherwurm

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    AW: wie konntest du nur ?

    irgendwie kam mir das heute wieder in den sinn....
    die nabarin hat 6 katzenbabys...
    alles in trockenen tüchern, anscheinend bei leuten, die wissen, was sie tun. entzückende katzenkinder, hach *schmelz*
    heute kam nach 3 tagen !!!! ein baby wiedder zurück.
    einen katze passt dann doch nicht in das leben der dame, die sie genommen hat.
    ich könnte kotzen.
    ich meine, in dem fall, werde entweder ich sie mit kusshand aufnehmen (scheint ja eh mein hobby zu sein ) oder sie bleibt nun bei der nachbarin als 4 te katze.
    mal sehen. entscheiden wir morgen.

    aber mal ehrlich, kann ich als erwachsener mensch nicht mal 5 minuten ehrlich zu mir sein, und mir wirklich überlegen, ob ich zeit und lust und leidenschaft für ein tier habe ?
    wenn ich die online seiten der tierheime sehe, wird mir übel.....
    ganz zu schweigen von auffanglagern im ausland.
    muss das denn wirklich sein ?
    wo ist denn das verantwortungsbewusstsein ?
    wo das warme herz welches vor glück hüpft, wen es "sein" tier ansieht ?

    ich bin so wütend.
     
  3. Elchen

    Elchen Aufraffbremse

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    AW: wie konntest du nur ?

    Oh, ich könnte heulen wenn ich sowas lese!
    Wir überlegen auch ne 2. Katze zu nehmen. meine Schwägerin hat gestern ein Baby gefunden was natürlich niemandem gehört und hat keine Zeit dafür! Was tun? Ich würde sie nehmen, wenn ich wüsste wie sich unsere 2-jährige damit versteht.
     
  4. emluro

    emluro abtrünniger bücherwurm

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    AW: wie konntest du nur ?

    wir haben ja drei.. auch alles so kummerkinder.. einst.
    und einen kummerhund ;-)
    ich werde sie wirklich gerne nehmen. aber erst muss ich an stefan vorbei ;-) oder die kleine hierhin holen, wenn er auf der arbeit ist., bei sowas schmilzt er sofort, man darf ihn nur nicht fragen ;-)
    ne, im ernst.. ich werde morgen mal sehen. wenn sie noch jemanden ausgemacht hat, gut, sonst bleibt sie bei ihr, oder kommt zu mir.
    die sind alles so niedlich und werden sicher wunderschöne liebe tiere.
     
    #4 emluro, 3. September 2008
    Zuletzt bearbeitet: 3. September 2008
  5. N.i.c.o.l.e

    N.i.c.o.l.e Buchdealer

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    AW: wie konntest du nur ?

    Ich sitz hier auch und heule :-(

    Ich musste damals meine heißgeliebte Siamesin her geben,sie war so auf mich fixiert das sie trotz aller möglichen Bemühungen Josy nicht akzeptieren konnte.Es gab zu viele brenzlige Situationen so das ich reagieren musste :(
    Ich weiß das sie in eine tolle Familie kam und nun im Katzenschlaraffenland lebt aber der Gedanke an sie schmerzt auch jetzt nach drei Jahen noch und auch das Gefühl des Verrats an ihr ist noch da.

    Mir fehlt es total die beruhigende Aura eines Tieres um mich zu haben aber ich weiß leider nur zu gut das es im Moment absolut keine Sinn hätte.



    nachdenkliche Grüße,Nicole
     
  6. Six-Pack

    Six-Pack Dauerschnullerer

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    kennt sowieso Niemand
    AW: wie konntest du nur ?

    leider alltag, der so wahrscheinlich hundertfach jeden tag passiert.

    was ich schon alles an ausreden gehört habe, wenn besitzer ein tier einschläfern lassen wollten, obwohl es medizinisch absolut nicht vertretbar war.

    grad letzte woche hatte ich so einen fall.

    eine katze, ca. 10 jahre alt, wurde vermutlich angefahren. gründliche untersuchung ergab mehrere knochenbrüche, aber keinerlei innere verletzungen.

    besitzer fragten nach kosten, die ich so auf 200-250 .-€ schätze.

    das war zuviel, da solle ich das tier doch lieber einschläfern, etc.pp

    sowas mache ich aber nicht. und obwohl manche patientenbesitzer denken, sie haben da die entscheidungsgewalt, so haben wir tierärzte recht viele möglichkeiten, zudem rechtlich abgesichert, um uns zu widersetzen.

    und davon mache ich zumindest immer gebrauch. also gab es den deal, dass sie die notfalluntersuchung bezahlen und die katze dann in meinen besitz übergeht und ich alle weiteren behandlungskosten trage(ist für mich ja erheblich günstiger).

    ich werde die kleine stubentigerin jetzt gesund pflegen und dann an die katzennothilfe übergeben. dort werden die tiere nicht eingeschläfert. tiere, die nicht vermittelt werden können, verbringen ihren lebensabend im seniorenheim der nothilfe.

    Meine tiere zu hause sind ja auch alles "wegwerftiere", die ihre besitzer nicht mehr haben wollten. die meisten erkrankt oder mit schäden aus erkrankungen.
    ich bin mehr so das tierinvalidenheim.

    gruss,
    berrit
     
  7. emluro

    emluro abtrünniger bücherwurm

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    AW: wie konntest du nur ?

    ja, ich habe auch 3 weggeworfenen katzen und einen hund aus einer tötungsstation.

    und ich denke unsere amre und herzen sind noch weit :)
     
  8. emluro

    emluro abtrünniger bücherwurm

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    AW: wie konntest du nur ?

    also, die kleine katzendame ANOUK hat seit gestern nachmitag einen neuen !papa!...
    ein kleiner (10 jahre) alter junge, der in den letzten tagen seine ihn immer begleitende katze durch einen autounfall verloren hat. der junge war ein wrack.
    die mutter wusste, das meine nachbarin babys "hatte" und hatte aber im grunde nimmer damit gerechnet noch eines bekommen zu können. und siehe da, anoukchen war ja zurückgegeben worden und durfte nun bei den leuten einziehen.
    sehr schön !
    verlassenes katzenmädchen trifft vereinsamten menschenjungen.
    perfekt.
    ich könnte mir vorstellen, das die beiden sich viel zu geben haben.
     

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