Wenn der große Bruder den kleinen überfordert...

Dieses Thema im Forum "Das Leben mit Schulkindern" wurde erstellt von lulu, 22. September 2005.

  1. lulu

    lulu Königin der Nacht
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    Was macht man dann?

    Klaas Kopf- und Lesekind interessiert sich natürlich für alles. Also hat er sich neulich aus der Schulbiblitothek ein Buch über den ersten Weltkrieg ausgeliehen (so ähnlich wie was ist was). Er hat darin geblättert und ein bißchen gelesen, und Frank hat ihm altersgerecht etwas über Kriege und Weltkriege erzählt. So weit, so gut.

    Nun sieht aber Levin das Buch und Klaas drückt ihm alles mögliche und ummögliche, richtig und falsch verstandene ins Ohr. Levin kann das alles natürlich noch gar nicht erfassen und verarbeiten, und hinter dieses brüderliche Gespräch kommt man erst, wenn Levin auf einmal wie von einer Tarantel gestochen über den Spielplatz fegt und Krieg spielt (einschließlich völlig unadequater Handgreiflichkeiten).

    Was macht man da? Wir haben Klaas natürlich erklärt, daß diese Themen Schulkindthemen sind und zwischen ihm und uns besprochen werden. Daß seine Geschwister keine angemessenen Gesprächspartner sind. Für dieses Thema so weit klar. Aber es passiert ja immer wieder, daß er Levin einfach mit Dingen konfrontiert, für die der Lütte viel zu klein ist. Ich weiß nicht, ob andere große Geschwister manchmal auch so schlecht selektieren? Klaas Freund empfindet die kleine Schwester in Levins Alter als klein und spielt auf ihrem Niveau mit ihr, aber Klaas findet Levin wohl cool und witzig (ist er ja auch) und versucht halt immer wieder ihn mit auf sein Niveau zu ziehen.
    Wie können wir als Familie damit umgehen?

    Lulu :winke:
     
  2. Das passiert bei den unseren auch oft. Hierbei habe ich allerdings den Vorteil, dass zumindest ein älteres Kind (meine Großen sind 10 und 12) es dem Kleinen (er ist 6) richtig erklärt.
    Wenn dieser dann irgendetwas nicht verstanden hat, fragt er mir anschließend sowieso Löcher in den Bauch.
    Wenn ich mir allerdings vorstelle, dass Tim (also der Kleine) einem noch Kleineren etwas richtig erklären sollte - oh weh. Dann kommt ja auch noch die Phantasie mit ins Spiel bei Sachen, die sie einfach anders noch nicht verarbeiten können und sich vielleicht Geschichten dazu ausdenken, um es selber besser verstehen zu können.
    Du hast ja bereits mit dem Großen gesprochen, dass es manche "Schulkindthemen" gibt. Aber, ich denke, man kann es nicht ganz unterbinden, zumal er seinen kleinen Bruder ja als "Gleichgestellten" sieht.
    M. E. werden die Kleinen eh schon mit vielen Themen konfrontiert, die sie noch nicht verstehen (sei es, wenn sie Nachrichten mithören oder sehen oder im KIGA, wenn die Kleinen gegenseitig ihr "Wissen" austauschen), ich denke aber nicht, dass dies unbedingt falsch ist. I. d. R. ist es doch so, dass sie fragen, wenn sie etwas nicht verstehen und man dann darauf eingehen und kindgerecht erklären kann.
    Vielleicht immer mal wieder darauf achten, worüber die Lütten sich unterhalten.
    LG
    Martina
     
  3. Ute

    Ute mit Engeln unterwegs ....
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    Hallo Lulu,

    mir fällt dazu auch nur ein, dass ihr ihm immer und immer wieder sagen solltet dass Levin für bestimmte Themen noch zu klein ist. Er Angst bekommen könnte weil vieles für ihn einfach nicht verständlich ist.....

    Unsere Beiden sind nur 2 Jahre auseinander - da hat sich dieses Problem weniger aufgetan. Zumal unser Großer eh nicht der große Redner oder Geschichtenerzähler ist. Aber ich kann mir lebhaft vorstellen wie klasse Klaas es findet seinem kleinen Bruder sein Wissen mitzuteilen.

    Grüßle Ute
     
  4. Birgit

    Birgit freches Huhn
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    Hmmm........Lea ist da ganz anders. Sie ist aber auch schon 10.
    Sie ist in solchen (nicht in allen :-D ) Dingen sehr fürsorglich und hat sich vor ein paar Stunden noch bei mir über ein Dinobuch beschwert das Till sich gerade angesehen hat.
    Das dort ein Dino von einem anderen zerfleischt wurde, fand sie viel zu blutig für ihren kleinen Bruder.

    Ich würde es Klaas auch immer wieder erklären und ihn daran erinnern, das Levin kleiner als er ist.

    Till ist auch viel empfänglicher als es Lea war. Er bringt nur Quatsch und Schimpfworte mit aus der Kita. :nix:

    :winke:
     
  5. lulu

    lulu Königin der Nacht
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    Stimmt Birgit, bei Euch ist das ja eher wie bei Klaas und Linnea und bei Ute ist es wie bei Levin und Linnea (naja, so ungefaehr). :???:

    Manchmal, wenn es harmlos bleibt, profitieren wir ja auch davon, dass Klaas Levin alles moegliche und ummoegliche erzaehlen will. Irgendwann in den Sommerferien, wollte er Levin das Konzept gerade/ungerade Zahlen erklaeren :verdutz: (Man beachte: Levin kann kaum bis fuenf zaehlen.). Ich fand es zwar aeussert langweilig und unpassend, aber die Zwei waren fuer ueber eine halbe Stunde mit dem Mathebuch gut beschaeftigt :verdutz:.

    Ich glaube wir muessen wirklich noch mehr an Klaas appellieren. Ob er es wirklich nicht rafft oder nur nicht kapieren will :bissig:, das weiss ich nicht so genau.

    Jedenfalls rafft Levin durchaus, wie er sich bei den grossen Jungs interessant machen und ins Spiel einbringen kann :umfall:.

    Lulu
     
  6. Jacqueline

    Jacqueline Ohneha mit der Lizenz zum Löschen
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    Liebe Lulu,

    ich kenne das Problem so nicht,

    denn mein Bücherwurm interessiert sich für Themen, mit denen seine beiden Geschwister überhaupt gar nichts anfangen können - und wenn er dann einen seiner beliebten Vorträge hält und vom Hundertsten ins Tausendste kommt - dann laufen ihm die anderen beiden einfach davon :p

    Und ich bin an sich überzeugt, dass Kinder nur das aufnehmen, was sie aufnehmen wollen, dass sie das verstehen, was sie verstehen wollen - und den Rest lassen sie sozusagen an sich vorbeirauschen.

    In Eurem konkreten Fall würde ich zwar den Grossen schon darauf hinweisen, dass der Kleine noch nicht alles wissen muss, weil er es dann selber entdecken möchte, wenn er so alt ist wie Klaas. Ansonsten aber würde ich wohl der Sache ihren Lauf lassen, Levin erklären, dass das Geschichten für grössere Kinder sind, allenfalls eine Stunde "Philosophie für Kleinkinder" einfügen (sprich mit ihm über Krieg usw. reden in einer seinem Alter angemessenen Art) - und darauf vertrauen, dass sich Geschwister untereinander in der Regel sozial verhalten.

    Liebe Grüsse, Jacqueline
     
  7. lulu

    lulu Königin der Nacht
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    Danke Jac!

    Mein Problem ist, dass Levin "verstaendig" und mit grosser Geduld zuhoert (und seinen Bruder eben nicht stehenlaesst), aber dann in anderer Situation (auch Tage spaeter) das Erzaehlte auslebt (verarbeitet) und sich selber damit schadet. Zum Beispiel stuermte er im Park in eine Gruppe Leute, die er kaum kennt und haut jeden an die Schulter (leicht GsD) und bruellt etwas von Krieg :verdutz:. Ich habe ihm vor seinem Sturmangriff alleine auf der Rutsche spielen sehen und wette, da schossen ihm Klaas Erzaehlungen durch den Kopf. Erst danach habe ich gepeilt, dass die Zwei wohl zusammen die Nase in das Buch gesteckt hatten bzw. Klaas mal wieder eine "Vorlesung" gehalten hat.
    Ich kann ja nicht staendig die Kinderzimmerpolizei mimen :verdutz:. Solange es leise ist und kein Spielzeug fliegt, freut sich ja das Mutti :farben:.

    Und wie erklaere ich einem Dreijaehrigen Krieg? Da faellt mir einfach nichts zu ein; ich verstehe es ja selber nicht. Ich habe mich bei Klaas in dem Alter immer erfolgreich bemueht solche Themen eben fernzuhalten.

    Lulu
     
  8. Jacqueline

    Jacqueline Ohneha mit der Lizenz zum Löschen
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    *seufz*

    Dass Levin das dann so auslebt, das ist natürlich schwierig - aber ich glaube dennoch, dass das nicht allein daran liegt, was ihm Klaas erzählt, sondern dass es offenbar bei ihm auf so fruchtbaren Boden fällt, dass er auch nachher noch darüber "nachdenkt" und es in seine Spielfantasie integriert.
    Ich könnte mir aber vorstellen, dass das auch bei anderen "Anstössen" so passieren wird.

    Ich weiss aber, dass ich eher einer ungewöhnlichen Fraktion angehöre, weil ich "solche" Themen nie von meinen Kindern ferngehalten habe, auch wenn meine Erklärungen oftmals nach "Krieg ist, wenn einer stärker sein will als der andere oder mehr haben will als der andere" und der darauffolgenden Frage "warum teilen sie nicht einfach" oder "warum tun das Menschen" geantwortet habe, dass ich es auch nicht weiss, dass ich es auch nicht verstehe.
    Ausserdem gab/gibt es bei uns ein striktes Verdikt, dass es keine Kriegsspiele, kein "ich schiess Dich tot" gibt, ich greife immer ein - denn Krieg und Tot Sein, damit macht man keine Scherze, und das verstehen Kinder aber ganz sicher!

    Ich kann aber nicht beurteilen, inwieweit das auch daran liegt, dass unsere Kinder zwangsweise mit dem grossen Tabu "Tod" in Kontakt kamen und dadurch "hart im Nehmen" sind bzw. sich recht früh schon mit unbeantwortbaren philosophischen Fragen herumschlagen mussten.

    Liebe Grüsse, Jacqueline
     

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