Was früher anders war....

Dieses Thema im Forum "Gedichte & Gedanken" wurde erstellt von Sonna, 10. Juli 2003.

  1. Sonna

    Sonna W(ö)rlds best Coach

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    Hallo ihr Lieben!

    Ich habe hier im Netz was gefunden, worüber ich mir schon den ganzen Tag Gedanken mache!
    Ich möchte damit keinen provozieren oder niemanden ansprechen, aber ich persönlich fühlte mich an manchen Stellen angesprochen!


    Wir haben es tatsächlich geschafft.

    Kaum zu glauben, aber es ist so.
    Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft, speziell was der Gesetzgeber und die Bürokraten, die Medien und die Informationsgesellschaft uns täglich vorbeten und verbieten, müssten wir alle, die in den Sechzigern bis Anfang der Achtziger aufgewachsen sind, längst tot sein.

    Unsere Kinderbetten waren mit bleihaltigen Farben bemalt und Formaldehyd sickerte aus jeder Pore. Ganz zu schweigen vom Tapetenleim, dem Kleber des Linoleums oder den PVC-Dämpfen des Stragula.
    Wasserfeste Filzstifte hatten Ausdünstungen die benebelten und wer erinnert sich noch an den leicht salzigen Geschmack des abzuleckenden Tintenkillers?
    Steckdosen, Medizinflaschen, Schranktüren und Schubladen waren noch nicht kindersicher.
    Messer, Schere, Gabel und Licht wurden uns zwar verboten, aber meistens mussten wir uns erst einmal daran verletzten um es zu glauben.
    Unsere Fahrräder, Roller und Rollschuhe fuhren wir ohne Schützer und Helme.
    Die Risiken per Anhalter in den nächsten Ort zu fahren waren uns unbekannt!
    Zum Thema Auto erinnere ich mich weder an einen Sicherheitsgurt, noch an Airbags, ABS oder ähnliche Sicherheitsvorrichtungen im Wagen meines Vaters. Man saß zwar hinten, aber an einem heißen Sommertag gab es doch nichts schöneres als seinen Kopf aus dem Fenster (das man damals
    noch komplett runterkurbeln konnte) des fahrenden Autos zu stecken und sich den Fahrtwind ins Gesicht blasen zu lassen, daß man kaum noch Luft bekam.
    Wasser haben wir direkt aus dem Gartenschlauch getrunken und nicht aus einer Flasche. Wahnsinn!
    Wir aßen fettige Schmalznudeln und frischgebackenes Brot mit fingerdick Butter drauf, dazu gab es überzuckerte Limonaden oder künstlich gefärbtes Tri Top. Fett geworden sind wir deswegen nie,
    weil wir immer draußen waren. Wir haben zu fünft aus einer Limoflasche getrunken und es ist tatsächlich keiner daran gestorben.
    Wir haben stunden- und tagelang an Seifenkisten oder ähnlichen Gefährten geschraubt, die wir aus rostigem Schrott und splitterigem Holz konstruiert hatten. Dann sind wir den Hügel damit runtergebrettert nur um festzustellen, dass wir die Bremsen vergessen hatten. Nachdem wir ein paar Mal in der Böschung gelandet waren, haben wir gelernt auch dieses Problem zu lösen.
    Wir gingen in der Früh raus und haben den ganzen Tag gespielt, höchstens unterbrochen von Essenpausen und kamen erst wieder rein, als es dunkel wurde und man den Fußball nicht mehr richtig sehen konnte. Wir waren nicht zu erreichen. Keine Handys! Wenn es regnete spielten wir bei Freunden Monopoly oder Mensch ärgere dich nicht, Mühle oder Dame und bauten mit Matchbox Autos ganze Städte auf.
    Wir hatten weder Playstations oder Nintendo, X-Boxen oder Videospiele, keine PCs, keine 50 Fernsehkanäle oder Surround Anlagen.
    Ins Kino zu gehen war ein Ereignis, für das man sich herausputzte und das einem vor Vorfreude den Magen kribbeln ließ. Es gab noch Vorfilme, die immer eine Überraschung waren, weil keiner wußte was zu erwarten war und wenn zufällig ein Donald Duck oder Micky Maus Film dabei war, hatte man das ganz große Los gezogen.
    Wir hatten Freunde! Wir gingen raus und haben uns diese Freunde gesucht.
    Wir haben Fußball gespielt mit allem was sich kicken ließ und wenn einer einen echten Lederball hatte war er der King und durfte immer mitspielen, egal wie schlecht er war. Um im Verein mitspielen zu dürfen gab es Aufnahmeprüfungen, die nicht jeder bestanden hat. Wer es nicht geschafft hat, lernte mit der Enttäuschung umzugehen.Wir spielten Völkerball bis zum Umfallen und manchmal tat es weh, wenn man abgeworfen wurde. Wir sind von Bäumen und Mauern gestürzt, haben uns geschnitten, aufgeschürft und haben uns Knochen gebrochen und Zähne ausgeschlagen.
    Wir hatten Unfälle! Es waren einfach Unfälle an denen wir Schuld waren. Es gab niemanden, den man dafür verantwortlich halten konnte und vielleicht sogar noch vor den Kadi zerrte. Wer erinnert sich noch an Unfälle?
    Unsere Knie und Knöchel waren von Frühjahr bis Herbst lädiert und ein Schienbein ohne blaue Flecke gab es nicht. Wenn wir uns an Brennesseln gebrannt haben, oder uns eine Mücke gestochen hatte, haben wir entweder drauf gespuckt, oder den Nachbars Hund drüber lecken lassen oder drauf gepinkelt. Geholfen hat alles.
    Wir haben gestritten und gerauft, uns gegenseitig grün und blau geprügelt und gelernt damit zu leben und darüber weg zu kommen.
    Wir haben Spiele erfunden mit Stöcken und Bällen, haben mit Ästen gefochten und Würmer gegessen. Und obwohl es uns immer wieder prophezeit wurde, haben wir kaum ein Auge ausgestochen und die Würmer haben auch nicht ins uns überlebt.
    Wir sind zu einem Freund geradelt, haben an der Tür geläutet und sind dort geblieben nur um mit ihm zu reden.
    Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere, also haben sie eine Klasse wiederholt. Sie sind nicht durchgefallen, sondern wurden von den Lehrern einfach zurückgestuft. Zensuren bei Proben wurden nie manipuliert, egal aus was für Gründen.
    Wir waren für unsere Aktionen selbst verantwortlich. Konsequenzen waren immer zu erwarten, wenn wir Scheiße gebaut hatten.
    Der Gedanke, daß ein Elternteil uns rausklopft wenn wir mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren, war undenkbar. Im Gegenteil, die Eltern stellten sich auf die Seite des Gesetzes. Stellen Sie sich das einmal vor!
    Unsere Generation hat einige der größten Enterpreneure und Erfinder hervorgebracht. Die letzten 50 Jahre waren eine wahre Explosion an Innovationen und Ideen.
    Wir hatten Freiheit und Zwang, Erfolg und Misserfolg, Verantwortung und Konsequenz. Und wir haben gelernt damit umzugehen.

    Erinnere Dich daran, wie Du aufgewachsen bist und Du wirst sehen, was unseren Kindern heute fehlt. Als die Eltern einmal ein Auge zudrückten, anstatt die Kinder mit übergroßer Vorsicht zu erdrücken. Unsere Eltern trauten uns zu die richtigen Entscheidungen zu treffen. Meistens hat es geklappt. Die paar Mal, die daneben gingen zählen wir zu unseren
    Lebenserfahrungen.


    Ich frage mich in letzter Zeit tatsächlich, ob man seinem Kind nicht auch des Guten zuviel tun kann und ob man sich nicht viel öfter einfach auf sein Bauchgefühl verlassen sollte und nicht ständig über alles stundenlang nachgrübeln sollte! Sollte man die Kiddies nicht einfach viel öfter "einfach mal machen lassen"?

    Klar möchte ich auch, dass es Inja gut geht und dass sie gesund aufwächst, dass man versuchen sollte, ihr nur das Beste zukommen zu lassen, aber vielleicht übertreibt man es einfach manchmal?

    Wie seht ihr den Text und was meint ihr dazu??

    Liebe Grüße
    Sonja
     
  2. Brini

    Brini ohne Ende verliebt

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    Hallo Sonja,

    das ist ein guter Text :jaja:

    Ich bin zwar noch etwas jünger, bin im 1980 aufgewachsen. Aber trotzdem passt ziemlich alles.

    Ich seh das auch so, ich glaube heute ist man in manchen Dingen zu vorsichtig. Ich bin zwar der Meinung, das man vorbeugen sollte, wo man kann. Aber wie lernt man, wenn man keine Erfahrungen machen durfte?

    Ich werde Melissa bestimmt nicht vor allem beschützen, sie soll erfahrungen machen. Jedoch überall wo es gefährlich werden kann, werde ich wohl eingreifen. Schürfungen, prellungen ect. sind ok. ich denke wir müssen ein Mittelmass finden, zwischen "erfahrungen machen lassen" und "gefährliches vermeiden"
    und wenn man das so betrachtet, so ist die heutige Zeit wohl anders, und trotzdem noch genau gleich. Damals gab es gefahren, die wir heute einschränken können, und im Heute gibts andere gefahren, die wir damals noch nicht kannten oder noch nicht so gefährlich bzw. hoch waren. (zbsp. Aids, Drogen, viele Strassen ect.)

    Liebe Grüsse Sabrina
     
  3. Wow, wie aus meinem Leben geschrieben........

    Ich kam 1972 :blume: zur Welt und habe oft zurückgedacht und mit der heutigen Jugend verglichen. Was haben wir damals die Natur genossen und uns in den Wälder ausgetopt. Wir wussten doch aus allem etwas zu machen oder mit den einfachsten Dingen zu spielen.
    Ich sehe in der Nachbarschaft genug Kinder die keine Ahnung vom spielen haben und nicht wissen was anfangen mit der Freizeit.
    Klar gab es das auch zu meiner Zeit, aber ich denke mit diesem riesen Angebot an Technik und Spielen Heute sind die Kids doch einfach überfordert und können gar nicht lernen sich mit einfachen Dingen und vor allem mit sich selber zu beschäftigen.
    Ich hoffe für mich, das Celines umfeld es zulässt das sie vieles so erleben darf wie ich es durfte...

    Liebe Grüsse Sandy
     
  4. ConnyP

    ConnyP Die Harmlose

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    Im Prinzip finde ich den Text richtig, aber einiges ist heute auch einfach anders.
    Früher waren die Autos halt langsamer, und es gab nur deswegen weniger verkehrstote, weil es weniger verkehr gab. Früher gab es noch keine Drogen in der Schule, man mußte auch nicht Angst haben, daß das eigene Kind von einem Perversen einfach so verschleppt und getötet wurde. Das kam zwar vor, aber doch viel seltener... Was für Auswirkungen die ganzen Schadstoffe auf uns Kinder hatten, werden wir wohl auch erst erfahren, wenn wir "älter" werden.

    Naja, soweit meine kritische Stimme. Aber im Prinzip finde ich trotzdem, daß man Kinder nicht überbehüten soll. Und (erschlag mich nicht, Ute :-D ) ich bin der Meinung, daß es ohnehin fast egal ist, was ich meinem Kind gebe, weil immer bei irgendeinem "gesunden" Lebensmittel ein neuer Skandal kommt...
    Natürlich lasse ich sie nicht den ganzen tag Süßkram oder Pommes essen, aber nur Dinkel.... ich weiß nicht :weghier:
    Janien ist übrigens bei diesem Wetter ab dem MIttagessen bis abends um ca. halb 7, 7 draußen (alleine) und spielt mit den Kindern aus unserem Block, oder alleine vor oder hinter dem Haus. Neulich hat sie sich den KOpf an einer Steinplatet aufgehauen, weil sie (verbotenerweise) am Geländer geturnt hat, heute hat sie sich beide Hände aufgeschürft, ihre Schienbeine sind nahezu komplett blau :-D , sie hat sich schon 2x den großen Zeh aufgerissen, weil sie unbedingt barfuß laufen mußte.
    Mit Michelle binich dann meist so ab 4 oder so auch draußen. Sie krabbelt dann im Gras und in der Erde rum, isst mal diverse Erdklumpen und sieht immer aus wie ein Schweinchen! :-D
    Übrigens sind beide erstaunlich selten krank, Janine praktisch nie, Michelle im Winter etwas öfter, aber jetzt auch nicht mehr.

    Äh... :plapper: :oops: :-D was ich sagen wollte: auch heute hat man durchaus noch die Chance, seinen Kindern Freiheiten zu lassen! Man muß z. B. nicht immer gleich hinrennen, man kann sie auch mal fallen lassen. Ich glaube schon, daß sie das brauchen... wer weiß, wenn sie in früher Kindheit nicht die Chance bekommen "Mist" zu machen, dann machen sie es vielleicht später?? Wenn die Eltern nicht mehr soviel Einflußmöglichkeiten haben, als jugendliche... UNd wer weiß, wie das dann ausartet... :???:

    So, daß war jetzt seeeeehr lang, sorry. Wollte aber mal raus, denn ich hab soo oft das Gefühl, eine Rabenmama bin, weil ich mich viel zuwenig um die Kinder "kümmere", viel zu unbesorgt bin. Aber wer weiß, vielleicht tut es ihnen ja sogar ganz gut?

    Auf jeden Fall vielen Dank für diesen Artikel - und fürs Zulesen!!!
     
  5. Andrea3030

    Andrea3030 Dauerschnullerer

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    Hi, ich finde den Text auch sehr passend in manchen Sachen. Ich bin 74 geboren u. wir waren wirklich meistens draußen. Wir hatten keinen PC u. wenn wir nicht bei Freunden waren haben wir zusammen Spiele gespielt (meine Schwester ist kein Jahr jünger u. mein Bruder 2,5 Jahre jünger wie ich). Die meisten Kinder die ich kenne gehen nicht so gerne vor die Tür. Und was das rausklopfen bei Problemen betrifft, haben wir heute noch drüber gesprochen. Einer Bekannten ihr Sohn hat einen Brief von der Schule bekommen, von wegen Schule schwänzen u. die Mutter hat in der Schule angerufen u. sich danach erkundigt. Da bekam sie gesagt, das sie die erste Mutter ist die mal anruft, die meisten würden sogar dann nachträglich die Entschuldigungen schreiben um ja ihren Kinder keine Probleme zu machen. Wie sollen die denn da raus lernen?
     
  6. Der Text erinnert mich total an meine Kindheit! Verletzungen gab's des öfteren, die wurden dann mit Wasser sauber gemacht, dann kam ein Plaster drauf, ( was ich gar nicht mochte, denn ich hatte immer Angst vor dem runterziehen! ) und dann wurde ich mit dem Spruch "bis du heiratest vergeht das wieder" wieder zum spielen raus geschickt!
    Ich finde es war eine sehr schöne Zeit und manchmal denke ich mir, daß es schade für die unsere Kinder ist, eine so einfache Kindheit ohne Gameboys, Playstations usw. zu erleben, wie wir es konnten! Wir spielten einfache Spiele, fuhren mit selbstgebastelten Gefährten und hatten doch Spaß daran!

    LG Angelika :)
     
  7. Su

    Su Das Luder

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    Hallo,

    ein bischen übertreibt Ihr jetzt aber; Ihr lieben mit 70ger, also ich bin auch 1972 geboren, und wir hatten einen Fernseher, es gab auch die ersten Atari-Spiele (PacMan), wenn man in der Stadt groß geworden ist, so wie ich konnte man auch nicht einfach mitten auf der Straße spielen, weil es durchaus schon Autos gab die schneller als 20 kmh fuhren. Die Beschreibung passt dann doch noch mehr auf meinen Vater, der konnte wirklich noch auf unserer Str. Fußball spielen...........

    Aber die Message der Zeilen ist klar und da stimmen ich auch sehr zu. Wir wohnen jetzt auf dem Land mit großen Garten und Yannick ist von früh bis spät draussen, darf Wasser aus Pfützen trincken und wenn er hinfällt, wird vielleicht mal gepustet. Die Verabreichung von ständigen Globulis nach Stürzen finde ich albern und psychologisch falsch. Hier wird dem Kind beigebracht, das man immer gleich ein Tablettchen nehmen muss, wenn was wehtut. (Sorry, aber das ist halt meine Meinung)

    Also einerseitz lasse ich ihn viel laufen, bin aber das muss ich zugeben auch immer super besorgt, im Moment laufe ich natürlich noch viel hinterher und beobachte einfach was er macht, lasse ihn aber meistens machen. Anderen vertrau ich ihn immer noch nicht so gerne an. Aber das muss ich eh wenn ich zweimal die Woche arbeite.

    Yannick trinckt in der Krabbelgruppe auch immer aus fremden Flaschen mir macht es nichts aus, aber ich glaube manche Mütter stört es...da muss ich halt dann doch eingreifen.

    Ich glaube jedenfalls auch man sollte sich nicht zuviel Gedanken um Essen usw. machen.

    Bla, bla, bla,
    Su
     
  8. Krabbelkaefer

    Krabbelkaefer Hier riechts nach Abenteuer

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    Was hindert Dich daran diese Zeit den Kind erleben zu lassen? Diese Möglichkeiten gibt es heute in veränderter Form immer noch ...

    *dieAlltagistwasihrdarausmacht*Martina
     

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