Verständliches Sprechen

Dieses Thema im Forum "Erfahrungsaustausch" wurde erstellt von Grisu, 16. Juli 2004.

  1. Zuerst mal die Vorgeschichte:

    Ich war gestern mit meiner Schwiegermama in der Augenambulanz im Krankenhaus. Manuel hatte ein Bilderbuch mit und da saß dann ein Mann neben uns und er fragte Manuel alles (fast) ab, was er denn da sehe. Manuel antwortete sogar (was mich echt wunderte) - der Mann war sehr nett. Manche Antworten verstand der Mann nicht - und ich "übersetzte" (weil ich sie ganz klar verstand).
    Manuel plauderte auch so genug dahin und als wir gingen, fragte mich der Mann ganz spontan und wirklich ernst:
    "Spricht er (Manuel) wirklich richtig?"
    Ich: "Ja"
    "Warum verstehen dann nur Sie das Kind, was es spricht?"

    Der Mann glaubte, dass Manuel eine falsche Aussprache hätte - ich war irgendwie momentan echt verwundert und auch etwas betroffen.
    Denn für mich (und auch für meinen Mann) hört sich das, was Manuel von sich gibt, verständlich an. Natürlich ist es noch nicht so klar wie bei einem 5jährigen.

    Und jetzt bin ich irgendwie ein bißchen verunsichert.
    Wie deutlich muss ein fast dreijähriges Kind sprechen?
    Manuel hat mit ca. 2,5 Jahren zu reden angefangen und er spricht ganze Sätze und mehrere Folgegedanken in einem Satz aus. Natürlich kommen manche Buchstaben noch nicht so deutlich und klar raus.

    Und heute am Spielplatz treffe ich dann die Nachbarin mit ihrem 2jährigen Sohn und sie schwärmt mir vor, wie toll ihr Sohn rede und sie korrigiert dann auch immer gleich grammatikalisch, wenn er was falsch sagt: Geh - das heißt doch .....

    Manuel macht momentan auch so Wortspielereien - absichtlich:
    Zum Beispiel: statt "Passiersieb" sagt er "Passagiersieb"

    Inwieweit entwickelt sich - ohne dass ich mein Kind sozusagen "korrigiere", indem ich sage: das heißt nicht so - sondern so -
    die Aussprache "von selbst" einfach durch das Hören?

    Sicher muss ich auch manchmal nachdenken, was er jetzt meint - aber ich habe einfach das Gefühl, dass alles seine Zeit braucht. Und zum Zuhören muss man sich wirklich auf ihn konzentrieren und ganz bewußt "mitdenken".

    Vielleicht kann mir da jemand was aus seiner Erfahrung sagen.

    Mich ärgert halt, dass man zuerst dauernd angeredet wird, dass das Kind noch nicht spricht - und nun spricht Manuel und jetzt kommt das nächste, was "schon sein sollte". Immer dieses blöde GEfühl, dass Manuel sprachlich sozusagen "weiter sein sollte" oder "was nicht ganz richtig ist".

    :-?
    Christine
     
  2. SoDDa

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    Sei beruhigt, bei uns ists nicht anders :nein:
    Christin ist seit Mai drei Jahre alt, und nur richtig wirklich verstehen tun wir sie und meine Eltern.

    Gut, sie sagt auch vieles was andere verstehen, aber teilweise verdreht sie alles.
    Und wir werden auch immer drauf angesprochen ob das denn so richtig ist.

    Die Lütte hat noch mit so einigen Wörtern Probleme, wie z.B.:
    Luftballon = Wungepung
    Teletubbies= Tibbitabbis
    Fische= Fisse
    Marina = Nina
    schwimmen = swimmen

    Und Sätze verdrehen tut sie auch noch ganz arg wie zum Beispiel:

    Timmi mir spielen,
    Du mir helfe,
    Ich mag nicht das
    Mir kraulen,
    Was du machen?


    Und solche Dinger. ich hab auch schon drüber nach gedacht, ob ich zu einer Sprachschule gehen sollte. Aber dann sag ich mir immer wieder das kommt alles noch. Ich verbesser sie nicht, sondern wiederhole nur ihre Wörte im Antwortsatz, damit sie sie immer wieder richtig hört.

    Außerdem kann sie schon soviele andere Sachen. Sie klettert, Geht auf die Toilette (auch nachts), Hilft mir beim Haushalt (sogar Treppenhaus will sie helfen :-D )
    Spielt super lieb mit ihrem Brüderchen, kann bis 15 zählen, unterscheidet 4 Farben und und und.

    Und da denk ich mir wenn die so viele andere Sachen lernt, ist klar, daß sie dann für andere Sachen etwas länger brauch :jaja:

    Mach dir nicht soviele Gedanken drüber.
    Lern ein bissel mit ihr.
    Nimm Bücher in die Hand, und anstatt vor zu lesen, frag ihn was er auf den Bildern sieht.
    Mach ein Spiel draus, dann mag er das auch immer wiederholen, und das jeden tag mal, und irgendwann klappt das auch :jaja:

    Liebe Grüße
    Bine
     
  3. Liebe Christine!

    Das nennt man physiologisches Stammeln und ist ganz normal. Es kommt bei 70 Prozent aller Kinder vor, dass sie Artikulationsfehler und auch grammatikalische Fehler machen. Wichtig ist, dass er seine Aussprache kontinuierlich erweitert und verbessert.

    Verbessern sollst Du ihn natürlich nicht, damit er kein Störungsbewusstsein entwickelt und dann noch für etwas, was normal ist. :eek: Sber es gibt eine "Technik", die die meisten Eltern von ganz alleine anwenden; Das corrective feedback, heißt, dass Du das, was Manuel gesagt hats noch einmal richtig wiederholst, damit er es noch einmal korrekt hört - im natürlichen Rahmen und dort, wo es gut hinpasst.

    Bis viereinhalb Jahre sollten dann die meisten Artikulations- und grammatikalischen Fehler verschwunden sein, es dürften dann nur noch Laute wie z.B. s, sch r oder k betroffen sein, mit 5 sollten alle Laute korrekt gebildet werden können und die grammatikalische Struktur stimmen.

    Hab es einfach im Auge. Wenn er mit 4-4,5 JAhren noch stark verstammelt spricht, kannst Du ihn prophylaktisch zur Logopädie anmelden, damit ein FAchmensch mal ein Auge drauf hat, vorher braucht Dich das nicht zu bekümmern.

    Ganz lieben Gruß an Dich!

    Kerstin
     
  4. Sonja

    Sonja Integrationsbeauftragte

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    Christine, du hast mal wieder genau meine Gedanken aufgeschrieben, aber Kerstin hat es ja schon ganz gut erklärt.

    Bei Tim ist das ganz genauso - ich bin so stolz, dass er (für meine Begriffe) schon so viel spricht und andere verstehen ihn dann nicht :-?

    Wir haben jetzt, wenn er drei wird, nochmal einen Termin bei der Logopädin.

    Liebe Grüße
     
  5. das klingt mächtig toll! :-D christine, ich wollte diese tage eine anfrage starten, wie es mit der sprache bei 2,5 jährigen aussieht. ich bin echt neuigierig, ob meiner so ein einzelfall ist, oder ob noch mehr kleine spinner hier verweilen. laurin spricht meistens grammatikalisch korrekt, auch mit artikel (manchmal der verkehrte, aber er ist am lernen) und die wörter in der richtigen reihenfolge. aaaaaber...

    seit etwa 6-7 wochen verbaldowert er, mit absicht wie es mir scheint, alles was er spricht. ich kann nichts mehr übersetzen, weil ich selber nichts mehr verstehe was er stammelt :-? ich WEISS, dass laurin zb. gerade ein lied rauf und runter singt (diesbezüglich ist sein sprachschatz sehr gross), aber nicht, weil man noch die einzelnen wörter verstehen kann, sondern weil ich das lied kenne und es an manche wortfetzen, intonation und rhythmus wiedererkenne - ein lied, das er vor 7 wochen noch sehr verständlich gesungen hat. laurin spricht zzt in buchstabensalat. hin und wieder schmeisst er mit einem sehr deutlichen satz um sich, ab und zu ein klares wort - das ist aber schon alles.

    ob das ein physiologisches stammeln ist weiss ich nicht, ich habe zwei eindrücke dabei: a) er will mehr sagen als er kann und weil das kind sehr ungeduldig und ultraschnell ist, sprudelt aus ihm heraus einfach etwas, wenn er kein wort dafür hat. er ergänzt und ersetzt wörter die er nicht beherscht durch gestammel und mittlerweile stammelt auch wörter die er kennt. b) er hat spass am verdrehen der wörter und buchstaben, erfindet neue kombinationen, auch wenn er weiss wie man das wort richtig aussprechen müsste. er spielt mit der sprache. ich korrigiere ihn selten, bzw. sage ihm vor wie es richtig wäre, ich lasse ihm einfach diese spinnerei, weil ich weiss, er konnte bis jetzt gut und gerne sprechen (natürlich mit einschränkungen, nicht jedes wort konnte er perfekt aussprechen) und er hat keine trauma erlitten, die sowas erklären könnte. ich hoffe, das ist auch richtig so :???:

    probiere mit der umgekehrten strategie, wenn dir leute so doof kommen: waaaaas, sie verstehen nicht was mein sohn sagt? *verwundertguckenundmitdemkopfschütteln* vielleicht sollten sie ihre ohren anschauen und ggf. nachpolieren lassen? :)

    liebe grüsse,
    gabriela
     
  6.  
  7. Da mache ich ja von anfang an intuitiv das Richtige. Ich wiederhole immer alles, was er gesagt hat (und versuche es deutlich zu sagen) in seiner richtigen Weise. Da bin ich ja jetzt ganz stolz auf mich. :D

    Vielen Dank für die fachliche Ausführung - und auch froh, dass andere Mamis auch damit sich auseinandersetzen und sich darum Gedanken machen.
    Ich schätze immer sehr Deine Antworten - auch bei anderen Postings (das mal so nebenbei ein bißchen als Bauchistreicheln gesagt!). :bussi:

    @ Gabriela

    Das ist ein guter Tipp - ich werde wirklich mal so eine Antwort in dieser Richtung geben.

    Ich habe auch das Gefühl, dass die Sprache eine Art "Spielzeug" ist für Kinder. Wenn wir mit dem Auto fahren, da ist er oft ganz mit sich beschäftigt und macht verschiedene Lautkombinationen und in verschiedenen Tonlagen.

    Manuel sagt zum Beispiel auch absichtlich: statt Augenambulanz - Augenbulanz und haut sich drüber voll ab (er weiß also darum, dass es anders heißt). :eek:

    @ Sonja

    Ich bin auch sooooo stolz, dass Manuel schon so viel spricht und ausdrücken kann. :jaja:
    Wir können in der Tat stolz auf unsere Jungs sein - wirklich! :bravo:

    @ Märilu

    Noch eine Frage:
    Manuel spricht ja nicht in normaler Tonlage, sondern in etwas "höheren Oktaven". Du hast mal gesagt, dass das davon kommt, dass Manuel sozusagen mit Anstrengung redet. Wie lange dauert das, dass sich das gibt? Kann man da unterstützend was machen? Oder brauche ich einfach vertrauen, dass sich das von selber sozusagen regelt.

    Danke!
    Bussi
    Christine
     
  8. Warst Du mal beim Ohrenarzt?

    Bei meinem Bruder kam so raus, daß er fast taub war: Weil nur unsere Mutter ihn verstand...

    Sheena
     

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