Tips für die Mundmotorik/bessere Artikulation

Dieses Thema im Forum "Erfahrungsaustausch" wurde erstellt von Melli30, 18. Februar 2004.

  1. Melli30

    Melli30 Dauerschnullerer

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    Hallo!

    Vincent, seines Zeichens Spätentwickler :jaja: , spricht nun endlich wie ein Wasserfall :bravo:
    Seine leichte Hypotonie macht sich auch in der Mundotorik/Artikulation bemerkbar -> er spricht viele Worte undeutlich aus (zu Brot sagt er "Boot", zu Schmetterling "Smettaling", zu Quark "Karb").

    Der Arzt im Frühföderzentrum (den ich für sehr kompetent halte) meinte, eine logopädische Therapie sei seiner Meinung nach erst mal nicht nötig. Eine Förderung zuhause sei ausreichend.

    Nun fällt mir dazu ein:
    - Kerzen auspusten lassen
    - mit Strohalm trinken 8)
    - mit Strohalm Blubberlasen machen
    - singen, reimen, erzählen

    Was fällt euch noch dazu ein?? :???: Habt ihr Tips??

    Grüße von
     
  2. Hallo Melli!

    Zunächst einmal sind die Artikulationsschwächen, die Du erwähnst, absolut altersentsprechend, ob mit oder ohne Hypotonie.

    Du hast schon viele "Spiele" genannt, die sich positiv auf die Mundspannung auswirken.

    Einen kleinen Tipp kann ich Dir noch geben: Durch einen Strohhalm trinken ist gut, aber es erfordert nicht besonders viel Spannungsaufbau. In der Apotheke kannst Du mal nachfragen, ob sie Dir Sondenschläuche besorgen können, die gibt es in verschiedenen Durchmessern und man kann sie anstelle von Trinkhalmen nehmen. Je geringer der Durchmesser und je länger der Schlauch, desto größer muss der Spannungsaufbau sein, um etwas hindurchsaugen zu können. So kann man die Spannung langsam steigern. Die Sonden kannst Du Dir auf die benötigte Länge zuschneiden.

    KAUEN hat noch eine wichtige Funktion, es ist wichtig, dass Vincent auch harte Sachen isst (Fleisch, hartes Brot,...) , auch krümelige Sachen(Knäckebrot), da das wieder eine andere "Mundfertigkeit" erfordert.

    Wenn er sehr geschickt ist, kannst Du mit ihm spielen, kleine Gegenstände (Erbsen, Papierschnipsel, später auch Murmeln...) mit dem Trinkhalm anzusaugen und von einem Gefäß in ein anderes zu transportieren (dazu braucht man die Trinkhalme mit dem größeren Durchmesser. Dabei muss die Ansaugspannung gehalten werden.

    Grimassen schneiden: Lippen spitzen, Lippen breit ziehen, Zunge so weit wie möglich rausstrecken, ZUnge raus und nach oben, unten, zur Seite, usw.

    Alle Spiele aber bitte nur ANBIETEN und wenn er sie ablehnt, das auch lassen, denn es sind zum Teil Spiele, die in der logopädischen Therapie eingesetzt werden und falls doch mal eine nötig wäre - Du willst sie ihm doch nicht im Vorfeld "vermiesen"... :wink:

    Ganz wichtig ist auch die Körperspannung. Ohne die richtige Körperspannung ist es ganz schwierig, im Gesichtsbereich die richtige Spannung zu halten. Was DU zu Hause tun kannst: Viel rausgehen, Bewegung, Klettern, grobmotorische Aktivitäten. Schlüsselrolle auch: Die Haltung beim Essen und bei anderen Aktivitäten am Tisch, insbesondere bei den mundmotorischen Spielen. Er sollte auf einem Stuhl sitzen, bei dem er Kontakt mit den Füßen zu einer stabilen Unterlage hat, z.B. tripp Trapp von STOKKE. Sitzbrett muss den richtigen Abstand zum Tisch haben und Fußbrett zum Sitzbrett, Knie ca. im rechten Winkel.
    SPielen auf dem Fußboden ist auch geeignet.

    Über die Feinmotorik der Hände kannst Du auch die Spannung im Mundbereich erhöhen, kleinfisselige Greifspiele, Steckspiele, Spiele, bei denen mit der Hand Druck ausgeübt werden muss (Ausstechen, aufkleben... Kneten!)

    Beobachte mal Dein Kind, wie sich in den verschiedenen Alltags- und Spielaktionen die Mundspannung verändert, da bekommst Du viel Aufschluss darüber, was ihm eine Hilfe ist. Wäsche aus der Waschmaschine zerren zum Beispiel. Trampolin springen. Bei Aktionen, bei denen Gleichgewicht gehalten werden muss, erhöht sich die Mundspannung auch - Balancieren, Roller fahren, Hopsen...

    Eigentlich kann man den ganzen Tag Dinge einbauen, die die Mundspannung beeinflussen... :)

    Liebe Grüße
    Kerstin
     
  3. Melli30

    Melli30 Dauerschnullerer

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    Hallo Kerstin,

    Mensch, das sind klasse Anregungen :bravo: !!! DANKESCHÖN!!!

    Den guten TrippTrapp haben wir übrigens :D Der ist einfach klasse, auch ohne Hypotonie!

    Du schriebst:
    "Beobachte mal Dein Kind, wie sich in den verschiedenen Alltags- und Spielaktionen die Mundspannung verändert, da bekommst Du viel Aufschluss darüber, was ihm eine Hilfe ist."

    Kannst du mir ein Beispiel dazu nennen? Worauf schließt man in welchen Situationen?

    Und noch eine Frage: Gibt es Literatur dazu, die du mir empfehlen kannst? Mir hilft es immer sehr, mich lesend mit Themen auseinanderzusetzen. :V:

    Viele Grüße von
     
  4. Da meinte ich z.B. beim Kneten, Fingerfarbenmalen, bauen, hüpfen, klettern, schneiden, usw. Beobachte einfach nur mal - ohne Wertungen oder Schlussfolgerungen. Beobachtungsparameter: Allgemeine Spannung (Gesichtsbereich) - Mundschluss - Zungenlage - assoziierte Bewegungen (z.B.: Beim Schneiden mit der Schere geht der Kiefer auf und zu oder der Mund wird stark geöffnet, die Zunge arbeitet mit oder die Lippen werden zusammengepresst, evtl. passiert auch gar nichts...) Da sieht man ganz deutlich, wie die Mundspannung beeinflusst wird. Schau einfach mal zu, was alles im Mund passiert und auch ab welcher Bewegungsintensität, also z.B. ab welchem allgemeinen Spannungseinsatz.

    Buchtipp? Auf die Schnelle fällt mir nur ein: Bausteine der kindlichen Entwicklung von Jean Ayres. Aber ich denk mal noch weiter drüber nach!

    Evtl. noch: Drück mich mal genz fest von Frau Defersdorf -

    In den Büchern geht es meisten um stärker beeinträchtigte Kinder, aber an ihnen kann man eben deutlich allgemeine Zusammenhänge erkennen.

    :winke:
    Kerstin
     
  5. AlexLiLa

    AlexLiLa Gehört zum Inventar

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    @Kerstin
    Ich großer Neugierde verfolge ich das Posting. Da meine beiden ja Hypoton sind.
    Bei Laura zum Beispiel geht mein Schere schneiden der Mund auf. ich muß abe rnoch mal schauen was dann arbeitet. Die Zunge oder die Lippen.

    Was hälst Du von den Büchern:

    Kunter-bunt rund um dem Mund ISBN 3-8080-0428-2

    oder von

    So lernen Kinder sprechen ISBN 3-62900-278-1

    Danke für Deine Meinung Alex
     
  6. Hallo Alex!

    Das erste Buch enthält viele gute Übungen, aber die meisten sind schon so speziell, dass es eher eine Ideensammlung für professionelle Therapeuten ist. Viele Übungen sind auch so schwierig, dass sie erst für ältere sind. Sie sind auch wirklich eher im Therapiealltag geeignet, da man wiisen muss, wann und wie genau welche Übung eingesetzt wird.

    Das Buch von Gela Brüggebors habe ich auch - oder hab ichs verkauft? :???: Es gibt einen relativ guten Überblick über Sprachentwicklungsprobleme, die Spiele finde ich aber z.T. schwer umsetzbar.

    In der häuslichen Umgebung denke ich sind Übungen in Alltagssituationen günstiger. Ich finde es auch wichtig, die größeren Zusammenhänge zu kennen, bevor man ins Spezielle geht, denn wie gesagt, mundmotorische Spiele ohne Einbeziehung von Körperhaltung und -spannung bringen nicht so viel, als wenn man diese Basis miteinbezieht.

    Auf der Spielwarenmesse habe ich eine sehr schöne Spielidee gesehen für Ansaugspiele, falls es Euch interessiert, kann ich EUch genaueres darüber erzählen.

    Man kann z.B. auch Balancier- oder Bewegungsspiele machen und dabei etwas zwischen DEN LIPPEN (nicht den Zähnen) halten. Das ist gar nicht so einfach! Aber das geht natürlich nur, wenn die Nase frei zum Atmen ist!

    Ich denk mal noch weiter nach..

    Lieben Gruß
    Kerstin
     
  7. Ach so, Alex, jetzt fällt mir gerade auf, dass Du ein anderes Buch meintest mit dem Zweiten! Das kenne ich nicht, darüber kann ich nichts sagen.

    :winke:
    Kerstin
     
  8. ich beobachte eure unterhaltung sehr interessiert. laurins mundhaltung ist seit der letzten behandlung beim orthopäden (wegen kiss) dermassen mies, sowas kenne ich von ihm nicht! er hat fast ständig den mund offen (ok, jetzt hat er auch schnupfen, aber auch vor der grippe war so) und sabbert was das zeug hält. sein kinn ist ständig nass! seine aussprache ist auch sehr nuschelig und plötzlich viel schlechter geworden, alles ist verändert. ich hoffe, die nächste behandlung (hätte eigentlich am dienstag sein sollen, haben wir aber wegen der grippe verschoiben) kriegt das wieder hin, sonst mache ich mir ernsthafte sorgen :(

    ich erzähle das, weil mir der von kerstin beschriebener zusammenhang zwischen mundmotorik und körperhaltung sehr einleuchtend erscheint.
     

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