Spontangeburt mit PDA im KH (lang)

Dieses Thema im Forum "Geburtsberichte" wurde erstellt von belladonna, 30. Juni 2002.

  1. belladonna

    belladonna Tolle Kirsche

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    Hallo,
    jetzt will ich auch mal aufschreiben, wie Christina zu uns kam.

    Am Freitag dem 05.10.01, einen Tag vor dem errechneten Termin, wachte ich morgens gegen halb fünf auf, weil mir übel war. Ich maß dem weiter keine Bedeutung bei, fand es nur lästig, weil ich nicht mehr einschlafen konnte. An erste Anzeichen der bevorstehenden Geburt hätte ich im Leben nicht gedacht, da ich 2 Tage vorher bei meiner Frauenärztin gewesen war, die meinen Zustand als seit 2 Wochen unverändert feststellte (Christinas Kopf fest im Becken, aber sonst auch nichts) und mir für den kommenden Montag gleich nochmal einen Termin gegeben hatte.
    Tagsüber hatte ich dann immer mal ein leichtes Ziehen im Bauch, aber da ich als Erstgebärende keine Ahnung hatte, wie sich Wehen anfühlen, dachte ich mir auch weiter nichts. Stattdessen ging ich mit einer Freundin gemütlich frühstücken (obwohl es mir nicht so recht schmecken wollte) und anschließend bummeln, und nachmittags backte ich noch Muffins und machte endlich den längst überfälligen Badputz (aha, der Nestbautrieb, werdet Ihr sagen! :-D ).
    Gegen 18:00 Uhr wurde das Ziehen allerdings regelmäßiger, sodaß ich irgendwann anfing auf die Uhr zu sehen und feststellte, daß ich mittlerweile alle 10min Wehen hatte (denn das mußte es ja nun wohl doch sein). Ich dachte mir aber immer noch weiter nichts, denn welches Kind kommt schon zum errechneten Termin???
    Um kurz nach 19:00 Uhr hat ich dann plötzlich ein unangenehmes Gefühl im Slip und stellte fest, daß der Schleimpfropf abgegangen war. Naja, muß ja nichts heißen, dachte ich mir, und setzte mich gemütlich wieder auf die Couch, allerdings weiter mit Blick zur Uhr.
    Gegen 21:00 Uhr rief eine Freundin an, die bereits Mutter ist, und als ich ihr so nebenbei erzählte, daß ich alle 8-10min Wehen hätte, meinte sie, sie würde jetzt auflegen und ich sollte schleunigst in die Badewanne gehen. Ich also brav in die Wanne, wo ich feststellte, daß es sich tatsächlich um echte Wehen handelte, die durch das warme Wasser zwar nicht verschwanden, aber auch nicht wesentlich stärker wurden. Also stieg ich wieder aus der Wanne, ging zurück ins Wohnzimmer und eröffnete meinem Mann (der sich zum dem Zeitpunkt immer noch nicht sicher war, ob er wirklich bei der Entbindung dabei sein wollte! :) ), daß es sein könnte, daß wir doch heute nacht noch in die Klinik müßten.
    Da das Krankenhaus aber nur 5min von uns entfernt ist, setzten wir uns erstmal wieder hin, spielten ein paar Runden "Carcassonne", wobei ich mich aber zunehmend schlechter konzentrieren konnte, da ich einerseits hundemüde war und andererseits immer einen Blick auf der Uhr hatte.
    Gegen elf gingen wir dann erstmal ins Bett, d.h. mein Mann schlief sofort ein, während ich mich nur hin-und herwälzte, da ich erstens mit meinem dicken Bauch eh nicht richtig liegen konnte und zweitens die Wehen inzwischen alle 5-6min kamen. Also stand ich nach kurzer Zeit wieder auf, tigerte in der Wohnung rum, surfte ein bißchen im Internet und packte die letzten Kleinigkeiten in meine Kliniktasche. Zwischen zwölf und eins wurde ich dann doch unruhig und rief im Kreißsaal an, was ich denn nun machen sollte. Die diensthabende Hebamme meinte, wenn wir so nah da wohnten und es mir soweit gut ging, könnte ich ruhig noch ein bißchen zu Hause bleiben; ich könnte aber auch gleich kommen, wenn mir das lieber wäre.
    Also tigerte ich noch ein bißchen weiter durch die Wohnung, bis ich es um kurz nach zwei nicht mehr aushielt und meinen Mann weckte. Der zog sich im Halbschlaf an und wir fuhren ins Krankenhaus (Kreiskrankenhaus Bad Homburg). Dort angekommen, ließen wir meine Tasche erstmal im Auto, weil wir eigentlich davon ausgingen, daß sie uns wieder heimschicken würden (welches Kind kommt schon... s.o. :-D ) - wie sehr wir uns irren sollten!
    In der Aufnahme wurde erstmal ein US gemacht und das CTG angelegt. Die Hebamme stellte fest, daß der Muttermund 2cm eröffnet war und schickte meinen Mann los, die Tasche zu holen, da es durchaus demnächst ernst werden könnte. Ich war auch kaum allein im Zimmer und hatte es mir für die nächste halbe Stunde CTG auf einem Stuhl gemütlich gemacht, da machte es schon blubb und ich saß in einer Überschwemmung... die Fruchtblase war geplatzt. Da das Fruchtwasser leicht grün war (Christina hatte vermutlich vor lauter Aufregung, daß sie jetzt ausziehen muß, reingemacht), bekam ich erstmal ein Antibiotikum und für alle Fälle wurde mir auch Blut abgenommen und eine Braunüle gelegt. Außerdem zogen wir aus dem Aufnahmezimmer in einen Kreißsaal um, da es ja nun richtig loszugehen schien.
    Im Kreißsaal bot man mir erstmal ein richtiges Bett an und meinte, wir sollten versuchen, noch ein bißchen zu schlafen. Toll, schlaft mal, wenn die Wehen beständig stärker werden und es bei jeder Bewegung gluckst, weil wieder ein Rest Fruchtwasser rauskommt! :-? Naja, mein Mann und ich vertrieben uns also die Zeit damit, uns endlich auf einen Namen für unser Kind zu einigen :eek: bzw. einfach gar nichts zu tun. Mit der Zeit brauchte ich dann auch all meine Kraft und Konzentration dafür die Wehen zu veratmen. Um 6:00 Uhr war dann Schichtwechsel und eine sehr resolute, aber auch sehr nette Hebamme übernahm unsere Betreuung. Da es mit meinem Kreislauf stetig bergab ging (ich hatte ja mittlerweile schon die 2. Nacht nicht richtig geschlafen) und mir bei jeder Wehe übel wurde, ging die Suche nach einem Schmerzmittel los. Ich wollte gern etwas Homöopathisches, doch da sich mein Zustand rapide verschlechterte, während der Muttermund bei 4cm stehenblieb und einfach nicht weiter aufgehen wollte, riet mir die Hebamme schließlich zur PDA, damit ich einfach mal eine Verschnaufpause bekäme; zu dem Zeitpunkt war es nämlich nicht absehbar, wielange die Geburt noch dauern würde und es stand zu befürchten, daß ich einfach wegkippen würde... Gegen 8:00 Uhr kam dann auch die Anästhesistin, die die PDA sehr routiniert und professionell legte; ich hatte zu keinem Zeitpunkt Angst, daß da etwas schiefgehen könnte. Das Unangenehme war nur, daß ich mich komplett stillhalten mußte, während gleichzeitig eine Wehe nach der anderen kam. Als die Narkose dann endlich zu wirken begann (etwas verzögert so gegen 9:00 Uhr), war ich nur noch erleichtert. Ich lag ganz entspannt auf dem Bett (soweit das mit Nadel im Rücken, Tropf am einen Arm und Blutdruckgerät am andern Arm möglich ist) und spürte die Wehen nur noch als Druck, aber nicht mehr als Schmerz.
    Gegen 10:00 Uhr (mein Mann war mittlerweile zum Frühstücken zu Hause gewesen und um ein bißchen frische Luft zu schnappen) kam die Hebamme, um zu sehen, ob sich am Muttermund vielleicht endlich mal was täte - und siehe da, durch die Entspannung infolge der PDA war er auf einmal komplett aufgegangen und die Hebamme konnte schon Christinas Köpfchen sehen!
    Also drehte sie fix den Narkosetropf ab, damit ich ein bißchen auftauen konnte, um später mitpressen zu können, und sagte dem Arzt Bescheid, daß es bald losgehen würde. Nach 45min war die Narkose soweit abgeklungen, daß ich die Wehen wieder ein bißchen spürte, und da auf einmal Christinas Herztöne abfielen, wurde beschlossen, daß Christina jetzt geholt werden sollte. Also wurde der Arzt herein geholt und dann wurde es ernst: der Arzt erklärte mir zunächst, daß ich mich notfalls auf einen Dammschnitt gefaßt machen würde, da sie wg. des grünen Fruchtwassers nicht ganz so dammschonend vorgehen könnten, wie sie es sonst täten, denn um Christina nicht noch mehr Streß auszusetzen, wollte sie versuchen, sie mit möglichst wenig Preßwehen herauszuholen (O-Ton: "Ich gebe Ihnen drei Preßwehen und dann muß sie draußen sein!"). Dann demonstrierte er mir noch, wie ich pressen sollte (was bei einem beleibten Herrn Mitte fünfzig ziemlich ulkig aussieht! :) ) und los ging's. Als die nächste Wehe heranrollte, stemmte ich mich gegen den Arzt und die Hebamme und preßte, was das Zeug hielt. Mein Mann, der absolut kein Blut sehen kann, stand derweil am Fenster und "genoß" den Blick auf den Feldberg, denn es war ein wunderschöner Spätsommermorgen. Bei der nächsten Wehe das gleiche Spiel, ich preßte und hechelte, was das Zeug hielt, und auf einmal hörte ich einen dünnen Schrei - und Christina war draußen! Es war exakt 11:00 Uhr am Samstag, den 06.10 2001.
    Für mich war es fast eine Art Antiklimax, ich dachte mir nur: was, sind wir schon fertig??? Dann wurde mir bewußt, daß immer noch das Radion lief, "Drops of Jupiter" von Train - ein Lied, daß ich nie mehr vergessen werde.
    Während Christina untersucht und gebadet wurde, wurde bei mir die Nachgeburt entfernt und ich erstmal genäht. Ich war sogar nur ein ganz kleines bißchen gerissen - ob ich das nun der Damm-Massage und der Akupunktur zu verdanken hatte, oder ob es einfach Glück war, kann ich nicht sagen.
    Dann wurde mir Christina auf den Bauch gelegt und ich durfte sie auch gleich anlegen. Allerdings hatte sie anfangs überhaupt keinen Saugreflex, sodaß sie mir gleich ordentlich die Brustwarze kaputt kniff - autsch! :-?
    Mein Mann und ich hatten dann eine gute Stunde den Kreißsaal für uns allein, bis die Hebamme wiederkam und uns zu meinem Zimmer brachte.

    Insgesamt blieb ich fünf Tage im Krankenhaus, was ich auch als sehr angenehm empfand. Zu Hause hätte ich außer meinem Mann niemanden gehabt, der uns hätte helfen können, sodaß ich nie soviel Zeit und Ruhe gehabt hätte, um wieder auf die Füße zu kommen. Außerdem war ich die erste Zeit wahnsinnig unsicher im Umgang mit Christina und im Krankenhaus hatte ich jederzeit jemanden, der mir helfen konnte. Auch beim Stillen habe ich viel Hilfe bekommen, denn Christina und ich hatten doch große Anlaufschwierigkeiten, bis es dann endlich klappte. Im übrigen fand ich es immer sehr tröstlich, nachts mit den anderen Müttern im Stillzimmer zu sitzen, wo wir uns gegenseitig trösten konnten, wenn mal wieder gar nichts klappen wollte und wir am liebsten nur noch geschlafen hätten!

    So, das war Christinas Geburt - im nachhinein bin ich einfach nur unendlich dankbar, daß alles so unproblematisch geklappt hat und daß wir dieses Wunder erleben durften! Tja, und wenn alles gutgeht, darf ich nächstes Jahr im März den nächsten Geburtbericht schreiben - drückt mir die Daumen!

    Liebe Grüße,
    Bella :blume:
     

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