Sonntagskind Luna per Kaiserschnitt - sehr lang

Dieses Thema im Forum "Geburtsberichte" wurde erstellt von Keksimaus, 28. Februar 2003.

  1. Huhu :bravo:

    Also meine Kleine wurde am 23.12.01 geboren, ET war eigentlich der 19.12.01. Der Bericht ist sehr lang, aber kürzen mag ich da auch nix :-D

    ********************************************************

    Ab 21.12.01 sollte ich nun jeden Tag zum Frauenarzt. Heute war mein Blutdruck aber so hoch und da das Wochenende vor der Tür steht, an dem der Arzt das nicht überprüfen kann, hat er mir kurzerhand empfohlen, ins Krankenhaus zu fahren.
    Ich war die Ruhe selbst, aber Roman war total nervös. Warum nur? *g*
    Und ich schickte ihn auch noch zum Einkaufen *lach* Naja es ist ja morgen Wochenende und dann kommen die Feiertage, da muss schon was zu Essen im Haus sein.
    Als er wieder zurück war, haben wir erstmal die Kliniktasche gepackt (bisschen spät, oder? hihi), haben meinen grossen Sohn Tom zu einer Bekannten gebracht und sind dann in aller Ruhe (na okay, ich war nur ruhig *g*) ins Krankenhaus gefahren.

    Am 21.12.2001, es regnete in Strömen, fuhren wir also am Spätnachmittag mit der Strassenbahn ins Krankenhaus, die gepackte Kliniktasche mit dabei. Es war schon dunkel draussen, als wir ankamen. Das erste, was ich im Krankenhaus machte, war natürlich ein Klo suchen *lach* Ich froite mich schon drauf, dass das bald ein Ende haben würde.
    Dann fuhren wir in den 2. Stock zum Kreissaal. An der Tür musste man klingeln, man kommt da nicht so ohne Weiteres rein. Also draufgedrückt und gewartet, dann kam durch die Sprechanlage eine Stimme: ´´Ja, bitte?´´ Meine Antwort: ´´Ich möchte gern ein Kind kriegen.´´ *lach* Jedenfalls kam dann eine Hebame und kümmerte sich um uns. Erstmal wurde ich eine halbe Stunde an das CTG angeschlossen, danach musste ich Urin abgeben und dann ging die Quälerei los, mir sollte Blut abgenommen werden. Bei meinen Venen eher ein Glücksspiel ... und der Arzt hat auch ganz viel gespielt, bis er endlich was bekommen hat.

    Dann mussten wir eine Weile warten. Ich hoffte nur, dass die endlich einleiten würden und mich nicht noch ewig warten lassen würden. Wie sagt man so schön: ´´Wir sind hier nicht bei: Wünsch Dir was.´´ Deswegen wurde NATÜRLICH *grummel* nicht eingeleitet. Die hatten sich besprochen, dass sie mir noch eine Nacht Ruhe gönnen und erst am nächsten Morgen ganz früh einleiten wollten. Na klasse, alles bitten und betteln half nix ... ich bekam ein Zimmer auf der Wöchnerinnen-Station zugewiesen, wenigstens war ich dort alleine. Roman half mir noch beim Tasche auspacken, wartete bis ich in Ruhe geduscht hatte und als ich im Bett lag, verabschiedete er sich. Er würde morgen ganz früh wiederkommen.

    Nur so ganz nebenbei erwähnt: Krankenhausbetten sind für jemanden mit einer Grösse von 1,83 m grundsätzlich zu kurz. Die Matraze war auch nicht der Hammer und überhaupt ... ich hätte viel lieber zu Hause geschlafen, wegen meines hohen Blutdrucks sollte ich aber besser im Krankenhaus bleiben.

    Mit dem wach werden hatte ich am nächsten Morgen keine Probleme, man wird dort seeeehr früh unsanft geweckt. Roman trudelte so gegen 8 Uhr früh auch ein und so maschierten wir zusammen in den Kreissaal. Ich wurde wieder an das CTG angeschlossen und dann wurde gegen 8.30 Uhr Gel vor den Muttermund gelegt. Natürlich passierte nicht sofort etwas. Ich sollte auf jeden Fall 2 Stunden liegen bleiben. Da lag ich nun auf der Seite, obwohl ich viel lieber auf dem Rücken gelegen hätte. Irgendwann taten mir auf der Seite alle Knochen weh und draussen fing es kräftig an zu schneien. Na das fing ja schon mal klasse an. *ironischgrins*
    Zwischenzeitlich durfte ich mich dann doch mal auf die andere Seite drehen, da mussten die Messdinger vom CTG aber immer wieder neu an den Bauch gemacht werden, damit man die Herztöne hören konnte. Auf dem Rücken durfte ich nicht, da das Baby dann auf irgendeine Bauchschlagader drücken würde, was auf Dauer weder mir noch dem Kind gut tun würde.
    Der Kreissaal Nummer 3 war schön geräumig und hell, hatte ein niedriges, sehr breites Bett, so dass Roman sich neben mich legen konnte. Zu lesen und zu trinken war auch genug da, so waren die 2 Stunden dann auch irgendwann rum. Draussen schneite es unaufhörlich weiter, richtig dicke Flocken kamen da runter.
    Mittlerweile war es so gegen 11 Uhr. Ich durfte eine Weile herumlaufen, auch auf mein Zimmer und Mittag essen, das gibt es im Krankenhaus ja immer schon gegen 11.30 Uhr. Gesagt, getan ... keine Ahnung mehr, was es zu essen gab. Hin und wieder spürte ich schon ganz leichte Wehen, die waren noch recht harmlos und gut wegzuatmen. Als wir wieder zurück zum Kreissaal gegangen sind, haben wir vorher ein paar Sachen von mir zusammengepackt, die Spieluhr mit aufs Bett, die ich in der Schwangerschaft immer auf meinen Bauch gelegt habe, mein Kuschelkissen, das immer mit dabei sein muss *g*, ein Buch (dachte ich wirklich, ich würde lesen? lol) und noch ein paar andere Kleinigkeiten. Mein Bett sollte ich auch mitbringen. Wie gut, dass ich Roman dabei hatte. Wie stellen die sich denn vor, dass eine Schwangere auch noch ein schweres Bett über lange Flure schiebt? *Kopfschüttel*
    Im Kreissaal angekommen wurde ich wieder ans CTG geschnallt, bisschen genervt war ich davon schon, aber ich dachte mir, so lange kann das ja auch nicht mehr dauern. Ich durfte mich dann in mein (viel zu kurzes) Bett legen ... genau in meiner Blickrichtung hing eine Uhr. Toll, das war wie ein Dejavue. Bei der Geburt meines Sohnes hatte ich auch die ganze Zeit auf eine Uhr gestarrt.
    Gegen 14.30 Uhr wurde mir das zweite Mal Gel vor den Muttermund gespritzt. Da muss wohl ein Mindestabstand von 6 Stunden sein, bevor man das wieder machen kann. 6 Stunden schon? Wow, dann müsste es doch bald so richtig losgehen oder? Die Wehen wurden auch schon ein bisschen stärker.
    Gegen 15.30 Uhr musste Roman leider los, er musste meinen Sohn abholen. Er wollte versuchen, ihn bei einer anderen Bekannten von uns unterzubringen und dann wiederkommen. Falls das nicht klappen würde, wollte er anrufen.
    Da lag ich nun alleine in dem Zimmer, die Wehen wurden stärker, ab und zu schaute mal eine Hebamme herein, ob mit mir alles okay ist, holte mir Nachschub an Getränken und positionierte das CTG neu, wenn ich mich auf die andere Seite gelegt hatte. Mittlerweile taten mir schon sämliche Knochen weh. Wer selber schwanger war, der weiss, wie unbequem man doch mit einem so dicken Bauch liegt.

    Zwischenzeitlich kam dann auch mal eine Ärztin und versuchte ihr Glück beim Blut abnehmen. Meine Arme waren schon völlig durchstochen, ich sah aus wie ein Junkie *lach* Irgendwann klingelte das Telefon und Roman wurde in den Kreissaal durchgestellt. Jaja, ich hatte Telefon im Kreissaal und Ortsgespräche durfte man von da aus sogar kostenlos führen. Die Wehen kamen schon in regelmässigen Abständen von 5 Minuten und es war schon schwieriger, sie wegzuatmen. So ganz geräuschlos ging das nicht mehr. Also stöhnte ich Roman am Telefon was vor *lach* Er konnte nicht wieder zum Krankenhaus kommen, Tom war krank, hatte Fieber und sich übergeben. Auch das noch. Naja, hilft ja alles nix, wir vereinbarten, dass ich ihn anrufe, wenn sich was Neues tun würde und spätestens morgen früh würde er Tom dann zu einer Bekannten bringen. Der war nämlich mittlerweile auf dem Sofa eingeschlafen und es wäre blöd gewesen, ihn krank und maulig und übermüde wegzubringen.

    Eigentlich war ich im Moment auch eher froh, dass ich alleine war. Anfangs hatte ich noch darüber gewitzelt, dass aus den anderen Kreissäälen in regelmässigen Abständen Schreie kamen. Jetzt ging es mir selber so, die Wehen wurden immer heftiger und das Wegatmen ging wirklich nur, wenn man dabei etwas lauter wurde. Ich wollte nicht, dass Roman mich so miterlebt, der guckte ja schon bei den leichteren Wehen völlig mitleidig und hilflos.
    Als mal wieder die Ärztin reinguckte, fragte ich sie nach einer PDA (Rückenmarkspritze). Die würde man erst bekommen, wenn sich der Muttermund auf 4 cm geöffnet hatte. Meiner war erst bei 2 cm. Und ich dachte, bei den Schmerzen müsste der schon völlig geöfnet sein, Pustekuchen. Na jedenfalls bekam ich so ein Formular zum Ausfüllen und zum Unterschreiben. Hab ich dann - mit Unterbrechnungen durch die Wehen - dann auch brav alles ausgefüllt.
    Draussen war es schon wieder dunkel, meine Kräfte schwanden langsam dahin, ich wollte nicht mehr. Dann war auch noch Schichtwechsel, ich bekam eine andere Hebamme. Die war aber auch ganz lieb. Sie holte mir erstmal was zu trinken und einen nassen kalten Lappen, um mir damit die Stirn zu kühlen. Ich war fix und fertig, guckte dauernd auf die Uhr und klammerte mich an eine bestimmte Uhrzeit, wo dann hofentlich endlich alles vorbei sein würde.
    Zwischendurch kam die Ärztin dann wieder und guckte nach, wie weit der Muttermund geöffnet war ... noch nicht mal ganz 3 cm. Oh nein, wie lange sollte das denn noch gehen?! Ich wollte wenigstens 4 cm, damit ich endlich die PDA kriegen konnte, dann würde das Ganze sicher erträglicher sein.

    Das CTG sah irgendwie nicht so toll aus. Das Baby bekam scheinbar immer bei jeder Wehe (die mittlerweile ca. alle 3 Minuten kamen) irgendwie Probleme, sobald die Wehe vorbei war, war alles wieder okay. Das dusselige Gerät zeichnete aber irgendwie meine Wehen nicht richtig auf. Also wurde da noch ein Kabel angeschlossen, an dessen Ende eine Art Drücker dran war. Das bekam ich dann in die Hand und sollte bei jeder Wehe einfach einmal draufdrücken. Na suuuuuper, genau das fehlte mir auch noch. Ich war hundemüde, mittlerweile war es 22 Uhr durch, hatte keine Kräfte mehr, schlummerte kurz ein und wurde alle 3 Minuten von einer fiesen Wehe geweckt und hatte meine Mühe, die wegzuatmen ... und dann soll ich auch noch so einen dummen Knopf drücken *grummel* Ich wurde dann noch an einen Wehentropf gehängt, damit nun alles endlich mal weiter voran geht. Die Wehen, die durch den Tropf ausgelöst wurden, waren noch fieser.
    Spätestens Mitternacht ist alles vorbei und ich kann mein Kind im Arm halten ... daran klammerte ich mich.

    Gegen halb eins kam die Ärztin und meinte, ich müsste in Kreissaal Nummer 2 umziehen, dort könnte man mich und das Kind besser untersuchen. Also wurde ich nach nebenan geschoben. Dort war ein schmaleres, hohes Bett, das man zu einem gynäkologischen Stuhl umbauen konnte. Aus dem Schrank über dem Bett erschien ausgeklappt eine grosse Lampe, die man nach Belieben hin und her drehen konnte. Naja wer schon mal beim Frauenarzt war, weiss, was ich meine.
    Die Ärztin erklärte mir, dass sie dem Baby Blut abnehmen wollen um zu gucken, ob noch alles in Ordnung war. Wie das denn? Blut abnehmen? Es ist doch noch in meinem Bauch. Na das habe ich ganz schnell erfahren. Mit irgendwelchen Instrumenten wurde ich dann gespreizt (war natürlich seeehr angenehm, vor allem mit Wehen dazu) und dann wurde eine Nadel eingeführt und vom Kopf des Babys Blut abgenommen. Irgendwie klappte auch das nicht so richtig, wunderte mich allerdings auch nicht mehr. Es lief ja sowieso nichts, wie es sollte bzw. ich es wollte. Die ganze Prozedur wurde dann vier mal gemacht, bis sie endlich genug Blut zum untersuchen hatten (vier kleine Narben sieht man übrigens immer noch auf dem Kopf).
    Zwischen den Wehen und dem Schreien wimmerte ich, ob der Muttermund denn nun wenigstens endlich 4 cm offen war, damit ich endlich die PDA kriegen könnte. Na wenigstens das hatte geklappt, er war grad so auf 4 cm geöffnet.
    Es war wohl so gegen 3 Uhr morgens am mittlerweile 23.12.2001, als 2 Frauen in blauer Kleidung und mit einem Koffer in den Kreissaal kamen und erstmal jede Menge auspackten. Ich sass auf einem grossen Gymnastikball und versuchte durch hin und her schaukeln die Wehen halbwegs zu ertragen. Ich war wohl die einzige Schwangere im gesamten Kreissaal-Bereich, denn erstens war von nirgendwo anders her Schreien oder Stöhnen zu hören und zweitens waren alle um mich herum versammelt. Die 2 in blau, die die PDA legen wollten, die Ärztin und die beiden Hebammen, die Dienst hatten.
    Ich musste mich auf das Bett setzen, die eine Frau stellte sich vor mich, hielt meine Schultern fest, die andere machte sich an meinem Rücken zu schaffen. Nach eingehender Erklärung und Belehrung wurde dann zuerst die Einstichstelle für die PDA örtlich betäubt. Dann wurde die Nadel eingeführt und ... sie war zu kurz. Eine längere Nadel hatten sie nicht. Das Ganze musste also wieder abgebrochen werden.
    Ich war fix und fertig, hoilte und schrie und wollte einfach nicht mehr.

    Ärztin und Hebammen versuchten mich aufzubauen, vergeblich. Nach ungefähr einer weiteren Stunde, in der die Herztöne vom Kind ständig überwacht wurden, meinte die Ärztin dann, das wohl nichts weiter übrig bleibt, als einen Kaiserschnitt zu machen, da die Werte vom Kind bei jeder Wehe total schlecht wurden. Auch das noch ... Kaiserschnitt.
    Der Oberarzt wurde angepiepst, damit er sich das Ganze angucken und die endgültige Entscheidung treffen konnte. Dieser kam dann auch kurz darauf, nickte seiner Kollegin zu, guckte sich die Ausdrucke vom CTG an, meinte nur: ´´Ja, Kaiserschnitt´´ und ging wieder.
    Arrogantes A...loch, wenigstens grüssen hätte er mich können.
    Ich überlegte, ob ich Roman anrufen sollte, aber mitten in der Nacht hätte er eh nicht herkommen können, warum sollte ich ihn also beunruhigen.
    Ich bekam dann einen Tropf, der die Wehen hemmen sollte ... na prima, erst sollen sie kommen, dann sollen sie wieder aufhören. Das passierte natürlich nicht sofort und eine Weile musste ich noch liegen, damit das Mittel anschlug. Dann musste ich mir von der eintreffenden Narkoseärztin auch noch die Risiken erklären lassen und einen Zettel unterschreiben. Ich bekam ein superschickes *g* OP-Hemd angezogen, machte meine Kontaktlinsen raus (war also halbblind), wurde in mein Bett verfrachtet und einige Türen weiter Richtung OP geschoben.
    Der war klein, saukalt und - so schien es mir jedenfalls - mit Menschen geradezu überfüllt. Zitterte ich mehr vor Kälte, mehr vom total fertig sein oder doch eher, weil ich angespannt war und nicht so genau wusste, was auf mich zukam? Wahrscheinlich eine Mischung davon.
    Ich musste dann auf eine (für mich mal wieder viel zu kurze) OP-Liege, meine Beine und Arme wurden angeschnallt, jemand drückte mir eine Atemmaske aufs Gesicht. Nicht nur auf Nase und Mund, sondern auch noch halb aufs Auge. Jemand sagte mir, dass da nur Sauerstoff durchkommt und ich ganz ruhig bleiben sollte. Einatmen ging ja noch, aber beim Ausatmen hatte ich das Gefühl, ich ersticke. Vor meinem Kopf wurde ein Gestell aufgebaut, über dem Tücher aufgehangen wurden, so dass ich meinen Bauch nicht sehen konnte. Hätte ich eh nicht können, ich sollte doch eine Vollnarkose kriegen und mein Gesicht wurde durch die blöde Maske nach unten gedrückt. Die Liege war zu kurz, so dass mein Kopf halb runterbaumelte. Die Kanüle vom Tropf war mittlerweile dicht (erwähnte ich schon, dass ich schlechte Venen habe? lol) und an meiner rechten Hand machte ich jemand zu schaffen, um mir dort eine neue Kanüle reinzustechen. Gleichzeitig wurde mein Bauch mit Desinfektionsmitteln eingeschmiert, so ein tolles oranges Zeug, das schwer wieder abgeht und ausserdem auf der Haut brannte, Wehen hatte ich immer noch ... kurzum, ich fühlte mich pudelwohl *ironischgrins*
    Dann endlich wurde die Narkose gespritzt und schon fast dankbar schloss ich die Augen und bekam nichts mehr mit.







    Irgendwann machte ich meine Augen auf und fühlte nur Schmerzen, schon wieder. Die waren aber anders und ich merkte, dass sie von einer bestimmten Stelle am Bauch kamen. Ich öffnete die Augen und merkte, dass ich alleine in einem Aufwachraum war. Ich lag in meinem Bett, an den Seiten waren Gitter angebracht. Ich lag ziemlich weit unten im Bett, halb auf der linken Seite mit angewinkelten Beinen. Über mir piepste es ständig, es war das Überwachungsgerät, an dem ich angeschlossen war. Am Finger hing eine Elektrode und einige am Oberkörper. Ich wollte mich drehen, liess es aber gleich wieder, als mich ein stechender Schmerz durchfuhr. Irgendwie hatte ich im Kopf, dass mir jemand was von einem Mädchen gesagt hatte. Aber ich war mir nicht sicher, vielleicht hatte ich das auch nur geträumt?
    Weil niemand kam, rief (hörte sich wohl eher nach einem Krächzen an) ich ein paar Mal ´´Hallo??´´ Endlich kam jemand. Ich fragte nur, wie es meinem Baby geht. Sie meinte: ´´keine Ahnung´´. Fast hätte ich sie angebrüllt, ich wollte schliesslich wissen, ob mit meinem Kind alles in Ordnung ist. Dann sagte sie aber noch: ´´Ich gehe mal nachfragen.´´ Ein Glück auch. Sie kam dann mit einer anderen Schwester wieder. Sie erzählte mir, dass ich ein gesundes Mädchen habe. Also doch. Gewicht und Grösse sagte sie mir auch noch, aber das hatte ich im selben Moment schon wieder vergessen.
    Dann erzählte sie mir noch, dass meine Tochter die Nabelschnur 3 Mal um den hals hatte. So konnte sie also nicht weiter in den Geburtskanal rutschen und der Muttermund sich somit nicht weiter öffnen.
    Beruhigt, dass mit meinem Kind trotzdem alles in Ordnung ist, schloss ich die Augen und schlief wohl wieder ein bisschen ein. Als ich wieder wach wurde, kamen die 2 Schwestern wieder und meinten, ich müsse mich jetzt auf den Rücken drehen. Wollte ich aber nicht, hatte ich doch vorher schon gemerkt, dass das nicht gerade wenig weh tut. Egal, ich musste da durch. Also halfen sie mir, mich langsam auf den Rücken zu drehen, dann musste ich im Bett auch noch nach oben rutschen, schliesslich lag ich ja ziemlich weit unten. Es tat höllisch weh, aber endlich hatte ich es geschafft und erschöpft wollte ich die Augen schliessen. Da kam dann ein Arzt rein und meinte, er müsse die Gebärmutter abtasten. Ich hätte ihn erwürgen können. Ich hatte gedacht, dass ich das Schlimmste nach den Wehen endlich hinter mir hatte, aber das war echt die Krönung.
    Irgendwann wurde ich dann von den Geräten abgemacht, die Gitter kamen von meinem Bett weg und auf meiner Station wurde angerufen, dass ich abgeholt werden könnte. Die Schwestern von meiner Station gratulierten mir erstmal und schoben mich dann auf mein Zimmer. Eine Schwester übernahm dann die Anmeldung eines Telefons für mich, schliesslich wollte ich Roman anrufen. Das dauerte alles ein wenig. Dann kam sie mit einer etwas grösseren Klappkarte und einem Zettel wieder zurück. Auf dem Zettel war die Nummer für Telefon etc. drauf und sie schaltete es dann frei. Dann drückte sie mir die Klappkarte in die Hand und ging leise raus.
    Vorne auf der Klappkarte stand folgendes Gedicht von Wilhelm Busch:

    Manchmal schläft es lang und feste,
    tief versteckt in seinem Neste.
    Manchmal mit vergnügtem Sinn
    duselt es so vor sich hin.
    Manchmal aber wird es böse,
    macht ein lautes Wehgetöse
    und gibt keine Ruhe nicht,
    bis es was zu essen kriegt.
    Sein Prinzip ist überhaupt:
    was beliebt ist auch erlaubt;
    denn der Mensch als Kreatur
    hat von Rücksicht keine Spur.


    Wenn man die Karte aufklappte, waren auf der linken Seite in einer Art Telegramm-Stil die Daten aufgeführt, auf der rechten Seite sah ich dann zum ersten Mal meine Tochter auf einem Bild.

    [​IMG]

    Lange blickte ich das Foto an und war gerührt, das also war meine kleine Tochter.

    Ich wollte Roman anrufen, denn der frisch gebackene Papa sollte teilhaben an meinem Glück. In dem Moment ging die Tür auf und er stand in meinem Zimmer. Er kam zu mir und umarmte mich. Ich fing erstmal an zu weinen. Wegen der Anspannung, der Schmerzen und auch dem Glück, die Tränen purzelten nur so meine Wangen herunter.
    Ich schickte ihn dann zum Kinderzimmer, schliesslich wollte ich endlich meine Tochter sehen, sie berühren, im Arm halten. Es dauerte eine Weile, bis er mit ihr zurückkam, die Kinderschwestern hatten ihm noch gezeigt, wie man wickelt. Na, dann kann er das ja auch gleich als seine Aufgabe ansehen *g*
    Er schob das Bettchen neben mein Bett. Unter stechenden Schmerzen beugte ich mich nach rechts und konnt endlich meine schlafende Tochter anschauen. Hach, war sie süss, ich verliebte mich sofort *lach*

    [​IMG]

    Ich wollte sie unbedingt in die Arme nehmen, war aber noch immer am Tropf angeschlossen. Also bat ich Roman, sie mir zu geben. Ein bisschen hilflos fragte er: ´´Wie denn?´´ Bisschen musste ich schmunzeln, aber es ist schliesslich sein erstes Kind, also sagte ich ihm Schritt für Schritt, wie er sie anfassen und hochnehmen könnte und nach einer kleinen Weile hatte ich sie dann endlich in meinen Armen. Ich schaute sie an, das war also das Wesen, dass mir soviel Schmerzen bereitet hatte. Natürlich konnte ich ihr nicht böse sein *lach*
    Sie roch so gut, sah so süss aus und schlief so friedlich.
    Roman setzte sich zu uns und ich war glücklich. Nach einer ganzen Weile kam dann eine Kinderschwester und fragte, wie sie denn nun heissen soll. Das wurde ich zwar vorher schon gefragt, z.B. im Aufwachraum, aber ich wollte, dass Roman mit dabei ist.
    Luna Nadine ... die Süsse hatte nun einen Namen *lächel*

    Die Kinderschwester nahm sie dann mit, wollte sie aber bald wieder bringen, damit wir sie anlegen und das Stillen ausprobieren konnten. Wir haben dann erstmal unsere Eltern kurz angerufen und ihnen erzählt, dass die Kleine nun auf der Welt ist. Irgendwann musste Roman dann wieder gehen, Tom abholen und ich habe eine Weile geschlafen.




    Den Rest halte ich lieber kurz. Ich war zwar glücklich, meine gesunde Tochter zu haben, durfte aber erst nach 3 Tagen endlich mal aufstehen, hing die ganze Zeit am Tropf, der alles behinderte, selbst beim Stillen störte, da an meiner rechten Hand manchmal 4 Kabel hingen. Ich konnte mich kaum drehen, musste immer auf dme Rücken liegen (der irgendwann nur noch weh tat) da für andere Positionen die Kabel vom Tropf zu kurz waren, verbrachte schlaflose Nächte, die Narbe tat weh, egal ob ich mich bewegte, drehte, vor allem beim Husten war es megaschlimm. Weihnachten im Krankenhaus ist auch nicht gerade toll, das ruft förmlich nach Depressionen.
    Am 4. Tag durfte ich endlich aufstehen. Wegen meines zu hohen Blutdruckes wurde ich im Krankenhaus noch überall hingeschickt und von Kopf bis Fuss untersucht. Irgendwann hatte ich die Nase voll und liess mich am 6. Tag nach der Geburt, also am 29.12.2001, auf eigene Verantwortung entlassen ... am nächsten Tag hätte ich dann sowieso gehen können, aber ich hielt es dort nicht mehr aus. Roman und Tom besuchten uns zwar jeden Tag, aber ich wollte endlich nach Hause.

    Gegen 13.30 Uhr waren wir dann endlich zu Hause. Ich war zwar geschafft, denn Kaiserschnitt steckt man nicht nach ein paar Tagen weg, aber ich war zu Hause, da wo ich mich wohlfühle, wo ich meine Ruhe habe, meine Liebsten immer um mich ... also rundum glücklich :eek:

    ********************************************************

    Jetzt ist unsere Süsse schon 14 Monate alt, aber wenn ich mir den Bericht durchlese, kommt es mir vor, als wäre es erst gestern gewesen.

    Hat eigentlich jemand bis hierher gelesen?
    Gratuliere für Deine Geduld :-D
     
  2. Birgit

    Birgit freches Huhn
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    Liebe Bianca,

    das ist ein wunderschöner Geburtsbericht. :jaja:
    Ich habe ihn wirklich von Anfang bis Ende gelesen.

    Und ich bin total neidisch........auf das Babybettchen im Krankenhaus.
    2 Mal hatte ich einen Kaiserschnitt und konnte mit eigener Kraft die erste 2 Tage meine Kinder nicht berühren. :heul:

    Mein Till ist am 21.12.01 mit KS geboren und ich kann Dir das absolut nachfühlen.

    LG von
     
  3. Huhu Birgit :)

    dann hast Du ja zur gleichen Zeit im KH gelegen wie ich :-D
    Bei uns hatten sie am 24. alle Zimmertüren aufgemacht und auffm Flur gesungen, dann gingen sie noch in alle Zimmer und haben nen Gedicht aufgesagt und wieder gesungen ... meine Güte ich hab Rotz und Wasser geheult :-D
    Dafür wurde dann das nächste Weihnachten um so schöner :jaja:

    Gibt es von Dir auch einen Geburtsbericht? Werd mich mal auf die Suche machen :)
     
  4. Birgit

    Birgit freches Huhn
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    Nein, Geburtsbericht gibt es noch nicht. Wenn ich mal viel Zeit habe. :-D (also ehr viel später)

    Bei uns haben sie Heiligabend als die Familien weg waren die Kinder in den Bettchen aus den Zimmern "entführt" und dann ist die ganze Belegschaft der Station (Schwestern, Ärzte) mit den Kleinen wieder in die Zimmer gekommen.
    Die Babys hatten einen kleinen Tonteddy im Arm und eine Weihnachtskarte. Und für die Mama gab es einen Weihnachtsteller. Das fand ich sehr nett.
    Da meine Zimmernachbarin aber nur am heulen war , hat sie mich kurzzeitig angesteckt.

    Das letzte Weihnachtsfest war auch übel, da auf Till's Geburtstagsfeier ein Onkel den Magen-Darm-Virus eingeschleppt hat. :heul:

    Wir hoffen auf Weihnachten 2003 :-D

    LG von
     
  5. Och das ist ja auch süss.
    Die Kinderschwestern hatten auch so süsse Kärtchen gebastelt, von den Stationsschwestern gabs ein süsses Handtuch und der Pastor (lag in einem Stift, bin aber nicht kirchlich) hatte auch ne Karte vorbeigebracht und Luna gesegnet, fand ich auch süss .... und mal wieder zum heulen :-D
    ich bin ne olle Heulsuse *gggg*

    Na denn drück ich Euch mal die Daumen für nächste Weihnachten :bravo:
     
  6. YONCA

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    hallo!!

    ich habe auch von anfang bis ende gelesen super schön, echt!!
    als ob ich es live mit erlebe... :respekt:

    yonca
     
  7. Hallo Bianca,

    hab´s auch GANZ durchgelesen :jaja: .

    Das ist wirklich schön geschrieben, war ganz vertieft.
    Schön das es dann doch noch gut gegegangen ist, außer den schmerzen natürlich :???: .
     
  8. echt toller geburtsbericht! :jaja: :bravo:

    hat spaß gemacht ihn zu lesen!
     

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