So viel, eine Überschrift reicht nicht!

Dieses Thema im Forum "Das Leben mit Schulkindern" wurde erstellt von Maren1975, 30. August 2005.

  1. Hallo!
    Ich bin momentan etwas unschlüssig, teils ratlos.
    Vielleicht habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht und könnt mir ein paar ( ich weiß, ich verlange viel ;-) ) Ratschläge / Tipps geben.

    Zur Situation:
    Lukas ist grade 11 geworden, geht in die 6. Klasse einer Realschule und hat manchmal vorpubertäre Schübe. Er ist im Sportverein ( Fußball und Tennis ).
    Dinge, die ihn interessieren testet er geduldig aus / an.
    Bei mangelndem Interesse hat er eine äußerst geringe Frustrationsgrenze ( klappt nicht beim ersten Versuch - kleiner Wutanfall, klappt nicht beim zweiten Versuch - Wutausbruch mit Heulanfall ).

    Heute sagte er ganz beiläufig zu mir : " Ich kann garnichts mehr, nichtmal Mathe ( neben Chemie sein Lieblingsfach ) !"
    Ich sagte ihm dann ein paar kurze motivierende Sätze und fragte ihn, wo denn das Problem liegt und ob ich ihm irgentwie helfen könne.
    Eine Kleinigkeit in Englisch und in Französisch.
    Als er dann seine Mathesachen auf den Tisch legte, war es vorbei!
    Er fing an zu weinen und schluchzte, das er ja gar keine Zeit mehr habe.
    Okey, er hat einen recht harten Stundenplan. Hätte er noch Reli, dann hätte er 32 Wochenstunden, so sind es 30.
    Wir haben dann durchgerechnet, dass ihm pro Tag noch mindestens 4 Stunden Freizeit bleiben, die er draußen verbringen kann und 2 Stunden zu Hause.
    Gut.
    Dann kam die nächste Sache raus.
    Es gibt einige 7.-Klässler, die ihn und 2 Klassenkammeraden nicht an die TT-Platten in der Pause lassen, Tennisbälle klauen, Getränkeflaschen wegnehmen und beleidigen.
    Nicht gut, aber regelbar. Zumindest jetzt, wo ich es weiß.
    Der nächste Brocken ließ dann auch nicht auf sich warten.
    Es handelt sich wieder um Probleme mit Lehrern, die auf Nachfrage nicht erklären oder in Konfliktsituationen nicht hilfreich zur Seite stehen.
    Garnicht gut und schwer regelbar.

    Das ist das Eine.

    Was mich allerdings schwer beschäftigt, ist sein Verhalten während des Gesprächs.
    Er sah alles so negativ.
    Bisher haben wir immer Wege und Lösungen für seine Probleme gefunden.
    Während des Weinens fing er an zu husten und zu würgen.
    Deutet das nicht auf psychische Probleme hin?
    Diesen Würgereiz hat er auch beim Zahnarzt ( aus Angst ).
    Ich kann das garnicht richtig wiedergeben.

    Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander. Er kommt gerne zu mir, wenn ihn etwas beschäftigt.
    Mach ich mir unnötig `nen Kopf, weil es vielleicht eine normale Phase ist?
    Oder sollte ich mit ihm zum Doc?
    Wenn ja, zu welchem? Hausarzt?
    Ich weiß nicht wirklich weiter!

    hilfesuchenden Gruß
    Maren
     
  2. lulu

    lulu Königin der Nacht
    Moderatorin

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    Maren,
    ich kenne mich in dem Alter ja noch gar nicht aus. Aber zwei Sachen fallen mir ein: Vor Entwicklungsschritten können auch Rückschritte kommen. Und Hormonschübe beeinflußen die Psyche auch sehr.
    Ich würde ihm erst mal weiter den Rücken stärken und ihm bei der Problemlösung unterstützen und nicht beim Arzt vorstellig werden.
    Lulu :winke:
     
  3. AndreaLL

    AndreaLL Fernsehbeauftragte

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    Hallo Maren,

    in der aktuellen "Geo" ist Pubertät das Titelthema. Vielleicht kannst du dir die Zeitschrift besorgen. Beim Lesen wirst du Lukas bestimmt auch wiederfinden ;-) .

    Es ist schon interessant, wie sehr die Entwicklung/Veränderung im Gehirn des Pubertierenden ihn selbst und natürlich sein direktes Umfeld beeinflußt :-? . Mit Bennet an der Seite ist der Artikel im Moment meine Stütze ;-) .

    Schöne Grüße, Andrea
     
  4. lulu

    lulu Königin der Nacht
    Moderatorin

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    Hebst Du mir den auf :nix:?
    LG, Lulu
     
  5. Mullemaus

    Mullemaus Chatluder

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    Hi Maren,

    ich hab mir Dein Posting mal gründlich durch den Kopf gehen lassen...

    Rücken stärken find ich enorm wichtig - in allen Bereichen. Grade bei Dingen, wo ein
    Wutanfall/-ausbruch droht, kann man die Situation vorsichtig entschärfen, beispielsweise durch Tipps geben.

    Das Lehrer-Problem könnte auf dem nächsten Elternabend doch mal besprochen werden, oder? So daß die entsprechenden Lehrer erfahren, daß es sich nicht nur um einzelne Kinder handelt...

    Das mit dem Würgen und ggf. sogar Erbrechen während des Weinens kenne ich von meiner Großen, wenn sie etwas sehr bedrückt oder wenn sie sich arg wehgetan hat. Ich würde da aber nicht gleich von psychischen Problemen reden, sondern von argem Kummer. Grade durch die Veränderungen im Hormonhaushalt wird ein sagen wir mal alltäglicher Kummer leicht zum unüberwindbaren Riesenberg, der das heranwachsende Kind fast verzweifeln läßt.

    LG,
    Mullemaus
     
  6. Heike F

    Heike F Dauerschnullerer

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    Ich bin der meinung das du erstmal die zeit entscheiden läßt. Für das Kind soviel wie möglich Zeit verbringen, daß er sieht da ist jemand der hilft mir und wenn du das probiert hast kannst du immer noch sagen ok ich geh mal zum Arzt, aber nicht gleich zum arzt rennen!! Das find ich keine gute lösung bzw. einfall!!!
    LG Heike
     
  7. Hallo Maren!

    Hier scheinen wohl verschiedene Dinge zusammenzukommen - Pubertät, Pausenärger und Lehrerkonflikt - daraus resultierend das Gefühl "ich kann gar nichts mehr"...
    Das ist selbst für ein nicht-sensibles Kind schwer zu händeln.
    Ich denke auch, dass es jetzt ganz wichtig ist, ihm den Rücken zu stärken und sein Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. Mein Lukas ist ja 12 - und ich habe manchmal das Gefühl, er weiß nicht, ist er jetzt "Fisch oder Fleisch".
    Wir hatten so eine ähnliche Situation letztes Jahr, wo er auf dem Nachhauseweg immer von Älteren "angemacht" wurde. Das ging so weit, dass er einen weiten Umweg gefahren ist, um dem zu entgehen - und morgens 20 Minuten eher aus dem Haus ging. Die Situation hat ihn sehr belastet - weil er zudem auch noch recht sensibel ist - und spiegelte sich bei ihm sowohl in den Hausaufgaben als auch im Alltag wieder: Tränen, Wutausbrüche, keinerlei Geduld, Bauchschmerzen - "ich kann gar nichts mehr"...
    Er hat dann auch gesagt, er hätte Probleme in der Schule mit einigen Lehrern, es mache ihm alles keinen Spaß mehr - es liefe irgendwie alles schief...
    Ich habe mir dann damals die besagten Jungs auf dem Nachhauseweg geschnappt und auch noch mit dem zuständigem Lehrer gesprochen. Als die Situation geklärt war, hat sich Lukas Verhalten auch wieder "normalisiert" - bis auf die normalen Pubertätserscheinungen - und seine Probleme mit den Lehrern in der Schule waren gar kein Thema mehr...
    LG
    Martina
     
  8. Hallo Maren!

    Dieses Problem hatte ich vor 2 Jahren, Alex (auch ein sehr gefühlvoller Bursche) besuchte die 1. Klasse MS, der lange Unterricht, neue Lehrer, neue Schüler - es wurde auch für uns eine sehr große Umstellung u. auch Belastung. Mit den Lehrern wurde Probleme, die die Klassengemeinschaft betrifft oder zu schneller Lernstoff diskutiert u. positiv aus den Weg geräumt. Du schreibst ja (u. das ist toll), dass ihr ein sehr gutes Verhältnis zueinander habt. Das ist sehr viel wert, sage ihm das auch u. er wird das notwendige Selbstwertgefühl von Dir bekommen!!! Die Vor-Pubertät spielt auch eine sehr wichtige Rolle, wir sind gerade mittendrin u. ich versuche ganz einfach ruhig zu bleiben u. ihm immer wieder das Gefühl geben, dass Du IMMER für ihn da bist (egal was passiert)!!!! Das mit den Würgen würde ich eher nicht so negativ sehen, glaube eher wenn man sich reinsteigert in seine derzeitige Gemütsfassung, reagiert man mit Würgen, Heul-Schreikrämpfe etc. (ist schon jeden mal so gegangen)!

    Hoffe, ich gab Dir das Gefühl nicht allein zu sein, verstehe Dich sehr gut!

    Toi, Toi für die nächste Zeit
    lg
     

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