Notkaiserschnitt statt Wassergeburt

Dieses Thema im Forum "Geburtsberichte" wurde erstellt von Beate, 25. Juni 2002.

  1. Die Schwangerschaft war zwar schön (wenig Übelkeit oder Beschwerden), jedoch wegen einer diagnostizierten Placenta praevia partialis (Plazenta liegt teilweise vor dem Muttermund) ziemlich riskant. Also durfte ich ab dem 4. Monat nicht reisen, nichts Schweres heben oder tragen, keinen Sport treiben und keinen Sex haben. Außerdem schien ein Kaiserschnitt unausweichlich :-( . Der Termin stand bereits fest, der 10.08.01, 14 Tage vor dem berechneten Entbindungstermin.

    Aber zu unserer Überraschung und Freude hieß es dann bei der letzten Kontrolle vor dem Kaiserschnitt-Termin am 02.08.01, es sei kein Kaiserschnitt mehr nötig. Das Kind hatte sich gesenkt (ich hatte zwei Tage vorher das erste Mal Senkwehen) und die Plazenta weggeschoben :) . Nunmehr stehe einer natürlichen Geburt nichts mehr im Wege. Also begann ich mit Damm-Massage, Himbeerblättertee usw., und wir planten eine schöne Geburt. Kurz vor dem Termin überlegten wir uns, lieber ins Geburtshaus zu gehen, anstatt wie geplant ins Krankenhaus Friedrichshain. Also meldeten wir uns (extrem kurzfristig) im Geburtshaus Kreuzberg an, und wurden dort nett aufgenommen. Aber erstens kommt es anders...

    Der Termin kam heran, der Termin ging vorbei, und ich hatte zwar regelmäßig Vorwehen, aber sie hörten immer wieder auf. Nun kommen die ersten Kinder ja gern etwas später, aber langsam wurden wir doch unruhig. Das Baby wurde sichtbar größer, das Fruchtwasser deutlich weniger und die Schwangerschaft sehr mühsam. Wir trabten jeden Tag ins Geburtshaus zum CTG, das immer o.k. war, aber langsam wurden auch die Hebammen dort unruhig. Wir versuchten mit homöopathischen Mitteln einzuleiten, dann mit dem Rhizinus-Cocktail, nichts passierte. Schließlich machte uns meine Gynäkologin unruhig, es sei zu wenig Fruchtwasser da, es müßte bald etwas passieren (den Eindruck hatten wir ja auch). Also wieder ins Krankenhaus.

    Dort hieß es, die Fruchtwasser-Menge wäre nicht dramatisch, aber es sähe noch gar nicht nach Geburt aus (unreifer Muttermund, Amnioskopie klappte gar nicht, aua), und wäre doch schon ziemlich über Termin. Ob wir mit einer künstlichen Einleitung einverstanden wären. War zwar nicht unser Traum, aber es half ja nichts. Wenigstens haben wir noch ausgemacht, daß ich bei Erfolglosigkeit wieder nach Hause durfte, anstatt stationär aufgenommen zu werden :-D . Die Ärzte sahen das sehr ungern, gaben aber nach. Wir versprachen, bei jeder Unregelmäßigkeit sofort zu kommen, und wir wohnen nur 10 Minuten von der Klinik entfernt. Ansonsten besprachen wir unsere Wunschgeburt mit den Hebammen, und deren Auskünfte klangen auch recht vielversprechend.

    Also Prostaglandin-Gel bekommen. Es zeigten sich auf dem CTG sehr kleine Wehen, die ich kaum spürte. Nichts was nach Geburt aussah. Der Muttermund war am Abend fast unverändert, also fuhr ich wieder mit nach Hause. Nachts hatte ich noch ein paar Wehen, die dann wieder aufhörten :( .

    Am nächsten Tag das gleiche nochmal, nur daß diesmal stärkere "Wehen" zusammen mit Dauerschmerzen einsetzten, die mit Wehen gar keine Ähnlichkeit hatten. Mittags hatte ich keinen Appetit und trank nur etwas Tee, aber die zweite CTG-Kontrolle erschien der Hebamme erfolgversprechend, deshalb sollte ich in der Pause etwas essen und herumlaufen. Ich bin also mit meiner Mutter (die mir Gesellschaft leisten wollte, weil Ralf arbeiten mußte) in die Cafeteria gegangen, wo ich mir ein Stück Kuchen und einen Becher Vanille-Milch reinzwang - blöder Fehler.

    Beim Essen hatte ich weiterhin diese Dauerschmerzen, spürte aber ein wenig Flüssigkeit abgehen. Um nachzusehen, ob es Fruchtwasser sein könnte, ging ich auf die Toilette - und dort platschten Stücken aus mir heraus, die wie rohe Leber aussahen, und es folgten Ströme von hellrotem Blut :o . Jetzt konnte ich mich nicht mehr bewegen, ohne neue Blutungen auszulösen, und es klappte nicht, per Handy im Kreissaal anzurufen. Also sauste meine Mutter zum Kreissaal und organisierte eine Hebamme mit fahrbarer Trage (erst haben sie ihr nicht geglaubt, dann mußten sie erst eine Trage suchen :shock: ). Ich alarmierte inzwischen Ralf, er solle sich lieber gleich auf den Weg machen, wenn er dabei sein will :) . Als die Hebamme kam, sah sie sich erst die Bescherung an, bugsierte mich auf die Trage und hörte dort mit einem kleinen Holzrohr die Herztöne vom Kind. Die waren zum Glück in Ordnung. Richtig beruhigt war ich aber erst, als im Kreissaal auch das CTG in Ordnung und im Ultraschall Kindsbewegungen zu sehen waren. Ein junger Arzt flachste mit mir, ob das vielleicht doch ein Kaiserschnitt würde, woran ich sowieso nicht mehr zweifelte :-D .

    Während ich im Kreissaal lag, wurde ich über Kaiserschnitte, ihre Techniken und Risiken aufgeklärt (wußte ich aber schon, wegen des ursprünglich geplanten Termins). Ich mußte die Einverständniserklärung unterschreiben (meine Schrift war das nicht, sah ziemlich seltsam aus), und dann ging plötzlich alles ganz schnell. Umziehen, Rasur, Kompressionsstrümpfe, ein Mittel zur Bindung der Magensäure trinken (bäh), Ralf und meine Mutter waren bereits umgezogen, und dann ging es schon ab in den OP. Von verschiedenen Leuten des OP-Teams wurde ich etwas gefragt (z.B., ob es mein erstes Kind wäre), vermutlich, um mich abzulenken. Bevor ich mir überhaupt Sorgen machen konnte, sah ich alles doppelt, dann sollte ich noch Sauerstoff einatmen, und nach drei Atemzügen war ich weg.

    Als nächstes erinnere ich mich, dass mich jemand streichelte (Ralf) und dass mir jemand ein sehr weiches kleines Baby auf die Brust legte (meine Mutter). Anschließend spürte ich schreckliche Schmerzen und jammerte nach einem Schmerzmittel, das ich aber erst auf der Station bekam (das Aufwachzimmer hatte schon Feierabend). Dann wurde ich per Fahrstuhl auf die Station gebracht und in ein 3-Bett-Zimmer gerollt, dessen andere Patientinnen beängstigend munter aussahen. Ralf meinte, dass die Besuchszeit gleich zu Ende wäre und er würde mal versuchen, mit aufgenommen zu werden und ein anderes Zimmer zu bekommen. Nach einigen Minuten Diskussion wurde ich in ein 2-Bett-Zimmer gerollt, in dem anderen Bett richtete sich Ralf häuslich ein. Bianca sollte eigentlich ins Baby-Zimmer (das wäre in der ersten Nacht so üblich), durfte dann aber doch bei uns bleiben. Ein paar Stunden später gaben wir sie aber freiwillig her, weil sie kühl war und ins Wärmebettchen sollte.

    Am nächsten Tag erwachte ich völlig verkabelt (oben links Tropf mit mehreren Beuteln, oben rechts Dauer-Blutdruck-Meßgerät, unten links Wunddrainage, unten rechts Katheter) und ziemlich müde, fühlte mich sonst aber ganz gut. Meine Mutter und Ralf legten mir ab und zu das Baby an, die Schwestern maßen Blutdruck, tauschten die Beutel am Tropf aus, brachten mir Tee mit kleinen Stoffbällchen zum Mund-auswischen und wuschen mich. Bis Mittag wurden Blutdruckmessgerät, Wunddrainage und Katheter entfernt, und gegen Mittag musste ich mich (mit Unterstützung von zwei Schwestern) bereits aus dem Bett wälzen und zum Waschbecken wackeln. Am Nachmittag kam die Physiotherapeutin, und ich musste einmal rund ums Bett laufen. Am Abend schaffte ich es schon allein zur Toilette (die sind auf dem Gang).

    Am zweiten Tag hatte ich noch einen Rückfall, ich musste stark :p (tat ziemlich weh an der Wunde) und hatte viel zu viel Luft im Bauch. Also musste ich noch einen Tag am Tropf hängen und bekam nicht mal mehr Tee, weil sie Angst hatten, dass ich ihn trinken würde :) . Nur Zitronenstäbchen zum Mund-auswischen wurden erlaubt. Vermutlich war das Schmerzmittel schuld daran, also wurden alle Schmerzmittel abgesetzt. Das Zeug heißt Dipidolor, kann nur davor warnen! Ging dann auch ohne Schmerzmittel, autsch. Nach fünf Tagen wurde ich nach Hause entlassen, und nach zwei Wochen hatte ich mich schon wieder ganz gut erholt. Allerdings war mein Eisenwert sowas von niedrig - 5,8 statt ca. 12 - daß ich noch lange Eisentabletten schlucken mußte.

    Es hat sich herausgestellt, daß bei mir die Placenta eingewachsen war - eine natürliche Geburt wäre tatsächlich nicht möglich gewesen :-( . Das war wohl auch der Grund für das dauernde Aufhören der Wehen. Ich bin froh, daß es im Notfall die Möglichkeit zum Kaiserschnitt gibt, und freue mich über mein gesundes Baby. Trotzdem schade, daß es mit einer natürlichen Geburt nicht geklappt hat :-( .

    Beate
     
  2. Hallo Irrlicht,

    soweit ich es verstanden habe, war es der Abriss der eingewachsenen Plazenta, ausgelöst durch die Wehen. War wohl wirklich gefährlich :o . Gut, dass ich es während der Schwangerschaft nicht so genau wusste, ich hätte mich nicht vom Telefon weggetraut :) .

    Gruss Beate
     
  3. Jetzt habe ich einen Geburtsbericht mit tiefsitzender Plazenta und Notkaiserschnitt gelesen, da mußte ich meinen auch noch mal lesen. :-? Und nun ist die Maus schon 2 Jahre alt, kaum zu glauben. :)
     
  4. Na, da sind ja echt ziemlich viele Ähnlichkeiten! :)

    Lieber Gruß
    Kerstin
     
  5. Ja, das fand ich auch - war ganz erstaunt beim Lesen. :)

    Liebe Grüße
     
  6. Ohmann ich glaube ich wäre wahnsinig geworden wenn ich mir vorstelle man geht nichtsahnend zur toilette und dannsowas :o :o

    LG

    Danny
     
  7. Das sag' ich Dir! Meine Gyn hatte mich zwar vor Blutungen gewarnt, aber ich habe doch nicht im Traum mit sowas gerechnet. :o Bloß gut, dass sie mich nicht zum Praktikum nach GB gelassen hat :-( , wenn mir das im Flieger passiert wäre... :o

    Selbst meine Mutter hat ziemlich 8O geguckt, obwohl sie mich während der SS mit Komplikationsmöglichkeiten wuschig gemacht hatte - besonders, als ich ins Geburtshaus wollte. :wink: Sie hatte mir optimistisch ein Päckchen Tempo unter der Tür durchgeschoben, als ich etwas von Blutungen sagte. :) Auf meine Antwort, die reichen nicht, kamen noch zwei Papierservietten. Da habe ich die Tür aufgemacht und sie die Schweinerei angucken lassen...

    Gegen diese 20 Minuten waren jedenfalls Schwangerschaft und Kaiserschnitt gar nicht schlimm. :jaja:

    Liebe Grüße
     

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