Niedrige Frustrationsgrenze, Aggressivität, Nickelichkeiten

Dieses Thema im Forum "Das Leben mit Schulkindern" wurde erstellt von flonikki, 28. März 2007.

  1. flonikki

    flonikki Habibi

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    Huhu,

    nun also auch mal hier.

    Heute nachmittag ist Elternsprechtag, und ehrlich gesagt, graut es mir gehörig davor. Ich hatte gestern beim Abholen aus dem Ganztag ein kurzes Gespräch mit den Betreuerinnen, das mir ziemlich schwer im Magen liegt.

    Es geht um das Verhalten von Florian und Niklas. Beide legen mitunter eine Art an den Tag, von der ich mich frage, woher sie das haben.

    Beispiel: Die Kids sollen ihre Hausaufgaben im Ganztag machen. Gestern sollte Florian etwas abschreiben. Die Betreuerin hat das Ganze dann kontrolliert und Florian darauf hingewiesen, dass zum Abschreiben auch das Setzen der Kommata und Punkte gehört. Ergebnis: Florian trat gegen seinen Tornister, schmiss sein Heft durch den Hausaufgabenraum und war superstinkig, dass er das nun noch machen sollte. Auch soll er recht häufig patzige und freche Antworten geben und die Erwachsenen dort auch schon das eine oder andere mal angeschrien haben. :(

    Oder: Niklas geht an Florian vorbei und tritt ihn gegen das Schienbein. Einfach so.

    Niklas geht eine Treppe herunter, einem Kind ist dort etwas herunter gefallen, er tritt dagegen. Einfach so.

    Niklas darf etwas nicht, was Florian darf. Er rastet aus und schreit herum. :bruddel:

    Beide legen im Augenblick eine richtige "Kodderschnauze" an den Tag. Superfrech, patzig, vorlaut. :ochne:

    Florian verhält sich zu Hause eigentlich ganz anders. Da ist er meistens freundlich, hilfsbereit, lieb. In der Schule lässt er dafür scheinbar die Sau raushängen. Gespräche, die von den Betreuern mit ihm unter 4 Augen geführt werden, sind in Ordnung. Sobald jedoch andere Kinder dabei sind, wird er zum Kasper und hört nicht mehr richtig zu.

    Niklas hat zu Hause auch schon (immer) eine niedrige Frustrationsgrenze. Läuft etwas nicht nach seinen Vorstellungen, wird er sauer, schlägt Türen, schreit herum. In der Schule scheint er sich also auch so zu verhalten.

    Dazu sind die beiden auch völlig eifersüchtig aufeinander und buhlen geradezu um unsere Gunst. Dabei bin ich der Meinung, dass beide genügend Aufmerksamkeit bekommen und keinen Grund haben, aufeinander eifersüchtig zu sein. Auch, wenn es anders ausschaut: Manchmal habe ich das Gefühl, meine Kinder leben nebeneinander her und akzeptieren sich, haben sich aber nicht richtig lieb.

    Wenn einer von beiden morgens in die Küche kommt, sagen sie durchaus "Guten Morgen, Mama und Papa". Der Bruder wird aber nicht oder nur äußerst sparsam begrüßt. Wenn Niklas etwas nicht soll, ist das eigentlich kein Problem für ihn... so lange Florian das dann ebenfalls nicht darf. Beide freuen sich jedesmal einen Ast, wenn der jeweils andere einen auf den Deckel bekommt. Dabei würde ich mir so sehr wünschen, dass sie sich auch wirklich einfach mal "verbrüdern". Klar spielen sie auch gemeinsam. Aber die Basis besteht überwiegend aus dem negativen Verhalten gegeneinander.

    Nach dem Gespräch gestern war ich richtig sauer. Die beiden besuchen jetzt eine richtig tolle Schule, an der viel gemacht wird mit den Kindern. Sie gehen auch gerne dorthin, sagen sie. Sie bekommen fast alles, was sie sich wünschen. Sie bekommen Aufmerksamkeit und Zuneigung, und wir verbringen viel Zeit mit ihnen. Und trotzdem legen sie so ein Verhalten an den Tag...

    Gestern wusste ich mir dann nicht mehr anders zu helfen. Zu Hause haben wir uns hingesetzt und versucht, miteinander zu sprechen. Standardantwort war: "Weiß ich nicht."

    "Warum trittst Du Deinen Bruder?" - "Weiß ich nicht."
    "Warum schreist Du die Erzieherinnen an, anstatt nur eben die Kommata zu setzen?" - "Weiß ich nicht."

    Ein richtiges Gespräch kam nicht zustande. Ich hab' die beiden dann frustriert in das jeweilige Zimmer geschickt. Dort sollten sie aufschreiben, was sie falsch gemacht haben und was in Zukunft anders laufen muss. Ach, Sch..., bestimmt ein völlig falscher Ansatz, aber ich wusste mir nicht anders zu helfen! :ochne:

    Blöderweise habe ich auch direkt angekündigt, dass die Fahrräder nun erst einmal unter Verschluss bleiben. Ich weiß, dass ich sie damit treffe und erreiche. Aber auch da denke ich, dass es nicht der richtige Weg sein kann, denn die Fahrräder haben ja schließlich nichts mit dem Verhalten zu tun.

    Der Elternsprechtag rückt näher, und das doofe Gefühl im Bauch wird dadurch auch nicht besser...

    Habt Ihr vielleicht noch ein paar Denkanstöße für mich?

    Dankeschön...:(
     
  2. Lapislazuli

    Lapislazuli Steinchen

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    AW: Niedrige Frustrationsgrenze, Aggressivität, Nickelichkeiten

    Hallo Jenny

    Grad so ein bisschen aus dem Bauch raus, glaub ich, dass sich bei dem, was du beschreibst, verschiedene Dinge durchmischen. Ich versuch mal ein bisschen aufzudröseln:

    - deine Kinder sind sehr nahe beieinander, was das Alter angeht, dazu gleichen Geschlechts und keine weiteren Geschwister -> klare Konkurrenzsituation. Das würd ich für den Moment einmal abkoppeln von dem, was du über die Schule und die Schwierigkeiten schreibst.

    - Schule: deine Kinder sind noch nicht so lange an einer neuen Schule. Das bedeutet, dass sie dort ihren Platz erst richtig finden müssen. Anscheinend inkl. ausloten wie weit die Grenzen gehen. Und, was nicht zu vernachlässigen ist, auch innerhalb der jeweiligen anderen Kinder. Was du beschreibst bezüglich Reaktion im 4-Augen Gespräch und danach, wenn andere Kinder dabei sind, deutet ein bisschen darauf hin. Es gibt Kinder (meins gehörte dazu), die sich ihren Platz und ihre Aufmerksamkeit eben so suchen. Imo kommt das aus einer Verunsicherung heraus (so viel Neues).

    Was diesen Punkt angeht, kann ich dir nur empfehlen ganz offen mit deinen Kindern zu sprechen, ihnen solche 'Mechanismen' klar zu machen (auch wenn sie mit 'weiss nicht' antworten, es bleibt mit Sicherheit etwas hängen auf theoretischer Ebene, die Fähigkeit zur Umsetzung ist dann wieder ne andere Geschichte ;) ). Und ganz wichtig: mit den LehrerInnen immer im direkten Gespräch bleiben und zusammenarbeiten.

    Nimm das im Mom. ein bisschen ausufernde Verhalten deiner Kinder nicht auf deine Schultern. Such den Fehler nicht bei dir/euch (eine bekannte Mütter'krankheit' ;) ). Geh zum Sprechtag und versuch mit dem Gegenüber konstruktive Lösungsansätze zu entwefen. Zusammen.

    Lieben Gruss und daumendrück
    L.
     
  3. Daggi

    Daggi Columbinchen

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    AW: Niedrige Frustrationsgrenze, Aggressivität, Nickelichkeiten

    Ein noch völlig unausgegohrener Gedanke wegen der Konkurrenzsituation:
    Siehst du vielleicht eine Möglichkeit, die beiden in einen Topf zu stecken? Eine Situation zu schaffen, wo sie sich z.B. gegen euch verbrüdern müssen?
     
  4. flonikki

    flonikki Habibi

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    AW: Niedrige Frustrationsgrenze, Aggressivität, Nickelichkeiten

    @Steinchen: Dankeschön für den Ansatz, darüber denke ich mal in Ruhe nach. Die Nickelichkeiten von Niklas gab es ja vor dem Umzug schon.. auch die Frustrationsgrenze war schon immer sehr niedrig.

    Dadurch, dass die neue Schule Benehmen etc. sehr hoch hält, fällt es halt stärker auf. Zumal sie ja sowieso noch unter Beobachtung stehen, da sie "die Neuen" sind. Dass sie sich erst einfinden, in die Gruppe integrieren müssen, sehe ich auch so. Ich habe aber leider das Gefühl, dass man ihnen nicht die Zeit gibt, die beide scheinbar benötigen. Ich hoffe auf die Osterferien, dass sie sich dann etwas fangen werden.

    @Daggi: Darüber denke ich auch nach. Aber was auch immer wir anstellen, sie treten gegen einander auf, nicht miteinander. Beide haben Mist gebaut? Anstatt dann gemeinsam stark zu sein, hauen sie sich dann auch noch gegenseitig in die Pfanne und warten mit Geschichten auf, die schon länger her sind. Einfach nur, damit der andere noch mehr einen auf den Deckel bekommt und man selbst besser da steht *seufz*.
    Ganz ehrlich, ich würde sie gerne mal tuschelnd, gemeinsam Mist bauend und stark gegen uns Eltern erleben. :(
     
  5. Snow

    Snow Mr. Bean

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    AW: Niedrige Frustrationsgrenze, Aggressivität, Nickelichkeiten

    am liebsten wäre es mir wenn die beiden sich darauf besinnen könnten, dass wir eine Familie sind, in der jeder für jeden da ist. Einfacher wäre es, wenn wir ihnen so ein Verhalten vorleben würden. Da wüßte man das die Lösung bei einem selber zu suchen ist... aber wie Jenny schon sagte denke ich nicht, dass wir da was schwerwiegendes falsch machen. Also mir graut es auch schon vor dem Termin gleich. Was ich auch nicht raffe ist die Tatsache, dass sie im neuen Heim fast täglich Zeit haben, um ihre Energien draußen auszuleben. Das ging ja in der alten Wohnung leider nicht. da gab es keine großen Spielmöglichkeiten. In der Theorie sollten beide also zufrieden sein. Tja..Theorie und Praxis halt.
     
  6. Daggi

    Daggi Columbinchen

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    AW: Niedrige Frustrationsgrenze, Aggressivität, Nickelichkeiten

    Und wie reagierst du da rauf? Versuchst du auch, einen Schuldigen zu finden?

    Nein, nicht einfach so. Da haben beide etwas davon: Aufmerksamkeit. Niklas dadurch, daß du mit ihm schimpfst und versuchst, den Grund dafür herauszubekommen. Und Florian bekommt bestimmt Mitleid. Dabei wird er daran nicht ganz unschuldig sein. ;-)
    Hast du in solchen Situationen mal versucht, beide gleich zu behandeln und dich nicht darauf einzulassen, wer denn jetzt angefangen hat? Wenn beide den selben Ärger ( und zusammen, nicht einzeln) bekommen, klingt das vielleicht erst mal ungerecht. Aber im Grunde wissen sie ja, daß sie beide etwas dazu beigetragen haben.
     
  7. flonikki

    flonikki Habibi

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    AW: Niedrige Frustrationsgrenze, Aggressivität, Nickelichkeiten

    Hallo Daggi,

    danke für den Ansatz. Leider ist es wirklich so, dass solche Dinge oftmals unbegründet von Niklas ausgehen. Konkretes Beispiel, gestern auf dem Schulhof: Florian kommt vom Handballtraining, vollbepackt mit Sporttasche, Tornister, Fahrradhelm. Er kommt nicht einmal dazu, etwas zu sagen, da geht Niklas schon hin und tritt einfach zu. Ohne ein Wort zu wechseln. Klar hat er dann einen auf den Deckel bekommen. Seine Antwort darauf: "Ich hab' ihn ja nicht mal richtig getroffen!" :piebts:

    Aber generell hast Du Recht. In solchen Momenten bekommt natürlich Niklas eher einen auf den Deckel, während Florian in Schutz genommen wird. Vielleicht ist das mittlerweile so ein automatisierter Vorgang geworden...

    Andererseits: Wie soll ich Florian schimpfen, wenn er nix getan hat? Ich lass mich in der Regel auch nicht auf Diskussionen ein, wer angefangen hat. Oftmals ist es wirklich offensichtlich. Hmm... ich werde mich einfach mal genau beobachten, wie ich auf solche Reaktionen reagiere :jaja:

    Der Elternsprechtag ist im übrigen heute völlig überraschend verlaufen. :verdutz:
    Erst waren wir bei Niklas' Lehrerinnen. Die beiden berichteten, dass Niklas sich mittlerweile ganz gut eingefunden hätte. Schulisch sei er etwas bequem, um nicht zu sagen teilweise einfach faul. Das ist wohl, weil er den meisten überlegen ist und den Stoff beherrscht. Er liest, schreibt und rechnet aus dem FF. Ich denke, er ist da im Augenblick einfach unterfordert, so dass wir ihn nun noch etwas mehr fordern werden.

    Vom Sozialen her war er anfangs sehr still, dann gab es Machtkämpfchen mit einem Jungen aus der Klasse, dem J. Als es nicht mehr anders ging, wurden beide zum Gespräch gebeten und die Situation erläutert. Sie sollten es dann a) entweder noch einmal miteinander versuchen oder b) sich aus dem Wege gehen. Seitdem haben sich Niklas und J. zusammengerauft und sind wohl nur noch gemeinsam unterwegs :hahaha:. Die Lehrerinnen sagten, dass es natürlich zu Reibereien gekommen ist, dass da aber nichts weltbewegendes vorgefallen ist. Sie meinten, das sei alles im Rahmen gewesen.

    Florians Gespräch verlief ähnlich. Er ist ein bißchen faul, weil er den Stoff beherrscht (die andere Schule war schon weiter). Er kann supergut lesen und Texte erfassen. Sein Problem ist im Augenblick die Sauberkeit. Er schmiert mehr als dass er schreibt. Das gibt natürlich Abzüge in der B-Note und bekommt nun mehr Aufmerksamkeit von der Lehrerin und von uns.

    Florians Lehrerin ist aufgefallen, dass er sich richtig gut eingefunden hat. Er steht nie alleine auf dem Pausenhof, ist bei seinen Klassenkameraden beliebt und meist recht freundlich. Auch bei ihm gab es kleine Machtkämpfchen, aber auch da war es nix dramatisches.

    Die Lehrerinnen haben mir heute komplett das Gegenteil von dem erzählt, was die Erzieherin gestern gesagt hat. Laut den Lehrerinnen haben sich beide, soweit man das beurteilen kann, gut eingelebt und fallen auch nicht als Rüpel auf. Die Erzieherin hingegen nannte die beiden gestern "wilde Rabauken", mit deren Eltern mal dringend ein Gespräch geführt werden müsse :???:

    Marcus ist beim Abholen aufgefallen, dass eben diese Erzieherin generell etwas burschikos und ungeduldig mit den Kindern umgeht. Vielleicht ist es IHR Empfinden, dass die beiden übermäßig laut und frech sind... Den Lehrerinnen sollte das doch ansonsten schließlich auch auffallen?!?

    Mir bleibt wohl nichts übrig, als zu beobachten, wie sie sich im Folgenden verhalten. Ich glaube, ich habe den beiden gestern ziemlich Unrecht getan, als ich gepredigt habe und die Fahrräder konfisziert habe. Hach, menno... Wie komm' ich da jetzt am besten wieder raus? Diese impulsive Reaktion tut mir ja auch leid... :(

    Generell bin ich aber einfach erleichtert, dass es augenscheinlich doch nicht so schlimm um die beiden steht, wie erst angenommen...
     
  8. KaJul

    KaJul Gehört zum Inventar

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    AW: Niedrige Frustrationsgrenze, Aggressivität, Nickelichkeiten

    ich glaub, sie sind gross genug, eine echte Entschuldigung annehmen zu können.

    :winke:
     

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