Kinder öffentlich bloßstellen

Dieses Thema im Forum "Rund um die Erziehung" wurde erstellt von La Bimme, 5. Dezember 2004.

  1. La Bimme

    La Bimme Leseratte
    Moderatorin

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    Hallo zusammen,

    ich greife mal Tatis Idee aus dem Supernanny-Thread auf und eröffne einen Thread zum Thema Blosstellen von Kindern.

    Eigentlich sprachen wir ja über die Supernanny.
    Aber dann erinnerte ich mich an eine Dokumentation über die Prekopsche Festhalte-Therapie, die ich mal vor einigen Jahren in Ausschnitten gesehen hab. Das Format war "sachliche Berichterstattung mit Betroffenen-Interviews". Es wurde in Therapie-Sitzungen gefilmt (wie, weiß ich nicht, ob mit versteckter Kamera oder wie). Es gab aber auch Interviews mit den Eltern. Ich erinnere mich sehr deutlich an ein Interview mit einer Mutter, die das "zu therapierende Kind" dabei auf dem Schoß hatte. Das Mädchen ribbelte hin und her und wand sich und bückte sich nach was, so dass es auf mich wirkte, als ob sie einfach nur aus der Kamera rauswollte. Ich hab richitg mitgelitten!

    Und erinnerte mich an Situationen, wo meine Eltern in meinem Beisein mit anderen Erwachsenen über mich redeten, als ob ich gar nicht da wäre. Ich kam mir immer so durchleuchtet vor und fragte mich gleichzeitig: Was geht die das an?
    Die Krönung hat mir mal eine Freundin erzählt: Ihre Mutter habe,als sie ihre Menstruation bekam, in ihrem Beisein zu einer anderen Frau gesagt: "Unsere Kleine ist jetzt auch so weit". Sie sei fast im Boden versunken, was ich gut verstehen kann, weil ich mich noch bestens daran erinnere, wie es mir ging, als ich die Periode bekam.

    Ich schreibe das, weil ich denke, dass Fernseh-Sendungen und Erlebnisse wie meine einen ähnlichen Hintergrund haben: Über die Köpfe der Kinder hinweg wird in ihrem Beisein viel zu oft über sie geredet, ohne sie zu fragen, wie es ihnen dabei geht. Im Kleinen wie im Großen.

    Liebe Grüße
     
  2. Silly

    Silly Moni, das Bodenseeungeheuer

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    AW: Kinder öffentlich bloßstellen

    Hallo Katja,

    ich selbst mußte auch viele dieser Situationen im Kinder/Teenager und auch noch Jugendalter hinnehmen.
    Meine Mutter nahm und nimmt auch heute auf soetwas KEINE Rücksicht.
    Ich mir persönlich hat das so viel negatives bewirkt, daß ich heute (aus diesen und anderen Gründen) sogut wie keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern habe.

    Ich rede generell NICHT im Beisein meiner Kinder über diese. Positives okay - da reden die Kinder ja durchaus auch selber davon. Aber alles andere - geht entweder andere nichts an - oder es muß nicht im Beisein der Kinder besprochen werden. Selbst mit meinem Mann rede ich nicht im Beisein der Kinder über negative/peinliche Dinge, die tagsüber vorgefallen sind. Positives bringen die Kinder von selber auf den Tisch - wenn ich die andere Seite für wichtig erachte, ermutige ich die Kinder es selber zu erzählen.

    Das ist für Kinder hochgradig peinlich und wirkt absolut zerstörend auf die Eltern-Kind-Beziehung. Es führt nur zu Verheimlichungen und Verschleierungen von Tatsachen. Weil immer eine Angst vorhanden ist - eine Angst vor Demütigung und Erniedrigung. Das ist es nämlich letztendlich - erniedirgend, peinlich und schlicht weg demütigend für das zuhörende Kind.

    Ich finde gerade diese Zurschaustellung im Fernsehn furchtbar für die Kinder. Aus psychologischer Sicht halte ich das für unverantwortlich. Ich denke, auf Dauer wird das eher schaden als helfen. Der halben Nation werden Familienproblematiken zum Futter hingeworfen - die halbe Nation spricht drüber.
    Und wie geht es den Kinder dabei? Die finden einerseits die Aufregung mit den vielen Kameras sicherlich interessant und stellen sich soweit wie möglich selber dar - aber andererseits werden sie geopfert für Einschaltquoten. Besser wäre es doch diesen Familien eine richtige Familientherapie "zukommen zu lassen" - da wären die Kinder sicherlich besser mit bedient - und die Eltern wahrscheinlich auch.
    Eines ist nämlich absolut klar: diese Familien brauchen ungedingt Hilfe - aber doch nicht auf diese Art und Weise.

    LG Silly
     
  3. AW: Kinder öffentlich bloßstellen

    ihr sprecht mir so aus dem herzen, das glaubt ihr gar nicht. danke für dieses thema.
    ich bin da auch vorbelastet. meine mutter hat das auch immer gemacht. ich bin in grund und boden gesunken. dieses gefühl soll mein kind nicht bekommen.
    wir hatten genau dieses thema mal irgendwann bei meiner schwiemu besprochen. da hörte ich, dass die es niiiemals gemacht hat. egal, was mein freund anstellte, sie hat ihn nach außen nie bloßgestellt. (zu hause war das natürlich anders und es wurde besprochen.) sie hat auch nie was von ihm erzählt.
    meine mutter dagegen fährt heute noch die schiene "wieso? kann ich doch erzählen. bist doch mein kind." HALLO?

    so etwas stört ganz erheblich die vertrauensbeziehung eltern-kind. viele unterschätzen das.

    und in diesem zusammenhang habe ich die supernanny noch gar nicht gesehen. wie muss sich das kind denn dabei fühlen, wenn es schon bei bloßstellungen z.b. der nachbarin gegenüber ganz klein wird. hier ist es sogar im tv. alle möglichen leute sehen das. und die kameraleute und leute vom stab sind direkt dabei. und wenn das kind größer wird und die aufnahmen später selbst sieht?! ich darf gar nicht dran denken.

    ich merke jetzt schon bei meinem sohn, noch keine 2 jahre alt, wie er reagiert, wenn ich seinem papa sage, dass er grad den becher absichtlich umgeschüttet hat. denn scheinbar fängt es wirklich genau da schon an. ich werde darüber jetzt mal nachdenken müssen. und deswegen interessiert mich auch, wie ihr das handhabt?
     
  4. AW: Kinder öffentlich bloßstellen

    Hallo Katja,

    das Thema ist total wichtig bei Kindern!

    Jedes Kind hat auch eine "Intimsphäre" und das Recht, dass diese gewahrt wird.

    Nichts war für mich als Kind schlimmer, als wenn meine Mutter einen Tantenbesuch dazu genutzt hat, um über meine Ungehorsamkeit usw. zu berichten - in meinem Beisein - und es war für sie eine Art Genugtuung, dass sie mich sozusagen so an den Pranger stellen konnte und endlich mal kundtat, wie schwer sie es hat mit mir.
    Und es war total peinlich für mich, dass mein Vater wußte, dass ich die Regel hatte.

    Ich hüte mich davor, vor anderen Leuten etwas über Manuels "Schwächen" zu erzählen.
    Fängt doch schon in der Krabbelgruppe an, dass man im Beisein des Kindes drüber redet, was das Kind nicht kann usw.

    Ein Erlebnis vor kurzem:
    Wir waren auf der Bank. Gingen hinein und da bald geschlossen wurde, machte man so Glastüren zu und man mußte in einer Nebentür raus.
    Manuel wollte unbedingt den gleichen Weg zurück gehen wie wir gekommen waren.
    Auf dem Weg in der STadt - Jammerei deswegen.
    Dann beim Maronistand weinte er auch noch. Ich bestellte die Kartoffel und ließ ihn jammern. Eine Dame stand auch da.
    Und was sagte sie:
    Na - streitest mit der mama?
    Ich: Lassen Sie ihn einfach in Ruhe.
    Manuel dann noch mehr geweint.
    Sie: Na - jetzt kommt der Zorn raus!

    Auch so was finde ich einfach daneben. Ein Kind hat Recht zu weinen - und ein Fremder hat darüber gar NICHTS zu sagen. Auch das ist für mich eine Art "Bloßstellung".

    Und was die Supernanny betrifft:
    Stellt Euch vor, ihr seid das Kind - da steht eine fremde Dame daneben und redet der Mutter vor, was sie zu sagen hat. Und die Mama macht das auch.
    Das Kind erlebt die Mama sozusagen nicht als "selbstagierend" sondern so, dass sie "Befehle" von jemandem anderen ausführt, die sich gegen das eigene Kind richten. So habe ich es auch bei der Sendung der Supermamas gefühlt.

    Es mögen gewisse "Grundansätze" gut sein - aber die Form, wie man das vor dem Kind dann "anwendet" ist einfach arg.
    Das Kind erlebt in dieser Situation die Mama nicht als Vertrauensperson.
    In meinen Augen wird da die Würde des Kindes angegriffen.

    Finde auch, dass da eine "private Familienberatung" besser wäre.
    Denn da wird das Kind auch ohne Eltern angehorcht. Bei der Supernanny ist mir das nie aufgefallen, dass sich jemand mit dem Kind alleine hingesetzt hätte und angehört hätte, was es sagt. Dafür bedarf es aber einer behutsamen Annäherung an das Kind.

    Wenn ich mir vorstelle, dass da jemand plötzlich ins Haus kommt und mich und meinen Mann beobachtet und dann sich hinter meinen Mann stellt und ihm vorgibt, was er tun oder sagen soll...:umfall:


    Ganz lieben Gruß
    Christine
     
  5. Onni

    Onni Sprücheklopfer

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    AW: Kinder öffentlich bloßstellen

    Hmmm...schwieriges aber interessantes Thema.Ich fand die Ansätze bei Silly ganz gut, frage mich aber, wo fängt das "zur Schau stellen" an und wo hört es auf?

    Ihr dürft nicht vergessen, auch hier im Forum werden die Kinder teilweise öffentlich gemacht. Da werden Familienfotos gezeigt, Badewannenaufnahmen von den Kleinen, Schlafaufnahmen usw usw...das ist doch auch eine Art von "zur Schau stellen" ,oder nicht? Hier im Forum kann auch JEDER die Fotos anschauen , und ich denke mir das hierfür die Kinder auch nicht gefragt werden.Und kennen tun sich hier auch die wenigsten persönlich, d.h. auch wenn es alles sehr persönlich abläuft,weiß man doch in Wirklichkeit gar nicht wer alles hier mitliest.Fängt das "zur Schau stellen" hier schon an?

    Nachdenkliche Grüße
     
  6. AW: Kinder öffentlich bloßstellen

    Hallo

    Also ich finde dieses Thema auch höchst interessant; aber muss sagen das meine Eltern rücksichtsvoll waren & ich dies auch mit unseren Kindern versuche.
    Ich rede natürlich auch über meine Kinder & hole mir Rat ein; aber niee wenn die Maus dabei ist !!!

    Ich pers. finde dieses Format nicht ansehnlich; da dies alles wirklich alles in die Öffendlichkeit gezerrt wird.
    Ich hab um mitreden zu können; mir eine 1/2 Folge jeweils angeschaut & dann wutentbrannt doch umgeschaltet; denn weder der Produzent noch die breite Öffendlichkeit wissen was sie diesem zarten Seelen dort antun.
    Ich möchte nicht wissen was für Hänseleien auf die Zu kommen.

    Aber Onni wegen Privatsphäre: hmm da hast du recht; nur z.B. meine Kinder können noch nicht lesen & deswegen .. darüber reden tun wir doch alle; nur nicht als Zurschaustellung bezw. an den Pranger gestellt wie es in diesem Format sowie wie viele Eltern praktizieren.


    Aber ich finde vor allem diese Trulla auf RTL wie ein Bundeswehrfuzzi *so wortwörtlich mein Göga* .. die nimmt wirklich auch noch nicht mal auf die Gefühle Rücksicht.
    Und dieser Sprecher .. :bissig: :bissig:

    Von daher .. schau ich es nicht & reg mich nicht auf *ist besser für den Blutdruck !!!
     
  7. Silly

    Silly Moni, das Bodenseeungeheuer

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    AW: Kinder öffentlich bloßstellen

    Hallo Onni,

    ich glaube, wir müssen zwischen zur Schau stellen und bloß stellen unterscheiden.

    Wenn ich hier im Forum etwas über meine Kinder schreibe - dann kriegen das meine Kinder in der Form nicht mit, .... ich rede zwar über sie - lustiges, positives und nach mal "negatives", aber ich hoffe doch das ich sie dann weder bloß noch zur Schau stelle. Wenn ich schreibe: schau mal mein Jonathan kann auf einem Fuß hüfen (und in dieser Art sind ja die meisten Beiträge verfasst) dann finde ich das noch keine zur Schaustellung. Mein Kind hat Freude daran, das zu tun - und ich bin stolz darauf - und vor allem: ich fordere ihn nicht dazu auf, es vor Fremden zu tun. ---> und da fängt für mich zur Schau stellen an. Wenn er sein können zeigen will, dann soll er das freiwillig machen und nicht weil ich das so möchte.
    Klar, gibt es auch hier im Forum sicher auch Mamis/Papis die ihre Kinder wirklich zu Schau stellen. (ich will jetzt wirklich niemand zu Nahe treten) - Aber diese Eltern tun das meines Erachtens nach, nur aus Stolz über ein hübsches oder intelligentes Kind. Und das finde ich wiederum eine "gefährliche Schiene" - man muß vorsichtig sein, das man diesen Kinder irgendwann mal nicht zuviel zumutet.

    Wirklich schlimm fände ich einen Beitrag ungefähr so: Hola, meine Tochter hat das erste Mal Ihre Tage, ist das nicht toll ?! oder: Aber Hallo mein Sohn hatte seine erste nächtliche Erektion - und ich muß jetzt das Bettzeug waschen *Grrrr*
    Da würde bei mir die Frage anfangen: geht das hier jemand etwas an?
    Wie demütigend muß eine solche öffentliche Aussage für ein Kind sein? Es verletzt die Privatsphäre und die Intimsphäre in einer sehr extremen Art. Das wäre für mich richtig bloß stellen.

    Ansonsten: wenn man ein richtiges Problem mit einem Kind hat, dann finde ich, daß man das Kind nicht zur Schau stellt und auch nicht bloß stellt. Denn: wie soll ich Hilfe bekommen, wenn ich nicht über die Sachlage schreibe? Ich denke man muß in solchen Situationen sehr fein differenzieren.

    Liebe Grüße Silly
     
  8. JASMIN

    JASMIN Gehört zum Inventar

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    AW: Kinder öffentlich bloßstellen

    Jetzt muss ich auch mal was dazu sagen

    die meisten haben hier darauf rumgehackt das die kinder dadurch auch bloß gestellt werden wenn sie ihre tage bekommen haben oder wenn es um frauen oder männersachen einfach geht

    ich finde man kann das kind in der hinsicht nicht bloßstellen oder sonstiges wenn man von anfang an mit diesem thema offen und normal umgeht

    ich bin absolut keine verklemmte mami im gegenteil meine kinder wird alles erklährt. wir gehen auch mit dem thema "tage" sehr offen um meine töchter wissen das sie es bekommen und warum es ist normal und eine frau braucht es auch (mal mehr mal weniger :) )

    wenn ich mal erzählen sollte einer freundinn oder meinen mann das sie ihre tage jetzt hat dann ist es was positives für uns unser mädchen wird eine frau
    es ist was besonderes und sie wird wohl kaum pikiert darüber sein da es nie ein versteckthema bei uns ist

    was ich richtig finde ist der ansatz

    mit den kindern wird zuwenig gesprochen und zugehört

    kinder haben eine meinung haben sorgen haben ihre eigene vorstellung

    kinder reagieren nicht von grund auf böse

    es wird heutzutage viel zu wenig auf die kinder eingegangen

    zu dem thema medien kann ich nur eins sagen

    diese familien brauchen mehr hilfe als eine nanny
    und am meisten brauchen die kinder hilfe


    meine ganz eigene meinung

    liebe grüße jasmin
     

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Stichworte:

  1. kind vor allen bloßstellen

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