Kind als Trauerhilfe

Dieses Thema im Forum "Ratgeber" wurde erstellt von Stephanie, 15. November 2003.

  1. Stephanie

    Stephanie The one and only Mrs. Right

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    Hallo,

    war mir nicht sicher wo ich am besten Poste, aber ich denke hier passt es schon ganz gut.

    Mein Opa liegt im Sterben, er ist schwer Alzheimerkrank und sein Verfall im letzten Jahr war wirklich schwer. Inzwischen kann und will er nicht mehr aufstehen, nicht trinken oder essen - es ist nur noch eine Frage von Tagen.

    So schlimm wie es ist beschäftigt mich jetzt aber folgendes:

    Meine ganze Verwandtschaft ist wie verrückt auf meine Tochter. Meist ist es so, dass ICH gar nicht begrüsst werde, sondern mir mein Kind aus dem Arm gezogen wird und das wars dann.
    Zwei Tage vor Vivians Geburt starb mein Vater - und sie wurde immer mit Worten wie 'ach Kind, was bist du doch für ein Segen, ohne dich würde es sich nicht lohnen weiterzuleben' usw. bedacht. Damals dachte ich, sie bekommt davon nicht wirklich was mit, es ist nicht so tragisch für sie. Aber ich sehe es kommen, dass wenn mein Opa stirbt, es genauso von vorne losgeht. Meine Mutter hätte damit innerhalb eines Jahres ihren Mann und ihren Vater verloren und ich verstehe, dass sie Halt sucht. Aber es kann doch nicht sein, dass dafür ein Baby herhalten muss?

    Kann mir jemand Tips geben? Habt ihr Erfahrung mit solchen Situationen?

    Danke schonmal

    Liebe Grüsse, Steffi
     
  2. Jesse

    Jesse sprachlos im Spreewald

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    Kann mir gut vorstellen, in welch einer Zwickmühle Du Dich befinden magst. Habe nach dem Tod meiner Mutter von meinen Großeltern auch immer wieder gehört, wie ähnlich ich ihr bin und das nun ich ihr Kind sei. Irgendwann wurde mir das alles wirklich zuviel und ich habe sehr vorsichtig aber bestimmt gesagt, das mir das sehr zu schaffen macht und man begreifen möge, das ich eben nicht Renate bin sondern Jesse.
    Ich würde Dir zu einem offenen Gespräch mir Deiner Mutter dringend raten um ihr Deine Sorgen und Ängste erhrlich mitteilen zu können

    LG Jesse
     
  3. Hallo,

    ich finde es hart für den Betroffenen, in einer solchen Situation so "abweisend" zu reagieren. :( Meine Mama hat sich auch Bianca als neuen Lebensmittelpunkt "genommen". Sie hatte vorher ihre Mutter gepflegt, die gestorben ist, als ich schon schwanger war, und davor hat sie viel gearbeitet.
    Ich habe natürlich viele Vorteile dadurch, sie betreut Bianca, wenn ich länger arbeite, als die Kitabetreuung geht. Ohne sie würde ich Kind und Arbeit gar nicht schaffen. (Ich bin auch manchmal eifersüchtig, wenn Bi lieber zur Oma will. :-? )
    Aber ich finde es auch sonst nicht schlimm, wenn ein Kind merkt, dass es für Oma sehr wichtig ist. Lediglich ständige Vergleiche oder das Projezieren von Wünschen und Erwartungen würde ich unterbinden.

    Liebe Grüße
     
  4. Liebe Steffi,

    ich finde es gut, dass du dir jetzt schon im Vorfeld darüber Gedanken machst, wie du eine zu große Beanspruchung des Kindes vermeiden kannst.

    Sollte das Kind nämlich wirklich als Ersatz oder Trost herhalten müssen, so finde ich das durchaus bedenklich.
    Es wird dadurch in eine Rolle gedrängt, die es einfach nicht erfüllen kann!! Es bekommt eine Aufgabe übertragen, die zu groß und belastend ist.

    Das ist Auffassungssache, aber ich bin sehr wohl der Meinung, dass ein Kind, auch ein noch sehr kleines, so etwas spürt bzw. dass sich das in seinem Unterbewusstsein festsetzt.

    Wie du konkret vorgehen kannst, kann dir wohl nur jemand raten, der auch deine Familie besser kennt. Notfalls musst du halt, wenn es wirklich zu viel wird, etwas Abstand halten.

    Deine Tochter ist auf dich angewiesen!!! Deine Familie ist nicht auf deine Tochter angewiesen, auch wenn sie das meint.
    Ich finde, das ist der springende Punkt.

    Ich finde es aber sehr einfühlsam von dir, dass du diese Entwicklung bemerkst und dein Kind davor "schützen" willst.
    Sogesehen wirst du das sicher hinbekommen!!

    Alles Liebe für euch :rose:
     
  5. Hallo,

    ich glaube nicht, dass es einem Kind schadet, wenn es der Trost seiner Oma ist. :o

    Und ich würde ganz bestimmt nicht auf Abstand gehen, sondern lieber versuchen, die Oma, die ja zwei schwere Verluste erlitten hat, in die Kinderversorgung "einzuspannen" und ihr von dem Glück abzugeben, das ein kleines Kind einem schenkt. :jaja:

    Natürlich kann ein Baby kein Ersatz für den Mann oder Vater sein, aber auf die Idee wird wohl auch keine Oma kommen.

    Wenn Du allerdings das Gefühl hast, Du wirst gar nicht richtig wahrgenommen, sondern nur das Kind, würde ich etwas dazu sagen. Ich würde auch nicht wollen, dass mein Kind ständig mit solchem Sprüchen überschüttet wird (damit kann kein Kind etwas anfangen, Sprüche wie "Ich will nicht mehr leben" können einen ja auch total wuschig machen), aber das kann man ja mit der Oma besprechen, und sie wird es sicherlich einsehen.

    Liebe Grüße
     
  6. La Bimme

    La Bimme Leseratte
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    Hm, kommt drauf an.
    Solange es lieb und nett und süß und "artig" ist, ist ja bestimmt alles paletti.
    Aber ich würde genau hinhören, was Oma so für Sprüche bringt, wenn Kind mal seine eigenen Vorstellungen davon hat, wie es sein oder was es tun möchte. Ich weiß, wovon ich spreche: Bei uns hat meine Oma mit zu Hause gewohnt.
    Ein schlechtes Gewissen ist dem Kind dann schnell gemacht, gerade wenn es das En-und-Alles ist und das auch weiß.

    Nicht alle Omas müssen so sein. Das kann man ganz bestimmt nicht verallgemeinern. Aber wie geasgt: Hinhören.

    Liebe Grüße
     
  7. Hallo Katja,

    ich meinte nicht, das es so beibehalten werden soll, bis das Kind in die Pubertät kommt. :???: Ich dachte an die erste Trauerzeit, wo ein Baby / Kleinkind wirklich ein großer Trost und eine Aufmunterung ist. Die Schul- und Teenyprobleme sind mehr etwas für Eltern. :)

    Liebe Grüße
     
  8. La Bimme

    La Bimme Leseratte
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    Nee, Schul- und Teenie-Probleme meinte ich gar nicht. Es haben ja auch Kleinkinder ihren eigenen Kopf und ihr eigenes Wesen - und sind potentiell genauso empfänglich für Schuldgefühle.

    Klar kann es sein, dass es nur zum Problem wird, wenn es über einen längeren Zeitraum anhält, das Trost-über-Kind-Suchen, und auch nur dann, wenn die Oma so drauf ist, dass sie gaaaaaanz traurig wird, weil die liebe Kleine sie jetzt nicht drücken will und nicht die selbstgebackene Cremetorte essen will, wo doch jetzt der Opa tot ist....

    Aber man weiß ja vorher nicht, wie lange solche eventuellen Phasen gehen. Erst toleriert man es, weil man denkt, dass es ja nur eine Phase ist, und drei Jahre später wundert sich die Oma bei Vorhaltungen: "Aber warum hast Du denn nie was gesagt?".

    Aber wie gesagt: Muß ja nicht so sein. Abwaten.

    Liebe Grüße
     

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