Freilerner

Dieses Thema im Forum "Das Leben mit Schulkindern" wurde erstellt von Krabbelkaefer, 1. März 2010.

  1. Krabbelkaefer

    Krabbelkaefer Hier riechts nach Abenteuer

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    Hallo,

    irgendwie finde ich immer wieder Blogs und Seiten von Freilernen, also Kindern, die ausserhalb der Schule von ihren Eltern unterrichtet werden. Mich fasziniert diese Form, denn ich selbst bin eigentlich ganz froh, wenn ich mal ein paar Stunden "frei" habe und meine Kinder nicht um mich sind.
    Aber, die Schilderungen sind schon faszinierend und die Familien von denen ich lese, erscheinen recht "normal". Denn in den Medien tauchen ja gerne mal Extrembeispiele auf.
    Jetzt häufen sich aber gerade wieder Meldungen von deutschen Familien die richtig dramatisch werden. Verfolgung, Flucht, Gefängnisandrohung. Alles, weil es eben in Deutschland verboten ist seine Kinder zu Hause zu unterrichten.

    Was denkt ihr darüber? Sowohl über die Form des Lernens ansich, als auch darüber, dass sie in Deutschland nicht erlaubt ist.
     
  2. Mamaaaa

    Mamaaaa Familienmitglied

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    AW: Freilerner

    Hallo Martina,

    wenn ich solche Berichte lese, bin ich immer ganz erstaunt darüber, dass die Eltern so ein umfassendes Wissen vermitteln können, also dass

    1. ein Wissen in allen Bereichen bis zu Klasse ? vorhanden ist und

    2. Eltern und Kinder sich dabei nicht aufreiben. Meine Kinder wollen sich von mir teilweise wenig zeigen lassen, akzeptieren das aber sehr wohl bei Freunden oder Erziehern.

    Hmmm....aber wenn's klappt, könnte die Qualität der Lehre höher sein als im Klassenverband. Ob die soziale Komponente zu kurz kommt, hängt wohl auch vom Einzelfall ab. Wenn das Kind durch Vereine etc. sonst integriert ist, könnte das ausreichen.
     
  3. bribra

    bribra Gehört zum Inventar
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    AW: Freilerner

    Hallo Martina, ich finde es richtig, dass es in Deutschland nicht erlaubt ist, nicht wegen der Qualität des Unterrichts (die könnte in manchen Fällen vielleicht wirklich besser sein), sondern wirklich wegen der Sozialkompetenz, dem "in einer Gesellschaft" leben, dem "miteinander" lernen und vor allem dem "ich lerne auch was außerhalb der Familie"-Aspekt. Ich denke, dass Kinder, die nur und ausschließlich zu Hause unterrichtet werden (viele dieser Kinder waren ja dann auch nicht in Kindergarten und Vorschule), sehr viel vom "real life" mit allen positiven und negativen Facetten nicht mitbekommen.

    In der Schule ist ja nicht nur Lernen und Lernen ist sowieso nicht alles im Leben, sondern auch ganz viel Anderes. Ich kann mir auch nicht wirklich vorstellen, dass es nicht irgendwann dem familiären Hausfrieden schadet, wenn die Eltern auch die Lehrer-Rolle einnehmen.

    Liebe Grüße, Britta
     
  4. lulu

    lulu Königin der Nacht
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    AW: Freilerner

    Fuer mich waere das Homeschooling nichts; meine Kinder gehen aber auch in eine Schule, die gut ist. In eine doofe Schule wuerde ich sie nicht geben :). Da bin ich mittlerweile amerikanisiert genug :zwinker:.

    Homeschooling ist nicht gleich Homeschooling. Eine Freundin beschult ihre Kids zuhause und ich finde es echt nicht schoen fuer die Kinder. In der Familie eines Fussballkollegens von Klaas gehen die Kinder erst ab der 9. Klasse in die Schule (Highschool), und vom meinem Einblick her laeuft das da alles gut ab.

    Deutschland ist uebrigens der einzige EU-Staat, in dem Homeschooling illegal ist. Ich finde, das regt schon zum Nachdenken an :jaja:.

    Pauschal verurteilen wuerde ich das Homeschooling auf gar keinen Fall. Es gibt Kinder, die in der Schule ungluecklich sind. Warum sollten sie ungluecklich bleiben muessen? Klar wuerde ich erst mal einen Schulwechsel anstreben, aber ueberall geht das nun mal nicht, oder die Beduerfnisse eines Kindes liegen einfach voellig neben dem Lehrplan. Wenn die Elternteile nicht alle Stoffgebiete abdecken koennen, gibt es ja die Moeglichkeit Unterricht dazuzu"kaufen". Aelter Schueler hier nehmen zum Beispiel oft auch Einfuehrungskurse an den Unis und Colleges in einzelnen Faechern. Viele Homeschooler rotten sich zusammen und unterrichten gewisse Faecher in Gruppen (bei meiner Freundin zB Geschichte und Naturwissenschaften). Da gibt es dann auch ganz regelmaessige Gruppenerlebnisse und Moeglichkeiten Freundschaften zu knuepfen. Dadurch dass durch die geringe Lerngruppengroesse weniger Zeit fuer den gleichen Stoff benoetigt wird, bleibt den Kindern auch mehr Zeit zum Spielen, spaeter bei den Jugendlichen fuer Ehrenaemter etc.

    Lulu
     
    #4 lulu, 1. März 2010
    Zuletzt bearbeitet: 1. März 2010
  5. Krabbelkaefer

    Krabbelkaefer Hier riechts nach Abenteuer

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    Ich glaube, ein wenig muss ich noch mit dem Bild aufräumen, dass ich zumindest von den Freilernen gewonnen habe. Da sind nicht die Eltern unbedingt die Lehrer, sondern eher die Lernbegleiter, die den Kindern Hilfestellung geben, wie sie selbst an Informationen kommen. Und eben diejenigen, die auch den Besuch bei Fachleuten, den Besuch von Kursen und anderes möglich machen.
    Zumindest bei den Familien in deren Blog ich gestöbert habe, klingt es nicht nach armen sozial-einsamen Wesen die am Küchentisch von den Eltern unterrichtet werden. Sondern nach Kindern die lernen, was sie möchten, die ihre Themen selbst raussuchen und einen ziemlich guten Eindruck machen. Keine Spur von Gewalt, Mobbing oder anderen "Nettigkeiten" mit denen sich Schüler zum Teil auseinander setzen müssen, sondern es klingt nach einer Lernatmosphäre die Spass macht.
    Fragt sich aber, lohnt es sich für solcheine Atmosphäre extreme Wege zu gehen, wie z.B. eine regelrechte "Flucht"ins Ausland?
     
  6. bribra

    bribra Gehört zum Inventar
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    Also ich finde nicht, dass sich das lohnt ;-)

    Aber für mich ist es der falsche Ansatz, Kinder vor allem behüten zu wollen (Mobbing, Gewalt, Reibungen sind zwar nicht schön, aber man kann nicht ein Leben lang davor weglaufen). Ein "Mitten im Leben stehen" bedeutet für mich "mit allen guten und schlechten Seiten". Ich hätte eher die Befürchtung, dass Kinder, die in einer solch harmonischen Athmosphäre lernen zwar vielleicht mehr und freudiger Wissen erwerben, aber dann später im Beruf, wo sie es vielleicht bräuchten, mit Druck- und Konkurrenzsituationen nicht umgehen können.

    Wie gesagt, meine ganz persönliche Meinung, nicht verallgemeinern bitte.

    Viele Grüße, Britta
     
  7. lulu

    lulu Königin der Nacht
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    Britta, ich teile Deine Meinung da zum Teil. Das ist einer der Aspekte, der mir beim Homeschooling meiner Freundin mit ihren Kindern abgeht. Ich persoelich finde, eine Mannschaftssportart muss dann schon dabei sein, damit man zB auch die Verpflichtung gegenueber den Kameraden lernt, mit dem Frust umzugehen, wenn ein "Kollege" ob einer miesen Leistung motzt etc. In Klaas all elementary orchestra (fuer Kinder aller Grundschulen im Schulbezirk) spielt zB auch ein Homeschooling-Kind mit. Das finde ich toll. Und darin liegt halt auch die Verantwortung als Elternteil, das Homeschooling so zu gestalten, dass die soziale und emotionale Entwicklung nicht gehemmt wird. Ich meine, das sei auch ohne Schulbesuch moeglich, erfordert aber auch ein grosses Engagement und eine gewisse Weitsicht und einen guten Blick auf's Kind.
    Meine Freundin hat sechs Kinder in 10 Jahren bekommen, und in der Familie gibt es eine strikte Rollenteilung. Sie kann imho die sozialen Beduerfnisse der Kinder logistisch gar nicht bedienen. Die Kinder lernen viel mehr Verzicht und Disziplin und sich selbst beschaeftigen als ich es ansonsten kenne. Ob das aber die richtige Vorbereitung auf ein Erwachsenenleben in dieser Gesellschaft ist, das frage ich mich auch. Der Konflikt liegt aber meines Erachtens nicht am Homeschooling an sich, sondern am Homeschooling in dieser familiaeren Konstellation (staendig ein Baby und Kleinkind im Haus, grosse Gruppe Kinder).

    Lulu
     
    #7 lulu, 1. März 2010
    Zuletzt bearbeitet: 1. März 2010
  8. Annette

    Annette Die Nette

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    Dieses Freilernen hat für mich ein wenig was elitäres. Denn wenn ich als Mutter/Eltern meine Kinder unterrichte kann ich definitiv nicht arbeiten gehen. Und ein Lernbegleiter kostet mit Sicherheit einiges.
    Dann denke ich auch, dass der Unterrichtsstoff gar nicht abgedeckt werden kann. Und wie funktioniert das dann mit dem Schulabschluss? Ich hab ja keine Ahnung, lass mich auch gerne aufklären. Der Schulabschluss müsste ja dann trotzdem in einer richtigen Schule gemacht werden, ich weiß nicht ob die Kinder da nicht plötzlich überfordert sind, egal welches Alter. Sie sind das gar nicht gewohnt, viele können sich vielleicht in so einer Menge gar nicht konzentrieren.
    Und ohne Schulabschluss hat man doch heutzutage kaum ne Chance im Berufsleben, zumindest hier in D, in anderen Ländern kenn ich mich da nicht aus. Und ich finde so ein Richtwert für die Ausbildungsbetriebe eigentlich wichtig.
    Ich denke, wenn diese Schulpflicht gelockert werden würde kommt da ein Rattenschwanz hinterher.
    Und wie wird kontrolliert ob wirklich jeder was lernt? Ist es in anderen Ländern wirklich ganz egal ob die Kinder was lernen oder nicht?

    Grüße
    Annette
     

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