Ergotherapie bei Störung der sensorischen Integration?

Dieses Thema im Forum "Erfahrungsaustausch" wurde erstellt von muckimann, 20. September 2005.

  1. Uns wurde seitens der Erzieherinnen meines Sohnes (4 1/2) empfohlen, eine Ergotherapie zu beginnen ("es wäre aller höchste Zeit...!?). Daraufhin waren wir beim KiA, der nach Untersuchungen, Entwicklungsprotokoll und Videoband keine Notwendigkeit für eine Therapie attestierte. Alltägliches Fördern, Lernen und Üben! Auch uns und unserem Umfeld fällt nichts Gravierendes auf. Er ist zwar motorisch von Anfang an "verlangsamt"und oft ein Träumerle, aber immer mit stetigem Fortschritt! Ich glaube, man kann die Entwicklung von Kindern nicht in Schemas einordnen, d.h. eine 4jähriger muss dies oder das jetzt so können..., aber natürlich bekommt man Zweifel, ob man sich als Eltern richtig entscheidet. Wer hat Erfahrungen im Bezug mit sensorischer Integration/Ergotherapie bei motorisch "verzögerter Entwicklung"?
     
  2. ilselottikulle

    ilselottikulle Dauerschnullerer

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    Hallo, aus welchem Grund genau meinen denn die Erzieherinnen, dass eine Ergotherapie nötig wäre? Ist er feinmotorisch ungeschickt? Wechselt er die Hände beim Malen oder Basteln? Kann er seine Kraft schlecht dosieren (Stift aufdrücken) oder dergleichen?

    Mein Sohn ist z.B. seit einem halben Jahr in einer Ergotherapie, weil er "Wechselhänder" war/ist, mit beginnendem Erfolg. Wir hätten vel eher anfangen müssen, jetzt hat nämlich die Schule begonnen und er hat dementsprechend Schwierigkeiten beim Schreiben. Allerdings ist es so, dass derlei Probleme nicht isoliert zu behandeln sind, also schlichtes "Üben" nützt gar nichts, sondern verschlimmert alles u.U. nur. Detailliert kann ich das jetzt auch nicht schildern, aber das eigentliche Problem ist meist eine gestörte Reizverarbeitung in den Nervenbahnen sowie im Gehirn.

    Ich habe aber erfahren, dass sich Kinderärzte nicht immer ausreichend mit dieser Problematik befassen und oft sagen "das kommt schon noch, sie müssen viel üben", eben weil sie auf diesem Gebiet keine Fachleute sind, und dann kann - wie in unserem Fall - schon wertvolle Zeit verloren sein.

    An Deiner Stelle würde ich nochmal die Erzieherinnen fragen, wo genau das Problem liegt.

    Kannst mich auch gern per PN kontaktieren.
     
  3. Hallo,

    also das ist schwierig. ich bin auch Erzieherin und hatte auch schon oft Eltern bei denen wir für Ergotherapie waren und die Kinderärzte nichts gefunden haben und auch andersherum. Es ist ja so. Im Kindergarten erlben die Erzieher das Kind täglich über viele stunden und sehen auch immer den Vergleich mit anderen Kindern. Der Arzt wiederrum sieht das Kind nur bei der U. Manche Kinder verhalten sich bei der U normal, machne machen nicht mit so dass der Arzt auch schon Empfehlung schrieb und wir sie für absolut daneben hielten. In diesem Fall schickten wir die Eltern immer zum Ergotherapeuten und sagten sie sollen sich mal vorstellen.

    Ich würde es Dir auch raten. Sage dass der KIA nichts auffälliges aber die Erzieherin dazu geraten hätte.Nach dem Beratungs/Beobachtunsgespräch kannst Du immer noch entscheiden. Ich sage es mal so: Die Ergotherapie macht den Kindern Spaß und ist immer von Vorteil. Bei motorischer Verzögerung auf jeden Fall sehr sinnvoll. Der ergotherapeut hat viel mehr Möglichkeiten allein mit dem Kind Übungen zu machen die im Kindergarten die Erzieherin mit 27 Kindern pro Gruppe nicht schaffen kann. Wenn es Dich beruhigt. Es geht fast jedes zweite bzw. dritte Kind zum Logopäden oder Ergotherapeuten. Was auch immer schön ist, wenn diese im Kindergarten ihre Stunden abhalten dann ist es nicht immer so was spezielles wo man auch noch extra hin muß. Mache ein Gespräch und sage dass Du nicht sicher bist ob das sein muß. Wenn ja dann ist auch gut für Dein Kind.


    lg Diana
     
    #3 Diana-maus, 20. September 2005
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 27. September 2005
  4. :jaja: *zustimm*
    liebe grüße
    gigi
     
  5. Michi72

    Michi72 Gehört zum Inventar

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    Hallo,

    eine sensorische Integration hat meines erachtens auch was mit Wahrnehmungsstörungen und motorische Störung zu tun.Habt ihr ein SPZ(Sozialpädiatrisches Zentrum) in der Nähe???

    Gruss
    Michaela
     
  6. Dazu kann ich Dir folgendes sagen: Ich bin Erzieherin und Mototherapeutin. Eine Erzieherin ist nach dem pädagogischen Ansatz ausgebildet. Ein SI-Therapeut hat eine ganz spezielle Zusatzausbildung. Ich kann ganz kurz erklären, worum es dabei geht. Die Arbeitsgrundlage ist das Gehirn. Der Reiz geht von den afferenten Bahnen(aufsteigend) zu den efferenten Bahnen(absteigend). Auf dem Weg passieren hochkomplexe Prozesse im Gehirn. Im Hirnstamm lagern sich Nervenverbindungen des Vestibularorgans(Gleichgewicht), Bewegungsapparates (Muskeln und Gelenke) und taktile Sinnesorgane an. Das Retikularsystem gibt diese Infos an das KLeinhirn weiter, und es verfeinert, beschleunigt oder verlangsamt die Weiterleitung. Diese Prozesse gehen in noch höhere Ebenen. Dafür ist der SI-Therapeut zuständig. Dabei geht es um die oben genannten Wahrnehmungsprozesse. Sind die tiefliegenden Sinne nicht intakt, können sich die höheren Ebenen nicht entwickeln.Da bei geht es um Raum-Lage-Beziehungen, Stellung der Gelenke, Berührungsreize u.ä. Ich möchte niemandem nahe treten, aber wer traut sich zu, ein Bewegungsverhalten tatsächlich kompetent zu beurteilen? Ich würde von solchen Empfehlungen Abstand halten.
     
  7. Idefix

    Idefix Gehört zum Inventar

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    Hier kann ich nur voll und ganz unterschreiben. Ich bin auch fest der Überzeugung, wenn sich unser KA damals nícht so stur gestellt hätte, wäre Mayleen jetzt schon viel besser dran. Ich bin nur froh, das wir diesen Arzt nicht mehr haben.

    Ich kann Dir aus Erfahrung eine Ergotherapie empfehlen. Sie ist spielerisch aufgebaut und macht den Kindern total viel Spass. (Jedenfalls Mayleen).

    Aber auch ich würde eine Untersuchung in einem SPZ empfehlen. Die Ärzte kennen sich dort sehr gut aus mit Entwicklungsverzögerung.

    Ich bin froh, das ich mit Mayleen diesen Weg gegangen bin, denn jetzt bekommt sie die Förderung, die sie braucht.

    Lass Dich nicht von Deinem Kinderarzt entmutigen. Kämpfe für die Therapie. und wenn es nur zur Probe ist. Manchmal glaube ich, Kinderärzte sehen auch nur das Dollarzeichen in den Augen.

    Wir mussten für Mayleen I-Platz ganze zwei Jahre kämpfen, und es hat sich gelohnt. (O.K., man kann wahrscheinlich Mayleen nicht mit Deinem Sohn vergleichen, wollte das aber nur erwähnen, um mitzuteilen, das man wirklich am Ball bleiben muss und auch ruhig mal um ein Rezept kämpfen kann.

    Liebe Grüße,
     
  8. Vielleicht hatte ich mich nicht ganz glücklich ausgedrückt. Die Erzieherin kann nicht beurteilen, welche Therapieform die geeignete ist. Günstiger, um den natürlichen Bewegungsdrang auszuleben, ist ohnehin die Psychomotorik. Sie ist viel ganzheitlicher angelegt und hat nicht immer den Touch Therapie. Sie wird durchaus auch in Gruppen durchgeführt. Aber besprich das doch mit Deinem KIA nocheinmal.Von "Verwachsen" spricht heute eigentlich keiner mehr. (Zumindest sollte es so sein) Ich wünsche euch alles Gute.
     

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