Emotionale Bindung

Dieses Thema im Forum "Ratgeber" wurde erstellt von Melanie, 11. Oktober 2003.

  1. Hallo,

    ich habe lange nachgedacht, aber so das richtige fällt mir nicht ein, vielleicht könnt ihr mir ja einen Rat geben.

    Fakt ist, ich möchte ein zweites Kind, mein Mann nicht, denn er hat Angst, dass er keine emotionale Bindung zu dem Kind aufnehmen kann. Grund dafür ist sein eigenes Elternhaus, in dem er von seinem Vater keine Liebe bekam.

    Bei Janina hat er auch ein paar Monate gebraucht, um sie zu lieben (das mußte er mir jetzt nach zwei Jahren sagen, denn ich habe es nicht gemerkt). Er ist in die Vaterrolle sehr gut hineingewachsen und ist ein wundervoller Vater (ich hätte mir keinen anderen für Janina wünschen können).

    Nun ist es so, dass er nicht ganz und gar gegen ein weiteres Kind ist, nur hat er halt diese Angst, das er keine Liebe empfinden wird und aus eigener Erfahrungen möchte er dem Kind es nicht antun, zu merken, dass Papa es nicht liebt. Kann ich sehr gut verstehen, aber ich glaube einfach nicht, dass er nicht wieder in seine Rolle hineinwächst. Eine Garantie gibt es natürlich nicht, aber wie kann ich wenigstens versuchen, ihm seine Angst zu nehmen?

    Melanie
     
  2. Hallo

    er hat Angst vor dem was sein könnte ...er hat sehr viel mitmachen muessen und er will es besser machen,bzw die Situation nicht weitergeben muessen ..

    Vieleicht macht er mal ein Gespräch mit einem Psychologen um seine Ängste mal zu analysieren und zu erarbeiten

    Ich denke mal die Angst muss Dein Mann selbst verlieren,ich denke auch nicht das Du da viel machen kannst und die Vergangenheit scheint ihm sehr fest im Herzen zu sitzen

    Macht da mal einen Termin ,vieleicht hat er so die Chance durch geschulte Fragen Antworten und auch Vorschläge anderes an die Situation ranzugehen ..und die Ängste zu lösen

    Ich wünsche Euch viel viel Glück
    Yvonne
     
  3. Hallo Melanie,

    vielleicht hilft es Dir, wenn Du mal versuchst Dich ein wenig in die "Rolle Mann" zu denken. :-?

    Die Gesellschaft ist nach wie vor darauf geprägt, daß der Mann "Herr der Lage ist".

    Männer müßen immer funktionieren, müßen die Familie ernähren können, wichtige entscheidungen treffen und so weiter.

    Männer müßen stark und hart sein.
    :p
    Männer dürfen (durften) keine Gefühle zeigen.......

    Dieses wurde in frühernden Generationen immer so gelebt und so wurden füher die Männer erzogen.

    Der ganze "Kinderkram" war Frauensache.

    Zum Glück haben sich die Zeiten geändert.
    Aber die Menschen z.T. noch nicht.


    Auch ich habe die Zweifel während der zweiten Schwangerschaft meiner Frau gehabt:
    - Kann ich dem Kind(ern) gerecht werden ?
    - Werde ich meine Liebe teilen können ?
    - Schaffe ich das alles ?
    - Bin ich dem Druck gewachsen ?
    - Werde ich meinen Sohn nciht vernächlässigen, wenn das zweite Kind kommt.
    :???:
    Fragen über Fragen.

    Wie soll ein Mann Gefühle zeigen können, wenn die Gesellschaft es nicht zuläßt und er solche nicht erfahren hat.

    Ich kann dazu nur sagen:

    Alles Blödsinn !!!!!!!!!!!!!!!!!


    Es ist Möglich beiden Kindern die gleiche Zuneigung zu Zeigen.
    Es gibt nichts schöneres als die strahlenden Kindergesichter zu
    sehen, wenn Mann nach Hause kommt. :-D :-D

    Mein Sohn kommt mir ganz aufgeregt entgegen "Papa Papa Papa" und zeigt mir voller Stolz irgendein Spielzeug, oder irgendetwas gebautes im Kinderzimmer. Mein Tochter kriegt sich kaum ein vor lachen ( und sabbern :) ) und krabbelt sofort auf mich zu. :-o

    Einen Rat an Deinem Mann: Habe Mut zum Risiko, lerne aus Deinen Erfahrungen und provitiere davon :-? .

    Rede mit Ihm über seine Gefühle und über Deine Gefühle.
    Setze Ihn aber dabei nicht unter Druck. ( Männer schotten sich dabei oft ab.)

    Vielleicht kennt Ihr ja andere Männer ( Familien) mit mehreren Kindern.
    Auch Männer können sich darüber ( beim Bierchen :) ) unterhalten.

    Sollte alles nichts nützen, empfehle ich hier ein Familienberatungsstelle.
    ( ProFamilia oä).

    Welchen Kontakt hat er jetzt zu seinem Vater ?

    Auch der Rat einen Psychologen aufzusuchen, ist nicht verkehrt. Allerdings habe ich in meinem Job die Erfahrung gemacht, das alleine beim Wort " Psychologe " bei den meisten die absolute Panik ausbricht. "Ich bin doch nicht verrückt." ist die häfigste Antwort die ich erhalte.

    Also mit etwas Diplomatie vorgehen.

    Sucht den Kontakt zu anderen und kommt darüber ins Gespräch.

    Viele Grüße

    Björn
     
  4. Ich danke euch für eure Antworten.

    Liebe Yvonne, wie Björn so schön schrieb, hält mein Mann überhaupt nichts von den Irrendoktoren. Er ist eben ein Mann und braucht so etwas nicht. Aber wenn er andere dadurch helfen kann, ließe er sich darauf ein. Aber diesen inneren Kampf möchte ich als allerletzten Schritt wählen, wenn gar nichts mehr hilft.

    Deine Antwort, Björn, fand ich sehr interessant, auch mal die Sicht eines Mannes zu sehen. Ich denke genauso wie du es beschrieben hast und bin der festen Überzeugung, dass er auch für ein weiteres Kind genug Liebe haben wird, hineinwachsen wird.

    Wir können zum Glück sehr gut miteinander reden und er öffnet sich auch, wenn auch nicht immer. Ich werde dann mal wieder auf einen richtigen Zeitpunkt warten, um mit ihm noch einmal über alles zu reden. Ich mache keinen Druck (würde damit das Gegenteil erreichen) und er empfindet es auch nicht so. Und dabei werde ich ihm dann auch dein Posting zeigen, selbst von einem Mann geschrieben.

    Zum Glück haben wir solch Bekannte mit zwei Kindern (zwei sehr aktive Jungs, nicht ohne) und vielleicht ergibt es sich ja mal, dass die beiden Männer mal auf dieses Thema kommen. Beim letzten Grillen haben wir es durch Zufall schon mal leicht angesprochen und auch unser Bekannte hatte diese Ängste. Aber es sind eben Männer, die nicht so gerne über so etwas sprechen.

    Zum Glück habe ich einen Mann an meiner Seite, mit dem ich über all das reden kann, der nicht einfach sagt, nein und ich muss mich damit abfinden. Das Thema ist nicht aufgehoben, nur aufgeschoben.

    Melanie
     
  5. Pilot

    Pilot Bruchpilot

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    Hallo Melanie,

    ich muss sagen, ich hatte diese Aengste auch. (und die Angst, ob ich ueberhaupt der Verantwortung gewachsen bin, ob ich ein guter Vater sein kann etc. etc.)
    Ich bin nun einmal ein absoluter Kopf-Mensch, da passen Gefuehle nicht rein, schon gar nicht das Reden darueber.
    Das musste ich erst lernen. (und lerne immer noch)

    Und die strahlenden Kinderaugen wenn man nach Hause kommt (bzw. die Erzaehlung, dass Ariane schon auf der Treppe auf dem Weg in die Wohnung "Papa, Papa" sagt - und Papa dann nicht findet, weil er in der Hochschule ist)

    Ist schon klasse.

    Die emotionale Bindung eines Vaters zum Kind kann natuerlich nicht ganz so automatisch hergestellt werden wie bei der Mutter - Kind und Mutter kennen sich ja schon 9 Monate laenger.
    Andrea meinte, ich habe mich in der zweiten Schwangerschaft viel weniger um das ungeborene Wesen gekuemmert und so viel weniger fuer diese Bindung getan. Das kann sein, weil ich viel Stress hatte und die zweite Schwangerschaft viel unkomplizierter ablief. (In meinem Kopf war auch nicht sooo viel Platz fuer die Vorstellung, dass das ungeborene Kind so einen intensiven Kontakt mit dem Vater aufbauen kann)
    Aber nach der Geburt wird man auch als Vater die Chance haben. Optimal natuerlich, wenn man etwas Urlaub nehmen kann - ist aber keine Voraussetzung. (Wenn man als Vater oft nicht da ist, freut sich das Kind ueber die wenige gemeinsame Zeit viel mehr und wenn man diese dann intensiv miteinander verbringt, ist das erste Wort dann halt "Papa" und nicht "Mama"! )

    Und Bierchen ist immer ne gute Idee! Ich habe mich vor der Heirat auch mal an einem Abend mit einem (einige jahre aelteren) Freund bei einem (oder mehreren) Bierchen in einer Kneipe zusammengesetzt und wir haben ueber einiges geredet. War sehr hilfreich.

    Nur Mut!
    meint
    Ingo
     
  6. Hallo,

    wie versprochen, der neueste Stand.

    Wir haben wieder geredet. Ich habe eine ganze Menge geredet und weiß gar nicht, ob ich ihm seine Angst nehmen konnte.

    Er stellte mir dann die wichtigste Frage überhaupt, worüber wir eigentlich nie gesprochen haben. Die Frage war nicht, wie nehme ich ihm seine Angst, sondern ganz einfach: Warum möchte ich ein zweites Kind?

    Meine Begründungen, und das war eine Menge, hat ihn überzeugt.

    Und deswegen kann ich jetzt einfach sagen JAAA :bravo: :bravo: :bravo:


    Wir üben dann schon mal und Sex ist ja eigentlich auch ganz nett :-D

    OK, ein Kompromiss musste dann aber doch sein, keine Hausgeburt, davor hat er Angst. Aber damit kann ich gut leben.

    Danke euch für eure aufmunternden Worte.

    Melanie, deren Mann hier auch fleißig mitliest :oops:
     
  7. :bravo: :bravo: :bravo:

    Ich freue mich für euch!!!


    Alles Liebe :rose:
     
  8. turtleblue

    turtleblue Geburtstagsfeenhelferin

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    Hallo,

    dann wünsche ich Dir viel Spaß beim üben :bravo:

    Ich habe auch so einen Mann, der die ganze Zeit sagte, ein Kind ist genug, allerdings ist Tim jetzt erst 13 Monate alt. Seit August habe ich die Pille abgesetzt weil ich sie nicht mehr vertragen habe und brav Kondome gekauft, schließlich kann der Herr ja auch was für die Verhütung tun.

    Inzwischen hat er nichts mehr gegen ein zweites Kind, und vielleicht ist es bei uns ja bald soweit, ich warte schliesslich schon 3 Tage auf mein monatliches Übel. Er freut sich auch schon drauf, auf seine Art eben.

    LG
     

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