Ein Zwiegespräch, Christian Vielhaber

Dieses Thema im Forum "Gedichte & Gedanken" wurde erstellt von gabriela, 21. Juni 2002.

  1. A: Worüber willst Du Dich beklagen,
    ich hätte Dich als Kind geschlagen
    und das zumeist noch ohne Grund
    auf Finger, Rücken, Kopf und Mund?

    Du sagst, ich hätte Dich gequält,
    nein, Dir hat es an nichts gefehlt,
    doch warst Du, wie man das so nennt
    schon als Kind höchst renitent,

    hast Deine Launen ausgelebt
    und selbst, wenn ich vor Zorn gebebt,
    hast keine Rücksicht Du genommen, 
    bis derart ich in Rage gekommen,

    daß mein Entschluß war, drauf zu dringen,
    Dir Benehmen beizubringen.
    Jawohl, da hab ich hingeknallt,
    bloß niemals nenn ich das Gewalt.

    Ein bißchen schlagen, ja, bitte schön,
    doch jeder wird das gut verstehn, 
    wenn Kinder Regeln grob verletzen,
    dann muß man ihnen Grenzen setzen.

    B: Dazu möcht ich nicht länger schweigen,
    Grenzen kann man anders zeigen.
    Weißt Du, wie ich mich gefühlt,
    wenn Du Dich an mir abgekühlt?
    Du warst für mich der große Held,
    der liebste Mensch der ganzen Welt: 
    ich hab Dich immer angestrahlt,
    hab Zeichnungen von Dir gemalt,
    hab mich nach Deiner Hand gesehnt,
    an Deinen Rücken mich gelehnt
    und meine Hände ungezwungen
    ganz fest um Deinen Hals geschlungen
    bis zu diesem einen Tag, 
    den ich nicht vergessen mag -
    ich habe Dich so nicht gekannt,
    hab nur entsetzt und unverwandt
    Dich angesehn mit tausend Fragen:
    Du hast mir in`s Gesicht geschlagen!?
    Der Grund er war bedeutungslos,
    doch meine Angst war riesengroß
    und was am meisten mich entsetzt,
    mein Glaube war zutiefst verletzt.
    Ich glaubte, und ich sag's ganz frei,
    daß ich für Dich ein Wunder sei.
    Es war als ob ein Traum zerbricht,
    denn Wunder, bitte, schlägt man nicht
    und wenn, das scheint wohl sonnenklar,
    dann ist kein Kind mehr wunderbar
     
  2. Yel

    Yel

    Hi Gabriela...

    der Text ist wirklich stark.......da musste ich echt schlucken.

    Liebe Grüße
    Yel
     
  3. Leonie

    Leonie Familienmitglied

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    :bravo: :bravo: :bravo: :bravo:
    Danke für das schöne Gedicht, Gabriela!!!
    LG Leonie
     
  4. hallo yel,

    ich hoffe ich habe nicht schon wieder jemand schockiert :-?

    ich musste dabei weinen. als gedicht ist nichts besonderes, aber inhaltlich hat mich sehr gerührt :-(

    liebe grüsse,
     
  5. *Schluck*

    Stimmt wirklich, das mit dem Wunder, nur man vergisst es manchmal zuuuu leicht und das sollte man nie nie nie!!

    Ich werde mir dieses Gedicht immer vor Augen halten, wenn mein Sohn mal wieder eine Stunde am Stück schreit und brüllt und nicht schlafen will und ich ihn am liebsten ganz fest zwicken würde!

    Ich liebe ihn und er ist das größte und schönste Geschenk meines Lebens, das werde ich nie vergessen
     
  6. Petra

    Petra desperate housewife

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    Schön gesagt, Jasmin :jaja: :-(
     
  7. meli19

    meli19 Familienmitglied

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    hallo!
    mich hat dieser text auch sehr gerührt da ist schon was dran an den text und ich werde ihn mir auch vor augen halten wen ich mal wieder fast am ausflippen bin .
    gruss meli
     
  8. Ja, bei diesen Zeilen kommt man ins Grübeln.
    Leider bin ich selbst mit viel Schläge großgeworden, was in mir natürlich den Grundsatz geprägt hat, meine Erziehung niemals SO aufzubauen.
    Bin gespannt, ob es mir gelingt :???: Fest vorgenommen hab ich es mir auf jeden Fall!

    Liebe Grüße
     

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