Ein paar Gedanken...

Dieses Thema im Forum "Rund um die Erziehung" wurde erstellt von Anthea, 26. November 2004.

  1. Anthea

    Anthea die-mit-dem-Buch-wandert

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    Hallöchen...

    Auch auf die Gefahr hin, mich in die Nesseln zu setzen: Viele Beiträge, die ich mir so durchlese erscheinen mir klar und logisch, aber dennoch hab ich manchmal das Gefühl, die Super-Nanny sprechen zu hören. Vielleicht bin ich ein bißl überempfindlich, weil wir im Haus einen Kiga mit Anti-Autoritären Erziehungsmethoden haben (da hätte ich schon manchem Elternteil in den Allerwertesten treten mögen).

    Was zum Teufel haben unsere Eltern in unserer Erziehung so falsch gemacht das wir nicht einfach nach Gefühl handeln, sondern Triple-P, Super-Nanny-Methoden oder sonstwas auspacken müssen? Unsere Eltern hatten den ganzen Kram doch auch nicht und haben uns trotzdem gut groß bekommen. O.K., es gibt ein bis zwei Sachen, in denen ich meine Eltern stark kritisiere (meine "Eßstörung" verdanke ich wohl den "Neckereien" meiner Mutter), aber meistens haben sie ihre Sache doch gut gemacht, auch ohne I-Net und diverse Erziehungs-Ratgeber.

    Und wenn ich mir dann so anschaue, was in "freier Wildbahn" an Erziehung rumläuft, dann sehne ich zum Teil die "alten" Zeiten herbei. Und damit meine ich nicht Schläge oder sonstiges. Ich hab in meinem ganzen Leben nur einmal "Schläge" von meinen Eltern kassiert (siehe den Kindergarten-Zuspätkomm-Thread) und habe dennoch Respekt vor Älteren (auch wenn ich manchen Senioren im Bus erwürgen könnte), vor Behinderten und wie ich hoffe halbwegs gutes Benehmen gelernt.

    Und ich erziehe Jana genau so, wie ich erzogen wurde: Intuitiv. Klar wende ich automatisch diverse Tips an, aber ich denke nicht groß vorher nach: wie gehe ich jetzt mit der Situation um. Ich hoffe, ihr steigt durch das etwas wirre Geschreibsel (Männe lenkt gerade ab)...

    Liebe Grüße,
    Karin
     
  2. La Bimme

    La Bimme Leseratte
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    AW: Ein paar Gedanken...

    Ähm, nee, so ganz nicht. Wo hörst Du die Super-Nanni, wenn Du mit einem anti-autoritären KiGa zu tun hast?

    Aber wenn ich Dich richtig verstehe, meinst Du im Großen und Ganzen, dass man Erziehung nicht zu intellektuell angehen sollte.

    Für mich besteht schon ein Unterschied zwischen Theorienwälzen und Selbstreflexion (auch wenn ersteres für zweiteres Anregungen liefern kann). Ohne ersteres kann man wahrscheinlich gut auskommen. Ohne zweiteres vielleicht auch, aber besser wird die Welt nicht davon. Und verbesserungswürdig findet sie doch wahrscheinlich jeder, auch wenn er sich selber im Großen und Ganzen in Ordnung findet.

    Was ich oft denke, ist, warum wir uns nur, wenn es um Erziehungsstile geht, so oft darüber unterhalten, ob wir uns jetzt zu viel oder zu wenig Gedanken machen.
    Denn alles, was man für einen guten und gesunden Umgang mit Kindern braucht, sind doch Dinge, die für alle mitmenschlichen Beziehungen gelten, auch die zwischen Erwachsenen:
    Respekt, Wohlwollen, Einfühlung, Konfliktfähigkeit, Kreativität, Grenzen wahrnehmen und achten (fremde wie eigene), Verantwortung übernehmen oder überlassen....

    Ich finde, alles, was man für den Umgang mit Kindern braucht, braucht man auch für den Umgang mit Erwachsenen und umgekehrt. Und wenn wir uns mal umschauen, wie es uns mit unseren Kollegen, Nachbarn, Verwandten, Bekannten, Partnern, Freunden geht, dann fallen zumindest mir viele Sachen ein, die ich mir anders und freundlicher wünsche. Wie viele Erwachsene gehen zu Beratungen, um zu lernen, wie man miteinander redet, ohne sich permanent zu verletzen! Wo ist denn da die "Intuition", die wir angeblich von unseren Eltern mitbekommen haben? Und warum soll der "intuitive Umgang" unseren Kindern gegenüber automatisch besser funktionieren, wenn wir Erwachsenen untereinander es oft nicht hinkriegen?

    Wenn ich mir so anschaue, was in freier Wildbahn zwischen Erwachsenen abläuft und auch schon vor 30 Jahren (der generation unserer Eltern) abgelaufen ist, dann kann ich an Selbstreflexion nichts Schlechtes finden.

    War ich jetzt auch zu wirr? Ist schon etwas spät....

    Liebe Grüße
     
  3. AW: Ein paar Gedanken...

    Der "intuitive Umgang" mit was auch immer führt meistens dazu, dass die gleichen Muster immerzu wiederholt werden. Wenn das Vorbild in Ordnung war, ist das ok, hatte es "Macken", ist es gefährlich. Selbstreflektion und Sich-darüber-austauschen finde ich deshalb erst mal positiv. Ok, bei manchen führt die Beschäftigung mit zu vielen Ratgebern zu einem "das probiere ich jetzt sofort mal aus", das kann auch unangenehm werden für das jeweilige "Versuchsobjekt". :-? Da muß wohl jeder seinen Weg finden.

    Liebe Grüße
     
  4. AW: Ein paar Gedanken...

    Hallo

    Hmm ich lese eigentlich eher das Gegenteil hier im Erziehungsforum.

    Ich für mich kann nur sagen, je grösser die Kinder werden, umso schwieriger wird die Erziehung. Bei einem Baby oder Kleinkind ist es noch einfach, find ich. Später kommen so viele Einflüsse aufs Kind zu auch aus der Schule, Kollegen usw.

    Meine Grosse ist erst 8J alt, bin gespannt auf die Pubertät.

    Meine Eltern haben ihre Sache sicher nicht schlecht gemacht, aber es gibt trotzdem eine ganze Menge, die ich ganz anders machen will und auch tue. Meine Kinder sollen das Elternhaus mit Selbstvertrauen verlassen können, und nicht so ein Selbstvertrauen loses Ding sein, wie ich es war :(.

    Liebe Grüsse

    Rachel
     
  5. Jacqueline

    Jacqueline Ohneha mit der Lizenz zum Löschen
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    AW: Ein paar Gedanken...

    Hallo Karin,

    als mein erstes Kind ein Baby und danach ein Kleinkind war, da konnte ich auch nicht verstehen, dass man Kurse und Erziehungsbücher braucht, denn es lief alles so wunderbar. Im Nachhinein würde ich sagen, er war einfach ein pflegeleichtes Kind.

    Doch irgendwann fingen die Schwierigkeiten an. Auf einmal hatte ich statt diesem sonnigen, verständigen Wesen ein kleines Zornbündel, das mit sich und der Welt überhaupt nicht klar kam, das überall aneckte, das uns jeden Tag zum Gang durch ein Minenfeld machte.
    Was tat ich also? Was Mütter immer tun, wenn etwas schief läuft - ich habe den Fehler im Programm bei mir gesucht, habe alle möglichen Erziehungsbücher gelesen und versucht umzusetzen - leider erfolglos. Das Kind wütete weiter und war auf einer Abwärtsspirale von Frust - Versagen - Zurückweisung usw. - und ich fand keinen Weg mehr da raus, meine intuitive Erziehung reichte NICHT für dieses Kind.

    Was ich damit sagen möchte?
    Es kann sein, dass man das Glück hat, ein Kind zu haben, welches mit dem, was man intuitiv macht, klar kommt und es rund läuft. Es kann aber auch sein, dass man selber in alten Verhaltensmustern steckt, die Intuition angeschlagen ist, das Kind vielleicht nicht einfach ist - und dann ist es ein Segen, wenn man sich informieren kann, wie man es angehen könnte, wo der Knackpunkt ist.

    Und - ich würde gerne diese Diskussion mit Dir in ein paar Jahren noch einmal führen - es könnte doch glatt sein, dass Du das dann auch anders siehst :)

    Liebe Grüsse, Jacqueline
    ( die sich niemals zu gut ist, um neue Denkanstösse mitzunehmen)
     
  6. Jill A.L.

    Jill A.L. Dauerschnullerer

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    AW: Ein paar Gedanken...

    Hallo,

    So ein bischen Recht geb ich Dir. Über Erziehung zu theoretisieren und die tiefsten psychischen Eventualitäten zu bedenken, geht bei vielen sicher auch nach hinten los.
    Unsere Eltern haben uns gut groß bekommen? Mmh jein. Ich hätte mir manches anders gewünscht. Ich war ein Einzelkind, das definitiv manchmal einfach zuviel Aufmerksamkeit und Kontrolle abbekam und darunter gelitten hat.
    Viele andere Kinder in meinem Alter bekamen Schläge. Die Eltern waren wohl auch einfach überfordert mit der Situation, oder sie kannten es eben nicht anders wiederum von ihren Eltern.

    ICh hab mir auch erst diese Woche einen Erziehungsratgeber gekauft (Dreikurs/Soltz "Kinder fordern uns heraus"), obwohl ich diesen Dingern auch skeptisch gegenüber stehe/stand. Und da stand tatsächlich was sehr wichtiges schon auf den ersten Seiten. Es war so der Aha-Effekt, warum soviel über die richtige Erziehung diskutiert wird und auch werden muß. Dann sehnst du dich auch garantiert nicht mehr nach der guten alten Zeit.

    Wenn ich das Buch gelesen und verstanden habe, kann ich hoffentlich besser und sicherer intuitiv erziehen.

    Gruß
    Jill

    PS: Das Buch ist auch nicht sehr teuer
     
  7. Cornelia

    Cornelia Ex-Exilfriesin

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    AW: Ein paar Gedanken...

    Hallo,

    so ein bißchen verstehe ich schon, was Karin meint.

    Information ist gut und richtig, nur wenn ein Ratgeber zum einzig Wahren erklärt wird, dann fangen bei mir die Bedenken an. Ein Kind soll Indivuell und selbständig und selbstbewußt und was weiß ich werden - und das ganze nach Schema F. Das kann in meinen Augen nichs werden. Jedes Kind, jeder Erwachsene und jede Situation ist anders - da kann ein Buch nicht auf alles eine Antwort haben.

    Ich informiere mich auch, verlasse mich auch aber nicht nur auf Intuition sondern wenn ich nicht weiter komme oder/und eine Erklärung brauche, lese ich und überlege, ob ich es für uns umsetzen kann. Da mag es in dem einen Buch einen guten Ansatz geben - der Rest ist dann aber nicht umsetzbar.

    Wie in einen anderen Thread schon mal geschreiben wurde: in Ratgebern ist oft nur eine Optimallösung vorgeben - was ist, wenn die nicht funzt? Aus diesem Grunde mag ich mich in diese Bücher auch nicht so vertiefen - Anregungen holen ja -aber nicht mehr. Man muss meiner Meinung nach flexibel in seinen Auffassungen und Ansichten sein, damit man sich schneller aund einfacher an neue Situationen anpassen kann. Eine Grundlinie ja - aber nicht starr.

    So, das war der nächste wirre Beitrag zu diesem Thema... ;-)

    :winke:

    Conny
     
  8. Miriam78

    Miriam78 Familienmitglied

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    AW: Ein paar Gedanken...

    was ich von der intuitiven Seite mitnehme sind oft Denkanstöße vom Herzen. Oft habe ich in kritischen Situationen einfach eine Idee im Kopf, was es sein könnte. Und das nehme ich dann schon in einer ruhigeren Minuten wieder auf und oft ist das der erste Schritt zur Lösung.

    Unsere Eltern hatten es da aber auch auf einem Gebiet ein bißchen leichter: die Familien waren größer, die Vorbilder, bei denen man sich etwas abschauen konnte, vielfältiger und vor allem erfahrener. Wieoft denke ich mir, Mensch beim 2. Kind weißt Du schon ne ganze menge mehr...

    Daß unsere Elteren uns aber gut großbekommen hätten - das kann ich nicht unterschreiben. Mein Vater hat mich geschlagen, meine Mutter war erst als ich 14 war so stark, die Trennung zuzulassen. Sie trägt heute ncoh soviel Schmerz aus ihrer Geschichte mit sich rum, da konnte die intuitive Erziehung nur schief gehen.

    Großbekommen haben sie uns - eben mal mit mehr, mal mit weniger Wunden. Diese Anzahl zu reduzieren - allem voran durch Selbstreflektion - ist ein heres Ziel, das meine volle Unterstützung hat. Dabei helfen aber auch der Austausch mit anderen Müttern (weil aus der Praxis) und eben die ein oder andere Idee aus einem Erziehungsbuch. Diese aber nach SChema F zu verfolgen und nicht mehr mitdenken halte ich - wie viele von Euch - für falsch.
     

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