diskussionswürdig

Dieses Thema im Forum "Schlafprobleme" wurde erstellt von gigi, 21. August 2005.

  1. http://www.continuum-concept.de/lied7.htm

    ich habe vor ca 20 jahren von

    Jean Liedloff
    das buch: Auf der Suche nach dem verlorenen Glück

    gelesen davon bliebe mir eine sehr dramatische beschreibung
    im kopf hängen, wie ein baby sich fühlt wenn es alleine im zimmer sein muß.
    dannach habe ich im internet gesucht und fand dabei den oben angeführten link.
    ich habe schon damals nicht 100% mit Lidloff übereingestimmt und stimme auch nicht 100% mit dem artikel dieses links überein.
    aber beides enthält unendlich wertvolle denkanregungen für eltern!:prima:

    liebe grüße
    gigi

    PS: dieses posting hier habe ich deshalb eröffnet, weil mich einige postings der letzten zeit in diesem forum hier, traurig und nachdenklich gemacht haben.
     
  2. Rina

    Rina Miss Brasilia

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    Hallo Gigi,

    ich habe das Buch auch gelesen - als ich mit unserem 1. Kind schwanger war und habe mir viel davon angenommen und oft darüber nachgedacht.

    Obwohl ich sagen muß, daß ich das Buch an sich sehr schwer zu lesen fand und der Meinung bin, daß man die Gesamtaussage auch in einem Kapitel hätte schreiben können.

    Viele Grüße
    Corinna
     
  3. Liebe Gigi,

    vieles der erwähnten Thesen in dem Buch finde ich nachvollziehbar - wenn auch längst nicht alles. Generell denke cih, ist ein liebevoler, sanfter, zärtlicher Umgang mit den Kindern schon das beste, was man tun kann.

    Die Kontinuum-These dagegen halte ich für Mythos - das "Naturvölker" den sanfteren Umgang mit sich, mit der Kreatur und mit der Natur überhaupt erfunden hätten, stimmt nicht.

    Aggression gehört zum menschen dazu wie der Tag zur Nacht. aggression ist eine der wichtigsten Triebfedern des menschen - auch der Lebensretter, der die Tür einschlägt, um einen menschen aus dem brennenden Haus zu ziehen, handelt aggressiv - eben "anpackend". Dass es in früheren Kulturen "netter, sanfter, liebevoller" zugegangen wäre, als in den so verunglimpften "zivilisierten" Kulturen, ist längst wiederlegt. Der anteil von gewaltsam zu Tode gekommenen Naturvolkangehörigen ist höher, als in unserer zivilisierten Welt - ebenso, wie in den "guten alten zeiten" der Umgang des Menschen mit den menschen rauher war - brauche nur das beispiel todesstrafe, folter, körpersterafen zu erwähnen.

    Aber, obwohl der Aufhänger der ARtikels / Buches für mich romantischer Unfug ist, halte ich einen Großteil, wenn auch längst nicht alles, (man braucht nicht ALLE technischen Lösungen für Fragen der Babypflege, -ernährung und Unterbringung zu verdammen, und es bleibt immer noch genug liebevoller Umgang mit dem Kind übrig) der Schlussfolgerungen für sehr richtig.

    Gute Nacht, Jana
     
  4. @Corinna,

    stimmt!
    ich habe mir auch sehr schwer getan beim lesen, vorallem am anfang
    war es sehr *sperrig zu lesen*, aber aufhören zu lesen wollte ich es auch nicht.
    das hatte ich schon wieder vergessen, das ich mich über die ersten seiten eher gequält habe.
    dieses buch habe ich als sehr, sehr emotional geschrieben in erinnerung.
    daher wahrscheinlich auch dein eindruck von weitschweifigkeit.

    liebe grüße
    gigi
     
  5. liebe grüße
    gigi
     
  6. Rina

    Rina Miss Brasilia

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    Hallo Gigi,

    ich habe letzte Nacht nochmal über das Buch nachgedacht. Es ist mittlerweile auch 5 Jahre her, daß ich es gelesen haben.

    Ich muß allerdings sagen, daß ich mir viel daraus angenommen habe und auch froh bin darüber. Leider kann man mit wenigen Personen darüber sprechen, da man oft auf Unverständnis stößt. Die "alte Schule" sitzt einfach zu tief. Ich mußte lernen, daß jeder auf seine Art und Weise mit seinem Baby umgeht und seinen eigenen Weg gehen muß.

    Ich habe gerade vor 2 Wochen angefangen, mit einer alten Schulfreundin, die gerade vor 3 Monaten Mama geworden ist, über das Thema zu sprechen. Mußte aber abbrechen, da es für Sie nie in Frage kommen würde, das Kind viel zu tragen und dem Baby viel Nähe zu geben. Ihre Mutter hat es bei ihr schließlich auch nicht getan und aus ihr ist auch etwas geworden. Was will man dazu noch sagen.

    Auf jeden Fall hat es meinen beiden Süßen gut getan und es tut ihnen immer noch gut und meinem Rücken geht es schlecht. Aber ich habe ein gutes Gewissen und meine Kinder sind fähig die Liebe, die ich ihnen gebe, mir doppelt zurückzugeben.

    Liebe Grüße
    Corinna
     
  7. Danke, Gigi für den Link! Ist tatsächlich was zum Nachdenken. 100%ig zustimmen würde ich Lidloff auch nicht, aber viele Ansichten teile ich.

    Was ich bei dem Kontinuum-Konzept etwas kritikwürdig finde, ist z.B. der Punkt mit dem "24 Stunden Körperkontakt". Ich denke, es ist ganz wichtig, dass auch ein Baby selbst bestimmen darf, wann es Körperkonktakt wünscht und wann nicht. Das man sich also an den Bedürfnissen des Kindes orientiert und nicht an Lidloffs Ansichten ;-) . Damit widerspricht sie sich quasi auch selber ein bischen. (siehe unten, 2ter Punkt!)

    Ich persönlich mag das Konzept der "Elterlichen Feinfühligkeit" aus der Bindungstheorie viel lieber. Es wurde auch aufgrund von ethologischen Beobachtungen von Mary Ainsworth beschrieben. Im Wesentlichen umfasst dieses Konzept, für die Kommunikation zwischen Mutter und Baby, 4 Punkte:

    1. die Wahrnehmung des Befindens des Säuglings, d.h. die Mutter hat das Baby "im Blick", ist geistig anwesend und hat keine zu hohe Wahrnehmungsschwelle

    2. die "richtige" Interpretation der Signale des Babys aus seiner Sicht und gemäß seinem Befinden, und nicht gefärbt durch die eigenen Bedürfnisse der Mutter

    (hier grenzt sich das Konzept der "Feinfühligkeit" auch von Dogmen und Erziehungsrezepten ab)

    3. eine "prompte" Reaktion, damit der Säugling einen Zusammenhang zw. seinem Verhalten und der Mütterlichen Reaktion herstellen kann. Eine prompte Reaktion vermittelt ein Gefühl von "Selbstwirksamkeit" seines Verhaltens, im Gegensatz zur Hilflosigkeit, wenn das Verhalten "nutzlos" ist und

    4. die "Angemessenheit" der Reaktion, die dem Säugling gibt was er braucht. Die Angemessenheit des mütterlichen Verhaltens, ändert sich mit der Entwicklung des Kindes

    (hier kann man wieder mit Liedloff vergleichen "Tue nichts, was das Kind nicht selbst tun kann...")

    Im Grunde gibt es hier zu Liedloff einige Parallelen, aber z.b. den 2ten Punkt sehe ich nicht überall verwirklicht. Das ist mir zu einseitig, denn das Baby sollte letzendlich gemäß seinen Verantwortungsbereichen bestimmen. In diese Bereiche gehören für mich zumindest die Grundbedürfnisse (Hunger, Schlaf, Körperkontakt usw.). Darüber trägt ein Baby von Anfang an Selbstverantwortung, wobei es an den Eltern liegt auf die Signale des Kindes diesbezüglich einzugehen damit das natürliche Gefüge nicht aus den Fugen gerät.

    lg, Johanna
     
  8. :prima: danke!

    liebe grüße
    gigi
     

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