Angst vor anderen Kinder

Dieses Thema im Forum "Rund um die Erziehung" wurde erstellt von 5MädelHaus, 11. Oktober 2005.

  1. Hallo zusammen

    Das Nachbarskind ist 1 Jahr jünger als Aurélie und sehr pfiffig. Aurélie möchte - wenn sie eine Beziehung eingeht - auf Kinder zugehen können, zu ihrem Tempo. Wenn Kinder zu wild auf sie zugehen, kriegt sie Angst und schreit los. Da Aurélie sich verbal auch nicht so gut äussern kann, sagt sie dann auch nicht "nein das möchte ich nicht", sondern schreit.

    So weit so gut.

    Jetzt ist das dieses Mädchen der Nachbarin, das genau geschnallt hat, dass Aurélie Angst hat. Das Mädchen kommt dann her, und tippt sie zuerst mit dem Zeigefinger an. Aurélie schreit. Das Mädchen schubst. Aurélie schreit noch mehr. Das Mädchen schubst dann so stark, dass Aurélie rückwärts fällt.

    So, und nun anstatt dass die Mutter ihrem Mädchen zu verstehen gibt, dass das nicht OK ist, sagt sie einfach dass Aurélie eine Mimose ist, und dass ihr Kind ihr wohl mal wieder zu nahe gekommen ist.

    Ich bin da sehr zwiegespalten. Einerseits denk ich ja, Aurélie könnte auch etwas weniger empfindlich sein. Ein "nein" könnte sie rein sprachlich auch über die Lippen bringen. Andererseits finde ich, dass Aurélies Wunsch nach Distanz auch in einem gewissen Massen respektiert werden sollte. Und piesaken, find ich schon gar nicht in Ordnung.

    Wie würdet Ihr da reagieren. Ich hab bis anhin mein Kind "geschützt". Allerdings, möchte ich ihr auch nicht jeden Konflikt abnehmen. Irgendwie würde ich mir auch etwas zusammenarbeit zwischen uns beiden Mütter wünschen, um die beiden Mädels - die sich jeden Tag auf der Strasse treffen -unter einen Hut zu bringen. Wie gehe ich auf die Mutter zu ? Einfach nur zu denken, dass die Kinder das unter sich selber lösen sollen, wenn eins sichtlich den kürzeren Zeit (einfach vom Typus her, vom Alter mal abgsehen) finde ich zu einfach.

    Liebe Grüsse

    Rachel
     
  2. nici

    nici keiner Titel

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    Hallo Rachel,

    Luca hat das jetzt im Kindergarten lernen müssen. Er brauchte auch eher seinen Abstand. Aber inmitten von 48 Kindern, da geht das mit dem Abstand etc nicht wirklich gut. Und er hatte lange Zeit "Angst" in den Kindergarten zu gehen. Weil er erst lernen und üben mußte, seine Grenzen zu verteidigen. Vielleicht auch erstmal die eigenen Grenzen überhaupt zu erkennen.

    Am Anfang hat er mir sehr leid getan und ich hab die ganze Zeit überlegt wie ich ihm helfen könnte. Ich und die Erzieherinnen wir haben ihm dann immer und immer wieder gesagt, er muß laut "nein" sagen, wenn er was nicht will und er darf sich auf jeden Fall wehren, wenn das "nein" sagen keinen gewünschten Erfolg bringt. Er darf auch zurück schubsen. Das ist ok.

    Nun, Luca hat es geübt, das auerte ne ganze Weile. Und in der Zwischenzeit hab ch beobachtet macht er das sehr gut (wenn auch die anderen Kinder nicht immer drauf reagieren).

    Ich denke, unsere Kinder werden in ihrem Leben immer auf andere Menschen treffen, die ihnen nicht nur Gutes wollen. Ich werde mein Kind nicht immer beschützen können. Und ich kann nicht erwarten, daß der Rest der Welt immer Rücksicht auf mein Kind nimmt. Aber ich kann versuchen, ihm "beizubringen" sich selbst zu helfen, sich zu verteidigen, selbstbewußt zu sein. Das geht nicht von heute auf morgen, aber langsam und stetig.

    Lieben Gruß
    Nici
     
  3. Hallo Nici

    Danke für die Antwort. Das sehe ich grundsätzlich auch so.

    In der Praxis, wurde das also heissen: ich sehe erstmal zu, und sage Aurélie sie soll laut "nein" sagen. Das habe ich auch gemacht. Bis jetzt hat sie das nicht geschafft, nein zu sagen.

    Angenommen, Aurélie schafft es, das Mädchen reagiert dann nicht, dann soll ich sagen "dann schubs zurück" versteh ich Dich richtig ? ich muss sie ja "instruieren" was sie tun darf, von alleine schubst sie nicht, jedenfalls hat sie es noch nie getan.

    Das probier ich mal aus, ich bin aber gespannt, wie die andere Mutter reagiert, wenn ich Aurélie rate zu schubsen (vorausgesetzt das nein wurde nicht respektiert).

    Liebe Grüsse

    Rachel
     
    #3 5MädelHaus, 11. Oktober 2005
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 11. Oktober 2005
  4. Ach ja, ich vergass zu erwähnen, dass besagtes Mädchen ab in 2 Wochen jeden Dienstag nachmittag hier verbringen wird (ihre Mutter arbeitet dann)

    Liebe Grüsse

    Rachel
     
  5. nici

    nici keiner Titel

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    Ja, Rachel, ich finde schon, daß Aurelie wissen soll, daß es richtig und wichtig ist sich zu wehren. Und ich finde auch, daß das andere Mädchen durchaus erfahren kann wie es sich anfühlt geschubst zu werden.

    Und ich weiß auch, daß es seine Zeit braucht mit dem Üben und Umsetzen, aber irgendwann machts "klick".

    Gerade wenn das andere Mädchen in Zukunft öfter bei euch ist, wird wichtig, daß die beiden auch Dinge miteinander ausmachen können.

    Ach so: ich komme nicht umhin jetzt auch manchmal zu beobachten, daß Luca andere "grundlos" schubst oder ärgert. Aber ich denke auch das gehört zu diesem "Lernen" dazu. Wenn ich das sehe, nehme ich ihn zur Seite und erkläre, daß man andere Kinder nicht ärgert, haut oder schubst, weil er selbst weiß wie gemein das ist und daß man dann Angst bekommt. Und ich erkläre nochmal den Unterschied zwischen "sich wehren müssen und können" und "andere piesacken".
     
  6. Hallo Nici

    Ich werds mal so probieren. Bis anhin war mir das etwas fremd "gleiches mit gleichem" zu vergelten, weil ich weiss, dass so einen harmloses Stubsstreit auch eskalieren kann, und gefährlich werden kann. Ich sage nur: Mélinas Auge und das Mikado-Stäbchen.

    ABer es kanns natürlich auch nicht sein, dass immer dasselbe Kind einstecken muss.

    Liebe Grüsse

    Rachel
     
  7. nici

    nici keiner Titel

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    Um das nochmal klar zu sagen: ich finde erst gehört das "nein" geübt, "laß mich" "ich will das nicht" .... aber wenn das nicht fruchtet, dann kann man auch zurück schubsen.
     
  8. Ja schon klar. ich werde das mit ihr üben. Ich erhoffe mir auch ein bisschen, dass wenn das Mädchen regelemässig hier ist, Aurélie sich dann auch eher traut nein zu sagen, weil sie dann auch "heimvorteil" hat. Aurélie ist ein totales Gewohnheitstier.

    Liebe Grüsse

    Rachel
     

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