Agressionen - wie geh ich noch damit um??

Dieses Thema im Forum "Rund um die Erziehung" wurde erstellt von MagicMoments, 14. März 2005.

  1. Hallo Ihr Lieben,

    bisher war Justy - bis auf wirklich kleine Ausnahmen - total umgänglich.

    Seit ca. 5 Wochen ist aber bei uns die Hölle los:

    Alles wird nur noch geschmissen, egal ob Telefone, Fernbedienungen, Töpfe usw.
    Wenn wir dann alles "Gefährliche" wegräumen, dann fliegen halt Bücher, Spielzeug, Schuhe und Getränkebecher durch die Gegend.

    Es wird mit vollem Anlauf gegen den Fernseher gelaufen, dass uns der beinah schonmal runtergekippt wäre (ist im übrigen egal, ob "sein BingUndBong" gerade läuft oder der Kasten aus ist).

    Er akzeptiert kein NEIN mehr, keine Erklärungen, keine Bitten - einfach NIX!

    Bittet man ihn, ein geschmissenes Teil aufzuheben und aufzuräumen, fliegt es gleich nochmal.
    Wenn man ihm etwas hinhält, wird es erst mal genommen und geschmissen. Ebenfalls egal, ob es ein Gummibär (man will ihm ja auch Gutes) oder ein Legostein ist.

    Jetzt hab ich mich durch viele Bücher gelesen, sämtliche Regeln und Tips ausprobiert und komm nicht weiter.

    Gerade eben hat er wieder mit Lego um sich geschmissen - einfach so - wir hatten gerade gespielt und aufeinmal fliegt alles.

    Weitere Agressionen:
    - um sich schlagen
    - Bobbycar auf Spielzeug krachen lassen (geht natürlich kaputt)
    - bei Erklärungen auch uns schlagen

    Schön langsam geht hier bei uns alles zu Bruch und ich weiss nicht, woher das kommt.

    Kann es sein, dass es ihm zuviel Hektik ist? Christian hat sein Büro bei uns im Haus und ständig klingelt (wenn auch im Büro) das Telefon. Sein Papa läuft auch immer zwischen Büro und Wohnung hin- und her.
    Kann es auch sein, dass ich eben durch das Verhalten so gestresst bin, dass ich soviel Unruhe und Unsicherheit ausstrahle, dass Justy macht was er will?
    Oder sind wir beide Eltern aufgrund des Bürostresses einfach zu sehr genervt und fühlt sich Justy nicht richtig beachtet?

    Ich hab Angst, dass mir bald mal die Hand ausrutscht - dass er eine auf seine Finger bekommt.

    Wie soll ich reagieren? Woher kommt das? Was kann ich ändern?

    Verzweifelte Grüße von
    Sandy, die derzeit "erziehungstechnisch" wohl voll versagt.
     
  2. Silly

    Silly Moni, das Bodenseeungeheuer

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    Hallo Sandy,

    erst einmal: Du versagst nicht!!!!! Du setzt Justy Grenzen - und das ist gut so. Du sagst ihm wo es lang geht. Nur das Problem: der akzeptiert diese Grenzen momentan nicht.

    Ich würde mal, frei von der Seele weg, behaupten, daß Euer Justy mitten in einer wunderbaren :-D Trotzphase steckt.

    Ich würde Dir vorschlagen: wenn er anfängt die Sache rumzuwerfen (egal was es auch ist) - bitte ihm das wieder aufzuheben. Kommt er dieser Forderung nicht nach ( auch mit Dir gemeinsam nicht!) dann räume diese Dinge so weg, daß er nicht mehr drankommt. Nimm ihm wenn nötig das Spielzeug weg! Und keine Panik, er findet schon was zum Spielen (und wenn es nur ein Kochlöffel ist) - Kinder sind in dieser Erziehung sehr erfinderisch.
    Wichtig finde ich in solchen Situationen immer, daß man sich auf die Ebene der Kinder begibt (also auf den Boden setzen o.ä.) .
    Versuche einfach ruhig zu bleiben, auch wenn er wieder was durch die Gegend pfeffert.
    Vielleicht kannst Du ihn ja auch verblüffen, in dem Du plötzlich mal ganz anders reagiert. Mach doch mal den Legoweitwurf mit ("komm, mal sehn wer weiter werfen kann - und danach wird aufgeräumt")

    Wenn er das Bobbycar auf die Spielsachen krachen lässt, räum das Bobbycar weg! Erkläre ihm warum - und sag ihm, daß das Bobbycar jetzt eine Auszeit braucht (für meinetwegen 2 Tage)

    Zur Hektik noch. Das kann natürlich durchaus möglich sein, daß das ständig raus und rein Justy an die Nerven geht. Normalerweise kann man sich dabei auch nicht wirklich auf das Spielen konzentrieren. Wenn er dazu noch mitbekommt, daß Du ebenfalls gestresst bist, dann hat er natürlich ganz schnell spitz, wie er Dich auf 180 bringen kann.l
    .

    LG Silly
     
  3. Röschen

    Röschen Gehört zum Inventar

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    Hallo Sandy,

    Trotzphase würde ich auch sagen, aber ich könnte mir vorstellen, dass sie auch durch die räumliche Situation mitbedingt wird.

    Sein Papa ist da und doch nicht da. Vielleicht kommt er damit nicht klar?

    Ansonsten das machen, was Silly schon vorgeschlagen hat - besonders das mit dem Weitwurf gefällt mir, das ist auch schon ein großer Schritt in Richtung sich auf das Kind einlassen!

    Liebe Grüße

    Rosi
     
  4. nici

    nici keiner Titel

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    *dazwischendrängel*

    Silly, Röschen,
    meint ihr das Ernst mit dem Legosteineweitwurf? 8O
    Bei uns wird derzeit auch alles durch die Gegend geknallt und so lange malträtiert bis es kaputt ist. Aber wenn ich die Dinge mit ihm weitwerfe, fürchte ich geht weit mehr zu Bruch als nur Spielzeug und ich seh die Dinger schon ständig durch die Wohnung fliegen ... :nix:
    Ich glaube nicht, daß ich es schaffen würde, Luca klar zu machen, daß man manchmal weit werfen darf und meistens aber nicht... :???:

    Sandy,
    ich kenn das auch grad und ich weiß eben auch nicht wirklich wie ich dem begegnen soll... ich schiebe es auf den Kita-Beginn im Februar...

    Grüßle
    Nici
     
  5. Lass dich mal :tröst:, diese Phase geht vorbei!! Ich würde sagen, Silly hat dir schon alle wichtigsten Tipps gegeben. Vor allen Dingen immer ruhig bleiben!! Fällt manchmal schwer, kenn ich auch, und wenn du mal meinst, es geht nicht, dann geh für kurze Zeit aus dem Raum und versuch dich erst mal zu beruhigen. Es hat sicher auch etwas mit der Hektik bei euch zu tun, die du schon beschrieben hast. Und wahrscheinlich fühlt er sich wirklich nicht genug beachtet.
     
  6. Hallo Sandy!

    Ich glaube du hast es richtig erkannt. Ein echter Beweis dafür, dass du erziehungstechnisch ganz sicher nicht versagst :prima: . Justy kann bestimmt schlecht damit umgehen, dass Papa zwar zuhause ist, aber nicht mit ihm spielen kann, weil er arbeiten muss. Und dann noch dein Stress und die allgemeine Hektik im Haus. Marlene macht es auch immer total sauer, wenn Toni nach einem langen Tag in der Arbeit und auf der Baustelle nachhause kommt und erstmal selbst ein bischen entspannen muss, bevor er mit ihr Spielen kann. Bei uns fliegen zwar dann keine Sachen rum, aber Mama und Papa werden gehauen. Weil Marlene genau weiß, dass uns das am ehesten auf die "Palme bringt". Justy hat entdeckt, dass es euch ärgert, wenn er mit Sachen wirft... und ihm das eure Aufmerksamkeit einbringt.

    Die Kleinen sind dann eben total frustriert, wenn Mama und/oder Papa keine Zeit haben, um sich mit ihnen zu beschäftigen und wissen nicht wie sie damit umgehen sollen. Ich denke es ist der letzte Hilferuf, absichtlich Mama und Papa zu ärgern, denn dann ist ihnen Aufmerksamkeit sicher.

    Versuch es mal mit einer großen Portion Verständnis und mit Erklärungen, warum Papa keine Zeit für ihn hat. Vielleicht kannst du dich, wenn er wieder mit Sachen schmeist, mit ihm beschäftigen, bis sich sein Frust wieder gelegt hat. Du kannst ihm auch zeigen, wie er seinen Ärger rauslassen kann, ohne etwas kaputt zu machen oder anderen weh zu tun. Er kann mit Kissen werfen oder auf die Couch hauen...
    Lass dich nicht von seiner Wut anstecken, sonst habt ihr bald einen Machtkampf, aus dem man nur schwer wieder rauskommt.

    Natürlich musst du ihm auch konsequent klar machen, das man mit Spielzeug usw. nicht umsichschmeißen darf. Vielleicht kannst du ihm einen Softball zum Werfen anbieten und ihm erklären, dass der nichts kaputt macht, weil er weich ist. Schmeisst er dennoch weiterhin mit Spielsachen und Zerbrechlichen, dann würd ich es auch als Konsequenz wegraumen, wie Silly schon geschrieben hat. Damit bekämpfst du aber nur die "Symptome" seines Ärgers und nicht die "Ursache". Und es kann sein, dass sein Frust dadurch noch größer wird, wenn es wirklich daran liegt, dass ihr zur Zeit zuwenig auf ihn eingehen könnt.
    Will Justy allerdings nur seine/eure Grenzen austesten, liegst du mit konsequentem Handeln richtig. Worin die Ursache für seine Aggressionen liegt (Grenzen austesten oder zuwenig Aufmerksamkeit), kannst aber nur du als Mama herausfinden.
    Ich hoffe das war nicht zu wirr geschrieben.

    Marlene hat übrigens auch immer so "Phasen" in denen sie total unkooperativ erscheint und sich sehr schwer an unsere Regeln hält. Meist hängt das auch damit zusammen, das wir weniger Zeit für sie haben als sonst. Mit viel guten Nerven, Ruhe und Aufmerksamkeit, klappt es aber nach einigen Tagen wieder und alles ist wie vorher.

    ich wünsche dir viel Kraft und Ruhe,

    lg, Johanna
     
  7. Röschen

    Röschen Gehört zum Inventar

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    Hallo Nici,

    müssen ja nicht unbedingt Legosteine sein, könnten auch weiche Bälle oder kleine Styroporkugeln sein.

    Aber da haben die Kinder dann eine definierte Möglichkeit, mit Dingen zu schmeißen und können sich so austoben.

    Vielleicht geht ihr ja auch lieber raus, dort kann man wunderschön mit allem Möglichen schmeißen - aber eben immer nur definiert in eine Richtung und auch nur zu einer bestimmten Zeit, nicht immer.

    Ich habe schon festgestellt, dass Kinder dann viel entspannter sind, wenn sie geregelt Dinge tun können, die sonst die Eltern auf die Palme bringen würden.

    Liebe Grüße

    Rosi
     
  8. vielleicht noch ein tipp zum büro. mein mann hat auch sein büro im haus. aber wir trennen das wirklich peinlich genau. wenn er arbeitet ist er im büro. und kommt vor mittags auch nicht raus. wenn die kinder es gelernt haben geht es natürlich, aber bis dahin soll er sich getränke oder so mitnehmen und drin bleiben. wir haben anfangs auch abgeschlossen. und die kinder haben im büro nix zu suchen. wenn ich mal was gearbeitet hab, hab ich es genauso gehalten. tür zu und fertig. das ist auf dauer einfacher und klarer für alle.
    ansonsten find ich hilft es auch immer, eine zeitlang sehr schnell zu reagieren. also nicht bei ersten werfen nein sagen, dann nochmal nein, dann genervter und so weiter. sondern wirklich gleich zu ihm gehen, das corpus delicti wegnehmen und versuchen etwas mit ihm gemeinsam zu machen. ist zwar anstrengender, schon aber auf dauer die nerven aller beteiligten am besten.

    liebe grüße
    susanne
     

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