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Dieses Thema im Forum "Gedichte & Gedanken" wurde erstellt von conny87, 7. März 2004.

  1. conny87

    conny87 Dauerschnullerer

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    kloster lehnin
    Einst
    Und wenn ich selber längst gestorben bin,
    Wird meine Erde wieder blühend stehen,
    Und Saat und Sichel, Schnee und Sommerpracht
    Und weißer Tag und blaue Mitternacht
    Wird über die geliebte Scholle gehen.
    Und werden Tage ganz wie heute sein:

    Die Gärten voll vom Dufte der Syringen,
    Und weiße Wolken, die im Blauen ziehn,
    Und junger Felder seidnes Ährengrün,
    Und drüberhin ein endlos Lerchensingen!
    Und werden Kinder lachen vor dem Tor
    Und an den Hecken grüne Zweige brechen,
    Und werden Mädchen wandern Arm in Arm

    Und durch den Sommerabend still und warm
    Mit leisen Lippen von der Liebe sprechen!
    Und wird wie heut der junge Erdentag
    Von keinem Gestern wissen mehr noch sagen,
    Und wird wie heut doch jeder Sommerwind
    Aus tausend Tagen, die vergessen sind,
    Geheime Süße auf den Flügeln tragen!

    Lulu von Strauß und Torney



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    Die zwei Parallelen

    Es gingen zwei Parallelen ins Endlose hinaus,
    zwei kerzengerade Seelen und aus solidem Haus.
    Sie wollten sich nicht schneiden bis an ihr seliges Grab:
    Das war nun einmal der beiden geheimer Stolz und Stab.
    Doch als sie zehn Lichtjahre gewandert neben sich hin,

    Da wards dem einsamen Paare nicht irdisch mehr zu Sinn.
    Warn sie noch Parallelen? Sie wußtens selber nicht, -
    sie flossen nur wie zwei Seelen zusammen durch ewiges Licht.
    Das ewige Licht durchdrang sie, da wurden sie eins in ihm;
    die Ewigkeit verschlang sie als wie zwei Seraphim.

    Christian Morgenstern


    conny
     

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